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Tagesarchiv für 31. Juli 2009

Einige Bemerkungen zum “Tagi”.

Freitag, den 31. Juli 2009 um 15:54

Es häufen sich in diesem Blog wie auch sonst die Anfragen, wie die Umstellung der Redaktion innerhalb des “Tagi” verläuft. Dies lässt sich in einem Wort zusammenfassen: schlecht.
Auf die Frage, weshalb man Hansueli Schöchli, den Wirtschaftsredaktor des “Bund”, habe zur “NZZ” gehen lassen, obwohl Schöchli einer der wenigen wirklich sehr guten und, sogar fleissigen Wirtschaftsjournalisten der Schweiz ist, kann nur die Antwort gegeben werden: Die NZZ hat ihm rascher ein gutes Angebot gemacht.
Tatsächlich haben die beiden Mitglieder der “Tagi”-Chefredaktion bisher zu wenig Führungserfahrung gezeigt, sodass man im Vorfeld der Neulancierung im September derzeit nur von einem mittleren Chaos sprechen kann, von dem jeder Betroffene hofft, es werde sich bald beruhigen. Beide Chefredaktoren zeigen aufgrund ihrer Delegationsprinzipien bisher auch nicht jene Führungsstärke, die es braucht, um in einer krisenbehafteten Zeit der eigenen Redaktionsmannschaft den richtigen Weg zum Erfolg zu zeigen. Strehle ist introvertiert und sehr abgehoben, Eisenhut ist ehrgeizig, aber nicht als glänzender Stilist bekannt. Dies wäre schon in einer Boomzeit, wo Leserzahlen und Inserate zunehmen, eine grosse Belastung, ist aber in einer Umbruchszeit, deren Ende nicht abzusehen ist, eigentlich eine Katastrophe. Man könnte dem, vor allem nach innen und gegenüber den Werbeauftraggebern, begegnen, indem man kommuniziert. Der “Tagi” tut dies bisher nicht, weshalb wir uns alle darauf freuen und wundern dürfen, was wir ab Herbst in den Händen halten werden.

Sind Vertrauenskrisen berechtigt?

Freitag, den 31. Juli 2009 um 14:37

Unsere westlichen Regierungen, die demokratische Entscheide oft nur alle vier Jahre zulassen, messen das Vertrauen, welches sie in der Bevölkerung geniessen, deshalb regelmässig Was aber bedeutet es, wenn 50-80% der Bevölkerung mit einer Regierung oder einer bestimmten Person (noch) zufrieden sind? Es bedeutet nichts oder die zynische Akzeptanz der Tatsache, dass die Mehrheit des Volkes meist schlecht im Bild ist. Nehmen wir das Beispiel von Donald Rumsfeld, des dümmsten und überheblichsten Verteidigungsministers der USA seit Robert McNamara, den nach seinem erzwungenen Rücktritt sogar seine Admirale “A son of a bitch” nannten. Rumsfeld, der auch einmal US-Präsident werden wollte, was sein engster Freund Dick Cheney verhinderte, bleibt in Erinnerung als Schuldiger an der US-Niederlage im Irak. Als seine Truppen Bagdad plünderten, sagte er “stuff happens”. Als sie sich beklagten, sie hätten keine richtigen Waffen für den Kampf, reagierte er “You go to war with the army you have…not the army you might want.” Soeben bahnt sich ein westlicher Blackout in Afghanistan an. Unsere ideologischen Verteidiger der US-Kriegsführung nennen dort die Bekämpfung der Taliban und der Al Kaida als Zweck der Übung. In Wirklichkeit handelt es sich längst um einen Volksaufstand gegen westliche Soldaten, die dort ebenso wenig gewinnen können wie alle ihre Vorgänger seit Alexander dem Grossen. Hillary Clinton, soeben von einer “world tour” zurück, zieht Bilanz: “US is back”, was sich bald als mittlere Übertreibung herausstellen wird. Schon jetzt lässt sich sagen, dass sie wohl keine Stricke zerreissen wird.
Wenn daher intelligentere Minderheiten frühzeitig der Meinung sind, die politische Führung sei unfähig (Denken wir nur an unseren Bundesrat in Friedenszeiten, von dem sich jetzt auch alt Botschafter Alfred Defago distanziert), haben diese Minderheiten meist recht, auch wenn die Masse dies noch nicht erkennen kann. Wenn Silvio Berlusconi seinen Altherrensommer in einem Masse geniesst, wie dies jetzt öffentlich wird, dann ist damit jeder Italiener blamiert, der dies hinzunehmen bereit ist. Blamiert sind auch alle Staatschefs, die sich mit einem solchen „Hallodri“ abgeben, zeigen sie doch, dass Werturteile und darauf beruhende Handlungen offensichtlich keine Rolle mehr spielen. In der Konsequenz hat dies einen langfristigen Vertrauensabbau zur Folge, der jene Gefahren erzeugt, vor welcher unsere Scheindemokraten an der Spitze stets warnen.

Cartier, ein Phänomen.

Freitag, den 31. Juli 2009 um 13:44

Ich mag Schmuck von Cartier nicht speziell. Die Uhr wirkt gezwungen, der verjüngte Jugendstil ist zu teuer, die asiatischen Formen finde ich passabel, eine Art Edel-IKEA. Bewundernswert ist jedoch das “Magazine Cartier”, worin die Kulturen der Welt gefeiert werden, wie dies kein anderes Haus vermag. Die jüngste Ausgabe, “Transatlantic”, ist eine Hommage an die einst gute Verbindung zwischen den USA und Europa. Es ist eine untergegangene Welt, als wir noch “the good American” hatten, der zwar Europa schon wie ein Museum besuchte, wo wir aber noch Europäer hatten, die auf die “cowboys” elegant herunter sehen konnten. Cartier feiert diese Zeit, sodass ich fast Lust hätte, ein gutes Stück zu kaufen, aber welches? Der Schmuck, an dessen Zeitlosigkeit ich zweifle, wird eingebunden in die Public Affairs einer transatlantischen Beziehung. Daraus werden Träume wach, Erinnerungen lebendig, Wünsche treten hervor. Exzellent, was Franco Cologni bietet. Beste Public Relations und Public Affairs. Nur ein wirklich grosses Haus lässt solches zu.

Sergio Marchionne im Tief.

Freitag, den 31. Juli 2009 um 12:12

Unser Schweizer Italo-Kanadier ist derart schnell, dass ihm üblicherweise weder die Aktionäre noch die Mitarbeiter zu folgen vermögen. Im Augenblick sieht es für den erfolgsverwöhnten Zahlenmenschen in Turin nicht sehr gut aus: Fiat steckt wieder tief in den roten Zahlen, was die erfolgreichen Anstrengungen der Vorjahre zunichte macht. Die Chrysler Division, wo Marchionne 20% erwarb, wird noch mindestens zwei Jahre in den roten Zahlen sein. Der Deal mit Opel, der Fluchtweg, um die Autos los zu werden, ist verstopft, denn der deutsch-bayerische Wirtschaftsminister von Guttenberg zieht den Kanado-Österreicher Magna dem Kanada-Italiener Marchionne vor. Hat Marchionne seinen Meister gefunden? Noch nie war Wirtschaft so schön wie gegenwärtig. Helden steigen auf, Helden sinken ab. Helden brauchen wir. Zum Jahresende hat Marchionne schon wieder einen Gewinn von Euro 100 Mio. versprochen.

Die Gruyère-Offenbarung

Freitag, den 31. Juli 2009 um 11:03

Es gibt sinnliche Erlebnisse, die vergisst man nie. Als ich vor elf Jahren für diesen Artikel recherchierte, bot mir Hermann Beyeler, Käser auf dem Scheuerguthubel, ein Stück seines Gruyères an. Was ich als Käseliebhaber damals kosten durfte, war eine Offenbarung und sprengte meine Vorstellungskraft: Der Gruyère, damals noch nicht AOC, war so crèmig, dass er mir auf der Zunge geradezu schmolz – etwas, was ich seither nie mehr erlebte. Und da ich ein treuer Mensch mit gutem Gedächtnis und gut entwickeltem Limbischen System bin, blieb mir schlussendlich nichts anderes übrig, als bei Beyelers Käserei letzte Woche anzuklopfen.
So wie mir der Genuss unvergessen blieb, so erinnerten sich der Käser und seine Frau an die Zeit, als ich für den “K-Tipp” den Artikel schrieb. Damals stand die Existenz der Gruyère-Produktion auf Messers Schneide. Vielleicht trug mein Artikel ein kleines bisschen dazu bei, dass die AOC-Kommission das Herstellungsgebiet des Käses auf das Schwarzenburgerland ausweitete und Beyelers weitere Existenz sicherte. Ich glaube, es ist einer der wenigen Artikel, die ich damals geschrieben habe, mit denen ich jemanden glücklich machen konnte, was, nach dem Ärger, den ich andernorts auslöste, ungemein beruhigend ist.

Bei Beyelers am Mittagstisch konnte ich mich davon überzeugen, dass ihr Käse nichts von seiner verführerischen Kraft eingebüsst hat. Es muss an der Leidenschaft liegen, mit welcher der Käser für sein Handwerk lebt – und natürlich an den saftigen Wiesen und Kühen auf beiden Seiten der Sense. Käseliebhabern kann ich einen Besuch nur empfehlen. Und sollten Sie einmal beim Käsehändler Ihres Vertrauens auf einen Gruyère mit der Indentifikationsnummer 4032 stossen, dann wissen sie, er kommt vom Scheuerguthubel.
Nach zwei Stunden in der Käserei und mit einem grossen Stück Käse unterm Arm setzte wir unsere Wanderung fort.

Hermann Beyeler
Käserei Scheuerguthubel
3158 Guggisberg/BE
Tel. 031 735 56 53

Philippe Welti

Eine Schweizer Lobby in Washington, enfin!

Freitag, den 31. Juli 2009 um 10:13

Micheline Calmy-Rey, die in ihrem engeren Beraterkreis mindestens einen erfahrenen Kommunikator hat, ist nun neu verantwortlich für die Schweizer Lobby in den USA. Damit soll nicht gesagt sein, dass wir bisher keine hatten, denn unsere Botschafter, so bis vor einigen Jahren Raymond Loretan, waren höchst aktive Lobbyisten jenseits des Atlantik. Wenn unsere Firmen, Roche (USD 10 Mio.), Novartis (USD 7 Mio.) und Nestlé (USD 3,7 Mio.), in den USA Lobbyisten bezahlen, geht es vorwiegend um Marketing. Niemand hat bisher die Interessen der Schweiz ganzheitlich vertreten. In den grossen US-Magazinen treten Ghana und Indonesien professioneller auf als die Schweiz. Jetzt wollen wir einmal sehen, ob wir es besser machen als das Fürstentum Liechtenstein, das unter Führung von Dr. Gerlinde Manz-Christ seit Jahren ein Kommunikationsprogramm entwickelt hat, das offensichtlich Früchte getragen hat. To follow.

Hat Fulvio Pelli die Liberalen integriert.

Freitag, den 31. Juli 2009 um 9:04

Das Gerücht, FDP-Präsident Fulvio Pelli habe seinen grössten Erfolg als Parteipräsident erzielt, indem er die Liberale Partei in die FDP integrierte, ist wohl nur ein Gerücht. In Genf jedenfalls kann von der Integration beider Partei nicht gesprochen werden und im Stadtkanton Basel stelle ich zwischen beiden keinerlei Zuneigung fest. Schlimmer noch, in Genf kandidiert die liberale Martine Brunschwig-Graf gegen den Freisinnigen Christian Lüscher für die Nachfolge von Pascal Couchepin. Ob Lüscher die ehrgeizige Liberale nur abfangen soll, um Pellis Platz frei zu halten? Auf jeden Fall habe ich noch nie davon gehört, dass Pelli je einen Job, den er hatte, auch erfolgreich abgeschlossen hat: nicht im Tessin, wo die freisinnigen Lager mehr denn je auseinander fallen und wo Pelli im Verdacht steht, ein Kartell geschützt zu haben, nicht in der nationalen FDP, die seit seinem Antritt immer mehr Stimmen verliert und keine Wahl gewonnen hat. Mit derartigen Elite-Politikern können wir unser Land gleich in die EU integrieren oder an die USA verkaufen.

Eisenhartes Management Hamburger Stils.

Freitag, den 31. Juli 2009 um 7:59

Alle sprechen von Krise, aber nicht jede Unternehmensleitung macht deutlich, wie man sich in der Krise richtig verhält. Eisenhartes vorausschauendes Management Hamburger Stils demonstriert einer der grössten Schweizer Konzern, die Kühne + Nagel International, die noch in diesem Herbst ihr erweitertes globales Hauptquartier in Schindellegi/SZ vorstellen wird. Es ist eine in bester Verfassung befindliche Unternehmensführung, die auf die Erfahrung einiger älterer Herren ebenso setzt wie auf die Integration der nächsten Manager-Generation. Klaus-Michael Kühne, Mehrheitsaktionär, hat die Transport- und Logistikbranche seit über 50 Jahren im Blut. Hervorragend verlief der Übergang von CEO Klaus Herms zu dessen Nachfolger…. Lange. Gerard van Kesteren, CFO, gilt als weltbester Finanzchef seiner Branche. Dieses Team, das sich durch Kooptation laufend verjüngt, hat frühzeitig, schon im Spätsommer 2008, auf die kommende gobale Absatzkrise reagiert, womit die Handlungsfähigkeit des Konzerns erhalten blieb. Das Vertrauen in den Konzern blieb bestehen, was sich von vielen anderen Schweizer Konzernen (+GF+, Sulzer, UBS, CS Group, Zürich Versicherungen, Swiss Life etc.) nicht sagen lässt. Zur gleichen Spitzenklasse wie Kühne + Nagel zähle ich Nestlé und HoffRoche, mit Unsicherheiten auch Novartis.

 
     
     
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