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Weblog
Monatsarchiv für Mai 2009
Dienstag, den 26. Mai 2009 um 7:48
Die Staatsverschuldung unseres grössten Kunden, Deutschland, hat in den letzten 60 Jahren kontinuierlich auf 61 % des BIP zugenommen. Gleichzeitig ist das Wachstum der Wirtschaft seit 1980 rückläufig, mit Ausnahme der kurzen Internet-Blase, bei der es sich um einen frühen Spekulationsanfall der Finanzwirtschaft handelte. Seit gut zehn Jahren sinkt die Produktionskraft der Deutschen laufend. Die Neuverschuldung des Staats geht in gleichem Masse in die Höhe, weil immer mehr Staat Gegensteuer geben soll. Merke: Neue “Schwarze Schwäne” segeln auf uns zu.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Montag, den 25. Mai 2009 um 12:47
Der merkwürdige Boris Becker mit seinen meist verschwollenen Augen hat sich in die Arme einer Lilly Kerssenberg begeben und nun begonnen, diese Beziehung in einem “Boris TV” zu vermarkten. Man sieht seine nicht eigentlich attraktive Schöne mit ebenso verklebten Augen, wie sie an seinem Öhrchen knabbert und mehr dieser Art. Was soll das? “Bild” und “RTL” sind die wichtigsten deutschen Medien, um die bald vier Millionen Arbeitslosen, die am Bildschirm hockenden Alten und die verdummte Jugend zu unterhalten. Da es sich dominierend um einen wachsenden Bevölkerungsteil handelt, der Ernsthaftes, in welcher Form auch immer, nicht mehr aufzunehmen vermag, muss das Pärchen die primitivsten Triebe des deutschen Volkes befriedigen. Diese Schaustellerkunst, so sehr man sie verachten mag, ist wichtig, bindet ein heute und demnächst verarmendes geistiges wie materiellen Proletariat an den Sessel. Ob dies auch rentabel ist, darf bezweifelt werden, denn “Bild” kämpft (besser als unser “Blick”), aber das Privat-TV RTL verliert laufend in grossem Umfang Werbeaufträge und treibt damit den Bertelmann-Konzern in eine neue Krise. Shocking im Land, das einst Dichter und Denker hatte.
Gesellschaft | 3 Kommentare »
Montag, den 25. Mai 2009 um 12:47
Das Unternehmen ORS Services AG “ist politisch und konfessionell neutral”. Das beruhigt mich sehr. Es ist Partnerin von Bund, Kantonen und Gemeinden. Das sollte neugierig machen. Es ist auf die Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden spezialisiert. Das sollte zu Fragen Anlass geben. Neun Asyldurchgangszentren im Kanton Zürich werden von der ORS Services AG geführt. Nicht einmal die SVP hat bisher die Frage gewagt, wer hinter diesem Unternehmen steht.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 25. Mai 2009 um 12:42
Es soll an der Zürcher Goldküste, am Pfannenstiel und auch sonst im Kanton Zürich noch Menschen geben, die glauben, man könne die Südanflüge auf den Flughafen Kloten wirklich abschaffen. Ich bin anderer Meinung: der Verrat der der kantonalen und Zürcher Stadtregierung wie auch grosser Teile des Kantonsrats wie anderer Zürcher Parlamentarier an ihren Wählern ist eine Tatsache, die nicht mehr zu ändern ist. Die Scheingefechte von Rita Fuhrer und Elmar Ledergerber wie der Fraktionschefs der Zürcher Parteien dienen nur dazu, die Weiterentwicklung des Zürcher Flughafens so wenig wie möglich zu behindern. Die sich betroffen nennenden Gemeindepräsidenten führen das gleiche Scheingefecht gegen Kloten, um ihre Steuerzahler, zumindest solche, die sich als unzufrieden zu erkennen geben, einigermassen unter Kontrolle zu halten. Was die “Morfinisten” an Aktionen noch auf die Beine bringen, ist unerheblich. Warum? Die Business-Flieger haben mehr Angst vor Angriffen wegen ihrer Verletzungen der Umweltschutz-Bedingungen als vor der Anfluggegnern. Execu-Jet hat sein Hauptquartier in Zürich, weil seine Kunden “wegen Bankangelegenheiten, Geschäftsmeetings oder zum Urlauben” in die Schweiz kommen. Wer will diesen den Südanflug verbieten? Es sind Unternehmer, Privatkunden, Regierung oder halbstaatliche Organisationen, die freien Anflug auf Zürich verlangen. Wir sollten die Gegnerschaft einstellen und umziehen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 22. Mai 2009 um 11:40
So richtig mögen wir Schweizer Helmut Kohl, den Riesen-Deutschen, erst, seit wir von “Angie” Merkel und Peer Steinbrück, ihrem hamburgischen Finanzminister, ernsthaft enttäuscht sind. Kohl war zu gross für die Schweiz, mindestens körperlich. Deshalb hat ihn der kluge Letzelberger Jean-Claude Juncker gelobt, “ohne ihn gäbe es keinen Euro und die heutige Finanzkrise wäre eine Katastrophe”. Kohl, ein Pfälzer aus Ludwigshafen am Rhein, wo auch ich geboren bin, hat es niemandem leicht gemacht. Im Gegensatz zu Helmut Schmidt, der mit elbstädtischer Eleganz urban jongliert, ist er der Erde verbunden geblieben. Je mehr die Zeit vergeht, desto breiter und tiefer wird die Spur, die er in Europa hinterlassen hat.
Gesellschaft, Politik | 6 Kommentare »
Freitag, den 22. Mai 2009 um 9:32
Die Begegnung des spanischen Arztes und Antitrinitaners Michel Servet mit Jean Calvin ist ein dunkles Kapitel in der Lebensgeschichte des Reformators. Der eingewanderte Franzose, der in Genf einen Gottesstaat errichtet hatte und der heute im Rückblick auch als Ayatollah von Genf verschrien wird, hatte einst seinen Gegenspieler Servet der Inquisition denunziert um ihn später gleich selbst auf den Scheiterhaufen zu bringen. In seinem Stück „Servet in Genf“ zeichnet mein Grossvater, der Schweizer Dramatiker Albert J. Welti, Calvin, der, gefangen in seinen Prinzipien, ein einsamer Mann ist. Im Reformator müssen dunkle und heller Kräfte gewirkt haben. Von einem Mythos der Unverletzlichkeit umgeben, aber ohne Freund vollbringt er sein freudloses Werk in der Rhônestadt, die er in eisernem Griff hat. Doch längst nicht alle Bürger der Stadt sind bereit, ihm zu folgen oder sich seinen strengen Sittenregeln zu unterwerfen. Nachdem die alteingesessenen Genfer den katholischen Bischof vertrieben haben, versuchen einige von ihnen Michel Servet für ihre umstürzlerische Sache gewinnen. Vergeblich. Michel Servet sucht in naiver Art und Weise den Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Reformator. Doch dieser ist gefangen in seiner Dogmatik. Trotzdem möchte er Servet retten vor den Gesetzen, die er wie ein Netz über die Stadt Genf geworfen hat. Nur der Trotz Servets, nicht zu weichen und wie die Motte zum Licht zu fliegen, macht die Verhaftung des Ketzers durch Calvins angeberischen Schreiber möglich. Servets letzte Worte an den von religiöser Inbrunst getriebenen Calvin: „In unseres Vaters Hause sind viele Wohnungen – wir werden einstens doch wohl Nachbarn sein.“
Unter der Regie von Andreas Kosek gelingt es dem Wiener Teatro Caprile das Ringen der beiden Geister, des gebrechlichen Fanatikers Calvin mit dem sturen, an das Gute im Menschen glaubenden Gegenspieler Servet, packend zu vermitteln. Stefan Ragner als Servet ist ein irdischer Macht abgeneigter Schwärmer, weshalb der Sturz Calvins scheitern muss. Christoph Prückner, der als strenger Technokrat Calvin den Schwachen beisteht und die Tugendlosen verfolgt, ist auch ein gebrechlicher Mensch, der, von Einsamkeit geplagt, sich bloss eine freundliche Seele als Freund und Begleiter wünscht. Das zahlreich erschienene Publikum in der Wiener Zwinglikirche dem Ensemble mit seinem Applaus grosse Anerkennung für die gelungene Inszenierung.
“Servet in Genf” wird im Calvin-Jahr noch in mehreren reformierten Kirchen in Österreich und Deutschland aufgeführt und kommt im Herbst auch in die Schweiz.
• 4. September, Genf, Temple de la Madeleine (Lutheranische Kirchgemeinde)
• 5. September, 20 Uhr, Offene Kirche St. Jakob, Zürich
• 1. Oktober, Reformierte Stadtkirche St. Laurenzen, St. Gallen
Philippe Welti
Kultur, Politik | Keine Kommentare »
Freitag, den 22. Mai 2009 um 8:36
Weil ich seit gut 50 Jahren richtig reise, davon fast 40 Jahre mit Schweizer Reisebüros, fällt mir auf, wie das Chaos in der Abwicklung eher zunimmt. Laufend wechselndes Personal bei Kuoni und TUI, meist junge und wahrscheinlich schlecht bezahlte Menschen (die Reisebranche zahlte immer ungenügend und versprach ihren Mitarbeitern dafür viel eigenes Reiseglück), die sich am Telefon immer bemühen (Schulung!), aber dennoch sagen “das ist mal so, mal so”, zeigen, dass stetiger Wechsel dem Kundendienst wenig förderlich ist. Die alten Hasen oder Häsinnen in der Beratung, die ich zwischenzeitlich kenne, die Jahrzehnte überlebt haben, strahlen jene Souveränität aus, die auch Ungenügen überstrahlt. Weil stets die Uhrzeiten und Termine wechseln, nimmt der e-mail-Verkehr rasend zu, weshalb dann doch das elektronische Ticket fehlt, das eigentlich schon lange geliefert sein sollte. Ich bin in den Ferien, dennoch angekommen, aber die Tiefpreispolitik der Airlines rechtfertigt nicht den lausigen Kundendienst.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Freitag, den 22. Mai 2009 um 8:29
Zehn Jahre ist es her, seit die Bologna-Reform eingeführt wurde; wie die Zeit vergeht! Vom einheitlichen europäischen Hochschulraum, den man damit erreichen wollte sind wir weit, sehr weit entfernt. Nur sechs von 46 Staaten haben gegenseitig die Zertifizierung von Studienleistung voll umgesetzt. “Eine tiefgreifende Reform in der Hochschullandschaft” hat wohl stattgefunden, wobei es offen bleiben muss, wem dies bisher dienlich war. Zwar sind 75 % des Hochschulangebots auf Bachelor und Master umgestellt, aber nur 30 % aller Nachwuchs-Akademiker sind darin eingeschrieben. In der Schweiz sind es 85 %, aber wer ist darüber glücklich ausser den Statistikern? Die Schweiz ist damit EU-konformer als die meisten EU-Staaten, was uns niemand dankt.
Politik | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 9:44
“Barrons”, eine Kultzeitschrift für die Finanzbranche, hat unlängst die 500 besten amerikanischen Firmen vorgestellt, die sich auch in der Krise einigermassen behaupten. Sogar Ford fand noch einen Platz auf der Liste, aber kein europäisches Unternehmen, keine Nestlé, keine Novartis oder Hoffroche, natürlich auch keine UBS. Die US-Amerikaner, so auch “Barrons”, sind durch und durch Nationalisten, weshalb ich kaum verstehe, weshalb wir Schweizer (oder einige von uns) sich verpflichtet glauben, sie derart zu bewundern.
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 20. Mai 2009 um 9:44
“Lebenslüge Schule” nennt der Innerschweizer Autor Franz Kaufmann sein neues Buch, wo er mit einer Reihe von Verlagen schon in Verhandlung steht. Kaufmann sagt, unser Bildungssystem habe total versagt und verlangt eine Schule, die sich realistisch an den Interessen und Fähigkeiten der Kinder ausrichtet. Gleichzeitig wurde in Zürich die IG kindgerechte Schule vorgestellt: Allan Guggenbühl, Fritz Osterwalder und Remo Largo. Kinderarzt Hannes Geiges sagte, er habe die Nase voll, immer nur Ritalin zu verschreiben. Nun, die Pharmaindustrie wird darüber nicht glücklich sein, betreibt sie doch die Konditionierung des Menschen. Es waren aber stets die Aussenseiter, welche die Menschheit vorangebracht haben. Deshalb, gebt den Kindern wieder jene Freiheit zurück, die wir einst hatten (oder uns erkämpft haben), dann wird die Welt etwas unruhiger, aber menschlicher.
Gesellschaft | 4 Kommentare »
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