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Abbild der Medien: Alte und neue Schweiz

15. September 2009 um 7:32

Die Studie bringt es an den Tag, auch wenn der Schluss nicht explizit gezogen wird: Die Schweizer Journalisten lassen sich in zwei Gruppen teilen, welche die Medien hierzulande repräsentieren. Eine davon hat Zukunft, die Mitglieder der anderen Gruppe gehören zu einer aussterbenden Spezies.

Alte Schweiz
Die regionalen Blätter und das staatliche Radio, wo die Journalisten aus der Arbeiterschicht kommen, eine Lehre absolviert, aber oft keine Journalistenausbildung genossen haben und zum Teil schon seit Jahren beim selben Arbeitegeber tätig sind, zu dem sie als Quereinsteiger gestossen sind . In den Wochenzeitungen und überregionalen Tageszeitungen dominieren seit eh und je Journalisten, die aus der oberen Mittelschicht stammen und über einnen akademischen Abschluss verfügen. Auch hier erfolgte der Einsteig in den Journalismus spät.
Zukunftsaussichten: Treu nach dem Motto “News are essential, newspapers not” wird es hier eine Bereinigung geben. Die alte Schweiz muss sich neue Kanäle erschliessen für die Nachrichten-Distribution oder sich konsequent auf die Kernaufgabe der Medien fokussieren: Informieren, vertiefen, einordenen – mit einem Schwergewicht auf den beiden letzten Aufgaben.

Neue Schweiz
Gratiszeitungen, Zeitschriften und Privatradios setzen auf junge Journalisten, die meisten mit Matura oder dem Abschluss einer Journalistenschule im Sack. Viele dieser Journalisten sind Berufsanfänger und lernen “On the Job”, was auch die vielen Fehler in diesen Medien erklärt. Trotzdem: Der Erfolg der Gratiszeitungen beruht nicht zuletzt auf dem unverkrampften Zugang zu Themen, welche von den etablierten Zeitungen vernachlässigt wurden.
Zukunftsaussichten: Hier liegt die Zukunft der Medien. Die Journalisten sind innovativ und kennen wenig Berühungsängste. Wichtig: Hier sollten die Medien vermehrt in die Ausbildung investieren. Wenn die oft blutjungen Journalisten einmal älter und erfahrener sind, wird auch ihre Qualität steigen.

Philippe Welti

3 Kommentare zu “Abbild der Medien: Alte und neue Schweiz”

  1. Harry R. Wilkens

    Auch wenn es Jungjournalisten MIT Matura und gleichzeitig MIT Journalistenschule geben sollte, so garantiert dies eine berufliche Qualität ebensowenig wie ein Kurs für kreatives Schreiben für Poeten und Schriftsteller. Ich habe es jetzt aufgegeben, auf junge Journalisten zu setzen. Die sind noch vorsichtiger als die Alten, und zurzeit mache ich weitere schlechte Erfahrungen diesbezüglich mit italienischen Journalisten, die vor einem korrupten Staatsanwalt kriechen…Am Schluss wollen sie doch alle mit dem Präsidenten oder Kanzler im selben Flugzeug sitzen und sich dies nicht verscherzen…

  2. Fred David

    …wo sind sie denn, die jungen, hungrigen Journalisten mit Biss?

    Als alter Journalist, dessen Gebiss allmählich wackelt, darf ich die Frage stellen. Und ich stelle sie mit Bedauern.

    Wo sind sie denn? Ich sehe sie nicht. Ich spüre sie nicht.

    Ich sehe nur sehr viel brave, geschmeidige Anpassung.

  3. Giorgio Girardet

    Na, das muss ein junger Journalist geschrieben haben. Meist haben die Journalisten, die ein Leben lang im Beruf bleiben können (und nicht Pressesprecher oder PR-Berater etc. werden), eine solide akademische Ausbildung. Meienberg war Akademiker, in der NZZ arbeiten fast nur Redaktoren mit Doktortitel. Ein Studium in einer realen Wissenschaft (nicht Medienwissenschaft, Kommunikationstheorie, Gendertheorie, sondern Geschichte, Sprachen, Jus, Wirtschaft etc.) ist die Voraussetzung thematische Tiefe und Breite zu gewinnen und selbständig zu denken.

    Dieses gehypte Rudel hipper Schnellschreiber macht aus dem Qualitätsjournalismus ein loderndes Strohfeuer, das verbrannte Erde hinterlässt.

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