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Tagesarchiv für 6. Mai 2009

Franzosen wie Amerikaner

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 22:07

Carrefour ist in der Schweiz gescheitert, weil die französischen Manager der Schweizer Filiale des Pariser Weltkonzerns partout nicht verstehen wollten, dass die Westschweizer keine Franzosen sind. Der militärisch-patronale Ausbildung der jungen französischen Manager griff nicht bei Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Das auf die alles entscheidende Pariser Zentrale ausgerichtete Denken war ein Hindernis für die lokale Anpassung und damit für den Erfolg in einem sehr hart umkämpften Markt. Das gleiche stellt sich nun im grösseren Rahmen in der Westschweiz heraus, wo in den letzten Jahren 110 französische Firmen (mit viel Steuergeld) angesiedelt wurden. Die welschen Beobachter sind einhellig der Meinung, dass die französischen Manager sich nicht die geringste Mühe geben, die Schweiz und die Schweizer zu verstehen. „La petite Suisse“ gilt als die östliche Provinz Frankreichs, wo man gut lebt und auch gut verdienen kann. Grosse Firmen, wie Hersant, lernen rasch hinzu; einige kleine Franzosen sehen sich in der Schweizer Falle. Ist es nicht auffallend, dass, ganz wie bei den US-Amerikanern, ein starkes nationales Selbstverständnis die Anpassung erschwert? Wir Schweizer, der globale Teil unserer Bevölkerung ohnehin, haben grosse Teile unseres nationalen Selbstbewusstseins aufgegeben. Damit sind wir als rasch lernende Spitzenkräfte in der ganzen Welt gefragt.

Strategie, Struktur und Kultur

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 20:24

Wohin ich komme, finden Zusammenlegungen statt, werden Bereiche verkleinert, auch neue Strukturen gebildet. Die normalen Mitarbeiter stehen dem einigermassen verängstigt gegenüber, können sie doch kaum daran mitwirken, ihre Erfahrungen und Vorstellungen einzubringen. Die Angst ist aber auch in den oberen Führungsstufen zu bemerken; alle sprechen ein wenig leiser, vorsichtiger, stellen kaum noch Forderungen auf. Ganz oben werden laufend Strategien entwickelt, die, je nach Standpunkt und Interesse des Absenders, ganz verschieden sein können. Eines Tages wird über die neue Strategie entschieden, die Strukturen werden nun raschestens, auch unter Hinnahme von Kollateralschäden, angepasst. Aber von Kultur spricht selten jemand. Welche Kultur bringt Oswald J. Grübel in die UBS? Eigentlich interessiert das kaum jemand, denn er muss die kranken Teile der Bank abschneiden (bevor dies andere für ihn tun) und den Rest so zusammenfügen, dass aus der lahmen Ente UBS wieder ein strahlender Albatros wird, der über die Ozeane der Finanzwirtschaft fliegt. Die einfachen Menschen aber haben eine Kultur oder glauben mindestens, eine zu haben. Wie bringt man einen McKinsey- und einen Malik-Berater zusammen? Ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Sicht der Welt grundsätzlich verschieden ist. Ich meine, der Aufbau einer Firmenkultur ist eine sehr rentable Sache. Wie dies aber in Zeiten wie heute möglich ist, kann nur vom Chef her beantwortet werden.

Angst vor Ausländern

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 20:11

Natürlich haben bei uns mehr Menschen Angst vor Ausländern, als sie es zugeben wollen. Deutsche sind schlimm, Jugos ganz schlimm, Afrikaner oje, Asiaten unverständlich, Osteuroper, wenn es sein muss. Nehmen wir nicht Zürich, sondern Ludwigshafen am Rhein, wo die BASF, der jetzt Ciba gehört, ihren Sitz hat, als Beispiel: Dort hat die BASF zehntausende von Türken angeworben, die dort jetzt in der Innenstadt oder in billigen Stadtrand-Quartieren wohnen. Nicht anders ist es bei uns. Unsere Firmenchefs haben die Ausländer angeworben, wir Schweizer müssen damit leben. BASF hat jetzt auch für 3000 Arbeiter am Standort Kurzarbeit angemeldet; das macht das soziale Chaos, die zunehmende Armut, nur schlimmer.

Neue Positionierungen

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 20:10

Biels Stadtpräsident Hans Stöckli braucht keinen Marketingberater. Er hat einen Claim entwickelt, der einfach grossartig ist. Damit gibt er der Stadt Bern ein Zeichen, dass man auch gut sein kann, lässt man sich etwas einfallen, wenn die Konkurrenz behauptet, sie sei besser. Was geht vor? Zürich, Basel und Genf stehen heute in der Schweiz an der Spitze, weil sie Zentren von Metropolitanregionen sind; Zürich ist die grösste Stadt der Schweiz und Zentrum der wichtigsten Schweizer Region. Bern leidet darunter, dass es nur noch Bundeshauptstadt ist und Standort einiger staatlicher Regiebetriebe. Und Biel? Stöckli sagt: „Wir sind die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz.“ Hurra, das kann sich jeder merken. „Die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz“, das ist gelungen, das macht neugierig.

Eines der überflüssigsten Magazine der Schweiz

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 7:47

Nun halte ich die jüngste Ausgabe der „Schweizer Monatshefte“ in der Hand, die ich gerne lesen würde, wenn sie etwas zu sagen hätten. Alleine der Titel: Senkrecht gestellt, auf den ersten Blick unlesbar, dann verwirrende Linien, die Köpfe der Redaktion oder die Situation der Schweiz ausdrückend. Einem Portrait des Künstlers Walter Wegmüller (viertklassig) folgen Ausführungen zum Bankgeheimnis, was auf die Sponsoren zurückgeführt werden dürfte. Die Autoren sind weithin unbekannt; warum lesen? Warum mich ein Gespräch mit Marco Walser interessieren sollte, ist mir rätselhaft. Dann 20 Seiten über Verdingkinder, tragische Schicksale der beamtenhaften Dummheit früherer Generationen. Das Interview mit Reinhard K. Sprenger ist anregend, aber er ist ein Ausländer, ein Deutscher. Die Schweiz gibt ihm keinen Halt. Sein Zweitwohnsitz ist nicht im Tessin, sonder in New Mexiko.

Wieviel Comeback am Aktienmarkt ist nötig?

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 7:44

Die UBS hat in ihrem „investor’s guide“ vom 30. April eine Aussage gemacht, die man mit Balkenlettern jedem finanzstarken Haushalt zustellen sollte. Es heisst „Von dem aktuellen Niveau aus müssten die Anleger bis 2020 eine solide Rendite von 6 % p.a. erzielen, um wieder den Stand von Oktober 2007 zu erreichen.“ Ergo liegen elf unsichere Jahre vor uns, keine guten Aussichten für die 70jährigen, die jetzt erst einmal arm gemacht wurden.

Bürgerliches Politik-Defizit

Mittwoch, den 6. Mai 2009 um 7:19

Die Bilder gleichen sich: Wie in Bern oder Basel, haben auch in Zürich die Bürgerlichen den SP-Grünen zum politischen Sieg verholfen, weil sich FDP und SVP nicht einig waren. In Zürich hat eine links der Mitte stehende Minderheit bei einer Stimmbeteiligung von 28 % die neue Stadtpräsidentin bestimmt. Diese Dekadenz des politischen Bürgertums ist im Begriff, sich bei den massgeblichen Unternehmen der Schweiz lächerlich zu machen, weshalb UBS-Präsident Kaspar Villiger auch bestätigt hat, man wolle die Parteien künftig nicht mehr finanzieren. Man stelle sich vor: In der demokratischen Schweiz beteiligen sich immer weniger Stimmbürger an den Wahlen, die finanzstarken Unternehmen ziehen sich, mindestens offiziell, aus der Parteienfinanzierung zurück, die Bundesräte Merz-Couchepin-CalmyRey sind kaum noch glaubwürdig, Doris Leuthard weckt Fragezeichen, Eveline Widmer-Schlumpf gilt als launisch. In der Aussenpolitik sind wir zwischen den USA und der EU isoliert, Frankreich und Deutschland machen Front gegen uns. FDP und SVP sind als Parteien kaum noch führbar, die CVP tut, was sie stets getan hat, sie sucht eine Linie zwischen den schmelzenden Fronten. Die Sozialdemokraten stellen Forderungen, aber nur ganz leise, damit niemand aufwacht.

 
     
     
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