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Monatsarchiv für Juni 2009

Das Russ-Rihs-Debakel

Montag, den 29. Juni 2009 um 7:04

Eugen Russ war einmal ein Vorzeige-Verleger, dem alles zu gelingen schien. Andy Rihs brilliert als Hersteller von Hörgeräten, der sich in einer Unternehmenskrise an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zog. Beide glaubten an Sascha Wigdorowits und dessen Traum, mit einer Gratiszeitung namens “.ch” zusätzliche Millionen zu verdienen. Jetzt hat “.ch” den Bankrott erklärt, Sascha W. ist ausgestiegen (worden), die Journalisten stehen auf der Strasse und kratzen ihre letzten “Kröten” zusammen, viele Lieferanten warten, wahrscheinlich vergebens, auf ihr Geld. Das Russ-Rihs-Debakel ist die Folge sträflichen Übermuts reicher Unternehmer. “.ch” war weder gut gemacht, dass es eine Muss-Lektüre und ein spezieller Anzeigenträger wurde, noch gab es für dieses Produkt eine echte Marktlücke. Die Zeit der Me-too-Strategien geht durch diese Wirtschaftskrise, die eigentlich nur eine Metamorphose ist, definitiv vorbei. Jack Welch hatte recht, als er vor zehn Jahren schrieb: “Wer in seiner Branche nicht die Nr. 1 ist, wird in Zukunft kein Geld mehr verdienen.” Wer danach fragt, was die heutigen Trends bedeuten, darf sich nicht verwirren lassen (“Die Zeiten für Wirtschaftsweise waren auch schon besser”, Günter Verheugen, EU-Kommissar), sondern muss die Branchenführer suchen und den Rest vergessen.

Novartis oder Roche?

Freitag, den 26. Juni 2009 um 12:37

Was kaum jemand bemerkt hat: Roche macht heute mit USD 42,2 Mia. mehr Umsatz als Novartis. Daniel Vasellas Firma, die in Basel wunderbare Bauten erstellt, kann nur USD 41,6 Mia. vorweisen. Franz Humer, der kluge Österreicher, ist sein Geld wert. Daniel Vasella profitiert davon, gehört ihm doch, der in einem guten Moment zugeschlagen hat, ein Drittel seines Basler Konkurrenten. To follow.

Schneider-Ammanns dritter Schlag

Freitag, den 26. Juni 2009 um 10:53

Er will nicht Berner Regierungsrat werden, will nicht Präsident der FDP Schweiz werden und auch die Bewerbung als Bundesrat in der Nachfolge von Pascal Couchepin reizt ihn nicht. Die Rede ist von Johann Schneider-Ammann, VR-Präsident der Langenthaler Ammann-Gruppe, FDP-Nationalrat, Viezpräsident von économiesuisse und Präsident von Swissmem, den Schweizer Maschinen- und Werkzeugbauern, die fast 350 000 Menschen beschäftigen. Sein Swissmem-Industrietag 2009, erstmals 2007 durchgeführt, um dem Finanzplatz zu zeigen, dass er nicht alleine die Schweizer Wirtschaft repräsentiert, wurde zu einem ganz besonderen Erfolg. Erstmals in der Geschichte besuchte ein amtierender chinesischer Minister, Prof. Dr. Wan Gang, Minister für Wissenschaft und Technologie der Volksrepublik China, den Anlass eines privaten Veranstalters. Er lobte die Zusammenarbeit mit der Schweiz als vorbildlich. Schneider-Ammann, der seinen hohen Gast schon zwei Tage durch die Schweiz begleitet hatte, zeigte damit, im Unterschied zu Ruth Dreifuss, wie man mit Chinesen umgeht. Dann begrüsste er den EU-Vizepräsidenten Dr. Günter Verheugen, der als Sozialdemokrat eine absolut liberale Rede hielt. Schneider, keineswegs unterwürfig wie Bundesrat Merz in Berlin, machte deutlich, dass die Schweiz sich als europäisches Land fühle und mehr in die Forschung investiere als die meisten anderen EU-Staaten. Bundesrat Pascal Couchepin liess sich nicht lumpen und lobte, als dritter im Kreis, China, die EU und die Swissmem. Das Publikum zeigte sich begeistert. Schneider erinnerte an Albert Schweitzer (wer sonst tut dies noch?), der “Neue Gesinnungen” verlangt hatte. Vom Finanzplatz forderte er, dass er die Industrie “durch dick und dünn” begleite. Die zahlreich anwesenden Bankvertreter nahmen dies zustimmend zur Kenntnis. Es ist schade, dass die besten Schweizer Industriellen und Bankiers zu wenig für politische Positionen zur Verfügung stehen. Ein Schneider, ein Spuhler und ein Hummler würden unser Land rasch wieder in Schwung bringen.

Kennen Sie diese Sondersteuer?

Freitag, den 26. Juni 2009 um 9:25

Die Post will die Brieftarife erhöhen, weil sie sonst dem Bund nicht mehr jene CHF 200 Mio. pro Jahr abliefern kann, die er von ihr erwartet. Wie nennt man dies? Eine Sondersteuer, welche den meisten Bürgern nicht bewusst ist. Vierzig Prozent aller Schweizer erhalten vom Staat Zuschüsse, um ihre Krankenversicherungs-Prämien bezahlen zu können. 12 % können kaum noch lesen und schreiben, weshalb unser neuer Mr. Schweiz, der nicht schreiben und kaum lesen kann von Bundesrat Moritz Leuenberger, der das Aktenstudium scheut, zum neuen Volkshelden erklärt wird. Die Volksdemokratie Schweizer Art setzt einen Mindeststand an Bildung und materieller Leistung voraus. Diese Grundlagen sind demnächst nicht mehr vorhanden.

Kluge Worte zum Finanzplatz Schweiz

Freitag, den 26. Juni 2009 um 8:56

Nach Pascal Gentinetta, dem Geschäftsführer von Economiesuisse, sollten wir uns wie folgt ausdrücken: “Der Finanzplatz Schweiz ist im Begriff, eine der schlimmsten Krisen seiner Geschichte zu überwinden. Dank des tatkräftigen Einsatzes seiner Führungskräfte, unterstützt von Bundesrat und Bundespolitikern, die in den Banken auch wichtige Funktionen übernommen haben, ist die Schweiz eines jener Länder, das die Krise am raschesten überwinden wird. Wir empfehlen daher jedem Leser dieses Blogs, mit seinem ersparten Vermögen und der Hilfe seiner Bank möglichst viele Bankgeschäfte zu tätigen, damit UBS und CS Group bald wieder florieren und gute Gewinne abliefern können. Ausserdem: Wer sehr hohe Saläre bezieht, zahlt im allgemeinen auch sehr hohe Steuern. Er konsumiert auch mehr, weil seine Blumensträusse, die er verschenkt, mindestens doppelt so teuer sind wie ein normaler Blumenstrauss.” Dies sollten wir, wie ein Mantra, täglich sagen und schreiben, meint Gentinetta, der sagt: “Das Finanzplatz-Bashing schadet der Wirtschaft.” Verdrehte Welt. Der Wirtschaft schadet derzeit und in den kommenden 2-3 Jahren der katastrophale Spekulationstrieb zahlreicher Schweizer Banken, angeführt von der UBS. Der Wirtschaft (und der Politik) schaden daher die damit verbundenen Steuerausfälle in Milliardenhöhe. Der Wirtschaft (und der Politik) schaden die Nebenwirkungen und –Folgen in Form erhöhter Arbeitslosigkeit. Wer solches nicht mehr sagen oder schreiben darf, schadet der Schweiz, die sich heute noch ein freies Land nennen darf. Schliesslich meint auch der neue Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung Patrick Odier: “Die Krise hat den Zusammenhalt zwischen den Banken strapaziert.” M. Gentinetta sollte die Bankers und Bankiers aufrufen, wieder an einem Strick zu ziehen. Die Kunden würden sich darüber freuen.

Kampf der Wirtschaftsförderer

Freitag, den 26. Juni 2009 um 8:46

Die Westschweizer Kantone haben gegen die starke Konkurrenz Zürichs jetzt ihre eigenen Wirtschaftsförderer gestärkt. Bern, dem der Espace Mittelland missraten ist, musste etwas tun, um nicht weiter zurück zu fallen. Hinter dem alten Röstigraben tut sich der neue Lötschberggraben auf, denn das Wallis ist klar der Westschweiz zugeschlagen (Die 90 000 Oberwalliser fühlen sich dennoch nicht als “Welsche”). Die erfolgreiche Greater Zurich Area, von Willi Meier geführt, hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt, aber nicht für alle beteiligten Kantone. Die nur zögernd beigetretenen Aargauer, die jetzt mehr zahlen sollen, haben ihr eigenes Personal verdoppelt und wollen wieder mehr auf eigene Faust unternehmen. Die Genfer wiederum sehen sich unter dem Druck des übermächtigen Nachbarn Lyon/Rhône Alpes; die punktuelle Zusammenarbeit hat sich bewährt. In kleinerem Rahmen stauben jetzt die Thurgauer wieder Steuerzahler aus dem Kanton Zürich ab, was an der Limmat unter freundeidgenössischer Neckerei abgetan wird. Die Solothurner Gemeinde Däniken, 2700 Einwohner (Standort von Gösgen I), hat seit zwei Jahren die Wirtschaftsförderung in die eigene Hand genommen und meldet bereits den Zuzug der Tobler AG, Heizungen/Lüftungen, die dort ein nationales Vertriebszentrum einrichtet. Jetzt, wo die Steuerdebatte mit Deutschland und der OECD langsam abklingt, kann die Schweiz ausserhalb des Landes wieder offensiver auftreten. Der Zug ausländischer Unternehmer in die Schweiz wird dann rasch wieder Tempo aufnehmen.

Freitag NZZ-Fotoregie: Mehr als 1000 Worte

Freitag, den 26. Juni 2009 um 7:44

In den politischen Texten wird jedes Wort gelesen, umgedreht, verdreht und interpretiert. Oft sind die Fotos wichtiger. Ein gutes Beispiel ist die NZZ Nr. 143 dieses Jahres, wo auf der Frontseite, unser “vertically handicapped” Bundespräsident Hans-Rudolf Merz dem grossgewachsenen Hamburger Peer Steinbrück versöhnlich die Hand drückt, der aber wie ein deutscher Panzergeneral nach vorn (und nicht zur Seite) blickt, die in Berlin bestätigte Niederlage der Schweiz fest im Auge. Merz’ Blick schwelgt in Dankbarkeit, wozu kein Anlass besteht. Als unrasiert-zweifelnder Intellektueller wird auf der Frontpage des Schweiz-Teils der Tessiner Fulvio Pelli im Bild präsentiert, dazu noch der Feinschmecker-Titel “Diese Frage beantworte ich nicht.” Auf den Leser wirkt beides eher abstossend, woraus sich erklärt, weshalb die FDP weiter stimmen verliert. Den Titel von “Zürich und Region” ziert ein gleich zweispaltiges Farbfoto der exaltierten grünen Stadträtin Ruth Genner, die bei der Umarmung ihres Kollegen Daniel Leupi in einem Masse Wonne ausdrückt, wie es keiner Schauspielerinnen-Kollegin in letzter Zeit geglückt ist. Leupi, obwohl er erst Kandidat für die kommenden Zürcher Stadtratswahlen ist, wirkt wie ein weisser Obama beim Wahlsieg. Die Grünen, eine von der Angst ihrer Wähler und dem Versagen von FDP und CVP getragene Partei, deren bisheriger Leistungsnachweis eher bei Null liegt, drückt rund um die Uhr jene Faustlaune aus, die den Konkurrenten derart kläglich abgeht. Sage niemand, die NZZ biete keine wertvollen Informationen.

Das Hilfskomitee FDP Schweiz wächst

Freitag, den 26. Juni 2009 um 7:28

Alle wollen die FDP retten, weil jedermann ausser Fulvio Pelli begriffen hat, dass die einst staatstragende Partei laufend an Bedeutung verliert. Zuerst war es nur die SVP, die ihren starken Arm anbot, um den seit Franz Steinegger serbelnden Freisinn zu stabilisieren. Was in Zürich in der Aera FDP-Fiala und SVP-Frei während einiger Monate gelang und Früchte trug, ging auf nationaler Ebene immer schief. Jetzt bietet sich ein weiterer Retter der FDP an: SP-Nationalrat Andreas Gross, welcher den Freisinnig-Liberalen helfen will, “nicht in die Fänge der SVP zu geraten”. Vor einem Jahr war es noch Fulvio Pelli, der Kooperationen und Koalitionen nach allen Seiten anbot, um die Tragfähigkeit seiner Politik zu vergrössern. Daraus wurde nichts, was niemand erstaunt.

Rätselhafte Ursache der Finanzkrise

Donnerstag, den 25. Juni 2009 um 12:56

Die Vertreter der beiden Grossbanken UBS und CS verteidigen sich, indem sie sagen, die Ursache der Finanzkrise liege “nicht nur bei den Geschäftsbanken” (Hans-Ulrich Meister, Chef Schweiz der CS Group), auch die politischen Rahmenbedingungen in den USA hätten eine Rolle gespielt. An dieser Stelle sollte man fortfahren mit dem Hinweis, dass die Geschäftsbanken in Washington eine sehr aktive und, wie man sieht, erfolgreiche Lobby betrieben haben, um die geschäftlichen Restriktionen, denen sie ausgesetzt waren, aufzuheben. Erst in diesem Zusammenhang lässt sich die für viele rätselhafte Ursache der Finanzkreise erklären; daran haben unsere beiden Grossbanken natürlich kein Interesse. Es war die Gier der boni-getriebenen Spitzenbanker, die sich über die ethischen Richtlinien hinwegsetzten, wie sie von echten Bankiers respektiert wurden. Wer jedoch an eine Trendumkehr glaubt, irrt sich gewaltig. Mit der Forderung nach einer global koordinierten Aufsicht, wie sie von “Joe” Ackermann, CEO der Deutschen Bank, vorgetragen wird, schiebt man die ungeliebte Aufsicht auf die lange politische Bank. Der Berner Bankier Hans-Jörg Rudloff, Chairman von Barclays Capital, war der einzige in der Schweiz, der dieses Fehlverhalten seiner Kollegen mannhaft als solches benannte. Er war auch einmal Chef der CS-Investmentbank, wurde dann aber von Rainer E. Gut, der spekulativen Abenteuern durchaus nicht abgeneigt war, zur Seite geschoben. Gut ist heute fast vergessen; Rudloff, ein jung gebliebener echter Bankier alter Schule, hat sein Haus glänzend bestellt.

Christoph Blocher hat seine Linie gefunden

Donnerstag, den 25. Juni 2009 um 10:42

Nach seiner Abwahl aus dem Bundesrat, die von einer linken Zufallskoalition ausgelöst wurde, tat sich Dr. Christoph Blocher schwer. Die SVP entglitt immer mehr seiner Kontrolle, strategische Fehlentscheide führten zur Gründung einer Splitterpartei. Sein wirtschaftliches Hauptwerk, die EMS Chemie, geriet in die Wirren der Automobilkrise, die noch lange dauern können. Jetzt hat Christoph Blocher das Kloster Rheinau gerettet, indem er persönlich CHF 20 Mio. stiften will. Diese Haltung eines Schweizer Industriellen ist beispielhaft und sollte für andere auch ein Zeichen sein, die Schätze des Landes nicht verfallen zu lassen. Dr. Branco Weiss, ein nicht geringerer Zürcher Mäzen, der die ETH Zürich und viele andere Bildungsstätten mit noch höheren Beträgen unterstützt, sagte kürzlich: “Dankbarkeit ist eine Form der Gerechtigkeit.” Leider gilt dies nicht für die meisten ausländischen Topmanager und Unternehmer in der Schweiz – oder haben Sie je davon gehört, dass Samih Sawiris, Viktor Wekselberg oder Michael Schuhmacher etwas gestiftet haben? Positiv hebt sich der deutsche Unternehmer Klaus-Michael Kühne ab, der im Kanton Schwyz ansässig ist. Seine Stiftungen engagieren sich seit Jahren erheblich in der Schweiz, sei dies im Hochschulbereich oder im Gesundheitswesen.

 
     
     
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