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Tagesarchiv für 30. Oktober 2009

Zürich zieht allen davon

Freitag, den 30. Oktober 2009 um 10:36

Einverstanden, wir haben die Weltstädte London und Paris auf dem europäischen Kontinent. Für viele in Vergessenheit geraten sind die grösste europäische Stadt, Istanbul, oder die verrückteste, Moskau. Als charmant gelten aber jene, die 2-3 Mio. Einwohner haben: Amsterdam, Milano, Berlin, Brüssel und Lyon. Sie sind die eigentlichen Stars der europäischen Gegenwart, gefolgt von jenen Städten, die kleiner sind, wie Kopenhagen, Malmö, Stockholm oder Helsinki. Zürich 2-3 Mio. Einwohner? Das ist eine empfundene Grösse; nimmt man aber die Greater Zurich Area befinden wir uns ziemlich nahe an diesem Parameter, der für Europa gilt. Zürich gilt nicht als speziell kreativ; Seattle, Vancouver, Melbourne und Helsinki lassen sich diesen Rang nicht nehmen. Zürich zähl aber zu jenen 2000 Clusters in Europa, zu den 137 Eurocités in 34 Staaten, die mehr als 250000 Einwohner haben und eine Infrastruktur, welche dem entspricht. Die Lebensqualität ist am höchsten, der Imagewert mit Nr. 10 und 34 hoch.

Der Igel Schweiz ist nackt

Freitag, den 30. Oktober 2009 um 10:19

Wir hatten einmal einen Schweizer Igel, der seine Stacheln nach aussen richtete und alles abwehrte, was den Ansprüchen der Schweizer Elite nicht entsprach. Wir hatten einmal eine Schweizer Elite – “Unternehmer – Oberst – Nationalrat” -, welche des Land regierte, immer zum eigenen Vorteil, aber stets auch mit Blick auf die Mehrheit, die man gut leben liess. Wir hatten einmal Banken und Finanzkonzerne, Familienunternehmer und Schweizer Konzernchefs, die sich für Anliegen der Gemeinden und Kantone engagierten. Wir hatten einmal nationale Vereinigungen, wie économiesuisse und Schweiz. Bankiervereinigung, die der Wirtschaft dienten, aber auch der Schweiz. Heute ist der Schweizer Igel nackt, die Stacheln sind ihm gebrochen. Wie ein Gletscher, der unter neuen Bedingungen zerbricht, treiben die Eisschollen einstiger Schweizer Kultur über ein dunkles Wasser unbekannter Tiefe. Wir haben keinen Bundesrat mehr, der ausser der Wirtschaft andere Anliegen hat; es geht nur noch um Geld und Budgets. Moritz Leuenberger mag eine Ausnahme sein, aber er wirkt eher wie ein Mönch, der sich in den Vatikan verirrt hat. Micheline Calmy-Rey versucht die Schweizer Aussenpolitik darzustellen, aber unter allen Perücken scheint sich kein kräftiger Gedanke mehr zu entwickeln. Die National- und Ständeräte haben sich bis zu den nächsten Wahlen eingeigelt, betreiben Sachpolitik und eilen von Sitzung zu Sitzung, wo es nicht mehr um Perspektiven, sondern nur noch um Programme geht. Die Think Tanks, Thomas Held und Rudolf Strahm an der Spitze, dienen Interessen. Die grossen Spötter sind verschwunden, denn der Minotaurus atmet kaum mehr. Schade, die Schweiz wartet auf einen Napoléon wie einst Venedig. Wie es aussieht, kommt er aus Brüssel.

Wer negativ denkt, kommt weiter

Freitag, den 30. Oktober 2009 um 9:38

Mindestens Elvira Bieri bekennt sich zu dieser Aussage, die Leiterin von SGS Schweiz. Die klassische Balletttänzerin meint, die ISO-Zertifizierung sei kein Marketinginstrument mehr und es bestehe beim Kunden kein Zwang, sie einzuführen. Aus dieser negativen Sicht, die sie auch ihren Mitarbeitern gegenüber anwendet, leitet Bieri ab, wie man noch besser wird. Sie ist damit ein Gegenpol zu all den Motivatoren im Topmanagement, die mit Loben alleine erfolgreich sein wollen.

Unsere geliebte Chaos-Armee

Freitag, den 30. Oktober 2009 um 8:43

Nach dem Untergang der Swissair und dem Fast-Untergang der UBS, die vom Staat gerettet werden musste, steht nun auch die Schweizer Armee vor dem Bankrott. WK-Soldaten müssen ihre Lunches selber organisieren, andere Einheiten müssen mit Waffen im Postbus zur Übung einrücken, weil ihre Dienstautos kein Benzin mehr haben. VBS-Chef Ueli Maurer hat ein Investitionsdefizit der Armee von CHF 7 Milliarden entdeckt. “Neue Flugzeuge können wir uns auf Jahre hinaus nicht mehr leisten,” sagt er. Die teuren Immobilien der Armee (im Wert von heute CHF 20 Mia.) können kaum erhalten werden, da nur 0,5 % des BIP dafür zur Verfügung stehen anstelle 1,8 % im Jahr 1990. Die Schweizer Luftwaffe kann das Land im heutigen Zustand nur noch 14 Tage verteidigen; anschliessend würden die Flugzeuge vom Himmel fallen, weil sie gewartet werden müssen. Die Schweiz ist nicht mehr verteidigungsfähig. Namen von Schuldigen werden nur zögerlich genannt. Ueli Maurer sagt: “Der Übergang von der Armee 61 wurde schlecht gemanagt.” Gemeint sind damit seine Vorgänger Dölf Ogi und Samuel Schmid.

Hansjörg Walter, der Beruhiger

Freitag, den 30. Oktober 2009 um 8:36

Was ist die Aufgabe eines Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbandes? Die Bauern zu vertreten? Keineswegs. Hansjörg Walter, SVP, dient dazu, die Schweizer Bauern zu beruhigen, damit sie im Übergang zur globalen Marktwirtschaft keine Unruhe zeigen, z.Bsp. Stiefel werfen gegen unsere geliebte Doris Leuthard. Walter meint, bei den jurassischen Stiefwerfern handle es sich “um die Spitze des Eisbergs”. Recht hat er. Was machen wir mit denjenigen, die sich unter Wasser wenig wohl fühlen?

 
     
     
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