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Tagesarchiv für 26. Februar 2010

Die Boni bremsen? Unmöglich

Freitag, den 26. Februar 2010 um 15:56

Wer Boni bremsen will, musst zuerst einmal wissen, wie dies bisher gelaufen ist. Üblicherweise bekommen die führenden ca. 60 Topmanager einer Grossbank einen Drittel der Boni, das Management ein weiteres Drittel und den Rest die Zehntausende von Bankmitarbeitern. Alleine schon aus dieser Aufteilung geht hervor, dass die Spitze der Pyramide aufgrund ihrer Führungsleistung den grössten Anteil beansprucht. Warum sprechen die Bankmanager nicht gerne über diese Zusammenhänge? Peter Wuffli, ex CEO des UBS-Konzerns, hat zu seinem Rücktritt, wie dies heute global üblich ist, eine sehr hohe Abfindung erhalten, und gleichzeitig eine Schweigeverpflichtung unterschrieben. Offensichtlich hat Oswald Grübel damit dem Versuch gemacht, einen “Schuldigen” für eine inhärente Affäre indirekt zu bezeichnen, ohne einen Schuldverdacht zu bestätigen. Dieser Balanceakt auf höchstem Niveau ist bisher geglückt. Es handelt sich in solchen Fällen um Schweigegeld.

Gandhi und H. R. Merz, ein Vergleich

Freitag, den 26. Februar 2010 um 11:30

Unsere westliche Wertegesellschaft wird zurecht infrage gestellt. Soeben hat man in Indien Kugelschreiber mit dem Bild von Mahatma Gandhi verboten, weil die Luxusobjekte nicht vertretbar seien mit der Bescheidenheit, welche “der grosse Geist” in seinem Leben vertreten habe. Wir könnten sagen: an diesem Entscheid ist eine an Werten orientierte Gesellschaft erkennbar.
Wie Bundesrat Hans-Rudolf Merz in den letzten Wochen, vor allem aber auch in der Basler Fasnacht, dargestellt wurde, als Weichei in den Armen Quaddafis, verrät einen Verlust an Werten, der viel aussagt über den Zustand unseres Landes. Man mag, wie der Verfasser dieser Zeilen, an Hansruedi Merz viel auszusetzen haben, aber Respekt hat er immer noch verdient. Wie sich zeigt, sind derlei Werte in unserer Gesellschaft zusammen gebrochen.
Dem lässt sich entgegenstellen, dass Merz wie Calmy-Rey aufgrund kasperhaften Verhaltens, literarischer Ergüsse und demonstrativer Komik eine solche Kritik verdient haben. Hieran zeigt sich die Verantwortung unserer Magistraten. Wer sich als Politiker zum Objekt macht, aus dem wird leicht ein “Sujet”.

Griechen, keine Helden mehr.

Freitag, den 26. Februar 2010 um 10:26

Die 11 Mio. Griechen mit ihren Euro 350 Mia. Schulden sind wirklich keine Glanzleistung Europas. Sie sind stolz auf ihre Vergangenheit, aber was sonst? Heute feiern wir das 2500ste Jubiläum der Schlacht von Marathon, als Miltiades die Perser schlug. Neben 10 000 Athenern kämpften viele Sklaven, denen nach dem Kampf die Freilassung versprochen war, ganz wie die heutigen Amerikaner, die im Irak Lateinamerikaner einsetzten, ihnen bei Überleben den US-Pass versprechend. Miltiades starb im Gefängnis, des Verrats angeklagt. Auf die Griechen war nie Verlass, das sollten sich die EU-Europäer merken.
Es ist allerdings möglich, dass die US-Hedge Funds einen Angriff auf Griechenland, als schwächsten Teil der EU, gestartet haben. Diese “vulture funds” kennen nur eines: Business. Sie heissen Balestra Capital, Glenview Capital und Corriente Advisors. Ihre Zahl vermehrt sich schnell.

Der Samurai der Zürcher Goldküste

Freitag, den 26. Februar 2010 um 9:59

Theobald Müller, der an der Zürcher Goldküste wohnt, als “Milch Müller” bekannt ist oder als “Alles Müller, oder was?” fällt nicht auf, wenn er in der Stuhlreihe hinter dir sitzt. Meist zieht er Reihe 8-10 vor, um ja nicht aufzufallen. Theo Müller ist gleich 70, wirkt aber konzentriert wie ein Samurai, gerne leicht lächelnd, immer konzentriert. Ob er nun mit Heiner Kamps an die Börse geht oder Heiner Kamps mit ihn, das ist eines der grossen Fragezeichen an den Börsenplätzen. Beide haben ein grosses Ego, keiner war je Nr. 2. Dies alles spielt sich via Schweiz ab, weil wir ein idealer Standort für komplexe und stille Geschäfte sind.

Woran erkenne ich Konservative?

Freitag, den 26. Februar 2010 um 9:45

Weltoffenheit und Toleranz darf man bei konservativen Menschen nur selten erwarten; Allenbach sagt, bei jedem sechsten. Umweltschutz und Sozialstaat sind auch keine konservativen Anliegen, jedoch Recht und Ordnung. Disziplin und Pünktlichkeit wird von dieser Seite gerne verlangt, aber zwei Drittel würden sich nie für die Erhaltung der Freiheit einsetzen. Nur jeder dritte Konservative ist ein überzeugter Demokrat. Merke: Der Unterschied zwischen perfekten Realisten und perfekten Egoisten kann sehr gering sein. Konservativ zu sein, hat auch mit Wohlstand, aber nicht nur, zu tun. Wer meint, er müsse sein Weniges verteidigen, wird automatisch konservativ. Wir sind voll auf diesem Weg, denn auch die SP-Mitglieder sind reich geworden, weil sie in Verwaltungen und Hochschulen gut verdienen. Die Grünen und Grünliberalen sind grundsätzlich konservativ. Die Zahl der Toleranten und Weltoffenen dürfte zehn Prozent der Bevölkerung nicht wesentlich übersteigen. Ein Zeichen der zunehmenden Überalterung unserer Gesellschaft.

Willkommen, Generation Global

Freitag, den 26. Februar 2010 um 8:51

Nach der “Generation Golf” hat die “Generation Global” das Kommando übernommen. Als Schweizer oder Europäer kann man nur den Kopf einziehen vor allen diesen Talenten, die unsere westeuropäische Halbinsel überschwemmen. Die besten Mathematiker kommen aus Indien, die besten Klavierspieler aus China, gegen amerikanische Manager ist in der Schweiz kein Kraut gewachsen, es sei denn durch Österreicher oder Holländer, vielleicht auch Deutsche. Die “Generation Global” wächst in den Schulen für Ausländer auf, welche der Schweizer Mittelstand teilfinanziert, um dann sofort nach Oxford oder Stanford recycliert zu werden; der Umweg über Schweizer Universitäten gilt bereits als B-Version. Wo Japaner auftauchen, hat der Normalo-Westeuropäer ohnehin kaum eine Chance, denn diese bewegen sich ohnehin nur in ihren eigenen Kreisen und singen nach den Essen noch in grausam hohen Tönen Lieder, die wohl nur von unseren Katzen verstanden werden. “Generation Global” ist durch den McKinsey-Stil glattpoliert, hat bereits mit 35 die ersten Stufen auf den Ranglisten des WEF erklettert und weiss genau, wie man mit einer Privatmaschine über die USA fliegt, ohne der NSA aufzufallen. Die Schweiz ist mehr denn je einer der Lieblings-Aufenthaltsorte dieser Generation, zumal Dubai und Abu Dhabi die in sie gesetzten Erwartungen kaum zu erfüllen vermögen und Singapur zu weit weg ist von allen, die nicht bereits Mandarin zu sprechen gelernt haben. Dann lieber Südafrika, wo es noch echte Löwen gibt. Aber Päffikon/SZ, Zug, St. Moritz, Verbier, Zermatt, Gstaad und Cologny halten als Standorte gut mit, weshalb die Schweiz – nicht zuletzt wegen der vorteilhaften Vorzugssteuern für durchreisende Globalisten – einer ihrer bevorzugtesten Aufenthaltsorte bleiben wird.

 
     
     
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