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Weblog
Monatsarchiv für September 2009
Montag, den 28. September 2009 um 8:15
Die Verhaftung von Roman Polanski wirft Fragen auf. Hat er sich zu sicher gefühlt? Oder hat er einfach schlechte oder gar keine Berater, die ihn auf die Gefahr einer Verhaftung hingewiesen haben?
Offenbar hat man in seiner Entourage und am Zürich Film Festival die Lage falsch eingeschätzt und ging davon aus, dass das schwere Schicksal des Filmemachers vor Verfolgung schützt. Ich meine: Nein. Auch ein Überlebender des Holocaust, dessen Frau später bestialisch ermordet wurde, darf sich keine Vergewaltigung einer Minderjährigen leisten. Offenbar messen einige Kulturschaffenden mit unterschiedlichen Ellen – die meisten davon dürfen bei Entstehung seiner Filme gar noch nicht auf der Welt gewesen sein.
Während es der Polizei in der Schweiz immer weniger gelingt, die Sicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten, hat sie nach dem Fall Hannibal Ghaddafi erneut gezeigt, dass ein grosser Name nicht automatischen Schutz garantiert. Dem kleinen Mann auf der Strasse wird dies gefallen. Auch, dass die kleine Schweiz wieder einmal der ganzen Welt beweisen konnte, ein unerschrockener Rechtsstaat zu sein. Als grosse Siegerin präsentiert sich heute Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Ob sie sich und der Eidgenossenschaft damit einen Dienst getan hat, wird sich allerdings noch zeigen.
Schon heute steht fest: Für das Zürich Filmfestival ist die Verhaftung Polanskis ein gewaltiger Imageschaden. Ihre Auszeichnung “Golden Eye” wurde für die Beteiligten zum “Blauen Auge”.
Philippe Welti
Allgemein, Gesellschaft, Kommunikation, Kultur | 9 Kommentare »
Montag, den 28. September 2009 um 7:55
Im Kampf gegen die Süd- und Ostanflüge, wie demnächst vielleicht auch der Abflüge über die dicht bewohnte Schweiz, verlangt der bekannte Wirtschaftsjournalist Martin Spieler, Chefredaktor der “Handelszeitung”, den Einsatz der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. “Sie muss persönlich dafür sorgen, dass die Konflikte ohne erpresserische Rhetorik angegangen werden,” verlangt Spieler. Hoffen wir, dass “die Merkel” Zeit haben wird für die Schweiz, denn der amtierende deutsche Verkehrsminister wird wohl den Hut nehmen müssen. Wir Schweizer sind geduldiger mit Moritz Leuenberger, obwohl die Strassen überfüllt sind, die SBB immer unpünktlicher wird und von Ausfällen belastet ist, und in der Luft die Deutsche Lufthansa zusammen mit Air Berlin herrscht. Den einheimischen “Indianern” bleibt der Dreck, der Ärger und die Steuerbelastung, deren Verwendung für den Bürger immer unkontrollierbarer wird.
Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 28. September 2009 um 7:42
Oft habe ich ihn besucht, über dem pfälzischen Leinsweiler gelegen, wenige Minuten vom Hambacher Schloss entfernt, auch unweit der Ludwigshöhe, wo der Bayernkönig in einer nachgeahmten römischen Villa seinen Machtanspruch deutlich machte, den ganz persönlichen Hof von Max Slevogt, der heute zum Verkauf steht. Die Fresken auf einem Milch-Eiweiss-Pigmentgemisch, Testament des bukolischen Malers, waren lange zugänglich. Jetzt sind die Tore geschlossen; die Töchter suchen einen neuen Hausherrn. Das Haus, vor Kastanienwäldern gelegen, übertrifft die mallorquinischen Villen bei weitem. Bin gespannt, wer dort zugreift.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Montag, den 28. September 2009 um 7:30
Früher dachte ich, Arbeiter würden SP wählen. Wie die Ereignisse in Vorarlberg gezeigt haben, wählen die Arbeiter aber lieber national-rechts, weil sie Angst haben, in ihren Billigquartieren von Islamisten und anderen Ausländern überrannt zu werden. Die deutschen Sozialdemokraten suchen den sicheren Misserfolg abzuwenden, indem sie grossflächige Inserate schalten, wo keine Arbeiter zu sehen sind, sondern Dutzende von Schauspielern, Moderatoren und Kameraleuten. Offensichtlich handelt es sich dabei um die Unterklasse – oder eine neue Oberklasse, die Siegerklasse werden will? Günter Grass, das altlinke Kampfross, ist nochmals angetreten, auch Klaus Staeck nochmals, der einst intelligente Brutalo-Grafiker. Ob man die SP wählen soll, weil auch die Entertainerin Désirée Nick mitmacht, ist sicher fraglich.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. September 2009 um 7:04
Die Front der Zürcher Ordoliberalen hat sich auf eine Linie zurückgezogen, wo Gerhard Schwarz von der “NZZ” argumentiert: “Die Aufforderung an die Hypothekarbanken, Hauskredite in bestimmten Gebieten des Landes an Leute mit niedrigen Einkommen zu vergeben, das war ein staatlicher Auftrag.” In solchen Fällen wird leicht vergessen, dass es die amerikanischen wie die Schweizer Grossbanken waren, die dafür zuvor in Washington kräftig lobbyiert hatten, um danach die schlechten Kredite mit anderen in Produkte zu verpacken, die der St. Galler Bankier Dr. Konrad Hummler als “Gammelwürste” bezeichnete. Wer in den Augen von Gery Schwarz zu den Warnern zählte (sich damit also gegen die herrschende ordoliberale Meinung ausdrückte), wie in der Schweiz Prof. Dr. Fredmund Malik oder Prof. Dr. Walter Wittmann, war eine “Kassandra”. Sie hatten die richtige Antwort, aber niemand wollte dies akzeptieren, weil die Ordoliberalen, gestern wie heute, die Praxis der UBS-Konzernleitung unter Marcel Ospel rhetorisch absichern mussten. Die anderen Redaktionen taten das gleiche, oft aber auf einer noch niedrigeren Argumentationsstufe. VBS-Chef Ueli Maurer nannte dies unlängst die Praxis von “Kurtisanen”.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 25. September 2009 um 15:46
Ob er nun zusammen mit der CDU/CSU die deutschen Wahlen gewinnt oder nicht, ist mir recht gleichgültig. Eines aber hat Guido Westerwelle klar gemacht: Er ist der politisch-rhetorische Superstar der Wahlen im Herbst 2009. Von Monat zu Monat wurde sein Duktus schärfer und klarer. Er muss jetzt alles auf eine Karte setzen; gewinnt er jetzt nicht, ist sein Rücktritt nur eine Frage der Zeit. Dass Westerwelle die Schweiz schont, mag auch auf seinen Ziehvater Genscher, den vormaligen deutschen Aussenminister, zurückzuführen sein, der ein wirklicher Freund der Schweiz und hier oft und gerne zu sehen ist.
Kommunikation | 1 Kommentar »
Freitag, den 25. September 2009 um 15:46
Die NATO hatte in ganz Europa geheime Armeen aufgebaut; in der Schweiz war dies die P-26 unter dem nach eigener Ansicht “charismatischen” Efrem Cattelan. Sie sollte nach einem Sieg des Warschauer Pakts, der seit 1989 zerfallen ist, die Widerstandskraft des Schweizer Volks gegen die Kommunisten mobilisieren. Cattelan, 79, sprach dieser Tage in Herrliberg ganz offen über seine Aufgabe, eingeladen von der Offiziersgesellschaft Zürisee. Er berief sich auf Charles de Gaulle, Josip Tito und Mao Zedong. Norbert Ganser, der an der Uni Basel doziert, hat über die Geheimarmeen der NATO ein lesenswertes Buch geschrieben; die Schweizer Variante war noch die harmloseste.
Politik | Keine Kommentare »
Freitag, den 25. September 2009 um 14:44
Wie John F. Kennedy innerhalb eines Jahrzehnts auf den Mond wollte, was 1969 geschah, sagte im gleichen Jahr Richard Nixon, in fünf Jahren sei der Krebs heilbar. Wie bei Watergate verschätzte er sich prächtig, weshalb die Krebserkrankungen zwischen 1950 und 2008 nur um fünf Prozent zurückgingen. Eine Besserung ist nicht in Aussicht, obwohl die Sammler der Krebsliga etc. sehr aufdringlich sind.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 25. September 2009 um 10:53
Der Genfer Rohstoff-Handelskonzern Trafigura mit Hauptsitzen in Luzern und London hat sich nun von der Anklage freigekauft, in Abidjan 30 000 Menschen mit toxischen Abfällen vergiftet und einige damit auch getötet zu haben. An die Regierung der Elfenbeinküste gingen schon vor gut zwei Jahren rund CHF 250 Mio. als Entschädigung ohne Schuldanerkennung. Jetzt sollen auch an die 30 000 betroffenen Einwohner knapp CHF 50 Mio. gehen, auch ohne Schuldanerkennung. Diese Müllklage ist nun auch entsorgt. Genf ist heute global einer der bedeutendsten Standorte für den Handel von Rohstoffen. Die Partner der Trafigura kamen ursprünglich aus der Zuger Marc Rich-Gruppe, sind aber seither ein sehr erfolgreicher Konkurrent der anderen Splitterkonzerne geworden, die aus dem Rich-Empire hervorgegangen sind.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 25. September 2009 um 10:44
Ashraf Ghani, der vormalige Finanzminister Pakistans und auch schon als Weltbank-Präsident im Gespräch, hat vorgeschlagen, den afghanischen Staat wirtschaftlich zu sanieren, indem die Länder des Westens den Drogenkonsum freigeben. Die afghanische Wirtschaft, so hat die Weltbank bereits errechnet, hänge zu einem Drittel von der Produktion und dem Vertrieb von Heroin und Opium statt. Das ist eine originelle Idee: Unsere Politiker sollen ihre Völker den Rauschgiftproduzenten und –händlern dieser Welt ausliefern, damit die Afghanen reich werden? Dann könnten wir gleich auch die Mafia sanieren, indem wir ihr das Abfallwesen der Schweiz und anderer Länder übergeben. Die Camorra müsste das Recht haben, aus den Schweizer Tourismusstationen Spielhöllen zu machen und die vereinten Menschenschmuggler aus Osteuropa, Afrika und Lateinamerika sollen eine Lizenz auch für den Handel von Westeuropas Frauen erhalten. Ich finde, man sollte derartigen “Politikern”, wie Ashraf Ghani sofort Einreiseverbot erteilen und Afghanistan den Wölfen und Bären überlassen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
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