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Monatsarchiv für April 2009

Demokratie als Selbstbedienungs-Laden

Donnerstag, den 30. April 2009 um 15:48

Ob das US-Volk begeistert wäre, wüsste es, wie seine Steuer-Cents in grossen Töpfen gesammelt und dann zum Vorteil weniger verschleudert werden? John McCain, der sich vor kurzem noch als Held der Massen ausgab, wehrt sich nun massiv gegen Einschränkungen der USD 655 Mia.-Wehrbudgets. „Man will uns entwaffnen“, sagt er. In Wirklichkeit werden in den USA für Waffenprogram Milliarden verschleudert, USD 300 Mia. alleine mehr als budgetiert für die 95 wichtigsten Waffenprogramme. Die Programme für Kampfflugzeuge werden durchgewinkt, weil die Produktion der Flieger in 44 Bundesstaaten erfolgt. Die Zahl der Flugzeugträger-Einheiten will man aus Budgetgründen von elf auf zehn kürzen, aber erst bis 2040. Der Krieg dient als heimischer Wirtschaftsförderer, das war schon vor 70 Jahren so, als die USA sich für den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg bereit machten. Die grosse Rezession der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde weniger von Roosevelt als – indirekt – von Hitler beendet, der weltweit Aufrüstungsprogramm auslöste.

Den Adel versorgen

Donnerstag, den 30. April 2009 um 13:03

Unsere mit Erfolgen nicht verwöhnte Aussenpolitik beschäftigt auffallend viele Angehörige alter Schweizer Adelsfamilien, vorzugsweise aus den Kantonen Bern, Graubünden und Solothurn. Was soll man auch sonst mit diesen tendenziell verarmenden Nachkommen einstiger Herrscherfamilien tun? Die Intelligenz ist es nicht, die sie in Staatsdienste treibt, sondern der Nachhall der Leistungen ihrer Vorfahren, die zumeist als Söldnerführer den Kantonen Wohlstand brachten. Die letzten Schweizer Söldnerfamilien kämpften für den deutschen Kaiser, einige auch für Adolf Hitler. Nur wer sich in Spanien auf der falschen, der republikanischen Seite verpflichtete, wurde über Jahrzehnte geächtet.

Die Citoyens gehen um

Donnerstag, den 30. April 2009 um 10:32

In Frankreich, der Westschweiz und in Bern flimmert ein Begriff durch die „chattering classes“, der Citoyen. Der in Berlin halbexilierte Bieler Grossdenker Frank A. Meyer hat diesen Begriff populär gemacht. Die einen verstehen darunter den ausgewachsenen Demokraten, der seiner Heimat intellektuell und operativ zugetan ist, die anderen sehen darin mehr den Bonvivant, der sich zuhause wohlfühlt, weil er einer gehobenen Gesellschaftsschicht angehört, die ihn trägt. Ob die arbeitsteilige Marktwirtschaft solche Dinosaurier des 19. Jahrhunderts noch in nennenswertem Masse gestattet, darf bezweifelt werden.

Stiftungen sind heikel

Donnerstag, den 30. April 2009 um 9:59

Ab Hasler Stiftung oder Möbel Pfister-Stiftung; derlei Konstrukte, die nach dem Ableben eines Gründers noch einige Zeit leben, um dann still zu verkümmern oder einzugehen wecken Misstrauen. Bei der Publigroup, einst dem erfolgreichsten Schweizer Medienkonzern, können wir Gleiches beobachten. Die Erben der Gründerfamilien Gerstenhauer und Borter sind im VR mit total 22 % der Stimmen vertreten. Der dritte Grossaktionär (10,26 %) ist der Finanzinvestor Tweedy Browne, der als sehr zurückhaltend gilt. Die Publigroup segelt jetzt der mindestens partiellen Auflösung entgegen. Die erheblichen Beteiligungen an grossen Schweizer Verlagen machen diesen Prozess spannend.

„…und gib uns unser tägliches Chaos“

Donnerstag, den 30. April 2009 um 9:07

Am Schweizer Radio überschlägt man sich zur Pandemie „Schweinegrippe“. Während die Ärzte das Volk beruhigen wollen, treibt es die SRG SSR idée suisse wild. Prof. Beda Stadler, Immunologe der Uni Bern, ruft im „Blick“ zum Hamstern von Tamiflu auf, dementiert dies aber wieder, der „Blick“-Journalist habe übertrieben, was glaubhaft ist. In Baden bei Zürich lassen die Ärzte den ersten Schweinegrippe-Verdächtigen wieder frei, weil sie falsch diagnostizieren, fangen ihn dann aber nach einigen Stunden wieder ein. Gleichzeitig bricht am Zürcher Hauptbahnhof der Boden ein; in Zürich steht der Verkehr still. FDP-Stadträtin Esther Martelli steigt wie ein Star die Treppen die Macht hinauf, um mitzuteilen, sie wolle im Frühjahr nicht mehr antreten. Der renommierte GC-Fussballclub ist pleite und fällt, das ist immer so am Ende, auf einen deutschen Hochstapler herein. Wir erinnern uns: Die GC-Krise begann mit Rainer E. Gut und Urs Lauffer, FDP-Kantonsrat, die aus dem GC einen Schweizer „Manchester United“ machen wollten. Die Pandemie der zunehmenden Dummheit hat uns voll erreicht.

Schweiz als europäische Todesinsel

Donnerstag, den 30. April 2009 um 8:22

Niemand sage, die Schweiz sei in Europa nicht beliebt, sind es doch nicht nur Steuerbetrüger und –hinterzieher, die gerne unsere Gegenwart suchen, sondern auch solche, die hier ihr letztes Stündlein begehen möchten oder sich in einer Urne über die Grenze bringen lassen, um in den Wurzeln eines Schweizer Baums das letzte Glück zu finden. An manchen Wochenenden sind es Dutzende von Deutschen alleine, deren Urnen von Schweizer Waldbesitzern auf diese Art geöffnet und ausgekippt werden. Die Ruhe unter einem Schweizer Baum kostet hundert Euro, eine Full Service-Beerdigung in Deutschland 7000 Euro. Wer seine Asche zu einem Edelstein umarbeiten lassen möchte, muss bis zu 10 000 Euro auf den Tisch legen. Die Schweizer Firma Aarau Bestattungen hat soeben in Braunschweig und München zwei weitere Filialen eröffnet. Unser Ruf als europäische Toteninsel, noch dazu günstig, ist wirklich exzellent.

Die 65plus-Generation arbeitet

Donnerstag, den 30. April 2009 um 7:26

Der Wohlstand unseres Landes beruht auf den vielen Menschen, die fleissig arbeiten. Wie sich nun im Rahmen der AHV-Diskussion herausstellt, arbeitet jeder dritte 65-70jährige bereits schon jetzt freiwillig und leistet damit einen grossen Beitrag an die Entlastung der Sozialnetze. Gestern begegnete mir wieder einer jener trägen Faulpelze in einer kantonalen Verwaltung, der auch nach Meinung seiner Vorgesetzten einfach eine Fehlwahl war. Weil er Freunde in der Regierung hat, lässt man ihn dahinträumen, Termine spielen für ihn keine Rolle. Solche Menschen machen den normalen Steuerzahler obersauer; unsere Verwaltungen, den Verdacht werde ich einfach nicht los, beschäftigen tausende solcher Mitläufer, die man sofort abschaffen sollte. Margaret Thatcher, die vor 30 Jahren ihren ersten Wahlsieg feierte, hat manche Dummheit angerichtet und vorbereitet, aber ihr Grundsatz des Abbaus des Staates war mit Sicherheit richtig.

Moderner Ablasshandel

Mittwoch, den 29. April 2009 um 13:49

Als der Mönch Tetzel durch die Städte zog, wo er der Weltuntergang predigte, von dem man sich durch einen Ablass freikaufen könne, löste er damit die Martin Luther’sche Kirchenrevolution aus. Tetzel versprach das Ewige Leben, finanziert werden sollte damit das neue vatikanische Kirchengebäude. Ähnlich klingt es in meinen Ohren, wenn die Fahrzeugflotte und die Liegenschaften des Stadtwerkes Winterthur (und anderer Organisationen) deshalb CO2-neutral betrieben werden, weil man ein Abwasserprojekt in Thailand unterstützt. Wir können nach dieser Denkweise unsere Umweltverschmutzung weiter betreiben, dies aber guten Gewissens, weil wir unseren CO2-Ablass bezahlt haben. Was mit dem Geld des Steuerzahlers tatsächlich geschieht, werden wir erst viel später wissen; man wird uns dann erklären, weshalb viele derartige Projekte gescheitert sind. Die modernen Tetzel sind wieder unterwegs; das Volk nimmt es nicht zur Kenntnis und glaubt kaum ein Wort.

Verwirrte Franzosen

Mittwoch, den 29. April 2009 um 9:38

Nur noch neun Prozent aller Franzosen glauben, dass ihre eigene Regierung gut funktioniert; vor zehn Jahren waren es immerhin noch 15 %. Unsere westlichen Nachbarn sind auch bereit, auf mehr Freiheit zu verzichten (nur 40 % wollen „liberté“), wenn sie dafür mehr Gleichheit erhalten („égalité“ wollen 57 %). Immigranten gegenüber ist man offener geworden; fast 50 % aller Franzosen wollen sie hereinlassen, wenn sie arbeiten, davon sind 7 % der Auffassung, man solle „alle Welt“ hereinlassen. Familie und „bonheur“ stehen an der Spitze der Wertpyramide der Franzosen.

Merkwürdig leere Strassen

Mittwoch, den 29. April 2009 um 8:46

In der Stadt Zürich sind die Strassen in den letzten Monaten merkwürdig leer geworden. Man erreicht das Stadtzentrum meist in einem Bruchteil der Zeit, das noch vor einem Jahr notwendig war. Konfliktexperte Albert A. Stahel, aus Afghanistan zurückkehrend, sagte: „Ein wohltuendes Geführ, die Ruhe, die hier herrscht, wäre in Afghanistan unvorstellbar.“ Bestätigt wird er von Autor Vijay Kumar Singh, der, aus Mumbai zurückkommend, beobachtet: „Befinde ich mich auf einem Friedhof oder in einem bewohnten Land? Es dauerte einige Tage, bis ich selber wieder Teil dieser Friedhofsruhe wurde.“ Die pulsierenden Klänge der Welt scheinen andernorts zu finden sein.

 
     
     
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