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Weblog
Monatsarchiv für November 2009
Freitag, den 27. November 2009 um 9:41
Seit fast vierzig Jahren am Zürisee wohnend, gehe ich an dessen Ufern wenig spazieren; vielleicht am Obersee, am Lake Superior, wie ihn die Seeufer-Anwohner nennen, manchmal am Ausfluss der Limmat, aber dort ist an schönen Wochenenden derart viel Volk unterwegs, dass die klassische Seelandschaft nicht mehr zur Geltung kommt. Die Halbinsel Au, vor Wädenswil gelegen, ist ein schöner Ort, aber wirklich wandern kann man auch dort nicht.
Der Kampf um die Zugänglichkeit des Seeufers tobt seit über 20 Jahren. Die FDP verteidigt die in den Liegenschaften am See wohnenden “oft sehr guten Steuerzahler”, die nicht das geringste Interesse daran haben, sich auf ihren Liegewiesen besichtigen zu lassen. Die SP kämpft für mehr Zugang fürs Volk, scheitert aber an der bürgerlichen Mehrheit, die weder Ossis noch Jugos noch anderes Volk ans Wasser lassen will, es sei denn in öffentlichen Reservaten, wo man im besten Fall auf einer Bank sitzen kann. FDP-Präsident Beat Walti will die Konzessionäre der am See gelegenen Aufschüttungszonen vor dem Druck des Schweizer Volkes schützen und macht damit den Konflikt deutlich, dass seine Partei, die sich einmal Volkspartei nannte, nur Interessen dient. Am 23. und 24. November wird der Zürcher Kantonsrat die Revision des Richtplans Landschaft diskutieren. Wenn die Vertreter der beiden bürgerlichen Volksparteien hart bleiben, wird dann auch der letzte Abschnitt gekippt, der die Volksrechte auf Seezugang zu wahren sucht.
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Freitag, den 27. November 2009 um 8:40
Merkwürdig, geizige Milliardäre kenne ich jetzt schon einige. Sie sprechen gerne über viel (nicht alles), aber nie über ihr Geld. Ingvar Kamprad, der oberhalb Lausannes lebende schwedische Wahlschweizer, der steuergünstig in seiner Seegemeinde lebt, die aber von ihm noch nie einen Rappen erhielt, wie der Gemeindepräsident jüngst sagte, wurde jetzt von einem ehemaligen Mitarbeiter in einem Buch enttarnt. Er sei weder ein Tölpel noch spreche er schlecht Englisch. Johan Stenebo, der sich mit der Familie Kamprad verkrachte, schildert ihn als eisenharten Kapitalisten, der auf nichts und niemand Rücksicht nehme. Nun bin ich neugierig, wie Pierre de Weck (“Gibt es einen anderen Kapitalismus?”) diesen Luxusschweizer bekehren möchte. Kamprad wird so wenig zu bekehren sein wie Ernesto Bertarelli oder Andy Rihs. Wer viel Geld hat, braucht grosse Spielzeuge; manchmal gehören Intellektuelle einfach dazu.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 26. November 2009 um 9:58
Ilma Rakusa, ungaro-slowakische Schweizerin, hat den Schweizer Buchpreis und CHF 50 000.– erhalten. Die elegante, gut vernetzte und sehr gut formulierende wie auftretende Autorin berichtet in “Mehr Meer” über ihre flüchtigen Bewegungen durch Grenzlandschaften, auch seelische. Sie nennt ihr Tun, das eine poetische Verzauberung auslöst, “eine einsame Tätigkeit”, ganz wie der Walliser Schriftsteller Pierre Imhasly, 70, im Gespräch mit Luzius Theler, der es nicht einmal auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises geschafft hat. Der geniale Oberwalliser “Rhône Saga”, “Maithuna – Matterhorn” verbirgt sich, ist kaum zugänglich. Mehr im wirtschaftlich-politischen Tagesgeschäft bewegt sich Roger de Weck mit “Nach der Krise – Gibt es einen anderen Kapitalismus?”, wo er die nach seiner Ansicht “überforderten Ökonomen und erst recht Nicht-Ökonomen” mit seinen “bescheidenen Mitteln illusionslos, aber zuversichtlich” davon überzeugen will, dass man den Kapitalismus vor den Kapitalisten retten muss. Rakusa predigt das Innere und sucht die Weite, Imhasly ist längst in der globalen Weite angekommen, de Weck klammert sich an seinen Mast liberaler Ideale, in der Hoffnung, jemand möge seine Winkzeichen sehen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 26. November 2009 um 8:31
58 % aller Kapitalgewinne im Jahr 2007 in den USA entfielen auf Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über einer Million USD. Diese Zahl stammt vom IRS, dessen Berichte zu lesen immer eine Lust ist. In der Schweiz haben sich viele Menschen von der Börse zurück gezogen, weil sie ganz einfach die Risiken nicht tragen können, die mit einem Börsenauftrag verbunden sind. Wer im Jahr CHF 30 000.– spart, kann diesen Betrag unmöglich aufs Spiel setzen. Andere Engagements sind meist wenig rentabel, werden Spesen, Steuern und Inflation in Rechnung gestellt.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 26. November 2009 um 8:31
Auf dem Berner Kornhausplatz steht ein hübscher Brunnen, der einen Mann mit spitzem Hut zeigt. Der “Kindlifresser-Brunnen” hat ein Motiv, das, wie sein Name sagt, sehr abstossend ist. Es wird heute so erklärt, dass der Brunnen an einem Ort steht, wo früher Mönche es mit Nonnen trieben; zur Erinnerung an deren aussereheliche Kinder, die unselig untergingen oder verhungerten, sei der Brunnen aufgestellt worden. Welcher Unfug! Der Spitzhut ist, wie Vergleiche mit mittelalterlichen Zeichnungen zeigen, klar ein Hinweis auf die Einordnung des Trägers ins Judentum. Im offiziellen Bern will man daraus kein Thema machen, weshalb die Juden sich ebenso zurückhalten wie die Altberner, die nicht auf dieses urbernerische Motiv verzichten wollen. Das Haus der Religionen wird in Bern nach nur vier Jahren schon wieder abgerissen; für diese tolerante Begegnungsstätte wurde bisher in Bern kein neuer Raum gefunden. Das ist gelebte, unaufgeregte Koexistenz.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 26. November 2009 um 8:12
Fassen wir die Ergebnisse der neuen Lohnstrukturerhebung des Bundes zusammen: Bestverdiener, die in dieser Studie ausgeklammert wurden, diskriminieren Gut- und Normalverdiener, Männer diskriminieren Frauen, die 20 % weniger verdienen. Jetzt kommt die Überraschung: Ausländische Kader diskriminieren Schweizer Kader, weil Ausländer bei uns mehr verdienen als Schweizer. Diese Feststellungen haben nur einen Fehler. Überall dort, Diskriminierung vermutet wird, findet keine statt. Chefs verdienen mehr, weil sie oft mehr können, oft aber auch nur – gut darwinistisch – cleverer sind. Wer von seiner Familie früh gefördert wird, wie Daniel Vasella, hat einfach Glück gehabt, aber sicher niemand diskriminiert. Frauen können Karriere machen, wie Barbara Kux aus Küsnacht beweist, die im Vorstand des Siemens-Konzerns nicht sitzt, sondern herumrennt. Ausländische Kader in der Schweiz verdienen mehr, weil sie mehr können als Schweizer; diese Aussage mag politisch unkorrekt sein, ist aber fachlich sicher richtig. Nur Verlierer reden stets von Diskriminierung; Gewinner arbeiten und verdienen richtig gut.
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Mittwoch, den 25. November 2009 um 14:40
Während wachsende Teile der Schweizer Bevölkerung jetzt gegen die Schweinegrippe bereits geimpft werden, stehen in der Pharmahauptstadt der Schweiz, Basel, zu wenig Impfstoffe zur Verfügung. In Bern wurden die Patientenzahlen vom Bundesamt für Gesundheit falsch berechnet, sodass erst eine Intervention der Basler Gesundheitsdirektorin Besserung bringen soll. Wann allerdings die Basler Bevölkerung geimpft werden kann, steht immer noch in den Sternen. Novartis ist global einer der wichtigsten Lieferanten der notwendigen (oder vielleicht auch nicht notwendigen) Impfstoffe. Es ist die in der Schweiz völlig missglückte Behördenorganisation und BAG-Kommunikation, die mehr Unruhe als Nutzen stiftete. Alle vernünftigen Menschen, die ich kenne, lassen sich ohnehin nicht impfen, weil trotz Prof. Beda Stadler und anderer Propagandisten wie FDP-Ständerat Dr. Felix Gutzwiler ein sehr grosser Teil der Bevölkerung den Angaben der Behörden nicht mehr traut. Warum? Das Volk wurde zu früh alarmiert, dann blieben zu viele Qualitätsfragen offen, und schliesslich wurde das Impfmaterial falsch oder noch gar nicht zugeteilt. Wie lautet die dazu passende Formel? Schlimmer als gut ist gut gemeint.
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Mittwoch, den 25. November 2009 um 13:37
Wir Schweizer tun wieder einmal, als müssten wir die Welt retten. Dieses Dunant-Gen ist rettungslos in unserem Blut, da wir damit extern Ansehen erreichen, ohne intern viel tun zu müssen. Es geht um die Klimaerwärmung und die geplatzte Klimakonferenz. Offensichtlich ist sich auf Regierungsebene niemand einig, ob und wie die Erderwärmung abgebremst werden soll; die Hauptschuldigen sind ohnehin die USA und China. Die Schweiz ist gewissermassen ein Klima-Engel dank unserer Wasserenergie und der seit hundert Jahren wieder wachsenden Wälder. Die Nachricht, seit zehn Jahren sei es mit der Erderwärmung ohnehin nicht mehr so toll wie vermutet und in weiteren 11 000 Jahren müssten wir ohnehin mit einer neuen Eiszeit rechnen, lässt uns ruhiger werden. Die tiefen Gaspreise machen die erneuerbaren Energien weitgehend unrentabel. Wer jetzt noch Minergie-Häuser baut, tut dies ohnehin meist auf Steuerzahlers Kosten.
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Mittwoch, den 25. November 2009 um 11:00
Zur Überwindung der Einnahmeausfälle der Banken aufgrund des Drucks aus Italien wünschen sich die Tessiner “50-100 Pauschalbesteuerte, damit wir es schaffen”. Genau dies ist falsch. Zu viele Schweizer sehen sich als Rentiers, die vom Tourismus und der Schönheit des Landes leben, aber sonst nichts mehr tun wollen. Die kantonalen Sondersteuern stehen bereits unter Beschuss der erstarkenden EU. Zuletzt wird uns nichts anderes übrig bleiben als das zu tun, was unsere Grossväter noch taten: In die Hände zu spucken und zu arbeiten. Gerade im Umgang mit Erben beachtlicher Vermögen ist mir aufgefallen, dass diese geizig sind. Aber was ist der Grund? Diese Frauen wie Männer, zu eigener Leistung kaum noch fähig, haben Angst, ihr Erbe zu riskieren, weil sie sehr gut wissen, derlei nie mehr aus eigener Kraft erreichen zu können. Wer mit Energie und Intelligenz investiert, ist oft sehr grosszügig, weiss er doch, wie man unausweichliche Risiken verkraftet. Mit Leistung und anders als die Tessiner, wo sich offensichtlich etliche an das Schmarotzer-Dasein auf dem Rücken ausländischer Millionäre und Milliardäre gewöhnt haben.
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Mittwoch, den 25. November 2009 um 10:38
Ganz wie die englischen Prinzen Charles und Andrews, aber sehr viel glaubwürdiger, ist der 37jährige deutsche Kriegsminister Baron von Guttenberg als jüngster Nachfolger von Alexander dem Grossen in Afghanistan eingefahren. In die kugelsichere Weste gehüllt demonstriert der jüngste deutsche Siegfried, dass es nun ernst wird für die Afghanen. Derweil zeigt sich der oberste Kriegsherr, Barack Hussein Obama, ein Abkömmling freiburgisch-schweizer Handwerker, unbefriedigt ob der Optionen, die ihm am Hindukusch verbleiben. Das unverständige Volk will sich nicht befrieden lassen, will sein Weibsvolk unter dem Schleier halten und den Kindern lieber das Schiessen beibringen als das ABC. Ebenso wie die Regierung in Jerusalem sich von ihrem Sponsor aus Washington nichts sagen lässt, sondern sich vorzugsweise materieller wie sexueller Vielfalt hingibt, hat auch der in stolzes Grün gewandete Herrscher von Afghanistan die Falle erkannt, in welche sich der Westen manövriert hat, und schützt seinen Clan, der aufputschende Mittel in grosser Menge gen Westen exportiert, um dessen Vermögen zu mehren, während die an hohen steuerlichen Belastungen leidenden Amerikaner, mindestens jene des oft hungernden Volkes, den Untergang der US-Armee finanzieren. Baron von Guttenberg, dessen Ahnenreihe stolze Krieger aufweist, wird nun wie einst der englische Adel des “white man’s burden” tragen. Die Afghanen, des Krieges seit fast 2 500 Jahren gewohnt, machen mit sechs Kindern pro Familie nicht den Eindruck, als würden sie den westlichen Einkind-Familien den Sieg schenken.
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