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Elmar Ledergerbers Liebling

29. Mai 2009 um 7:22

Wahrscheinlich sind es rationale Persönlichkeiten, die sich gerne irrational geben, die mit ihrem schillernden Wesen das Volk beeindrucken. Nicht nur Christoph Blocher ist ein solcher Fall, auch der ehemalige Zürcher Stapi Elmar Ledergerber verfügte über dieses Talent. Gegen alle Proteste vermietete er eine städtische Villa mit Seeanstoss an seinen damaligen „Freund“ Matthias Hartmann, den Chef des Zürcher Schauspielhauses. Die Billigmiete unter Kunstfreunden, die später Feinde wurden, war ein Beispiel dafür, dass man sich in der Politik nicht nur unter englischen Parlamentariern begünstigt, sondern dies auch in der Schweiz häufig der Fall ist. In praktisch jedem Kanton verschaffen Politiker ihren Freunden in der Wirtschaft Vorteile, um dann in die entsprechenden Verwaltungsräte gewählt zu werden; ein sehr prominenter Fall ist Kaspar Villiger, der sich aber nichts daraus macht. Das Haus am See wurde nach dem Abgang von Matthias Hartmann nun neu vermietet – für CHF 20 833.– pro Monat. Man könnte auch sagen, alt Stapi Ledergerber habe zusammen mit dem Zürcher Gemeinderat Steuergeld verschleudert. Zu deren Entschuldigung lässt sich nur sagen, dass die unglücklich zu Ende gegangene Aera Hartmann künstlerisch sehr ansprechende Produktionen brachte. In Zürich ist man es gewohnt, kleinere Verluste zu tragen.

6 Kommentare zu “Elmar Ledergerbers Liebling”

  1. Fred David

    Bei Banken gilt es als völlig selbstverständlich, dass sie Topleute besonders ködern. Nun sind Banken Privatunternehmen, auch solche ,die faktische Staatsgarantie geniessen und am Tropf des Steuerzahlers hängen. Die machen erst recht, was sie wollen.

    Wenn eine Stadt einen Opernchef oder Chef des Schauspielhauses gewinnen will – das sind nun einmal rare Topleute, wie auch ein Mittelstümer bei GC – reicht Züri Gschnätzlets als Lockmittel halt auch nicht.

    Im Gehaltsrahmen ist eine öffentliche Verwaltung begrenzt. Sollte man ihr da nicht den Spielraum lassen, mit einer Villa am See zu günstigen Mietbedingungen zu locken? Das ist doch nicht verboten, wenn es offen gehandhabt wird. Freundschaftsdienste unter der Hand gehen nicht. Das ist einzusehen.

    Natürlich kann die Stadt mehr Miete herausholen, wenn sie die Villa für 20 833 Fr. im Monat vermietet. Aber der Gewinn für die Stadt ist unter Umständen viel höher, wenn sie mit der Villa am See jemanden gewinnen kann, der sonst lieber nach Berlin, Wien oder New York geht, wo solche Zugaben selbstverständlich sind. Und Künstler sind für diese angenehmen Dinge des Lebens durchaus empfänglich. Warum auch nicht?

    Richard Wagner hatte schliesslich auch schon eine Gratis-Villa in Zürich-Enge (Sie hiess sinnigerweise „Asyl“) , wobei sich Wagner als Zugabe auch noch Mathilde, die Gemahlin seines Gönners, Otto Weesndonck, zur Geliebten nahm.
    Soweit braucht die Stadt ja nicht gleich zu gehen.

    In Zürich gibt es doch genügend vermögende Witwen, die sich fragen, was mit ihrer Villa am See oder am Zürichberg eines Tages geschehen soll. Wäre doch eine Idee, sie dieserart zweckgebunden an die Stadt zu vererben. Das könnte das Zürcher Kulturleben durchaus beflügeln, ohne dass die Buchhalter gleich wieder anfangen zu rechnen, was das wieder alles kostet!

    Wenn man schon immer so tut, man sei Weltstadt, darf man sich ruhig auch so benehmen. Auch wenn’s halt mal ein wenig mehr kostet.

  2. rené w.

    Wenn man gerade aus Salzburg kommt, wo Riccardo Muti die Pfingstfestspiele zelebriert und so was liest über die Golden-Nugget-Schaltzentrale Zürich, ja dann fällt mir der Satz von Karl Kraus ein…………..wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten…………..

  3. Fred Davd

    Alexander Pereira, der Zürcher Opernchef – der nach Salzburg entschwindet – hat mir einmal vorgerechnet, was es ihn an Steuern kostet, weil er eine Wohnung der Stadt Zürich hat und nicht im benachbarten Schwyz. Ich weiss die Summe nicht mehr, aber sie war enorm. Trotzdem wollte er in Zürich bleiben, „unter den Leuten“, weil er das brauche. Er fand auch – es klang dezent, war aber scharf gemeint – die Schweizer hätten eine „etwas überbetonte Haltung zum Geld“.

    Wir rechnen unsere Geschichte in Geld ab, die Kultur, die Gesundheit, die Medien, den Sport, die Kunst, die Street Parade, what ever. Wir reden über nchts anderes. Das muss zu partiellen Wahrnehmungslücken führen. Und letztlich zu einer – geistigen – Verarmung.

    Ein erfolgreicher asiatischer Geschäftsmann hat mir einmal gesagt: „Ihr Schweizer redet von morgens bis abends über Geld. Wir tun das nicht. Wir reden fast nie über Geld. Wir reden lieber über Produkte und neue Dienstleistungen, die man bringen könnte. Der Profit kommt dann schon. Dauernd nur über Geld und Profit zu reden, blockiert das Hirn und zerstört die Kreativität.“

    Ja. Und dann kann man als Schweizer nur an seinem Cüppli nippen und sich darüber ärgern, dass der Herr aus Asien wohl verdammt recht hat.

  4. Fred Davd

    …man kann’s ja auch so machen, wie der Stardirigent Claudio Abbado, der als Honorar für zwei Konzerte an der Mailänder Scala das Pflanzen von 90 000 Bäumen im Stadtgebiet vom Mailand gefordert hat – und jetzt von der Stadtverwaltung zugesprochen bekam.

    Das nennt man kreativ.

    Jessesgott. was das wieder kostet! Die SVP würde glatt das Referendum dagegen ergreifen.

  5. rené w.

    @Fred David: Ich kann Ihnen aus der Salzburg-Perspektive berichten, dass die Verpflichtung von Pereira keinesfalls nur Applaus erntet, aber ums GELD geht’s dabei nie. Es wird über die künstlerische Zukunft und die programmatischen Gestaltungsmöglichkeiten, resp Notwendigkeiten gestritten, niemals über Finanzen !
    Lesen Sie das Adieu-Interview von Matthias Hartmann von heute, wo er berichtet, wie Passanten kopfschüttelnd vor seinem ominösen ‚Miethaus‘ stehen und sich offensichtlich über entgangene Mieteinnahmen nerven !
    Es geht IMMER nur um Geld in der Schweiz: UBS/Boni/Schwarzeld/Pauschalbesteuerungen/kantonale Steuerwettstreite/Krankenpassen-Prämien/Fluchtgelder/nachrichtenlose Vermögen/3000 Vermögensverwalter am Genfersee/ZH-BS-GE-überhaupt Privatbanken, Dougan, Ospel, Behring, Hummler, usw usw usw
    Wer sich in diesem Land der Geld-Priorität nicht unterordnet, auch Politiker und vor allem Presse, muss dringend emigrieren, da es hier nichts weiter zu tun gibt – sorry, Ausnahme: Die Abschaffung der Velo-Vignette !

  6. Fred David

    rené w. : Die Abschaffung der Velo-Vignette! Das wir das noch erleben dürfen!

    Und niemand hat im Parlament argumentiert, es gebe eine Schwerverkehrabgabe, also müsse es auch eine Leichtverkehrabgabe geben. Alles andere sei unschweizerisch.

    Und keiner hat argumentiert, dass jetzt Ausländer im Sommer unserer Fahrradwegein Scharen bevölkern, ohne einen Rappen dafür zu zahlen!

    Ich verstehe die SVP nicht mehr: Zumindest für Deutsche hätte man doch die Velo-Vignette beibehalten müssen! Als flankierende Retorsionsmassnahme gegen Steinbrück, oder so.

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