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Tagesarchiv für 24. Juni 2009

Schweiz im Sturm

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 15:44

Soeben ist das Schweizerische Bankgeheimnis gefallen und alle tun so, als habe man es nie gebraucht. Fragt sich nur, wie gross die Folgeschäden noch sein werden, sei dies in Form von Vertrauensverlust bei Kunden oder Strafzahlungen durch die Banken, so UBS, direkt. Der amtierende Bundesrat gilt nicht als sturmfest; ohnehin wird bald von weiteren Rücktritten zu hören sein. Die alt- wie die neubürgerlichen Parteien eilen wie Rettungsboote im Sturm zu Hilfe, machen aber den Eindruck, als müssten sie zuerst sich selber retten. Swissmem ruft für seine Mitglieder nach staatlicher Hilfe, ebenso die schweizerischen Verleger, die Bauern, die Seilbahnbetreiber (die Touristiker ohnehin). Wohin SwissLife und Sulzer steuern, +GF+ und AFG, wissen wahrscheinlich nicht einmal deren Managements. Einzig auf die Führung der Nationalbank, das Trio Roth-Hildebrand-Jordan scheint Verlass zu sein. Jetzt bricht uns auch noch die SRG (SSR idée suisse) zusammen, die total überschuldet ist, kein funktionsfähiges Management hat und die beiden leit(d)enden Stars Armin Walpen und Daniel Eckmann per Ende 2010 ihren Rücktritt angekündigt haben. Ob die beiden in den verbleibenden wenigen Monaten schaffen, was ihnen während Jahren nicht gelang, eine marktfähige, finanzierungsfähige und leistungsfähige Struktur aufzubauen, darf von ernsthaften Betrachtern bezweifelt werden. Schon wieder wird ein Supermann, wird eine Superfrau, gesucht; dazu eine Führungsmannschaft, die in schwierigsten Jahren der Schweiz (idée suisse) inneren Halt vermitteln soll. Eines ist heute schon sicher: Die international ausgerichtete A-Schweiz (Konzerne, globale Vereinigungen etc.) wird dies achselzuckend beobachten, die B-Schweiz der national Besorgten bis Fordernden steht erneut vor einer Aufgabe, die mit den bisherigen Machttechniken nicht mehr lösbar ist.

Drogenpolitik kein Thema mehr?

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 11:07

Merkwürdig still geworden ist es um die Schweizer Drogenpolitik, obwohl von Zürich behauptet wird, es sei die Kokain-Hauptstadt der Schweiz, wo der Konsum laufend zunehme. Mehr wissen wir über die USA, wo gerade die von Richard Nixon ausgelöste Antidrogenpolitik ihr 40jähriges Jubiläum feiert. Ergebnis: 500 000 Amerikaner sitzen wegen Drogendelikten dort im Gefängnis. Die USA geben jährlich USD 44 Mia. für die Drogenbekämpfung aus, tun aber nichts zur Behandlung der Süchtigen. Diese “graue Wirtschaft” ist wohl der grösste Wachstumsfaktor der amerikanischen Gesellschaft. Apropos: Das “Wall Street Journal” hat soeben ermittelt, was die Europäer von den USA halten. Zwei Drittel aller Europäer, 80 % aller Schweizer, fanden den politischen Einfluss der USA in den letzten fünf Jahren negativ. Immerhin elf Prozent aller Europäer glauben, mit Obama werde sich dies nicht bessern, 70 % sind optimistisch. Einen positiven kulturellen Einfluss der USA sehen knapp ein Drittel aller Europäer. Sie meinen damit Filme in den Kinos und im TV (40 %), Sport (13 %) und Musik (13 %). US-Literatur-, -Mode und –Essen schätzen nur 3 % aller Europäer. Umgekehrt: 83 % aller Europäer haben noch nie Ferien in den USA gemacht, jedoch 35 % aller Schweizer.

Vermutetes, aber unbekanntes Massaker

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 11:03

Weltweit sterben im Strassenverkehr über 1,5 Mio. Menschen, Tendenz steigend. Was Moritz Leuenberger und die Grünen bei uns zu verhindern suchen, indem wir mit Velogeschwindigkeit durch die Dörfer fahren müssen, wird in Indien und China weitaus aufgewogen, wo das Überleben im Strassenverkehr bei zunehmender Motorisierung ein Glücksfall ist. Obwohl die Autohersteller dies leugnen, sind Kleinwagenfahrer besonders betroffen, weil sie vorn keine Knautschzone haben. In den USA hat man allerdings festgestellt, dass früher stirbt, wer im Kleinwagen verunfallt.

Habermas ante portas

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 10:19

Wie die Schweizer Medien Pascal Couchepin zujubeln und ihn als Staatsmann zu verklären suchen, der jetzt die Schweizer Volksdemokratie einschränken möchte, indem er für die Parteien eine 5 %-Klausel für den Einzug ins Parlament vorschlägt, rühmen unsere geistigen Vordenker Jürgen Habermas zu seinem 80. Geburtstag, dessen geistige Entwicklung sich auf der Linie zusammenfassen lässt: Vom kritischen Aufrührer zum kritischen Staatsdenker, dies unter wohlwollendem Einbezug der Religiosität. Ralf Dahrendorf habe ich stets mit Lust gelesen, den jungen Peter Sloterdijk ebenfalls, dessen “Üben” eher eine Übung der Belanglosigkeit ist (aber schwache Werke gehören Aufstieg grosser Geister), aber Habermas’sche Lektüre war zumeist ein Suchprozess durch Belanglosigkeiten, was seine globale Rezeption erklärt, denn Studenten und deren Professoren auf der Suche nach verbliebenen grossen Geistern aus Deutschland, können die darin aufgeworfenen “Fräglein” gut in Seminararbeiten verwandeln. Die durch die Instanzen gewanderten Altlinken loben ihn, weil seine religiöse Altersmilde auch ihren geistigen Prozess umschreibt.

Europas schlechter Sommer

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 8:48

Unser teurer europäischer Wohlfahrtsstaat kann Einwanderern nicht bieten, was die Einheimischen als ihr Privileg betrachten. Deshalb tun sich die USA leichter, Menschen aus aller Welt zu integrieren, weil es dort keinen Wohlfahrtsstaat gibt. Wer nicht arbeitet, verarmt. Barack Hussein Obama will nun mehr Sozialstaat und gilt daher bei den Republikanern bereits als “Europäer”. England bricht derweil zusammen. “New Labour” wurde nicht mehr von den Gewerkschaften finanziert, wie “Old Labour”, sondern holte Geld von den Reichen (Peter Mandelson, heute Wirtschaftsminister), indem Adelstitel verkauft wurden. Den Tories, die von der “upper middle class” kommen, fehlt weiterhin eine charismatische Figur, weshalb sie an die Vertreter der “lower middle class” der Sozis nicht herankommen, dies trotz Bestechungskrise im Parlament.
Lebensmittel werden laufend teurer; nur mit variablen Produktverpackungen kann die Industrie den Anschein aufrecht erhalten, es gäbe keine Preisinflation. Die Lebensmittelkonzerne werden von der EU subventioniert und vernichten damit regionale Märkte wie Produkte unter Aneignung von deren Knowhow. Besonders begünstigt werden die Zucker- wie die Fleischindustrie, weshalb wir bald ebenso fett sind wie die Amerikaner. Steaks und Bonbons sind grosse Subventionsempfänger. Die etwas direkteren Ungarn reden schon davon, man wolle ihr Volk ausrotten.
Hilfe kommt von der Kirche. Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens, ruft die “Kinder Gottes” zu einem Leben in Freiheit und Fülle auf, warnt sie aber vor dem Sklaventum des Konsums. Zwar sei der Kapitalismus in einer Sinnkrise, aber zuviel Staat ginge wieder zulasten der Bürger. Sein Schweizer Gefolgsmann, Abt Martin Werlen in Einsiedeln, ist bekanntlich Berater unserer Wirtschaftsministerin Doris Leuthard und kann sie, gut benediktinisch, mit gesundem Menschenverstand auf Kurs halten. Auf welchem, bitte?

Schweizer Volk vor grossen Aufgaben

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 8:05

Weil die Banken unseren grossen Exportfirmen nur noch Kredite zu 9-10 % geben und weitere Verteuerungen abzusehen sind, soll nun die “Glückskette” Geld bei den Mütterchen sammeln, um einen Hilfsfonds für die Industrie zu alimentieren; früher hiess dies einmal “Gold gab ich für Eisen”. Das Schweizer Volk steht vor grossen Aufgaben, obwohl seine politischen Volksrechte weiter eingeschränkt werden sollen. Frei sind gemäss Helmut Hubacher, der sich aus Basel meldet, nur noch die “Feudalaristokraten”, die aus der Schweiz eine Luxusresidenz machen, dies mit Unterstützung der Banken, Anwälte und kantonalen Behörden. Die intellektuelle Abstieg der Schweizer Medien kann nicht nur an der “Basler Zeitung” manifest gemacht werden; jetzt verdünnt auch der Zürcher “tagi” sein Leseangebot und zieht Hilfskräfte der “Süddeutschen Zeitung” bei, die ich ohnehin schon lese und mich daher entscheiden muss, welche Zeitung ich abbestelle (so verringern die Verlage ihre Auflage anstelle sie durch ein besseres Angebot zu steigern). Die beiden Säulen der “NZZ”, die Ausland- und die Wirtschaftsredaktion, wanken; erstere ist schon ausgedünnt, letztere wird von “Gerry” Schwarz geführt, der deutlich ermüdet. Bleibt nur das Feuilleton. Woher bezieht der Bürger sein Wissen?
Auf jeden Fall haben die Bürger mit 50,1 % zugestimmt (Wahlbeteiligung 38 %), künftig biometrisch vermessen zu werden dies zur besseren Identifikation. Künftig werden wir alle wie Verbrecher aussehen: Gesicht frontal, kein Lächeln. Der Abstand zwischen unseren Augen wird hunderte von Kontrolleuren beschäftigen, nicht aber deren Ausdruck, was viel wichtiger wäre. Wer sich nicht unterwirft, gilt als nicht mehr reisefähig und verdächtig.
Unterhalten kann sich dieses Volk beim Fussball oder via Tour de France, deren Sieger immer jünger sterben. Meist ist es Krebs, hervorgerufen durch Cortisonbehandlung. Bis 1939 wurden die Sieger noch bis zu 74 Jahre alt, heute sind sie glücklich, werden sie noch 60 Jahre alt. Von den zehn letzten Siegern der Tour de France starben acht vor ihrem sechzigsten Geburtstag. Vive le sport. Wer drei Wochen lang mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 kmh Velo fahren will, muss sich dopen.
Unser Trost, anderen geht es nicht besser. In Aquila rufen die Menschen Silvio Berlusconi, ihrem Staatschef, zu: “Yes, we camp”. Und die 1,2 Mio. Einwohner des Val d’Oise protestieren heute schon gegen die Ausbau des Flughafens Roissy, ohne von “Sarko” bisher eine Antwort auf ihre Demarchen erhalten zu haben. Unsere maximal 240 000 Südanfluggegner im Raum Zürichkönnen daran ablesen, welche Hoffnungen sie sich machen dürfen.

Sprechen Sie auch Schickeria?

Mittwoch, den 24. Juni 2009 um 7:56

Manchmal erhalte ich Einladungen, die nur mühsam zu entziffern sind:

- “Grooven Sie mit uns…”
Wie ich mich bei Jüngeren vergewissert habe, handelt es sich dabei nicht um einen späten Frank Sinatra/Dean Martin-Stil, wo man sich, den Gin Tonic in der Hand, lässig zwischen Gleichgesinnten bewegt. Vielmehr nutzt man Lounges und Wohlfühloasen, nimmt coole Drinks zu sich und feine Häppchen. Dazu guter Sound im Patio. Niemand sagt mir, wer sonst dort ist, vielleicht meine Tante.

- “Kommen Sie zum Chill out…”
Keine Ahnung, was das ist. Ganz offensichtlich lässt man sich dort ganz einfach hängen, tut nichts, bewegt sich nicht, sagt nichts.

Da es sich um die gleiche Einladung handelt: Soll ich jetzt grooven oder outchillen? Bin einigermassen ratlos.

 
     
     
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