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Welti zeigt Jean Calvin als einsamen Menschen

22. May 2009 um 9:32

Die Begegnung des spanischen Arztes und Antitrinitaners Michel Servet mit Jean Calvin ist ein dunkles Kapitel in der Lebensgeschichte des Reformators. Der eingewanderte Franzose, der in Genf einen Gottesstaat errichtet hatte und der heute im Rückblick auch als Ayatollah von Genf verschrien wird, hatte einst seinen Gegenspieler Servet der Inquisition denunziert um ihn später gleich selbst auf den Scheiterhaufen zu bringen. In seinem Stück „Servet in Genf“ zeichnet mein Grossvater, der Schweizer Dramatiker Albert J. Welti, Calvin, der, gefangen in seinen Prinzipien, ein einsamer Mann ist. Im Reformator müssen dunkle und heller Kräfte gewirkt haben. Von einem Mythos der Unverletzlichkeit umgeben, aber ohne Freund vollbringt er sein freudloses Werk in der Rhônestadt, die er in eisernem Griff hat. Doch längst nicht alle Bürger der Stadt sind bereit, ihm zu folgen oder sich seinen strengen Sittenregeln zu unterwerfen. Nachdem die alteingesessenen Genfer den katholischen Bischof vertrieben haben, versuchen einige von ihnen Michel Servet für ihre umstürzlerische Sache gewinnen. Vergeblich. Michel Servet sucht in naiver Art und Weise den Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Reformator. Doch dieser ist gefangen in seiner Dogmatik. Trotzdem möchte er Servet retten vor den Gesetzen, die er wie ein Netz über die Stadt Genf geworfen hat. Nur der Trotz Servets, nicht zu weichen und wie die Motte zum Licht zu fliegen, macht die Verhaftung des Ketzers durch Calvins angeberischen Schreiber möglich. Servets letzte Worte an den von religiöser Inbrunst getriebenen Calvin: „In unseres Vaters Hause sind viele Wohnungen – wir werden einstens doch wohl Nachbarn sein.“
Unter der Regie von Andreas Kosek gelingt es dem Wiener Teatro Caprile das Ringen der beiden Geister, des gebrechlichen Fanatikers Calvin mit dem sturen, an das Gute im Menschen glaubenden Gegenspieler Servet, packend zu vermitteln. Stefan Ragner als Servet ist ein irdischer Macht abgeneigter Schwärmer, weshalb der Sturz Calvins scheitern muss. Christoph Prückner, der als strenger Technokrat Calvin den Schwachen beisteht und die Tugendlosen verfolgt, ist auch ein gebrechlicher Mensch, der, von Einsamkeit geplagt, sich bloss eine freundliche Seele als Freund und Begleiter wünscht. Das zahlreich erschienene Publikum in der Wiener Zwinglikirche dem Ensemble mit seinem Applaus grosse Anerkennung für die gelungene Inszenierung.
“Servet in Genf” wird im Calvin-Jahr noch in mehreren reformierten Kirchen in Österreich und Deutschland aufgeführt und kommt im Herbst auch in die Schweiz.
• 4. September, Genf, Temple de la Madeleine (Lutheranische Kirchgemeinde)
• 5. September, 20 Uhr, Offene Kirche St. Jakob, Zürich
• 1. Oktober, Reformierte Stadtkirche St. Laurenzen, St. Gallen

Philippe Welti

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