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Monatsarchiv für November 2009

Bern auf dem letzten Zacken

Montag, den 30. November 2009 um 12:42

Unser Meisterdenker, mindestens aber Meisterlächler, Hans-Rudolf Merz gesteht im Ausland, das immer auch Inland ist: „Der Bundesrat läuft auf dem letzten Zacken.“ Der Globalisierung der Wirtschaft sei die Internationalisierung der Politik gefolgt. Wohin das führt, hat schon der erste Berner Bundesrat Ueli Ochsenbein gezeigt, der in Unehre aus Amt und Leben geschieden ist. Merz, der als Bundesrat weder gehen will noch, nach Pellis Weisung, gehen darf, ist also an den Felsen seines Amtes geschmiedet wie einst Prometheus, während ihm die Medien-Adler die Leber herauspicken. Ach, wäre es nur die Leber, aber sie wollen mehr. Merz, in tiefster Not und Einsicht, beruft sich auf seinen ständerätlichen Vorstoss aus dem vergangenen Jahrhundert, wonach wir angesichts solcher Misere einen Neuner-Bundesrat bräuchten, welcher der Geschäfte Herr werden könnte. Auf die Idee, untaugliche Bundesräte durch bessere auszuwechseln, indem man die Amtszeit begrenzt, will er partout nicht kommen.

Homepages: wenig Leser, geringe Glaubwürdigkeit

Montag, den 30. November 2009 um 11:55

Die Schweizer Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur haben ebenso wie die muslimischen darin versagt, dem Schweizer Volk die wirkliche Haltung der Muslime in der Schweiz zu erklären. Die Bekenntnisse der Muslime zur Schweizer Verfassung wurden zwar auf Homepages publiziert, aber sonst nicht zur Kenntnis genommen. Dies beweist wieder einmal: Die Kommunikationswirkung der Homepages wird masslos überschätzt. Jedermann macht es sich leicht und verweist auf die Homepage. Da deren Inhalt aber leicht zu manipulieren ist und einseitigen Stellungnahmen ohne vertieften Kommentar grossen Raum gibt, bleiben sie wenig glaubwürdig. Es liesse sich sagen: Wer nicht kommunizieren will, stellt seine Botschaft auf die Homepage. Echte Kommunikation, die wirken soll, hat ganz andere Dimensionen. Dies verlangt aber Einsatz und Können, was vielen Kommunikatoren trotz Hochschulausbildung abgeht. Die Abstimmung vom vergangenen Wochenende ist auch eine Niederlage der Homepages.

Der Alten-Terror ist da

Montag, den 30. November 2009 um 11:35

Kaum nach Zürich zurückgekehrt, stelle ich fest: Die über 70jährigen Alten, angeführt von Tina Turner, der die Zürisee-Luft offensichtlich bekommt, feiern hier tolle Feste, singen wie junge Rockstars und reissen den Mund auf wie 18jährige Table Dancers. Der längst pensionierte Oswald J. Grübel meint, er müsse die UBS retten und sucht die Flucht nach London, wenn sein VRP Kaspar Villiger ihm nicht zu Willen ist. Ein todkranker Zirkusdirektor lässt sich nochmals in die Arena rollen, um die Gratishonneurs einer nicht mehr ganz jugendlichen Zürcher Stadtpräsidentin entgegen zu nehmen. Silvio Berlusconi macht immer noch Ramba Zamba vor unserer südlichen Grenze und die Tessiner Altnudel Nella M. droht mit Exit à la Exit. Sind wir denn alle verrückt geworden? Wir brauchen mehr gesunde junge Menschen und weniger Hippie-Greise, die nicht alt werden wollen. Udo Jürgens, der vorläufig still ist, weiss, was ich meine.

Wo ist die Krise?

Montag, den 30. November 2009 um 10:56

Einige Erinnerungen:

– „Wir werden die Krise bis 2010 überstanden haben.“ Roland Berger am 9. Oktober 2008. Fragt sich, wer und wer nicht.
– „Keiner fragt, was mit den Managermillionen geschieht.“ Lord Dahrendorf am 10. Oktober 2008. Die Frage bleibt offen.
– „In zwei Jahren werden wir zur Normalität zurückkehren.“ Jagdish Bhagwati am 11. Oktober 2008
– „La chute d’America, Inc.“ Francio Fukuyama am 10. Oktober 2008
– „Le Capitalisme touche à sa fin.“ Immanuel Wallerstein, Yale, am 13. Oktober 2008
– „Num Roma sumus“. Maureen Dowd am 14. Oktober 2008
– „Das ist der Erdrutsch des Finanzsystems“ Tommaso Padoa-Schioppa am 13. Oktober 2008
– „Pleite der letzten Utopie“ Jens Jessen am 25. September 2008

De Castries nimmt den Mund voll

Montag, den 30. November 2009 um 10:17

Der französische Axa-Chef Henri de Castries, ein bestausgebildeter Jungstar mit Fortune, nimmt den Mund recht voll. Castries meint: „Daher sehen Sie keine französischen Firmen, die einen Markt attackieren und sich 18 Monate später zurückziehen, viele US-Firmen aber machen das.“ Sicher hat der heutige Chef auch der Axa-Winterthur überrsehen, dass seine Kollegen von Carrefour mit Bravour in die Schweiz eingezogen sind, dann aber rasch wieder ihre zu grossen Zentren verkauft haben, weil die Schweiz à la française kaum zu erobern ist. Der von ihm ebenfalls gelobte französische Weltmarktführer L’Oréal hat die Hilfe von Nestlé gebraucht und wäre ohne die stabilisierende Wirkung der Zentrale in Vevey sicher ganz woanders.

Merkel siegt mit freisinnigem Slogan

Montag, den 30. November 2009 um 8:25

Wie dumm die FDP Schweiz war, auf den Slogan „Mehr Freiheit und Verantwortung, weniger Staat“ zu verzichten, zeigte ihr zuerst einmal die SVP Schweiz, die sich dessen gerne bediente und gewann. Jetzt hat auch Angie Merkel mit „Freiheit in Verantwortung“ ihren zweiten Wahlsieg erzielt. Merke: Das Volk will Freiheit. Es will dem Staat geben, was er braucht. Es will aber auch weniger Staat, denn dieser macht sich unmässig breit, ohne dem Volk zu dienen. Die Staatsdiener sind heute de facto besser gestellt als jene, die sie via Steuern finanzieren.

Meinungsbefragung als Demokratie-Ersatz

Montag, den 30. November 2009 um 8:06

Jeden Tag werden wir mit Umfrage-Ergebnissen konfrontiert, die uns mitteilen, was die Mehr- oder Minderheit des Volkes denkt. Weil die Parteien und Politiker sich meist im Unklaren darüber befinden, was dieses Volk denkt, dem sie zu dienen haben, bedienen sie sich global der Meinungsbefragungs-Institute, die als Demokratie-Ersatz sehr beliebt sind. Nur Profis ist bekannt, dass die Umfrageergebnisse

a) davon abhängig sind, wie die Fragen formuliert werden (es gibt bestens bezahlte Künstler für die Formulierung von Fragen, die dann das gewünschte Ergebnis der Umfrage präjudizieren) und
b) vom Grad der Ungenauigkeit der Ergebnisse, wobei es offizielle und inoffizielle Abstufungen gibt, denen die Eigenschaft zugesprochen wird, Ungenauigkeiten von über 30 % zu beinhalten.

Kein Wunder, dass sich eine wachsende Zahl von Politikern von derlei Umfragen distanziert, vor allem dann, sollten diese gegen sie sprechen. Man verlässt sich gerne auf sein Bauchgefühl, seine eigene Erfahrung und liegt meist nicht einmal falsch. Und spart Millionen.

Müssen Topmanager Sportler sein?

Freitag, den 27. November 2009 um 10:02

Sepp Blatter, als FIFA-Präsident Herrscher über die grösste Sportorganisation der Welt, ist ein Sportmuffel. Dies sagt Fitnesstrainer Fritz Bebié, der die Zusammenarbeit mit Blatter als „schwierig“ bezeichnet. „Seine Motivation hielt sich in engen Grenzen“, verriet Bebié seinem Interviewer Mathias Morgenthaler. Was auf die Titel der Sportseiten müsste, versteckte „Der Bund“ als Nachricht in seinem Stellenmarkt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man als Topmanager wirklich Sportler sein muss. Die berühmte Antwort Sir Winston Churchills „Sport ist Mord“ kann angesichts unserer zahlreichen Manager-Sportler (Heinz Karrier, axpo; Carsten Schloter, swisscom; Christian Kauter, apg) nicht absolut gelten. Ich plädiere für „Fitness nach Mass“, damit eine schlechte körperliche Kondition nicht zum Hindernis für sonst exzellente Leistungen wird. Sepp Blatter ist, wie wir beobachten können, sehr fit und zudem erfolgreich. Ça suffit.

Kritik ist unmodisch

Freitag, den 27. November 2009 um 10:02

Weil ich mich zu wenig in der „Zürcher Szene“ bewege, habe ich von der Songwriterin Evelinn Trouble gelernt: „Es ist extrem unmodisch in der Zürcher Szene, kritisch zu sein.“ Die Texterin hat recht. Komme ich mit jüngeren Menschen zusammen, haben sie oft kaum eine Vorstellung davon, wie die Schweiz, Europa oder die Welt regiert wird. Ihre Lehrer beziehen ebenfalls keine Stellung mehr, weil dies gefährlich für Job und Karriere sein kann. Viele Eltern sind ebenso rat- wie hilflos, wenn es um Politik geht. Die Diskussionen an Radio und TV gehen unbeachtet an ihren vorüber; gefragt sind „20 Minuten“ und deutsche Privatsender, die attraktiv gemacht, aber ohne politischen Tiefgang sind. Kritik setzt den Unerfahrenen Risiken aus, die er in der heutigen unsicheren Wirtschaftslage nicht mehr wahrnehmen will. Dass damit demokratische Substanz verschwindet, ist den meisten gleichgültig. Die Prioritätenliste lautet: 1. Job, 2. Geld, 3. Freizeit.

Wie informiert sich der Bürger?

Freitag, den 27. November 2009 um 9:47

Eine Abendveranstaltung im Zürcher Oberland. Hundert Schweizer Bürgerinnen und Bürger, darunter ein Dutzend Politiker, sonst Kader und KMU-Vertreter, Lehrer und Hausfrauen, diskutieren die Lage der Schweiz. Wie informieren sie sich? Die „Neue Zürcher Zeitung“ lesen ein halbes Dutzend, den „Tagi“ ein gutes Drittel, die Lokalmedien fast alle, dazu „TeleZüri“ und „20 Minuten“. Die Jungen vor allem „20 Minuten“. Der Hunger nach tragfähigen Nachrichten und Kommentaren ist gross, aber nicht geringer sind der Zeitaufwand und die individuellen Kosten, um den Informationsstand zu steigern. Die Mehrheit der Anwesenden ist um die Schweiz besorgt, aber durchaus zufrieden. Der Untergang der FDP wird allseits beklagt, das Zerbrechen der Blocher’schen SVP bedrückt wahrgenommen.

 
     
     
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