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Tagesarchiv für 14. Juli 2009

„Die Zeit“ richtet das Dolder hin

Dienstag, den 14. Juli 2009 um 15:28

„Zeit“-Reporter Thomas Niederberghaus führt die Umsatzeinbrüche in den grossen europäischen Hotels auf den Niedergang der Finanzbranche und der Weltwirtschaft zurück. Nur wer früh mit den Übernachtungspreisen herunter gegangen ist, hat noch Belegungszahlen von über 80 % in den grossen Stadthotels. Im Falle des Züricher Dolder Grand schreibt er jedoch: „Architekt Norman Forster hat dem fast märchenschlossartigen Hotel zwei grosse Flügel angesetzt, die ein wenig an Parkdecks erinnern.“ Er bezeichnet die Führung des Hauses als „schlecht“. Man könne an einem gewöhnlichen Wochentag beim Einchecken ins Zimmer noch Werkzeugkoffer vor dem Bett stehen sehen, welche der Handwerker vergessen habe. Im Spa würden die gebrauchten Badetücher viel zu lange „rumliegen“. Der Grapefruitsaft sei nicht frisch gepresst, die Terrasse menschenleer wie das Restaurant. In Zürich winken Unternehmer und Manager ab, spricht man sie auf das Dolder an. Der grosse Saal, einst das schönste Wohnzimmer der Stadt, wirkt heute eher wenig einladend. Urs E. Schwarzenbach lächelt wie immer, sieht man ihn in der Stadt, „doch wie es dahinter aussieht, geht niemand was an“.

Wenn ein Milliardär einlädt

Dienstag, den 14. Juli 2009 um 14:54

Der Herrliberger Milliardär Dr. Christoph Blocher hält am 16. Juli im Hotel Zürich Marriott einen öffentlichen Vortrag „Droht die Zerstörung der Schweiz?“ Gastgeber ist die von ihm gegründete Zürcher SVP, die dafür mit überdurchschnittlich grossen Inseraten in der ganzen Deutschen Schweiz wirbt, auch im Kanton Bern, wo die Zahl der SVP-Abtrünnigen besonders gross ist. Diese Inserate der Zürcher SVP werden mit Sicherheit nicht von dieser, sondern aus der Portokasse des Referenten bezahlt. „Blocher bleibt Blocher bleibt Blocher“ sagte mir dieser Tage ein guter Freund des ebenso intelligenten wie politisch unbefriedigten Aufsteigers, der in Rapperswil vor wenigen Tagen sogar in der Badehose in den Zürisee sprang, um wie einst Mao seine Fitness vor den Kameras unter Beweis zu stellen. Blocher wird am 16. Juli sagen, wie einst de Gaulle aus seinem Londoner Exil über Frankreich, dass die Schweiz von bösen Feinden zerstört werde. Es brauche einen de Gaulle, besser noch einen Churchill wie ihn, um dies aufzuhalten. In Wirklichkeit, das weiss der populistische Referent sehr gut, ist die alte, die B-Schweiz im Niedergang, weil Blochers Freunde ihre Firmen an Ausländer verkaufen und zu wenig investiert haben, um eigenen Nachwuchs nachzuziehen. Derweil blüht die neue A-Schweiz, die international erfolgreiche Schweiz, die allerdings mit dem nationalkonservativen Lager wenig anfangen kann.

Bitterer 1. August 2009

Dienstag, den 14. Juli 2009 um 14:33

Überall melden sich Unternehmer und Politiker in die Ferien ab, ganz erleichtert darüber, dass sie keine Rede zum kommenden 1. August halten müssen. Was wollen sie auch sagen? Im Kern sind Durchhalte-Reden angesagt nach dem Motto „Die Zeiten sind schlimm; wir haben schon vieles überstanden.“ Zum 1. August lässt sich wenig Optimistisches aussagen:

1. Der Parteienzank um die kommenden Bundesrats-Wahlen vermittelt mehr Nervosität als Überlegenheit, die angesagt ist.
2. Die Finanzierungslage vieler Firmen verschlechtert sich laufend. Wer in früheren guten Jahren nicht vorgesorgt hat, sieht sich vor ernsthaften Problemen.
3. Die Grossbanken-Krise ist nicht abgeschwächt, sondern wächst weiter bedrohlich an.
4. Die wohlhabenden Kreise sehen sich einer Anlagekrise gegenüber, denn für „normale“ Risiken gibt es keine Erträge mehr.

Die Verschuldung der Schweiz hält sich noch im Rahmen, aber die Verpflichtungen sind gross und die rasch sinkenden Steuererträge treiben Bund, Kantone und Gemeinden in eine sehr desolate Situation.

Zum 1. August könnte man auch sagen:
– Grosse Teile der Schweizer Bevölkerung sind fleissig; sie schaffen Mehrwert für Staat und Gesellschaft.
– Ausländische Firmen wie Privatleute strömen weiterhin ins Land, weil es draussen (Deutschland, England) noch viel schlimmer aussieht.
– Wer keine Schulden hat, lebt nicht schlecht. Wer sich verschuldet, ist selber schuld.
– Die Führungsschwäche von Bundesrat und Parteien ist ein Grund, nur den Besten zu vertrauen. Wer jetzt, in der sich verschärfenden Krise, Schwachköpfe beiderlei Geschlechts wählt, ist an seinem Unglück selber schuld.
– Auswanderung nach Kanada oder Australien ist keine Alternative.
– Wer demnächst arbeitslos wird, ist wahrscheinlich selber daran schuld, denn er/sie ist zweite Wahl. Wer bereit ist, jeden Job anzunehmen, beweist damit seinen Willen zu neuem Erfolg.

Wir müssen wieder lernen, echte Leistungsträger zu erkennen. Damit wird auch die Schweiz wieder Boden gewinnen und erfolgreich bleiben. Ich empfehle: Feiern Sie mit Zuversicht und üben Sie den Einsatz in der Krise, die noch einige Zeit dauern wird.

Die „alte Tante“ NZZ sucht Anschluss

Dienstag, den 14. Juli 2009 um 8:55

Als NZZ-Dauerleser seit gut vierzig Jahren, bin ich einigermassen neugierig auf die „neue NZZ“, die wir ab Ende September erwarten dürfen. Das optische Bild soll zurückhaltend angepasst werden, was mir einigermassen gleich ist, denn ich kaufe Inhalte, nicht Optik. Man tut dies wohl mit Rücksicht auf die „vermehrt jüngeren Leser“, die man ansprechen möchte. Das ist konsequent, denn mehr als gut 20 Jahre wird meine Generation wohl kaum haben, um die NZZ noch abonnieren zu können. Inhaltlich, so Chefredaktor Markus Spillmann, sei kein Kurswechsel vorgesehen, „obschon sich auf der Redaktion eine neue Generation von Journalisten breit mache“. Welche Sprache ist das? Ein Indiz für die Zukunft? Der Inhalt könnte auch attraktiver werden und dennoch sprachlich gepflegt bleiben. Die meist höchst trostlosen Fachartikel, welche die „NZZ“ dem altliberalen Wirtschafts-Establishment zuliebe publiziert, die redaktionellen Freundesdienste, die man sich nicht nur im Lokal- und Kulturteil leistet, alles dies ist so durchsichtig, dass von einer „unabhängigen Redaktion“ nicht immer gesprochen werden kann. Der Ausverkauf der Schweizer Wirtschaft ist heute in der „Handelszeitung“ besser dokumentiert, die nationale Wirtschaftsberichterstattung des „Tagi“ derjenigen der NZZ häufig überlegen. Kürzlich verschlief die NZZ-Wirtschaftsredaktion sogar die Jahresmedienkonferenz der Vereinigung Schweizer Privatbankiers, was wohl als Sakrileg gewertet werden darf. Die „Alte Tante“ ist im Lauf der Jahre empfindlich geworden, was als Zeichen der Schwäche interpretiert werden darf. Die gesuchten „jüngeren Leser“ werden wohl dann nur um- und einsteigen, wenn an der Falkenstrasse tatsächlich ein offener Geist zu wehen beginnt. Ein neu gefaltetes Layout-Röckchen wird nicht ausreichen, aber Chefredaktor Spillmann schliesst „modische Effekthascherei“ ohnehin aus.

Wenig gefragte weibliche Topmanager

Dienstag, den 14. Juli 2009 um 7:50

In der Schweiz sind weibliche Topmanager weiterhin wenig gefragt; nur 6,6 % aller Verwaltungsräte in den 300 grössten Schweizer Firmen sind Frauen, wie das „European Professional Women Network“ soeben ermittelt hat. Die vier skandinavischen Staaten und die Niederlande liegen mit Frauenteilen von 44,2 & (Norwegen) bis 12,3 % (Niederlande) weit vorn. Weniger Frauen in den Räten haben nur Griechenland, Italien und Protugal. Einig sind sich die Eurpäer darin: Je grösser das Unternehmen, desto geringer der Frauenanteil. Wo es ernst wird, bleiben die Männer am Ruder. Leider treffen auch sie, gerade in der Schweiz, oft derart unglüchliche Entscheide, dass man sich fragt, ob sie wirklich besser als das „schwache Geschlecht“ sind. Wo Schweizerinnen antreten, so Barbara Kux bei Siemens oder Carolina Müller-Möhl bei Nestlé, sind sie in eher defensiven Positionen zu finden, den Angriff behalten sich die Männer vor.

Das neue Schweizertum

Dienstag, den 14. Juli 2009 um 7:05

Aus Genf zurückkommend, kann ich nur staunen, was ich dort gesehen und gehört habe. Dort spricht man weder von einem Christoph Blocher noch einem Peter Spuhler, die Reinhardts und Bodmers (abgesehen von der Bodmeriana) sind am Léman in Vergessenheit geraten, Dörig nie gehört! Die neuen Schweizer am Ausfluss der Rhône haben andere Namen: Gati Al-Jeburi, ein Bulgare mit irakischen Wurzeln, richtet an der Universität Genf einen neuen MBA für globale Transporte ein. Er handelt mit russischem Öl. John Beguin hat im Zentrum der Stadt „Swiss News“ aufgebaut, das führende Schweizer Magazin für englischsprachige Führungskräfte. Er ist Grieche, Amerikaner und Schweizer zugleich. Beguin publiziert zusammen mit dem World Economic Forum von Prof. Schwab; die Stadt Genf hat ihn soeben beauftragt, ein Sonderheft für die kommende grosse Telecom-Weltmesse zu publizieren. Eine Verlegerkrise kennt er nicht, nur Herausforderungen. Während die Anwaltskanzleien in Zürich in aller Stille vor allem die jüngeren Mitarbeiter freistellen, boomen die Kanzleien der welschen „maîtres“. Die Westschweiz ist in sehr guter Verfassung, weil sie der Anfang einer neuen Schweiz ist, die konsequent global ist; der materielle wie geistige Heimatschutz ist dort abgelaufen.

 
     
     
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