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Monatsarchiv für Dezember 2009

Leben auf dem Galgenhügel, lärmgeschützt von Demenzkranken

Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 10:58

Die Berner Burger bauen in Schönberg Ost eine Edelsiedlung für bis zu 1000 Bewohner. Diese werden auf dem ehemaligen Galgenhügel der Berner wohnen, vor dem Verkehr den nahe gelegenen Autobahn soll sie ein Kompetenzzentrum für Demenzkranke schützen. Berns Stapi Alexander Tschäppät hat eines der CHF 5-Mio-Häuser, die dort für bis zu sechs Mieter gebaut werden sollen, persönlich in Auftrag gegeben. Er will, Gespenster, Demenz und Lärm nicht scheuend, auch selber einziehen.

Luxembourg hängt uns ab

Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 10:20

Die Schweiz hatte 2008 ein BIP pro Kopf von 141 gemessen am EU-Durchschnitt 100. Die Luxembourger haben uns weit abgehängt mit einem BIP von 276, aber die Liechtensteiner mit grosser Sicherheit auch. Wir sind ein fettes Schnäppchen für die EU-Europäer, denn Deutschland (116), Österreich (123) und Frankreich (108) liegen weit zurück. Norwegen machte 191 Punkte, weil das Öl dort zu Buche schlägt. Glücklicherweise hat das “Centrum für angewandte Wirtschaftsforschung” in Münster festgestellt, Umverteilung mache die Menschen nicht glücklicher. Die Menschen würden nicht glücklicher, wenn sie reicher werden. Genau dies habe ich schon lange festgestellt, denke ich an meine Milliardäre und Millionäre, die ich erleben durfte.

Ausländer in den Bundesrat?

Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 8:10

Es ist ganz logisch, wie Prof. François Schaller beim Bratwurst-Essen der St. Galler Bank Wegelin & Co. in Lausanne ausführte. Wenn Ausländer die Schweizer Konzerne führen, als Ärzte für die Gesundheit des Volkes gerade stehen, an den Universitäten um die Bildung der Jugend des Landes besorgt sind, dann sollten sie auch in den Bundesrat einrücken dürfen. Damit hätten wir die Personalkrise der Landesregierung im Griff, welche das zu Ende gehende Jahr zu Tage gebracht hat. Von einem Deutschen regiert zu werden, wie er soeben in St. Moritz von tobenden Einheimischen zusammen geschlagen wurde, ist ein origineller Gedanke. Ein Österreicher im Bundesrat wäre das definitive Ende der Österreicher-Witze, könnte aber Witze über uns Schweizer auslösen. Ein Liechtensteiner Chefdiplomat würde im Auftrag des Vaduzer Fürstenhauses sicher gerne die Schweiz in die oberrheinische Aussenpolitik integrieren, nicht weniger Silvio Berlusconi, der eine sichere Schweizer Filiale dringend benötigt. Le Pen ist leider schon zu alt, sonst könnte er im Bundesrat mit Dr. Christoph Blocher kooperieren. Die welschen Professoren sind wirklich anregend, weil sie die Gedankenbälle weiter werfen als wir Deutschschweizer.

Neue Begriffe für alte Realitäten

Montag, den 28. Dezember 2009 um 16:02

Von einem “Truppenaufwuchs in Afghanistan” spricht NATO-Generalsekretär Rasmussen, wenn er von seiner Zusage spricht, den USA weitere 7000 Soldaten zur Seiten zu stellen. Wie er diesen “Aufwuchs” erreichen will, durch das Begiessen der dortigen Offiziere und Mannschaften oder künstliche Zuchtanlagen in Tora Bora, will er uns nicht mitteilen. Er wollte sicher vom “Ausbau der Truppen” sprechen, aber das ist politisch gefährlich, zumal “Angie” Merkel noch schweigt. Ohnehin ist es in Deutschland verboten, von einem “Krieg” in Afghanistan zu sprechen. von Guttenberg spricht zwar von kriegsähnlichen Zuständen, aber Aussenminister “Goldzunge” Guido Westerwelle meint, er wolle dieses Wort nicht in den Mund nehmen. In den USA sei alles “war”, ob in Afghanistan oder gegen die Klimaerwärmung.

Der welsche Staatsfatalismus

Montag, den 28. Dezember 2009 um 11:05

In den Westschweizer Kantonen fällt auf, dass deren Bewohner mehr als diejenigen der Deutschen Schweiz auf den Staat setzen, der alles lösen werde. Dort sind die Krankenversicherungen teurer, weil sie mehr in Anspruch genommen werden, dort ist man länger krank, dort ist man öfter arbeitslos. Meines Erachtens ist es eine Mentalität der relativen Armut, die den Ruf nach dem Staat fördert. Wer wenig Spielraum hat, wirft sich ihm die Arme. Ganz anders in der Deutschen Schweiz, wo eigene Leistung mehr zählt als staatliche Zuwendung. Wenn jetzt in den Kantonen der Deutschen Schweiz die Menschen nach mehr Staat rufen, ist dies ein schlechtes Zeichen, denn auch sie leiden unter dem sozialen Rückschritt, der die Folge der Wirtschaftskrise ist. Wie es aussieht, müssen Gemeinden und Kantone im ganzen Land künftig energisch um ihre Budgetqualität kämpfen. Der Ruf nach “Vater und Mutter Staat” ist die einfachste Ausrede für private Hilflosigkeit.

Club of Rome gesucht

Montag, den 28. Dezember 2009 um 9:07

Er soll in Winterthur in der Nähe des Bahnhofs hausen, der Club of Rome. Tatsächlich ist er seit langer Zeit nicht mehr zu vernehmen, was nur Eberhard von Koerber zu erklären vermag. Sein alter Kollege Dennis Meadows, der nichts mehr mit ihm zu tun haben will, ist weiterhin munter unterwegs. Er meint, bis zum Jahr 2050 wäre die Weltwirtschaft so gross, dass die Erde daran zugrunde ginge. Ganz falsch dürfte er nicht liegen, denn eine Milliarde Menschen hungert bereits offiziell. Die Armut in Kärnten, dem deutschen Ruhrgebiet, in grossen Teilen Spaniens und Griechenlands ist schrecklich. Wir leben noch recht komfortabel auf der Spitze dieses Misthaufens einer langsam verfaulenden Menschheit und suchen unsere Renten zu sichern. Jetzt dazu eine Studie zu machen, könnte die Defätisten nur begünstigen.

Wir Zusammensteher

Donnerstag, den 24. Dezember 2009 um 10:54

Auch Hansueli Loosli, GL-Vorsitzender von Coop, gehört zur Gruppe der schweizerischen “Zusammensteher”. Er wünscht sich in “xecutives.net” von Christian Dueblin, der seit Jahren bessere Interviews macht als sie in unseren Glanzpostillen anzutreffen sind: “Als Bürger dieses Landes, dass wir wieder vermehrt zusammen stehen, gemeinsam Probleme angehen und anstehende Herausforderungen gemeinsam bewältigen.” Offensichtlich ist man im ganzen Land der Meinung, dies sei zu wenig der Fall. Looslis Kampf gegen individuellen oder Partei-Egoismus ist einer jener Appelle, der sich besser aussprechen als verwirklichen lässt. Die Schnittmenge zwischen den gesellschaftlichen Gruppen der Schweiz hat im zu Ende gehenden Jahr deutlich abgenommen. Was Coop für das Land tut, ziehen wir das Kerngeschäft einmal nicht in Betracht, weiss eigentlich niemand, ich auf keinen Fall.

Gourmet-Tipp in Davos

Donnerstag, den 24. Dezember 2009 um 9:38

Davos, bekannt als grosse Alpenbetonstadt für Zürcher, mit riesiger Auswahl an Aktivitäten, hat etwas ganz Besonderes zu bieten. Unter den Geheimtipps, gehört das Restaurant Spina in Davos-Glaris zum grossen Geheimtipp. Versteckt, abseits am Skihang, befindet sich die kleine unscheinbare Gaststätte. In zwei Räumen sind ein paar Holztische aufgestellt, die Einrichtung ist einfach aber heimelig und der Schwedenofen gibt das Restgefühl, zu Hause zu sein. Die Inhaberin ist jung und hat sich als wahre Spitzenköchin bewiesen. Es gibt ein 4-Gänge Menue zur Auswahl. Bescheiden ist sie ja die Auswahl, das Essen aber umso besser. Ich habe in den Alpen selten so gut gegessen und die Bedienung war einfach vom allerfeinsten. Bündner Freundlichkeit pur, guter Wein, exquisites Essen und lebendige Gespräche. So geht ein schöner Tag in den Alpen zu Ende. Dieses Restaurant kann ich jedem nur herzlichst empfehlen.

Fidel Stöhlker

“Joe” Ackermanns Bank kommt nicht hoch

Donnerstag, den 24. Dezember 2009 um 9:24

Die Aktien der Deutschen Bank habe ich längst verkauft. Sie waren langweilig und sind es geblieben. Ganz im Gegenteil zu den Auftritten und Äusserungen ihre CEO “Joe” Ackermann, der laufend tut, als habe er das neue Banking persönlich erfunden. Seit über einem Jahr stagniert der Kurs der Deutsche Bank mehr oder weniger, einmal aufwärts, dann wieder abwärts. Wir glauben “Joe” nicht, so gut er uns seine Leistungen auch verkaufen mag. Sein Institut ist weiterhin weniger wert als das von UBS, Credit Suisse und Barclays. Von BNP Paribas und Banco Santander gar nicht zu sprechen.

Bertolt Brecht lesen

Donnerstag, den 24. Dezember 2009 um 8:48

Wieder einmal wurde Bertolt Brecht bestätigt, der fragte, was das grössere Verbrechen sei, eine Bank zu berauben oder eine Bank zu gründen. Man kann ein Volk und ganze Völker ruinieren und sich weiterhin seines Vermögens erfreuen. Als Kleintäter kommt man, schon aus erzieherischen Gründen, vor Gericht und wird verurteilt. Gerade ein Volk mit ungewöhnlich ausgebauten demokratischen Rechten, wie das der Schweizer, kommt sich betrogen vor, wenn eine sehr kleine Elite sich gegenseitig bestätigt und Schuldlosigkeit zuspricht. Der Glaube an den Staat, an die Justiz und an die Ehrlichkeit seiner Eliten kommt ins Wanken. Für die Zukunft bedeutet dies noch mehr Gier, noch mehr Drang zur Bereicherung, noch zynischere Eliten. Wir können deshalb davon ausgehen, dass 2010 mit noch härteren Bandagen gekämpft werden wird: Jeder für sich. Es gibt, auch in der Politik, keine Vorbilder mehr, die dem Volk ein gutes Beispiel geben. FDP und CVP haben nicht den geringsten politischen Spielraum, um “gegen Dummheit und Augen zu” (Prof. Peter V. Kunz, Uni Bern) vorzugehen; SVP-Stratege und Milliardär Dr. Christoph Blocher könnte es sich leisten, einen Musterprozess zu führen, hat aber sichtlich kein Interesse. Unter Anleitung von Bundesrat Hans-Ruedi Merz und unterstützt von einer in dieser Angelegenheit den Sachzwängen unterliegenden Nationalbank wurde das Schweizer Volk zu einer Maximalzahlung von CHF 45 Mia. zwangsverpflichtet – kein schlechter Griff in die Kasse unserer Privathaushalte. Auf eines frohes Fest, classe politique, économique et juridique. Unsere beiden Grossbanken haben auf der Basis staatlicher Absicherung mindestens in den USA Untaten begangen, weshalb auch das zweite Haus jetzt zu einer Zahlung von über einer halben Milliarde Franken bereit ist. Wer den Ruf der Schweiz jetzt mit einigen Millionen Franken im Ausland wieder herstellen will, gibt sich einer grossen Täuschung hin. Wir sind zu einem zweiten Liechtenstein geworden, während sich die Liechtensteiner unter ihrem neuen Regierungschef Klaus Tschütscher bereits wieder erholen. Die Schweiz liegt ihm Zyklus der Erneuerung deutlich zurück.

 
     
     
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