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Weblog
Monatsarchiv für März 2009
Montag, den 30. März 2009 um 8:59
Wir sollten uns erinnern: Die gleiche Manager-, Wissenschaftler- und Politikergeneration, die einen ROE von 25 % vertreten hat, liess immer wieder von sich hören: Vier Stunden Schlaf pro Nacht sind genug. Marcel Ospel ist ein berühmtes Beispiel, sein Freund Christoph Blocher auch. Eine ganze Generation von Führungskräften wollte uns beweisen, dass mehr in uns steckt. Heute, wo die Finanzpyramide zusammen gebrochen ist, sagen die Schlafforscher: “Zu wenig Schlaf macht krank, dumm und dick.” Sieben Stunden Schlaf sind nördlich der Alpen die Regel. Die Schweizer Offiziere der Armee 61 wussten noch: Drei Nächte kann man maximal wach bleiben, mehr ist nicht möglich.
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Montag, den 30. März 2009 um 8:59
Adrian Bratschi bestätigt: Sein Doppelhaus in Küsnacht/ZH, von Zaha Hadid entworfen, soll in zwei Jahren fertig sein. Der Baubeginn ist erfolgt. Damit wird der Zürcher Goldküste ein Kompliment gemacht. Die Welt mag zusammenbrechen, nicht aber rund um Küsnacht, Erlenbach, Zumikon und Zollikon.
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Montag, den 30. März 2009 um 8:59
Ein Theaterzirkus erster Güte, dazu noch Schweizer Herkunft, begeistert die Franzosen. Wer nicht nach Dijon oder Le Havre fahren will, Paris war ein Riesenerfolg, sollte am 2. oder 3. Juni Plätze in der Filature in Mulhouse buchen, wo diese kunstvolle Burleske zu sehen sein wird. Nach den Prinzipien der “arte povera” inszeniert, öffnet sich plötzlich wieder ein Theaterweg in die Zukunft, der Christoph Marthaler blässlich aussehen lässt. Martin Zimmermann und Dimitri de Perrot sind die Autorenkünstler, die wir hoffentlich bald auch in der Schweiz haben werden.
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Montag, den 30. März 2009 um 8:58
Hugo Chavez, zum Kummer von Holcim und vielen anderen, demonstriert seit Jahren den Aufstieg des charismatischen Politikers. Seine bürgerlichen Gegner geben sich alle Mühe, ihn und seine Anhänger zu Fall zu bringen. Keine Chance. Jetzt ist der 34jährige Andry Rajoelina aus Madagaskar auf seinen Spuren; der jüngste Regierungschef Afrikas. Chavez wie Rajoelina kamen durch Putschs an die Macht. Gleicht nicht auch die Wahl von Barack Obama einem Putsch? Niemand hatte zu Beginn mit seinem Sieg gerechnet. He did it. Europa, auch die Schweiz, fiel seinem Charisma zum Opfer. Wie es aussieht, kommt er uns teuer zu stehen. Warum ist dies so? In Zeiten grosser Unruhe (Peron, Mussolini, Hitler, Stalin) wendet sich das Volk Menschen zu, welche den Eindruck machen, für alle da zu sein, indem sie die “Röstigraben” ihres Landes überwinden. Unser bundesrätliches Damenteam wirkt schon zu verbraucht, um derartiges zu leisten; die Männer im Rat sind hoffnungslos abgeschlagen. Warten wir ein wenig, 2010 wird schlecht, dann kommen schon wieder Wahlen.
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Montag, den 30. März 2009 um 8:43
In der Gemeinde Däniken, im Kanton Solothurn gelegen, aber nahe der Grenze zum Aargau, wollen die Bürger ein neues Kernkraftwerk, Gösgen II würde akzeptiert. Es ist aber nicht sicher, dass dort ein AKW gebaut werden soll, denn Zürichs grosser Energieversorger, die axpo, möchte an ihren Standorten bauen, wo die Bevölkerung kein neues AKW will. Die sich laufend verstärkende Wirtschaftskrise wird zeigen, ob wir mehr als ein KKW brauchen. Nicht weniger intensiv ist der Kampf um die neuen Energieleitungen im Wallis und in der Westschweiz. Das Wallis ist heute mehr denn je voller Energie, “aber die muss dort heraus”, sagen die Energiefachleute. Dazu braucht es nach Meinung der Energiefirmen Hochspannungsleitungen, die über Land führen, riesige Masten, die schwerlich zu übersehen sind. Die betroffenen Städte und Gemeinden wollen die Leitungen vorzugsweise unterirdisch verlegen, was um ein Mehrfaches teurer käme, aber die Landschaft nicht beeinträchtigen würde. Schon vor 30 Jahren gab es Pläne, von Genf bis an den Simplon und weiter einen Tunnel zu graben, um alle Leitungen und Kabel darin zu verlegen. Die Kantonsregierungen fanden es damals zu teuer. Heute wären wir froh, man hätte weiter in die Zukunft geplant.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 30. März 2009 um 8:38
Wenn ehemalige VR-Präsidenten der UBS und des Bankvereins (und sogar deren Witwen) sich heute noch den Gärtner und die Autowäsche bezahlen lassen, verrät die die kleine Gier. Auch sehr reiche Menschen nehmen gerne noch ein Trinkgeld mit. Das hindert sie nicht daran, bei Madoff und anderen Millionen zu verspielen. Marcel Ospel war der Prototyp des charmant-gierigen Anschaffers, aber hinter ihm stehende Hunderte und Tausende von Managern des kleineren Kalibers, denen nur die Unverschämtheit und das Talent fehlt, das grosse Spiel zu wagen. Noch viel wichtiger ist der jetzt ausbrechende Geiz, wenn, wie Herbert Bolliger im Fall von “20 Minuten”, der letzte Rest von einem Lieferanten herausgepresst werden soll. Aus dem “sozialen Kapital” wird dann “übler Kapitalismus”, wenn dem Schwächeren auf der anderen Seite nur das letzte Hemd gegönnt wird. Das sind Signale, die darauf hinweisen, was uns in den kommenden drei Jahren bevorsteht.
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Montag, den 30. März 2009 um 7:55
Mit einer falsch angelegten Stadtpräsidentinnen-Wahl hat der Zürcher Freisinn einen weiteren Schritt getan, sich selber überflüssig zu machen. Schon wenige Stunden nach der Nichtwahl von Kathrin Martelli wurde klar: Nicht nur haben die bürgerlichen Wähler einer Kandidatin die Stimme verweigert, die während des Wahlkampfs als Kollegin ihrer siegreichen SP-Konkurrentin Corine Mauch auftrat, was von dieser nach der Wahl auch sofort quittiert wurde mit der Bemerkung “Das entsprach unserer Art zu politisieren”, sondern sie haben auch ein Zeichen gesetzt, dass in den Gesamterneuerungswahlen der Stadt Zürich im kommenden Jahr der Freisinn auf jeden Fall einen Sitz im Stadtrat verlieren wird. Totengräber der ersten Nachwahlstunde waren FDP-Parteipräsident Urs Egger und FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder, die sich sofort einer weiteren Koalition mit der SVP verweigerten. Die Linksfreisinnigen mit dem ohnehin politisch angeschlagenen Martin Vollenwyder steuern, wie schon seit 20 Jahren, direkt in den Niedergang. So wenig wie sie den Aufstieg der SVP verstanden, begreifen sie nun, dass die frühere Linke bürgerlich geworden ist und daher eine Links-FDP nicht mehr brauchen.
Ein Zeichen: Am Montag nach der Zürcher Wahl hatte die altbürgerliche NZZ nur einen Umfang von 36 Seiten, der neubürgerliche, einst linke “Tagesanzeiger” 56 Seiten. Die Manager, die früh streng nur NZZ lasen, sind längst zum vitaleren “Tagi” abgeschwenkt. Was für die beiden Redaktionen gilt, trifft auch für die stadtzürcherische Innenpolitik zu.
Corine Mauch als neue Stadtpräsidentin mit einem mädchenhaft-energischen Auftritt gelang es, die FDP-Stadträtin stets unter Kontrolle zu behalten. Katrin Martelli, völlig falsch gecoacht, ging händchenhaltend mit ihr gemeinsam durch den Wahlkampf (“Wir führen keinen Zickenkrieg”) und zeigte damit auf, dass sie selber völlig überflüssig war. In den zweiten Phase des Wahlkampfs verzichtete sie sogar auf ein Foto auf ihren Plakaten. Selbstaufgabe.
Corine Mauch hat während des Wahlkampfs nie deutlich gemacht, was sie in Zürich eigentlich tun möchte. Nach der Wahl sagte sie: “Fliesst mehr Geld herein, ist es einfacher Wünsche zu erfüllen.” Genau dies ist sozialdemokratische Politik: die einen lassen fliessen, die anderen nehmen entgegen. Der “Tagi” (Janine Hosp) konzentrierte sich im Titelseiten-Kommentar ganz auf die siegreiche Frau und versäumte damit, von Beginn an die Zeichen klar zu setzen: Wer führt die grösste Schweizer Stadt durch die kommende Finanzkrise? Nur “Le Temps” wagte es, die lesbische Seite der neuen Stadtpräsidentin zum Thema zu machen. Wer ihre Freundin sieht, die auch aus dem städtischen Staatsdienst stammt, weiss, wer der Mann in dieser Familie ist. Den Versuch, mich als sexistisch hinzustellen, muss ich sofort abwehren. Es darf uns jedoch beschäftigen, dass in einer Zeit, wo die Schweizer Familien nahezu aussterben, mit der Wahl einer Lesbe auf Zürichs Thron auch in dieser Hinsicht ein Zeichen gesetzt wird.
Als langjähriger entschiedener Gegner der Täuschungspolitik von Christoph Blocher war ich dennoch stets für ein Bündnis zwischen FDP und SVP, wie es in Zürich zuletzt von der FDP-Nationalrätin Doris Fiala gewagt und für einige Monate umgesetzt wurde. Wieviel Kraft dafür auf beiden Seiten notwendig war, wissen nur die engsten Beobachter. Wieder war es die FDP-Linke, welche die bürgerliche Einheit sabotierte und damit Zürich in die Arme der SP und der Grünen trieb. Mit einer Stimmbeteiligung von unter 35 % demonstrierten die Zürcher Wahlbürger und –bürgerinnen, dass ihnen weder an Corine Mauch noch an Katrin Martelli etwas gefiel. Die Mauch wurde von den SP-Stammwählern gewählt, die Martelli nicht einmal von den eigenen Leuten. Diese politische Grosspleite noch als Erfolg zu feiern, gelingt nur urbanen Zynikern, denen es um die Macht geht, um die Macht und sonst gar nichts.
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Montag, den 30. März 2009 um 7:16
Sein Grossvater, König Umberto II., hat noch die Rassengesetze Mussolinis mit unterschrieben. Enkel Emmanuel-Philibert, in Genf wohnhaft, mit Jahrgang 72 nicht mehr der jüngste, bereitet sich auf eine Karriere als Tänzer vor. Seine Karriere als italienischer Politiker ist bereits gescheitert; 2007 erhielt er 0,4% aller Stimmen. Als Prinz macht ihm dies alles nichts aus. Er sagt: “Die Italiener sollen mich erst einmal kennen lernen.” Bevor wir das Schweizer Bankgeheimnis abschaffen, das eine durchaus nützliche Erfindung war, sollten wir doch die europäischen Fürsten- und Königshäuser abschaffen. Wir machen einfach alles halb: Zuviel Adel, zuviel oder zu wenig EU, jetzt auch zuviel Staat und immer weniger Freiheit. Zuviel Chaos.
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Freitag, den 27. März 2009 um 17:55
Jetzt wissen wir es: Mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von Euro 194 000 sind Schweizer VR’s die höchstbezahlten in Europa. Gemäss Heidrick & Struggles sind sie nur viertbesten; Engländer, Niederländer und Schweden, die deutlich schlechter bezahlt sind, gelten als qualitativ besser. Die schlechtesten VR’s, die auch am schlechtesten bezahlt sind, hat Österreich. Die deutsche Aufsichtsrats-Kavallerie ist mit durchschnittlich Euro 110 000 p. a. die zweitbest bezahlte, steht aber leistungsmässig unter 13 europäischen Staaten auf dem drittletzten Platz.
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Freitag, den 27. März 2009 um 16:57
Das zweite Konjunkturpaket das Bundesrats kommt vor allem der Bauindustrie zugute, die es gar nicht nötig hat, ist sie doch weit bis ins kommende Jahr ausgelastet. Deshalb ist dieses Konjunkturpaket auf jeden Fall zu früh; man hätte warten können bis zum kommenden Herbst. Dies ist nur ein Hinweis darauf, dass wir ungeführt in die Krise taumeln, wenn sich die Wirtschaftsdaten in den kommenden 12-15 Monaten nochmals verschlechtern sollten. Derzeit stürzt nicht nur der Schweizer Maschinenbau ab, wo die Auslandaufträge ausbleiben, auch die “grande Hotellerie” wird demnächst zum Schadenfall. Zahllose Unternehmen haben damit begonnen, das Netz ihrer Niederlassungen und Vertriebsstellen im eigenen Land zu verkleinern. Wo schon der Bundesrat nicht führt, ist von den Parteien wenig zu erhoffen. Die Rest-SVP in Bern ist aktiv, indem sie im Parlament Koalitionen mit dem einstigen Klassenfeind SVP schliesst. Die FDP mit einem frisch wiedergewählten Parteipräsidenten Fulvio Pelli (gegen den Unternehmerflügel, der bisher aber keinen Kandidaten aufstellen konnte) fährt einen Schleuderkurs, der die eigenen Reihen durcheinander bringt, während bei vier Juristen im Vorstand die Glaubwürdigkeit im Volk laufend absinkt. Die CVP hält den Anschluss nach links. Weil allen eine nationale Perspektive fehlt, jeder sich aber profilieren muss, reagieren die Medien willig. 2010 ist das Jahr der Wahrheit. Christian Lévrat, SP-Präsident, verbessert seine Position laufend. Es sieht so aus, als würden bei sich verschärfender Krise die Karten neu gemischt.
Politik | 3 Kommentare »
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