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Tagesarchiv für 30. Juni 2009

Csaba Kennesseys Krieg gegen die SRG

Dienstag, den 30. Juni 2009 um 16:57

Csaba Kennessy, ein aufrechter Ungar, der vor 54 Jahren in die freie und neutrale Schweiz geflüchtet ist, der dann sehr erfolgreich Computer verkaufte und die Schweiz, seine neue Heimat, liebte, führt einen Krieg gegen die SRG. Er ist der Auffassung, hinsichtlich der Lage in Ungarn würden die Schweizer TV-Zuschauer in die Irrre geführt, sein Volk in den Dreck gezerrt. Er hat erfahren müssen, dass seine Reklamationen bei einer SRG-”Sammelstelle” gelandet sind, worauf ihm niemand mehr antwortete, auch der neue Programmdirektor Haldimann nicht in seiner alten Funktion als Chefredaktor. Kennessy versteht die Schweiz nicht mehr, der er 54 Jahre treu diente.

Gefährdete Politiker

Dienstag, den 30. Juni 2009 um 12:25

Den ersten richtigen Angriff gegen den verschwommen wirkenden FDP-Präsidenten Fulvio Pelli hat Gieri Cavelty von der “Mittelland Zeitung” verfasst. Ergebnis: Man will ihn eigentlich nicht als bisher glücklosen FDP- Parteipräsidenten, auch nicht als Bundesrat, aber was mit ihm tun? Klar, Chef eines Altersheims, denn unter den 50- 74jährigen hat die FDP Schweiz die meisten Anhänger. Zehn Prozent aller Schweizer, darunter überdurchschnittlich viele junge, wünschen sich ohnehin einen grünen Bundesrat. Ins Amt geschafft hat es die SP-Jungpolitikerin Corine Mauch. Die neue Zürcher Stadtpräsidentin bekennt, sie habe auch schon 92-Stunden-Wochen und schreibe ihre Mails bis ein Uhr morgens. Ihr Privatleben leide darunter (etwas).

Schweizer Armee, stillgestanden!

Dienstag, den 30. Juni 2009 um 8:55

Die bemerkenswerte Tatsache, dass sich die Redaktion der “Neue Zürcher Zeitung” soeben vom besten Militärjournalisten der Schweiz, ihrem langjährigen Mitarbeiter Bruno Lezzi, getrennt hat, kann auch als Signal betrachtet werden, dass Beurteilungen der Schweizer Armee aus nationaler Sicht künftig kaum mehr notwendig sein werden. Mein langjähriger Chef (1971-78), Divisionär Dr. Gustav Däniker, der vor Hans Bachofner sicher beste Schweizer Militärstratege, war zuletzt zunehmend frustriert. Sein letztes Geschenk an die Eidgenossenschaft, das Dokument “Sicherheit durch Kooperation”, wurde in Bern unter den Tisch gewischt, obwohl genau dies der Weg ist, der auch heute noch alleine in die Zukunft führt: Kooperation mit den Nachbarn, d.h. mit der sehr selbstbewussten NATO. Seit dem Ende des Kalten Krieges, dem Fall der Berliner Mauer, geriet die Schweizer Verteidigungspolitik ins Abseits. Bundesrat Eckmann-Villiger entwickelten schon keine Strategie mehr, drückten aber den Kauf der heute abzuschaffenden F/A-18 Kampfjets durch. Dölf Ogi integrierte uns (Partnerschaft für den Frieden) im Vorzimmer der NATO, kam dann aber nicht mehr weiter. Damals waren die Traditionalisten stark, so wie sie heute im SVP-geführten VBS wieder vorrücken, “die beste Armee der Welt” (Ueli Maurer) schaffen wollen, dazu wieder Radfahrertruppen und Mulis. Die Schweizer Armee ist unbedeutend geworden. Noch ist die “Geistige Landesverteidigung” nicht verloren, sollen die privaten Zivilschutzräume doch weiter gebaut und verbessert werden. Immerhin, das eigene Volk zu schützen bleibt die höchste Aufgabe.

Merkwüridigkeiten

Dienstag, den 30. Juni 2009 um 8:45

Englisch ist für Moritz Leuenberger (Sie wissen, der Bundesrat) “eine PR-Sprache”. Etwas derartig Dummes habe ich schon lange nicht mehr gehört, aber wir senden ja auch Diplomaten zur Verhandlungen nach Washington, die des Englischen nicht mächtig sind. Leuenbergers Votum fiel in Dübendorf bei Zürich, wo Bertrand Piccard seinen “Solarimpulse” enthüllte. “Joe” Ackermann war da, Prinz Albert II. von Monaco, Nick Hayek, auch Sponsor, war nicht zu sehen. Es fehlen noch Euro 54 Mio., damit der grosse Flug im Jahr 2012 beginnen kann.

Die Geständnisse von Kurt Koch, Präsident der Bischofskonferenz

Dienstag, den 30. Juni 2009 um 7:08

Erlebt habe ich es noch nie, dass ein Bischof den jahrelangen erbitterten Kampf gegen einen Pfarradministrator verliert, um zur Tagesordnung überzugehen. Kurt Koch, der seit 1995 das grösste Schweizer Bistum leitet, hat Alexander Sury im “Bund” ein Interview gegeben, aus dem eine Grossreportage wurde, wie wir sie hoffentlich auch künftig noch werden lesen können. Wer ist dieser Kurt Koch, den ich selbst mehrmals beobachten und hören konnte, und der es liebt, Rätsel aufzugeben?
- “Wenn ich die innere Freude am Glauben nicht verspürte, hätte ich das Amt schon längst aufgegeben”, sagt er. Das Arbeiterkind aus Emmenbrücke distanziert sich damit von Vorgängen in Rom und der Weltkirche.
- “Der Glaube verdunstet”, sagt er, “die Renaissance des Glaubens” schreibt er der Eventkultur zu. Koch legt damit Zeugnis seiner eigenen Machtlosigkeit ab.
- Als am 8. März in Luzern 1500 Menschen gegen die Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Bruderschaft demonstrierten, habe er, Koch, bei der Ankündigung des Anlasses Verständnis gehabt. Später nicht mehr, als er den Dialog mit der Bruderschaft empfahl.
- Als bei einem Gedenkgottesdienst zur Erinnerung an den Amoklauf im Zuger Kantonsparlament auch für den Täter eine Kerze angezündet werden sollte, vermied Koch diese priesterliche Handlung. Der Regionaldekan solle dies später nachholen. Koch wurde als Feigling beschimpft.

Wahrscheinlich trifft dieser Vorwurf zu. In einer Zeit wie der heutigen verlangen die Menschen gerade von einem Kirchenführer, dass er Position bezieht, vorangeht. Als am 1. Juni die katholischen Christen zu einer Wallfahrt nach Einsiedeln “Für die Einheit der katholischen Kirche in der Schweiz” eingeladen wurden, “hielt sich der Ansturm der Gläubigen in Grenzen”, schreibt Alexander Sury. Kein Wunder, Kurt Koch wirkt oft matt, ganz wie seine Kirche, deren lebendiger Zeuge er sein will.

 
     
     
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