 |
 |
 |
|
|
Weblog
Tagesarchiv für 4. März 2009
Mittwoch, den 4. März 2009 um 17:30
Schon in Zürich einen guten Walliser Wein in einem Restaurant zu erhalten, erfordert Spezialkenntnisse. Im Ausland nach einem Schweizer Wein zu fragen, ist in neun von zehn Fällen ein hoffnungsloser Fall, geht man nicht gezielt in ein Spitzenrestaurant, das zuvor sorgfältig evaluiert wurde. Der Schweizer Wein hat ein Marketingproblem, denn zwischen Genf, Sion und Visperterminen trinken die Einheimischen ihre besten Weine am liebsten selbst. Wolfgang Fassbender hat soeben bei Orell Füssli das Buch “Die besten 400 Weingüter der Schweiz” vorgelegt. Er bemerkt zurecht, dass es die zerstrittenen Schweizer Weinbauregionen selber sind, die in konsequentes Weinmarketing eher verhindern als ermöglichen. Wir sind ein Land der Winzer-Künstler. Einen “Mauler” aus Mötiers trinke ich zehnmal lieber als den ich Zürich in Strömen ausgeschenkten Prosecco. Ein Nicolas Zufferey in Sierre, die Domaine Cornulus in Saviése und Jean-René Germanier in Vétroz zusammen mit den Winzern von Salgesch, Gregor Kuonen und Diego Mathier, bieten mehr als viele Franzosen, Italiener und Spanier. Sie alle sehen sich mehr als Künstler denn als Kaufleute. Daher sind ihre Weine auch noch günstig, was den heimischen und kenntnisreichen Gast nochmals erfreut. (Wolfgang Fassbender “Die besten 400 Weingüter der Schweiz”. Getestet und bewertet. Orell Füssli Verlag, Zürich. 272 Seiten, CHF 44.–)
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 15:14
Kann mir irgendjemand sagen, ob der Kampf um das Amt des Stapis in Zürich noch läuft? Irgendwie hört man von den Kandidatinnen Mauch und Martelli gar nichts mehr. Die erste Runde des Fights war zum gähnen langweilig aber die zweite Runde ist ja noch viel schlimmer. Heute kann ich bestätigen, das war mit grossem Abstand der langweiligste Kampf um ein öffentliches Amt, den ich je gesehen habe. Es ist davon auszugehen, dass Martelli (FDP) einpacken kann. Mauch (SP) soll sich endlich bei einem anständigen Friseur anmelden und aufhören ihre Lumpensammlung zu tragen. Wenn Zürich künftig so langweilig geführt wird, na dann gute Nacht liebe Bürger.
Fidel Stöhlker
Gesellschaft, Politik | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 13:41
Während Papst Johannes Paul II., selbst ein kommunikativer Star, der die Selbstdarstellung als grosser Dulder genoss, mit seinem Pressechef, dem Spanier Navarro-Valls, über ein PR-Ausnahmetalent verfügte, hat Papst Benedikt XVI. nichts von dem. Geradezu hilflos taumelt er von einer PR-Krise in die nächste, dies wahrscheinlich im Bewusstsein, dass die Hinnahme des von aussen auferlegten Leidens die wahre Himmelsleiter ist. Nun, „Benedetto“ meinte wohl, die nationalen Bischofskonferenzen würden die PR-Fragen, die er laufend produziert, bodennahe lösen. Dies ist ein Irrtum, denn weder die deutschen noch die Schweizer noch andere Bischofskonferenzen verfügen über die geistigen Mittel, um sich in der heutigen Welt zu behaupten. Wer die Welt als Jammertal betrachtet, Journalisten als Abgesandte des Teufels und irdische Kommunikation als Fehlverhalten Gott gegenüber, wird nur noch auf eine kleine Glaubensgemeinschaft rechnen dürfen. Charles Darwin, von der Kirche wenig geliebt, hat uns wissen lassen: Wer sich nicht anpasst, ist zum Untergang verurteilt. Das gilt auch für Langzeitprojekte, wie die christlichen Kirchen, wobei es anzufügen gilt, dass überall sonst in der Welt die „modernen“ christlichen Kirchen kommunikativ hervorragend ausgestattet sind. Offensichtlich steckt die katholische Kirche derzeit in einem Prozess der unzureichenden Kaderauswahl; das gilt für Rom und die Schweiz.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 13:28
Wir leben in einer Wirtschaftskrise, die sich von Monat zu Monat verschärft. Wöchentlich erhalte ich jetzt 2-3 Anfragen seriöser Führungskräfte aller Altersgruppen, was aus ihnen werden soll. Im Schweizer Fernsehen ist von dieser sich aufbäumenden Krisenwelle nur wenig zu hören. Was ist eigentlich in dieser Situation die Aufgabe des Fernsehens? Besser als unsere TV-Direktorin Ingrid Deltenre, die sich offensichtlich hinter dem starken Rücken von Armin Walpen auf ihren nächsten Karrieresprung vorbereitet, sagt es der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust: “Wir sind ein stabilisierender Faktor in schwierigen Zeiten.” Das Fernsehen ist nur noch selten ein Medium der Aufklärung, sondern Ritalin für eher informationsschwache Zuschauer. Das ist die Masse der Bevölkerung. Das Schweizer Volk zahlt seine hohen TV-Gebühren nicht dafür, ernsthaft aufgeklärt zu werden, sondern um der Beruhigung willen. Weil Ingrid Deltenre dies bisher ausgezeichnet geleistet hat, dies nach dem Orwell’schen Motto “Schwache Sendungen sind gute Sendungen”, sollte ihrer weiteren Medienkarriere nichts im Weg stehen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 11:45
Die Schweiz ist eine Stadt mit 7,5 Mio. Einwohnern und der grösste Verlag dieser Stadt Schweiz heisst tamedia. Der Westschweizer Quartierverleger Edipresse mit Pierre Lamunière an der Spitze, der schon seit Jahren sein Desinteresse am Schweizer Binnenmarkt signalisiert hat, verkaufte an Pietro Supino, den starken Mann der Verlegerfamilie Coninx, die einst aus Deutschland zugewandert ist. Sein “starker Arm” heisst Martin Kall, CEO der tamedia Gruppe, ebenfalls ein jüngst zugewanderter Deutscher, der die Schweizer Verlagslandschaft in das 21. Jahrhundert hineingeführt hat.
Verlierer sind die kleinen Schweizer Verleger, die sich an den fünf Fingern abzählen können, wie viel Cashflow ihnen noch bleibt, um in Selbständigkeit zu überleben. “Polo” Stähli, der neue CEO der NZZ-Gruppe, formulierte die neue Lage sofort perfekt: “Jetzt werden wir als Gegengewicht zu tamedia wichtiger.” Er wird seine Gesprächsofferten an Hagemann-Lebrument-Wanner schon versandt haben, wohl wissend, dass Martin Kall ihm in seine Pläne hineingrätschen wird.
Zweiter grosser Verlierer ist Hanspeter Rohner, der CEO der seit langem serbelnden P-Gruppe, deren Tochter Publicitas ihren Schweizer Markt Zug um Zug aufgeben muss. Der Ausverkauf ihrer Beteiligungen ist im Gang. Die Frage stellt sich, ob es die P-Gruppe künftig überhaupt noch braucht. Es wird sich jemand finden, der die Teile übernehmen will.
Michael Ringier führt das Haus der verpassten Chancen. Denkt man darüber nach, was er hätte tun können, um Ringiers Position im Schweizer Markt zu stärken, sieht man, dass es zwei Gründe waren, die zur Stagnation im Schweizer Markt führten: Mangelnder unternehmerischer Ehrgeiz und eine dauerhaft falsche Personalpolitik. Wie Ringier sich im Ausland behaupten kann, werden erst die kommenden drei Jahre zeigen; leichter wird es nicht werden. Eher noch schlechter steht es für die NZZ-Gruppe, die in der Ära Hugo Bütler in den unternehmerischen und publizistischen Tiefschlaf verfallen war, aus dem sie ein neuer CEO und ein neuer Chefredaktor holen soll. Beide, immerhin, wollen zeigen, was sie können.
Ein weiteres Opfer dieses neuen “City Schweiz Verlags” wird voraussichtlich die geistige Unabhängigkeit sein. Schon heute zeigt sich, die Westschweizer Intellektuellen, soweit sie diesen Titel überhaupt verdienen, zeigen sich zahnlos. Künftig wird an der Chefredaktoren-Konferenz in Zürich entschieden (eine Dislokation nach Lausanne ist dann nur geografischer Natur), wem geistiger Gehalt zugesprochen wird und wem nicht. Wie gefährlich dies für die intellektuelle Spannbreite des Landes ist, zeigt die Praxis der SRG SSR Idée Suisse, die Lieblingsintellektuelle hat und solche denen man die “idée suisse” abspricht. Weil Rationalisierungen, nicht nur im Druckbereich, unvermeidlich sind, wird ein Kampf um den Platz an der Zürcher Mediensonne ausbrechen.
Zwei Schreckgespenster wurden von CEO Martin Kall montiert, um seinen Merger innenpolitisch besser verkaufen zu können: Die drohenden Internetmedien und die Alternative Paris oder Hamburg-Berlin. Die rasch sinkende Bedeutung des Schweizer Binnenmarktes verlangt nicht nur eine Konzentration, wie sie jetzt erfolgt ist, sondern begünstigt auch die Googlisierung der international ausgerichteten und gut ausgebildeten Teile der Bevölkerung. Bei aller Bewunderung für Paris, die man in der Westschweiz spürt, will kaum ein welscher Schreiber für einen Pariser Verlag arbeiten, ist dort doch immer “le petit Suisse”, also zweite Klasse. Und für die “boches” oder “Krauts” zu arbeiten, ist auf jeden Fall schlimmer als für die Zürcher.
Tamedia wird an seinem Umgang mit der Zukunft des “Bund” und der “Berner Zeitung” beweisen müssen, wie ernst man in Zürich regionale Interessen nimmt. Gibt man dem “Bund” den Todesstoss, gilt dies als Angriff auf die Intellektualität und Identität des Standorts Bern. Stützt man die “Berner Zeitung”, was ökonomisch gerechtfertigt wäre, entscheidet man sich für ein redaktionelles Billigprogramm, was die Berner Elite nicht goutieren würde. Insofern wird Bern der Test sein für das der Westschweiz Blühende.
Tamedia steht eine andere grosse Aufgabe bevor, die Kommunikation ihrer Rolle in der Schweizer Politik, Kultur und Gesellschaft. Ob Pietro Supino oder Martin Kall diese Funktion übernehmen, wird sich zeigen. Entsteht aus dieser zuerst ökonomisch definierten Situation auch ein grosser Schweizer Verleger? Den Medien die redaktionelle Freiheit zu garantieren, ist nur eine Seite der Medaille. Die zweite Seite besteht darin, die Zukunft des Landes, seiner Politiker und seiner Kultur zu definieren. Sollte tamedia diese Aufgabe national nicht anpacken, wie sie es auf dem Platz Zürich schon recht gut tut, wäre dies Teil des Systemversagens der Schweiz, die sich immer stärkeren Kräften von aussen gegenüber sieht.
Kommunikation | 3 Kommentare »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 10:39
Die UBS zahlte in der Krise Boni. Die HSBC zahlte in der Krise Boni und noch so viele weitere Banken. Gleichzeitig verlieren die Kunden ihr Geld aber den Bankmanagern ist das vielfach völlig egal. Sie sind nur an der eigenen Vermögensentwicklung interessiert.
Wird Oswald Grübel diese Form der Vergütung unterbinden? Wird Kaspar Villiger überhaupt die Macht haben, einen wilden Stier wie Grübel zu bändigen? Aber es gibt heute bereits gute Beispiele, die man nicht übersehen sollte: Hans-Jörg Rudloff, Chairman von Barclays Capital, hat in der Krise keine Boni ausbezahlt. Ein gutes Zeichen für deren Kunden. Jetzt verzichtet auch der neue CEO von Kühne & Nagel, Reinhard Lange, auf einen höheren CEO-Lohn. Wieder ein gutes Zeichen für die Kunden. An solchen Beispielen sollten sich die Manager der Finanzindustrie ein Vorbild nehmen. So baut man nämlich Kundenvertrauen auf- und aus.
Fidel Stöhlker
Wirtschaft | 4 Kommentare »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 9:43
Für die echten “Baslere” ist es ein Gefühl wie Weihnachten, der Morgestraich. Ich sehe, gerade bei Älteren, diese glücklichen Gesichter, wie sonst nur bei Kindern am 24. Dezember. Es sind Farben und Lichter, welche die Nacht reizvoll machen. Die Masken selber sind erstaunlich bitter bis aggressiv. Die Nachfahren von Schwarzwald-Hexen mischen sich mit Gespenstern und traurigen Harlekins. Eine widerliche englische “Gentleman”-Maske faucht “Was wottsch?” Hochmut mischt sich mit dünner Sozialkritik. Die Basler lieben ihre “Fasnet”. Erklärt wird nichts, denn “-minu”‘s, des Hofberichterstatters, Bericht, setzt sich rein aus den Namen von Cliquen zusammen. Wer nicht im Bild ist, muss wenigstens genannt werden. Die Basler, im geistigen Reduit lebend, haben den Export der “Fasnet” stets verweigert; vielleicht ist dies höhere Einsicht.
Gesellschaft | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 9:22
Wenn ein Pärchen genug Geld und gute berufliche Aussichten hat und der Staat der Frau im Fall einer Trennung ein grosses Mass an finanzieller Sicherheit verschafft, sind Ehescheidungen kein Wunder. Jetzt, wo die Kasse wieder knapper wird, wo Frau wie Mann mit einer Kündigung rechnen müssen, sieht die Welt wieder anders aus. Das Risiko einer Trennung wird wieder gemieden, die Scheidung aufgeschoben. Die Ehen werden wieder “stabiler”. So beschränkt die Ökonomie die Autonomie, die sonst als Heiligtum unserer jungen Paare gilt. Ältere Paare wissen dies längst.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 4. März 2009 um 8:09
Unser Finanzminister ist ein höchst angenehmer Mensch; daran zweifelt niemand, auch ich nicht. Was er sagt, ist lieb, nett und korrekt, aber seinen Reden wie Auftritten fehlt die Perspektive. Wahrscheinlich hat er um sich herum leider gescheite junge Leute, “ghostwriter”, die ebenfalls keine grössere Perspektive haben. Woher auch? Meine Freunde, die Universitätsprofessoren, klagen über die jungen Menschen, die sie von den Gymanasien erhalten. Viel Schrott, ungebildet. Ist es ein Trost, dass es “Angie” Merkel, der deutschen Bundeskanzlerin, nicht besser geht. Was sie sagt, ist “action”, aber ist es auch reflektiert? Wir dürfen es bezweifeln. Noch schlimmer Sarkozy, der Wortlawinen herausschleudert, grammatikalisch eine Katastrophe, kulturell auf einer Art Sekundarschulstufe stehen geblieben, der damit aber populär und aktionistisch wirken will. Barack Obama wirkt diesen europäischen Politikern gegenüber in seiner Ausdrucksweise gebildet und überlegen. Die Krise unserer bürgerlichen Politiker ist auch eine Sprachkrise; Sie müssen täglich zuviel Text produzieren und tun dies mit Zuarbeitern, deren geistiger Horizont nicht über alle Zweifel erhaben ist.
Kommunikation | Keine Kommentare »
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|