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Journalisten verdienen zuviel

17. June 2009 um 7:10

Unsere Starjournalisten in der Schweiz verdienen leicht zwischen CHF 150 000.– bis CHF 300 000.– p.a., sofern sie auch redaktionelle Verantwortung übernehmen. Jetzt beginnt der Gegenschlag: In Deutschland spricht man ganz offen davon, dass Journalisten eigentlich zuviel verdienen. Die englische BBC hat ihren Spitzenverdienern soeben die Saläre um bis zu 40 % gekürzt. Merke: Wer die Gesellschaft verändern will, soll dies bitte auf eigene Rechnung tun.

10 Kommentare zu “Journalisten verdienen zuviel”

  1. Ugugu

    *hüstel* keine ahnung was ein nzz-chefredakteur verdient, vermutlich liegt da ihre schätzung im realistischen bereich, wobei chefredakteure, egal wo man in der schweizer presselandschaft derzeit hinschaut, meist auch keine journalisten mehr im eigentlichen sinne sind, sondern eher der verlängerte arm des managements/verwaltungsrats. für 95 prozent der schreibenden zunft dürfte der schlachtruf “journalisten verdienen zuviel” nach nicht viel mehr tönen, als nach einem gelungenen provokatiönchen im weltwoche-stil aus dem hause stöhlker.

  2. Fred David

    Deutsche Journalisteneinkommen der obersten Klasse unterscheiden sich noch deutlich von schweizerischen.

    Als ich in Zürich einen journalistischen Führungsjob übernahm, sagte mit der CEO des damals grössten Medienunternehmens: “Aber nicht das sie jetzt ein Gehalt erwarten, wie es in Deutschland üblich ist. Das können wir nicht bezahlen…. Es war dann auch schweizerisch eingemittet.

    Aber es war ein sehr ordentliches Gehalt: 280 000 Fr. brutto plus Dienstwagen , Gratisbenzin und ein - überschaubares - Spesenbudget (ich schreibe das nur, weil Schweizer Chefredaktoren niemals zugeben würden , wieviel sie verdienen und dass man einen Anhaltspunkt hat, wovon hier die Rede ist.). Das ist jetzt zehn Jahre her. Den Wert dürfte man heute entsprechend anpassen.

    Ich fand das für die manchmal ziemlich drückende Veranantwortung über einen KMU-Betrieb mit 70 Beschäftigten und die damit verbundene Arbeitsbelastung angemessen. Gehalt und Dienstwagen können in solchen journalistischen Positionen nämlich auch schnell wieder weg sein, aus irgendwelchen Gründen und manchmal über Nacht, wie ich erlebte.

    Das gehört zum Spiel, aber dieses Risiko muss auch bewertet werden.

    Mit diesem Gehalt hatte ich auch kein schlechtes Gewissen , Interviews und Gespräche z.B. mit Herrn Vasella von Novaris zu führen, der 40.8 Mio (2008) im Jahr verdient - soviel, wie 244 Bundesparlamentarier mit sämtlichen Honoraren, Spesen und Altersvorsorge im Jahr kosten.

    Herr Vasella eröffnete mir übrigens gleich im ersten Gespräch, das eher ein Monolog war, wie er dargestellt werden möchte und wie nicht. Wir hielten uns dann nicht so ganz an die Vorgaben. Und dafür braucht man als Chefredaktor dann doch ein gewisse Risikoprämie.

    Später - als ich keins mehr hatte - habe ich mich mit Topgehältern dann etwas näher beschäftigt. Seitdem habe ich erst recht kein schlechtes Gewissen, damals zuviel verdient zu haben.

    Roland C. Rasi, der einmal Marcel Ospels schärfster Rivale gewesen war und von diesem ausgebootet wurde , erzählte mir , was so auf dieser Ebene neben den ausgewiesenen Einkünften üblich ist: “Sehr hohe Löhne mindern den Widerstand, Dinge zu tun, die man unter andern Umstände nicht tun würde. Die Verlockungen sind enorm Topmanagern wäscht man heute sozusagen von der Firma aus auch noch die Unterwäsche gratis. Unternehmen finanzieren ihren Topleuten heute sehr vieles nebenher: komplette Altersvorsorge, Dienstvilla, Dienstpersonal, Hypotheken, Autos, Ferienflüge, Theater, Golfclub, 300 mal im Jahr gratis essen, Dinge, die nirgendwo als Goodies auftauchen.”

    Auf meine Frage “Wer so bedient wird, von dem kann man alles, wirklich alles verlangen”, anwortete Rasi:”Ja, auch im richtigen Moment zu schweigen.”

    Dass hohe Geälter und die ganzen Goodies drum herum etwas Korrumpierendes haben, erlebte ich selber auch. Ich darf sagen, dass ich mich nicht korrumpieren liess - aber die Verlockungen waren wirklich enorm

    Uebrigens: Das mit dem Schweigen trainere ich noch. Es fällt mir angesichts der obwaltenden Umstände schwer …

  3. rené w.

    Ich habe früher in der Sonntagssendung WELTSPIEGEL der ARD von Top-Journalisten profilierte Berichterstattungen und Stellungnahmen zu weltweiten Themen verfolgt. Herren wie Hans-Walter Berg, Dieter Kronzucker, Peter Scholl-Latour, Günther Gaus, Klaus Bölling oder Lothar Loewe waren jedes Gehalt wert !
    Heute könnte man bei vielen ihrer Kollegen ruhig etwas sparen !
    Wieviel Goodies den sogenannten ‘Top’-Managern nachgeworfen wird, ist ja eigentlich unwichtig, mindestens das Gratis-Golf soll man ihnen streichen - ausser modischen Auftritten liefern sie am Golfplatz meistens nix ab !
    Das Mitgefühl mancher Leidensgenossen ist mir sicher…………………

  4. Fred David

    Was die Goodies betrifft, sind europäische Manager ja noch als genügsam zu bezeichnen Ein japanischer Manager erzählte mir, in Tokio sei es üblich, dass Konzerne für die Entspannung ihres gestressten Toppersonals eigene Nachtclubs mit allem Drum und Dran finanzierten. Aus der Konzernkasse.

    Mein Spesenetat liess es leider nie zu, diese Information genauer zu überprüfen. Aber der Informant machte einen sehr glaubwürdigen Eindruck.

  5. mds

    @Fred David: Die Information zu Japan ist glaubwürdig. Japan ist sowieso interessant, wenn auch deprimierend, denn die Schweiz wird Japan immer ähnlicher – einerseits eine Politisierung in Richtung Faschismus mit einer kleinen herrschenden Wirtschaftsklasse und einer zudienenden Politik, andererseits eine Mehrheit von Dienstboten, die unter prekären Bedingungen leben, in Konkurrenz zu ausländischen Arbeitskräften. Wir sehen von Japan üblicherweise nur den ersten Teil, relevant wäre aber der zweite.

    Der oben erwähnte Faschismus übrigens ist im eigentlichen Sinn gemeint – nicht, wie ihn die Linke gegenüber der SVP bisweilen fälschlicherweise verwendet. Und natürlich ist auch die Linke zudienend.

  6. Patrik Tschudin

    Lohnkürzungen? Wenig originell! Nach Lohnkürzungen für uns rief vor einem Monat schon der Messmer:
    http://www.arlesheimreloaded.ch/article/journalist-einkommen-tabuthema-kaffee
    und bezog sich dabei auf den Artikel im CSM
    http://www.csmonitor.com/2009/0519/p09s02-coop.html

    (und - ganz unter uns - wenn die BBC den 150′000.- verdienenden helvetischen “Starjournalisten” ihr Salär um 40% kürzen würde, dann bekämen die ungefähr, was hier beim Radio heute der Schnitt ist! Soviel zum Thema Lohnkürzungen. Aber man kann natürlich auch von 1′000.- pro Monat leben… Erinnert ihr euch an eure Studizeit?)

  7. ERWIN THEUERKAUF

    Ein viel groesseres Problem sind die sogenannten “Journalistenrabatte” auf fast alle Waren des taeglichen Lebens, wie kann man objektiv sein, wenn man vorher einen Preisnachlass erhalten hat?

  8. Sven Petes

    Gutes Thema, interessante Kommentare, bei welchen aber vieles miteinander vermischt wird oder Dinge, die direkt mit dem Thema nichts zu tun haben.

    Ein Kommentar zu diesem Kommentar:

    Ein viel groesseres Problem sind die sogenannten “Journalistenrabatte” auf fast alle Waren des taeglichen Lebens, wie kann man objektiv sein, wenn man vorher einen Preisnachlass erhalten hat?

    Leider wird die Objektivität oder die Glaubwürdigkeit der Journalisten oft durch Deals der Verleger/Verlage mit Konsumgüterhersteller untergraben.

    Ein sehr gutes Beispiel ist der Ringier/Blick/Blick am Abend “Redaktor” Thomas Benkö anhand dem folgenden Beispiel, welches für jeden aufmerksamen Leser ersichtlich war (die Deals dahinter leider nicht):

    als das I-Phone noch nicht in der Schweiz offiziell erhältlich war, hat der Digital Redaktor Benkö das Gerät (dazumal schon im Besitz von Tausenden Schweizern, gehackt oder Schweizer Telco Vertrag) ausführlich getestet und es in Grund und Boden gestampft. Blackberry, Nokio und Co seien viel besser etc etc - er klang fast wie ein I-Phone Hasser.

    und dann plötzlich, als die Verhältnisse in der Schweiz langsam klar wurden, wer die I-Phones wann verkaufen wird, drehte sich der Thomas Benkö um 180 Grad in die andere Richtung und wurde zum grössten I-Phone bewunderer. Spät gar I-Phone der ersten Stunde gar…

    hat der Herr jetzt vorher seine Abneigung nur vorgetäuscht, um Apple Schweiz Druck spüren zu lassen? schwer zu glauben, dass ein Redaktor seine Meinung über ein Gerät, dass er getestet hat in genau das Gegenteilige ändert.

    Vielleicht sollte man darauf plädieren, dass die Verlage/Verleger ihre “Geheimen” PR/Marketing Deals mit Consumer Brands offen legen müssten. Da wird der Konsument nämlich getäuscht.


  9. lieber sven petes (sofern das dein richtiger name ist),

    das ist halt das problem: hat man jahrelang immer die gleiche meinung, ist man fuer die einen geradelinig - und fuer die anderen borniert.

    wechselt man die meinung lernt man fuer die einen dazu - fuer die anderen ist man wankelmuetig..

    wahrscheinlich meintest du meinen heute-text (siehe unten). stimmt. damals fand ich das nokia95 eine spur besser. ‘leider’ hat sich das iphone - und vor allem die SOFTWARE - weiterentwickelt, jetzt hat fuer mich halt das iphone die nase vorn.

    und wie ich jedemal betone, sind die handys die ich bespreche, meistens testgeraete (wie auch das n95). klar wueder ich jedes geraet selber oder auf redaktionsbudget kaufen, aber das geht aus offensichtlichen gruenden nun mal nicht.

    ps: meine beiden macs (imac und macbook) habe ich selber gekauft. im apple onlinestore. ohne journi-rabatt.

    aber das passt wohl nicht ins weltbild.

    ======>>>> heute text:

    © heute; 24.04.2008; Ausgabe-Nr. 79; Seite 9
    digital
    Langzeittest: Warum Apples Kulthandy nicht glücklich macht
    Tschüss iPhone, welcome back N95

    ZÜRICH - Ich gebe es zu: Ich wollte das iPhone lieben. Nach ein paar Test-Wochen kehrte ich aber zum Nokia N95 zurück. Es bietet schlicht mehr Möglichkeiten.

    Am Anfang lief noch alles paletti. Ich war stolz auf mich, dass ich mein iPhone (Testgerät von Digitec) innert Minuten fürs Swisscom-Netz hacken konnte. Dann fing ich an, wie ein Weltmeister im Internet zu surfen - da schlägt der eingebaute Safari-Browser wirklich alle anderen Handys um Lichtjahre. Und dann? Nun ja, ich installierte ein paar Apps: Twinkle zum Twittern, Fring zum Chatten - und SwirlyMMS zum MMS verschicken. Denn von Haus aus schnallt das iPhone MMS ja nicht.

    Aber irgendwie wurde es dann langweilig und ich fragte mich, wieso ich ein Handy hacken muss, damit es danach das kann, was andere Handys schon lange können. Und dann fielen mir plötzlich immer mehr Sachen auf, die an meinem geliebten Nokia N95 8 GB (Testgerät von Nokia) besser liefen. Am wichtigsten: Nummern im Adressbuch finde ich dort mit ein bis zwei Tastenklicks. Beim iPhone musste ich ewig mit dem Finger scrollen. Zudem sind beim N95 die Fotos massiv besser - und es hat eine Videofunktion (auch dies geht beim iPhone nur durch den ushow.com-Hack). Dank Qik und Kyte kann ich so beim N95 live Videos ins Netz streamen. Für mich ist dies aktuell die hippste Handy-Funktion. Kurz: Das iPhone erinnert ans alte Web 1.0 (Inhalte konsumieren), das N95 ans moderne Web 2.0 (Inhalte produzieren).

    Spätestens im Juni, wenn sich das iPhone für Dritt-Applikationen offiziell öffnet, erhält es von mir aber nochmals eine Chance.

    thomas.benkoe@heute-online.ch

    Video: www.benkoe.ch/iphone-vs-n95

  10. m.o.m.

    ist doch ganz einfach - legt die Löhne offen so wie die Managerlöhne. Oder kann es sein dass genau diese Leute die z.B. kaufmännisch Angestellte an den Pranger stellen selbst noch viel unverschämter abräumen? ist nur so ein Gedanke :-)

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