Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Monatsarchiv für August 2009

Arme Deutsche – zufriedene Arbeitgeber

Donnerstag, den 27. August 2009 um 8:29

Deutschland entwickelt sich zunehmend zu einem Drittweltland, wo wenigen Reichen eine wachsende Zahl von verarmenden Prekariern gegenüber steht. Mit Teilzeitarbeit, 400-Euro-Jobs und Leiharbeit à la Adecco sank in den vergangenen zehn Jahren die Quote der normal Vollzeit-Beschäftigten von 72,6 % auf 55 %. Besonders betroffen sind Jugendliche, Frauen und Dienstleister. Frauen tun gut daran, eine, vollzeitberschäftigten Partner oder Ehemann zu finden, der sie über Wasser hält. Wer Vollzeit arbeitet, erhält durchschnittlich 18 Euro pro Stunde (das entspricht den Forderungen unserer Putzfrau in der Schweiz), wer “atypisch” beschäftigt ist, nur Euro 12 pro Stunde. Fast die Hälfte aller “atypischen”, total fast acht Millionen Deutsche, verdient unterhalb der Niedriglohn-Grenz von Euro 9,85 pro Stunde. Jeder Vierte ist armutsgefährdet.

Deutsch, eine sterbende Sprache

Donnerstag, den 27. August 2009 um 7:12

Wenn die Eliten der Universitäten, der Konzerne und der grossen Dienstleistungsfirmen nur noch Englisch sprechen, wird die deutsche Sprache zu einem Regionaldialekt, der global an Bedeutung verliert. Das ist dem Italienischen längst geschehen, das ist dem Französischen nicht fremd, weshalb aus Paris die Francophonie gefördert wird, und ist im Begriff, auch das Russische zu vernichten. Die Unterwerfung unseres Schulwesens unter globale Bildungsstandards, wie dies bei den Pisa-Texten der Fall ist, vernichtet die Sprachvielfalt des Deutschen. Martin Luther hat diese Sprache, die auf der Insel Reichenau im Bodensee kodifiziert wurde, neu geschaffen. Sie wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts von deutschen Schriftstellern und Poeten ihres Ballasts erleichtert. Erleiden die Europäer nun das Schicksal der US-Amerikaner, die sich im 18. Jahrhundert zwischen dem Deutschen und dem Englischen entscheiden mussten, was zu einer knappen Niederlage der deutschen Sprache führte? Mittlerweile sind grosse Teile unserer jungen Elite, die unter 50jährigen, nicht mehr genügend der deutschen Sprache mächtig, weil sie ihr wissenschaftliches und berufliches Leben im englischen Sprachraum zugebracht haben. Das heisst nicht, sie seien in den USA oder Grossbritannien voll integriert; vielmehr handelt es sich um eine Art kultureller Mischlinge, die kulturell nirgendwo zuhause sind. Sie sprechen, dies nicht wahrhaben wollend, ein Pidgin-Englisch, das nicht Fisch und nicht Vogel ist. Für die unter 30jährigen ist der Entscheid längst gefallen, wo sie leben möchten: Die Besten im englisch-amerikanischen Sprachraum. Gleichzeitig verarmt die Ausdrucksfähigkeit in der deutschen Sprache. Darunter leiden die Wirtschaftsführer, die Sozialarbeiter und die Politiker; letztere vor allem. Sir Winston Churchill hat seine Durchsetzungsfähigkeit im Parlament letztlich darauf zurückgeführt, dass er “die Verben” beherrschte. Von welchem unserer Bundesräte liesse sich dies sagen? Ohne oratorische und rhetorische Fähigkeiten werden die demokratischen Staaten unführbar. Die ersten Zeichen stehen auf der Wand geschrieben.

Aus Stadthaus wird Hexenhaus

Mittwoch, den 26. August 2009 um 12:48

Wer immer auf die Idee gekommen ist, das Zürcher Stadthaus während eines Umbaus mit Motiven von Hänsel und Gretel als “trompe l’oeil” zu schmücken, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dessen Hausherrin Corine Mauch zur Hexe gemacht zu haben. Die bisher unglücklich, d.h. kaum agierende neue Zürcher Stadtpräsidentin liess sich von der “NZZ” sogar zwingen, ihren Veranstaltungskalender zu publizieren, um einen Leistungsnachweis vorweisen zu können. Wir dürfen gespannt sein, wer sie demnächst in den Ofen schieben wird.

Still gewordene Ordo-Liberale

Mittwoch, den 26. August 2009 um 10:32

Es ist still geworden um die Ordo-Liberalen in unserem Land seit auch Wilhelm Röpke von einige Liberalen zu den frühen Vätern der Neo-Liberalen gezählt wird. Was in unserem Land als liberal gelten soll, mag nicht einmal die “FDP. Die Liberalen” formulieren, die sich auf eine ziemlich dürre Rhetorik zurückgezogen hat. Unsere einstigen Ordo-Liberalen, die via NZZ das ausgehende 20. Jahrhundert bestimmt haben, mindestens in der Deutschen Schweiz, gingen davon aus, dass der freie Wettbewerb keine Konservierung gesellschaftlicher Schichtungen erlauben soll. Da auch die katholische Soziallehre gerade bei den Liberalen stets eine grosse Rolle gespielt hat und die protestantische Ethik zwischen Genf und Zürich nicht minder, haben die “Schichtungen” ihren Einfluss auf diesem Weg zu bewahren gesucht. Beispielhaft sind die Paarungen Hans Adam II./Erzbischof Wolfgang Haas und Abt Martin Werlen/Daniel Vasella, wo man sich gegenseitig schützt gegen kühle Winde von aussen. Das Staatskirchentum, wie es bei uns Brauch ist, schützt die Institutionen, bei ORDO-Liberalen “Schichtungen” genannt. Deshalb sind die Liberalen derzeit lieber stumm und beschränken sich auf Programme, die niemand überzeugen.

Muss Strafe sein?

Mittwoch, den 26. August 2009 um 8:25

In den USA ist Strafe längste eine Handelsware. Wer nicht bestraft werden will oder nur zu Vorzugskonditionen (Madoff etc.) braucht einen Anwalts-Händler, der die staatlichen Spielregeln beherrscht und das Drama, diese im Sinne seines Mandanten zu interpretieren. In der Schweiz spielt sich ähnliches ab, nur minder offiziell, weil es niemand – präventiv – mit der Justiz verderben möchte. Da unsere Richter von den Parteien aufgestellt werden, haben wir auch eine parteiische Justiz, die jedoch unter allen Umständen vermeiden möchte, als solche verstanden zu werden. Das einfache Volk wird zunehmend in den Käfig unseres Präventionsstaates gesperrt, um es mit strenger Vaterhand vor Fehlverhalten zu bewahren. Einige Beispiele:
- Die Anti-Drogenprogramme sind teuer und ziemlich nutzlos, werden auch ständig ausgeweitet auf Raucherwaren und Alkoholkonsum, ohne dass signifikante Fortschritte erkennbar werden. Es ist Usanz in unserem Land, irgendwo immer einen Fortschritt zu finden, aber dessen Relevanz ist meist fragwürdig.
- Im Kampf gegen islamische Terroristen, die bisher insgesamt recht schwache Leistungen zeigten, zieht man die Freiheitskämpfe der Iraker und Afghanen einmal ab, werden uns Präventivmassnahmen auferlegte (von der Geldwäsche bis zur Steuerhinterziehung und Überwachung an allen Strassenecken), die ein Hohn sind auf die Freiheit der Bürger. Jede Geldüberweisung ins Ausland macht uns in den Augen der USA zu einem potentiellen Täter.
- Wer lebhafter als der eher etwas lahme Durchschnitt ist, dem wird als Kind das zu einer Beruhigung führen sollende Ritalin verordnet. Hat es diese Tortur überlebt, soll es seine Gedanken konditionell verbessern, indem es dieses merkwürdige Medikament auch für den Rest seines Lebens einnimmt.
- Auf grossen Flächen sind das Anhalten, das Parkieren und das nach eigenem Gusto schnelle oder langsame Fahren verboten oder führen zu finanziellen Zusatzbelastungen, die der eine mehr, der andere weniger leicht hinnimmt.
- Zur Sicherung unserer Gartenwege (Streupflicht) werden wir behördlich veranlasst, damit die Risiken unserer Besucher nicht zu unserer Last werden.
- Die Meinungsfreiheit ist gesichert, aber in den Rahmen privater und staatlicher informationsbeauftragter Redaktoren und Chefredaktoren eingebunden, die sich meist mehr den Instanzen als den zu Informierenden verpflichtet fühlen.

Diese Liste ist nur provisorisch, macht aber deutlich, dass im gesellschaftlichen VIP-Bereich andere Regeln gelten als im VUP-Sektor, der die “Very Unimportant People” betrifft. Daraus entsteht eine staatliche Führungsstruktur, die den Spielraum für Leistung, die nicht als Arbeit zur Verfügung gestellt wird, deutlich einschränkt.

Komplexe Beziehungen

Mittwoch, den 26. August 2009 um 7:57

Das Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen muss teilweise gestört sein, denn die Zahl der Bücher mehrt sich, die sich mit den gegenseitigen Beziehungen beschäftigen. Orell Füsslis initiative Programmleiterin Pia Hiefner-Hug hat Andreas von Stechow, den ehemaligen deutschen Botschafter in Bern, davon überzeugt, die “Betrachtungen eines deutschen Diplomaten” in Form von “Persönliches zur Schweiz” vorzulegen. Liebevoll schildert er das Wallis, das Berner Oberland und den Jura, vor allem aber jene Zeit diplomatischer Wirren zwischen beiden Staaten, die einmal miteinander befreundet waren. Stechow rät, diese Freundschaft nicht leichtfertig aufzugeben; das Misstrauen gegen die EU, wie es in Teilen der Schweizer Bevölkerung vorhanden ist, könne er verstehen.
Einen Knigge für Deutsche und Schweizer zur Vermeidung grober Missverständnisse haben im gleichen Verlag die beiden Ex-Journalisten und heutigen Kommunikationsberater Sandra Willmeroth und Fredy Hämmerli publiziert. Das handliche Werk “Exgüsi” hat alle Eigenschaften, zu einem Klassiker der Beziehungsliteratur zu werden, ist er doch flott und detailliert geschrieben, geht nicht nur auf Zürcher ein, sondern schildert die vielfältigen Schweizer in ihren Tal- und Bergzonen. Gerade auch Schweizer sollten das Werk lesen, erfahren sie doch einiges darüber, wie man mit Deutschen umgeht. Es ist meine persönliche Beobachtung, dass intelligente Schweizer und Deutsche miteinander nicht mehr Probleme haben als dies im eigenen Kreis der Fall ist. Wo einer von beiden eine mentale Störung oder Vorbehalte mitbringt, sind Konflikte unausweichlich. Grosse Teile des Schweizer Volkes beschuldigen Deutsche, sie würden die Sozialleistungen missbrauchen, vergessend, dass es Schweizer Unternehmer waren, welche die Deutschen ins Land holten. An Schweizer Universitäten sind die verborgenen Aggressionen gegen Deutsche im Lehrkörper zunehmend, weil Schweizer Kandidaten dem Bildungs- und Leistungsstand, der heute global gefordert wird, nicht entsprechen. Daraus entsteht ein fröhliches Hauen und Stechen, das im Einzelfall ungemütlich werden kann. Vielen Deutschen fällt es tatsächlich schwer, sich auf die eher defensive Schweizer Mentalität einzustellen; daraus entsteht eine häufig zu beobachtende Abkehr von zu intensiven Beziehungen zugunsten eines Leistungsprinzips, das, wie die Beispiele zeigen, mehr Vor- und als Nachteile mit sich bringt.

Zufälle gibt es: Afghanistan, Kolumbien und die USA

Dienstag, den 25. August 2009 um 11:15

Es ist unbestritten, dass in Afghanistan seit der Machtübernahme durch die US-Amerikaner und deren Verbündete die Rauschgiftproduktion massiv zugenommen hat. Ob Regierungschef Karzai sich mit seiner Familie in dieses Geschäft eingelassen hat, wird von vielen für möglich gehalten. Dementis sind wenig glaubwürdig. Nun hat in Kolumbien Präsident Uribe soeben ein neues Militärabkommen mit den USA geschlossen, das zum Ziel hat, die aufständische Farc zu bekämpfen. Uribe sagt ausdrücklich, man werde künftig “weniger den illegalen Rauschgifthandel als die illegalen Banden” zu bekämpfen suchen. Das ist das afghanische Modell in südamerikanischem Kleid. Schon Uribes “Plan Colombia”, den die USA mit USD 6 Mia. finanzierten, hat bei der Rauschgiftbekämpfung nur zweifelhafte Ergebnisse gebracht. Die Kokafelder wurden besprüht und verlagert, Produktion und Vermarktung kaum behindert.

Credit Suisse setzt auf Inflation

Dienstag, den 25. August 2009 um 10:45

“Inflation: Warum wir sie brauchen”, schreibt Anja Hochberg, der “Head Global Economic Research” im jüngsten Bulletin der Bank. Hochberg begründet dies mit der Aussage: “Um zu verhindern, dass die Weltwirtschaft in eine Deflation verfällt, muss zuerst reflationiert werden, bevor der Inflationsdruck abgeschwächt werden kann.” Eher unsicher ergänzt sie: “Im Vergleich zu einer Deflationsspirale scheinen die volkswirtschaftlichen Kosten einer Inflation deutlich geringer zu sein.” Die volkswirtschaftlichen Kosten, ergänze ich, sind eine partielle Verarmung all jener, deren Einkommen und Vermögen unflexibel sind: Arbeitnehmer ohne Verhandlungsspielraum, Rentner, Jugendliche, grundsätzlich eher der Mittelstand der Schweiz. Hochberg entschuldigt die Hypothekar- und Schuldenexzesse der Grossbanken mit der Aussage, man müsse “diese Geschäftsmodell hinterfragen”, möglich sei dies aber nur durch die (Greenspan’schen) historisch tiefen Zinsen gewesen. Jetzt könnten, so die CS-Intellektuelle, nur “unter Unsicherheit” entscheiden. Solange die Produktionslücke bestehe, sei das Risiko einer Inflation gering. Dem steht entgegen, ergänze ich, dass viele Branchen ihre Produktionskapazität bereits herunter gefahren haben und dies weiter tun: Konsumgüter, Airlines, Schiffe, Autohersteller, Rohstofflieferanten. Ab Ende dieses Jahres dürfte es spannend werden; 2010 wird ein Hochrisikojahr für viele.

Was ist ein derivativer Blog?

Dienstag, den 25. August 2009 um 10:32

Genau denjenigen Blog, den Sie jetzt lesen, nenne ich einen derivativen Blog. Er beruht auf Wissen, das während Jahrzehnten selbstkritisch aufgebaut wurde in den Themenfeldern “Politik”, “Wirtschaft”, “Gesellschaft” und “Kommunikation”. Unterdessen, in gut vier Jahren, enthält dieser Blog gegen 5000 Eintragungen und etwa die gleiche Zahl an Zusatzinformationen und Kommentaren. Derivativ ist dieser Blog deshalb, weil wir, dem Lauf der täglichen Ereignisse folgend, Ableitungen treffen, die wir für relevant halten. Der Leser und Mitautor hat die Möglichkeit, in den Informationen einen Hebel zu finden, der seinen Erkenntnisstand mehr verbessert als dies andernorts in den Medien der Fall ist. Dieser Mehrwert oder Informationsvorsprung soll ihm eine Chance geben, in seinen Beurteilungen und Diskussionen relevanter zu sein als andere. Es liegt in der Struktur derivater Prozesse begründet, dass weniger spekulative Autoren ein solches Vorgehen als riskant empfinden. Hier halten wir uns an unsere Banken: Ohne Risiko kein Gewinn.

Zeit derAutokraten

Dienstag, den 25. August 2009 um 9:39

Es waren nicht die Demokraten, die Dresden geschaffen haben, auch nicht die Kommunisten, denen solches gelang, und schon gar nicht die Vertreter der grossen Koalition, die ein Weltkunstwerk schufen. Es war ein Autokrat, August der Starke, welcher dem “Florenz des Nordens” seinen Stempel aufdrückte. Wer würde sich nicht an die heutige chinesische Regierung erinnert fühlen, die mit Wolkenkratzer-Städten, Gross-Staudämmen und Stadien ein Land neu formt. Ohne die arabischen Autokraten scheint keine europäische Bank, keine Autofirma und keine Weltraumfahrt mehr möglich zu sein. Der Jammer an diesen Autokraten ist es, dass es ihren Völkern meist schlecht geht. Insofern ist mir unser Schweizer Regierungschaos fast sogar sympathisch.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog