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Weblog
Tagesarchiv für 5. März 2009
Donnerstag, den 5. März 2009 um 14:49
Für ihn, der bei der Deutschen Bank bereits auf dem Rückzug ist, wäre der Ruf an die Spitze der UBS gerade zur richtigen Zeit gekommen: “Joe” Ackermann. Sein Berner PR-Team, Aloys Hirzel und Victor Schmid, äussert sich öffentlich negativ zur Kaspar Villiger-Lösung, “der im Ausland keinen Ruf zu verlieren hat, weil er über keinen verfügt” (Schmid). Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass Oswald J. Grübel zur Personalie Ackermann über keine besonderen Affinitäten verfügt, er mag ihn nicht. Jetzt muss sich der agile Ostschweizer einen neuen Fluchtweg in die Schweiz suchen.
Wirtschaft | 3 Kommentare »
Donnerstag, den 5. März 2009 um 14:33
Kaspar Villiger, alt Bundesrat, glaubte an die Zukunft der UBS-Aktien so wenig wie viele andere Schweizer auch. Er verkaufte sie. Es ist das absolute Misstrauensvotum eines Aktionärs an ein Unternehmen, wenn er seine Aktien auf den Markt wirft. Jetzt, kündigte er an, werde er wieder UBS-Aktien kaufen. Die Zeit für den Wiedereinstieg ist – vielleicht – günstig. Es könnte allerdings auch sein, dass die Finanzbranche wie die Weltwirtschaft nochmals in sich zusammenbricht, ist die Last der unbeglichenen Schulden doch derart gross, dass eine Regulierung stattfinden muss. Dann hätte der neue VR-Präsident des UBS-Konzerns einen schlechten Zug getan, ganz wie viele alte Aktionäre, die eine Verwässerung des Wertes ihrer Aktien hinnehmen mussten, dann einen Zusammenbruch und immer noch spärliche Aussichten auf eine Besserung. Es sind solche Widersprüche, die unsere Gesellschaft kennzeichnen:
- Ein misstrauischer Aktionär, Kaspar Villiger, wird UBS-Präsident. Sein VR-Mitglied Jean-Marc Frey hat UBS- Aktien sogar verkauft, als er an die Spitze der Bank berufen wurde.
- Thomas Kern, ein Gegner der Südanflüge, wird CEO des Zürcher Flughafens.
- Ein Jungmarxist, Daniel Vasella, wird CEO und Präsident des grössten Schweizer Pharmakonzerns.
- Ein Demonstrant gegen das Kapital, Thomas Held, wird als Chef der “Avenir Suisse” Verteidiger desselben.
Es sind die dialektischen Widersprüche, die hin und wieder zum Fortschritt führen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Donnerstag, den 5. März 2009 um 13:52
Als Schweizer sind wir grundsätzlich ehrlich, wenn auch manche Banker nicht, die sich gegen Gesetze anderer Staaten vergehen, was wir bisher im allgemeinen als lässliche Sünde betrachtet haben. “Gesetze sind für das Volk”, sagte schon der altenglische Adel. Infolge dieser Missverständnisse wird nun verlangt, wir Schweizer müssten uns besser erklären, um Freunde zu gewinnen. Derartiges zu tun, ist uns fremd. Wenn im WSJ die wichtigsten Börsen der Welt vorgestellt werden, ist von der Schweiz, die einmal die fünfwichtigste der Welt hatte, nichts mehr zu sehen. Wir haben uns vierzig Jahre konsequent geweigert, der Welt etwas über uns mitzuteilen, es sei denn über Käse, Tourismus oder Uhren. Jedes Land tritt in den grossen angelsächsischen Medien oft sehr gekonnt auf. Wir? Keine Spur, Feind hört mit. Wer nun meint, wir alleine seien nicht so ganz ehrlich, der täuscht sich. Kenneth Chennault, der breiteren Kreisen unbekannte CEO von American Express, gestand dieser Tage: “Wir haben unsere Kunden mit zuviel Kredit überflutet.” Schöner kann man es kaum sagen, denn tausende von Kunden wurden ertränkt und sind seither pleite.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Donnerstag, den 5. März 2009 um 10:08
Weil die Rarner mit ihrem Dorfpfarrer David Ryan unzufrieden sind, hat ihm Kirchenverwalter Peter Troger seit Januar keinen Lohn mehr bezahlt. Raron ist die Oberwalliser Gemeinde, wo auch Rainer Maria Rilke auf dem Burghügel über dem Dorf begraben ist. Die aufrechten Oberwalliser, die einmal über einen legendären Fussballclub verfügten, bemängeln, offensichtlich zurecht, ihr Dorfgeistlicher nehme am religiösen Gemeindeleben nicht mehr teil. Schon einmal, vor 25 Jahren verjagten die Rarner einen Ortsgeistlichen. Die östlich von Brig wohnenden Gommer verjagten vor wenigen Monaten einen zu strengen polnischen Geistlichen, dessen orthodoxer Katholizismus den aufrechten Bergbewohnern zu weit ging. Merke: Die Oberwalliser sind aufrechte Katholiken, aber sie wollen selbst bestimmen, wer sie lehren darf.
Gesellschaft | 2 Kommentare »
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