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Weblog
Tagesarchiv für 12. Juni 2009
Freitag, den 12. Juni 2009 um 14:33
Harvard, Stanford, Yale etc., IMD, Bottoni und Insead, Uni St. Gallen und viele mehr haben heute ein Problem: Wie werden wir den Ruf los, unseren Studenten während Jahren Denkweisen und Techniken beigebracht zu haben, die zu einer globalen Finanz-, Solvenz- und Wirtschaftskrise geführt haben? Wie diese Bildungstanker drehen, ist ein belustigendes Schauspiel. Einige leugnen, überhaupt dabei gewesen zu sein, wie AACSB-Chairman Richard Cosier, andere, wie Santiago Iniguez, Dean der IE in Barcelona sagen: “Not accepting part of the responsibility would be to say we are not part of the game.” Warum die Sorge? Joe Ackermann, CEO der Deutschen Bank, hat seine Führungskräfte nicht umerzogen, hält an der alten 25 %-ROI-Regel fest und wartet nur darauf, bis seine Schweizer Kollegen ihm folgen werden. Oswald J. Grübel, der als Herkules die UBS ausmistet, bleibt nichts anderes übrig, als gleiches anzustreben. Wer nicht den Mut zur Weltklasse hat, soll es bleiben lassen.
Wirtschaft | 3 Kommentare »
Freitag, den 12. Juni 2009 um 14:19
Über 450 Menschen, fast ein Bataillon, sind am Matterhorn seit 150 Jahren tödlich abgestürzt. Damit ist die Walliser Bergpyramide auch in dieser Hinsicht ein stolzer Titelhalter, dies einschliesslich der Himalaya-Riesen, wo der Boom ist vor 50 Jahren einsetzte und daher bis heute weniger Tote forderte. Unterschätzt werden in dieser Hinsicht weniger bekannte Gipfel. Der Salève über Genf hat seit Jahresbeginn bereits fünf Tote gefordert. Am Uetliberg, Zürichs Hausberg, gab es meines Wissens bisher keine Tote, aber jedes Jahr müssen unbedarfte Wanderer aus seinen Hängen gerettet werden, wo sie sich verstiegen haben. Mein Geheimtip ist das Baltschiedertal, das man entweder erreicht über einen haarsträubenden Weg entlang an alten, frei hängenden Suonen oder durch einen Wassertunnel, der ohne Stablampe nicht begehbar ist.
Gesellschaft | 2 Kommentare »
Freitag, den 12. Juni 2009 um 11:12
Gelbgold auf tiefem Dunkelblau leuchtet das Signet des FC Basel, in goldenem Blond die Kopfhaare von Gigi Oeri, der Präsidentin des FC Basel, und die ihres neuen Trainers Thorsten Fink. Blau wie der Fond hinter ihnen strahlen beider eigene Augen, dazu noch perfekt tief gebräunt im Duo. Der FC Basel hat ein neues Image. Christian Gross, der alte Held, wurde, wie es bei Gladiatoren immer schon üblich war, nach etlichen Verlusten abserviert. Thorsten darf zeigen, ob er es bringt. Als Zürcher darf man die Basler beneiden, denn der GC liegt gnadenlos am Boden, ein Nebenskriegsschauplatz der Finanzkrise, denn er wurde von Angehörigen des Finanzplatzes ruiniert, die vorgaben Fussball zu lieben, aber nur die Traumrenditen englischer Clubs zu ihren besten Zeiten im Auge hatten. Der FC Zürich ist zwar mehrfacher Meister, aber der alte Arbeiterclub ermangelt jeglichen Charmes, den auch die Familie Canepa nicht zu vermitteln vermag, rote Haare hin oder her. Helianes rotes Haar gegen Gigis blonde Strähnen, welches Bild! Es sind zwei Gastarbeitermädchen aus Österreich und Süddeutschland, die den Schweizer Fussball retten wollen. Zürich, neue Schmach!, schafft nicht einmal ein eigenes Stadion, das längst fertig sein sollte. Die Credit Suisse schlich aus dem Projekt durch die Hintertür davon, die freisinnige Stadtelite hofft nun auf 10 000 Fans, von denen jeder 1000 Stutz bezahlen soll. Ein hoffnungsloser Fall.
Gesellschaft, Sport | 1 Kommentar »
Freitag, den 12. Juni 2009 um 10:22
In Zumikon trifft sich die weiteren Kreisen bisher wenig bekannte Stiftung gegen Fluglärm am 16. Juni, 19.30 Uhr, im Gemeindesaal, um Wege aufzuzeigen, wie in Sachen Kloten die Beziehungen zu Deutschland verbessert werden können. Stiftungsrats-Präsident Dr. Jacob Zgraggen (ex Bank Bär) hat SVP-Nationalrat Hans Kaufmann aufgeboten, der kein deutsches Kampfflugzeug kaufen will solange die schwäbische Wirtschaft, die von einem solchen Kauf profitieren würde, beim Nordanflug sperrt. Olaf Dlugi, ein europäisch erfahrener Luftfahrtspezialist, wird die Praxis umweltgerechter Aviatik aufzeigen. Unser Schattenbotschafter für Deutschland, Dr. Thomas Borer, empfiehlt seine Dienste, leidet aber unter dem Wekselberg-Effekt, weil die Spitzen der Schweizer Wirtschaft dem Winterthurer Russen nicht trauen. Jacob Zgraggen geniesst die volle Unterstützung der Gemeinde Zumikon, wo Gemeindepräsident Hermann Zangger, der den Auszug prominenter und wohlhabender Gemeindebürger beklagt (Wenger, Wuffli), den Südanfluggegnern Sukkurs gibt. Die Ablehnung des Kaufs eines deutschen Flugzeugs für die Schweizer Armee (CHF 2,2 Mia.) heisst noch nicht, dass der schwedische Saab zum Zuge kommt. Saab ist in mindestens zwei Bestechungsskandale verwickelt, die den leichtmotorisierten Schweden in Schräglage gebracht haben.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Freitag, den 12. Juni 2009 um 8:19
Der Gouverneur von Kalifornien, der ehemalige Bodybuilder Arnold Schwarzenegger, will für alle Schüler und Studenten seines Sonnenstaates die Bücher abschaffen und durch “digital devices” ersetzen. Er meint, wer mit Facebook und Twitter umgehen könne, brauche keine teuren Bücher mehr; sein Bundesstaat könne sich dies ohnehin nicht mehr leisten. Klar, wer Bodybuilder und Terminators zum Regierungschef macht, hat nichts besseres verdient. Immerhin gibt der emigrierte Österreicher ein verderbliches Signal: Wer nicht früh lernt, mit echten Büchern umzugehen, ist dazu verdammt, mit Surrogaten zu leben. Merke: Wir haben gelernt, was heute in Kalifornien läuft, ist in wenigen Jahren auch bei uns der Fall.
Gesellschaft | 2 Kommentare »
Freitag, den 12. Juni 2009 um 7:47
Bundesrat Pascal Couchepin ist von seinem FDP-Parteipräsidenten Fulvio Pelli gnadenlos an den Rand des Rücktritts gemobbt worden. Jetzt tritt der körperlich glanzvolle, aber sonst glanzlos gebliebene ehemalige Stadtpräsident von Martigny zurück. Das Debakel um die Schweizer Gesundheitspolitik wird ihm anlasten; wir werden nicht lange warten müssen, um ihn in einigen Verwaltungsräten wieder begrüssen zu können. Seine SVP-Kollegin Rita Fuhrer lässt sich gleichentags in der “NZZ” abbilden als “arme Rita”, welche die Leser anfleht, glaubt mir doch, ich habe den prominenten Zürcher Schauspielhausdirektor nicht begünstigt, als ich für sein bulgarisches Kindermädchen kämpfte. Sie habe sich eingesetzt “auch für solche, die mich einfach anrufen”. Darum könne sie die spezielle Begünstigung des stolzen Deutschen vertreten. Wo wenige begünstigt und Tausende benachteiligt werden, wie im Falle der “sans papiers”, wo die Politiker der Deutschen Schweiz wesentlich härter auftreten als ihre welschen Kollegen, gibt es kein gleiches Recht mehr für alle, wie es stets von Pascal Couchepin verlangt wurde, wenn er etwas verhindern wollte.
Gesellschaft, Politik | 2 Kommentare »
Freitag, den 12. Juni 2009 um 7:11
In der 12 Milliarden Jahre umfassenden Geschichte unseres Planeten gab es in den letzten 500 Mio. Jahren zwanzig Fälle, wo es zu massenhaftem Sterben der Lebewesen kam. Fünf dieser Massensterben, “The Big Five”, fanden alleine in den letzten 150 Mio Jahren statt, davon das erste, als das Leben sich noch in den Ozeanen abspielte und den Tod von 80 % aller Wasserwesen zur Folge hatte. Den letzten Anlass dieser Art kennen wir besser, als vor 65 Mio. Jahren nicht nur die Dinosaurier, sondern 75 % aller Arten auf der Erde ausgelöscht wurden. Dann kamen wir, die Menschen, was nach Ansicht der Geologen seit 50 000 Jahren den Beginn einer neuen Auslöschungsperiode ausgelöst hat, das Massensterben vieler Tierarten, die uns Menschen nicht überleben. Wo der Mensch hintritt, sterben seither alle anderen Wesen. Es mag ein geringer Trost sein, dass wir uns, immer konsequenter, auch gegenseitig auslöschen, wie dies im vergangenen Jahrhundert der Fall gewesen ist.
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