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Tagesarchiv für 29. April 2009

Moderner Ablasshandel

Mittwoch, den 29. April 2009 um 13:49

Als der Mönch Tetzel durch die Städte zog, wo er der Weltuntergang predigte, von dem man sich durch einen Ablass freikaufen könne, löste er damit die Martin Luther’sche Kirchenrevolution aus. Tetzel versprach das Ewige Leben, finanziert werden sollte damit das neue vatikanische Kirchengebäude. Ähnlich klingt es in meinen Ohren, wenn die Fahrzeugflotte und die Liegenschaften des Stadtwerkes Winterthur (und anderer Organisationen) deshalb CO2-neutral betrieben werden, weil man ein Abwasserprojekt in Thailand unterstützt. Wir können nach dieser Denkweise unsere Umweltverschmutzung weiter betreiben, dies aber guten Gewissens, weil wir unseren CO2-Ablass bezahlt haben. Was mit dem Geld des Steuerzahlers tatsächlich geschieht, werden wir erst viel später wissen; man wird uns dann erklären, weshalb viele derartige Projekte gescheitert sind. Die modernen Tetzel sind wieder unterwegs; das Volk nimmt es nicht zur Kenntnis und glaubt kaum ein Wort.

Verwirrte Franzosen

Mittwoch, den 29. April 2009 um 9:38

Nur noch neun Prozent aller Franzosen glauben, dass ihre eigene Regierung gut funktioniert; vor zehn Jahren waren es immerhin noch 15 %. Unsere westlichen Nachbarn sind auch bereit, auf mehr Freiheit zu verzichten (nur 40 % wollen “liberté”), wenn sie dafür mehr Gleichheit erhalten (“égalité” wollen 57 %). Immigranten gegenüber ist man offener geworden; fast 50 % aller Franzosen wollen sie hereinlassen, wenn sie arbeiten, davon sind 7 % der Auffassung, man solle “alle Welt” hereinlassen. Familie und “bonheur” stehen an der Spitze der Wertpyramide der Franzosen.

Merkwürdig leere Strassen

Mittwoch, den 29. April 2009 um 8:46

In der Stadt Zürich sind die Strassen in den letzten Monaten merkwürdig leer geworden. Man erreicht das Stadtzentrum meist in einem Bruchteil der Zeit, das noch vor einem Jahr notwendig war. Konfliktexperte Albert A. Stahel, aus Afghanistan zurückkehrend, sagte: “Ein wohltuendes Geführ, die Ruhe, die hier herrscht, wäre in Afghanistan unvorstellbar.” Bestätigt wird er von Autor Vijay Kumar Singh, der, aus Mumbai zurückkommend, beobachtet: “Befinde ich mich auf einem Friedhof oder in einem bewohnten Land? Es dauerte einige Tage, bis ich selber wieder Teil dieser Friedhofsruhe wurde.” Die pulsierenden Klänge der Welt scheinen andernorts zu finden sein.

Verhandler-Chaos ersetzt Verhandlungskunst

Mittwoch, den 29. April 2009 um 7:09

Die UNO-Konferenz gegen den Rassismus hätte eine Glanzkonferenz für die Schweiz werden sollen; dies war zumindest der Wille von Aussenministerin Micheline Calmy Rey und Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. Die Israeli und die mit ihr verbündeten westlichen Staaten drückten die Schweiz ins Abseits, wobei die US-Administration dann Merz wieder hilfreich in den Sattel hob mit der Bestätigung, das Gespräch mit Ahmedi Nejad sei sehr nützlich gewesen. Eigentlicher Gewinner der Genfer Konferenz war aber, was bei uns niemand auffiel, UNO-Hochkommissar Navi Pillay, der mit zwei weiteren Diplomaten das Schlussdokument formulierte. Eine alte Erfahrung: Wem am Ende die Formulierungskraft zufällt, wird das letzte Wort haben. Schweiz-Beobachter Torsten Riebe vom deutschen “Handelsblatt” stellt den auch fest: “Die Schweiz hat ihre politische Vermittlerrolle als Wanderin zwischen den Welten verloren.” Wie sehr wir zum Statisten, zum Wortgeber, nicht Wortnehmer, geworden sind, zeigte auch das TV-Gespräch unseres nach Berlin ausgelagerten Meisterdiplomaten Frank A. Meyer mit dem deutschen Finanzminister Peer Steinbrück. Dieser rückte keinen Millimeter von seiner Haltung ab und gab lediglich zu, er habe die Empörung des Schweizer Volks nicht erwartet. Meyer duldete diese Herrenreiter-Mentalität eines sozialdemokratischen Emporkömmlings, biederte sich ihm an mit naiv-philosophischen Betrachtungen und wurde damit zu einem Matthias Ackeret, der Dr. Christoph Blocher in dessen Privatfernsehen das Mikrofon halten und Stichworte zurufen darf. Wir haben die Kunst der Verhandlungs- und Gesprächsführung verloren und sind zu Causeuren abgestiegen. Zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert gab es mehr gebildete Herren im Land als heute.

 
     
     
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