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Weblog
Monatsarchiv für Februar 2009
Donnerstag, den 26. Februar 2009 um 8:20
Erstmals kann man wieder glauben, dass der UBS-Konzern doch nicht zum Untergang verurteilt ist, denn der Verwaltungsrat hat den charmanten, aber nach aussen oft grimmig auftretenden Oswald J. Grüebel zum neuen Group CEO ernannt. Grüebel hat die entscheidenden Vorteile: Er weiss nicht nur mit den Märkten umzugehen, sondern hat bereits einmal eine Schweizer Grossbank gerettet, die CS Group. Nicht geringer ist seine Fähigkeit einzuschätzen, sich von falschen Mitarbeitern zu trennen. Als grosser Kommunikator ist Grüebel bisher nie in Erscheinung getreten; hier sind aber Überraschungen nicht auszuschliessen, ist er doch nach seinem Rücktritt bei der CS Group viel freier geworden und hat in Aufsätzen wie in Vorträgen, so beim Business Club Zürich, stets souveräne Überlegenheit bewiesen. Seine Vorgaben an die Mitarbeiter sind klar:
- Motivation ist gut; jetzt müssen die Gewinne wieder stimmen.
- Risiken müssen besser abgewogen werden.
- Eine offene Kommunikation ist erwünscht.
Wirtschaft | 9 Kommentare »
Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 17:20
Eben kommt die Pressemitteilung von Fulvio Pelli. Die Botschaft darin: Die Verfassung sehe eine “Task Force” vor, welche bei Problemen führen müsse: Es ist der Bundesrat selbst. Was für ein Schwachsinn, denn genau der Bundesrat hat uns diese Situation eingebrockt. In der Mitteilung steht auch: Die Regierung arbeite ruhig und seriös. Übersetzt heisst das: wir tun nichts, bis wir erneut dazu gezwungen werden. Es sei das Verhalten, welches man von einem Kapitän während eines Sturms erwartet. Falsch – der Käpten sollte im Sturm und normalerweise vor dem Sturm, alle Mann darauf vorbereiten und dann alles was nötig ist dafür tun, dass das Schiff nicht kentert. Das heisst: BR Merz müsste sich jetzt auf die künftigen Angriffe von aussen vorbereiten und entsprechende Argumentarien und eine Fachliche Kampftruppe erstellen. Er tut es sicher nicht.
Die FDP erwarte eine starke diplomatische Offensive und ebenso eine weitsichtige Kommunikationsstrategie. Wie naiv ist Pelli eigentlich, wenn er denkt, dass unsere Reise-Aussenministerin im bundesrätlichen Ausschuss sinnvoll wäre. Die Dame wird von den Amerikanern niemals ernst genommen und von den Briten ebenso wenig. Die verfolgen vehement ihre Ziele und weder eine Calmy noch ein Merz können sich im Moment dagegen wehren. Das diplomatische Netzwerk der Schweiz solle genutzt werden, um die Landesinteressen zu verteidigen. Frage: Wer gewinnt das Duell? Der mit dem Revolver oder der mit der Peitsche? Die schwachsinnigen Ideen von Pelli sind nicht haltbar. Jetzt muss die Schweiz endlich anfangen richtig zu kämpfen und zwar nicht mit Peitschen, sondern mit Kanonen. Der Krieg ist eröffnet.
Fidel Stöhlker
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 13:18
Zwanzig Jahre nach dem Untergang des osteuropäischen Kommunismus, steht nun auch der westliche Kapitalismus vor dem Untergang. Oder nicht? Es sind die Mittelklassen, auch Blair’scher “Dritter Weg” genannt, die nun vor den Trümmern ihrer Eigenheime und Luxuschalets stehen. Wie wird man Millionär? Indem man eine Milliarde vernichtet; das ist das Schicksal vieler einst Reicher. Wer jetzt keine Schulden, eine gute Firma oder einen guten Job hat, kann sich seines Lebens erfreuen. Da dies für die meisten Menschen nicht gilt, steht viel Ärger an. Wir werden erst im nächsten Jahrzehnt wissen, was dies alles für Konsequenzen hat, bis dahin wünsche ich eine gute Überwinterung.
Politik | 4 Kommentare »
Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 10:46
Maria-Elisabeth Schaeffler, nur die besten Roben tragend, wirkte während Monaten wie ein bestens gestylte Königin. Jetzt, vom Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Metall, Berthold Huber, mehr getragen als gestützt, wankt eine alt gewordene Frau einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie hat mit einer Übernahme im falschen Augenblick das Erbe der Familie in den Sand gesetzt und muss, damit sie in Berlin an Staatsknete kommt, die Mitbestimmung ihrer 67 000 Mitarbeiter akzeptieren. Verschwunden ist ihr genialer Stratege, Astro-Physiker Hubertus von Grünberg, der wieder mehr Zeit hat, sich um den Schweizer ABB-Konzern zu kümmern. Sic transit……
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 9:56
“Slumdog Millionaire” ist ein wenig appetitlicher Film aus der Unterwelt von Bombay, wo ein sehr armer Junge nach dem Prinzip Zufall Karriere macht. Die intelligenten Inder haben zurecht gegen diesen Film protestiert, der vielfach als “Armutsporno” bezeichnet wurde. Der Regisseur, ein Engländer, ist stolz darauf. Es handelt sich wahrscheinlich um die letzte Rache von Great Britain an den Indern, die sich mit Gandhi 1948 die Freiheit erkämpften. Pittoreske Armut ist etwas für die westlichen Touristen, die Indien gerne bereisen im Wohlgefühl, abends wieder in einem Luxushotel übernachten zu dürfen.
Kommunikation | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 9:05
Springer-Chef Axel Döpfner will nun allen Redaktionen seines Grossverlags alle Artikel zur Verfügung stellen, die in seinem Reich produziert werden. Ökonomisch mag dies Sinn machen; als Leser und Käufer seiner Publikationen frage ich mich, wie oft ich demnächst das gleiche Thema bezahlen muss. In der Schweiz bezahle ich mindestens fünf “Magazin”-Ausgaben pro Wochenende, solche im “Tagi” selber, dann in der “Basler Zeitung”, schliesslich noch im “Bund”. Zum Schluss kaufen ich oder meine Mitarbeiter noch einige “Tagi” am Kiosk, was höchstens meine Finanzchefin erbittert. Die “NZZ”, sie hat das Lob verdient, bringt immer nur Originalartikel, was mehrere Jahres-Abonnemente rechtfertigt. Werden jedoch Artikel zwischen deutschen und Schweizer Medien vermehrt ausgetauscht, wie zwischen “Tagi” und “SZ”, dann zahle ich wieder doppelt. “Die Zeit” lässt mich auch für die Meinungen von Roger de Weck bezahlen, dies in der Schweizer Beilage, obwohl wir alle dessen Mittelinks-Kommentare bestens kennen. Ringier-Medien muss man an dieser Stelle nicht erwähnen; “Blick” und “SoBli” sind in letzter Zeit besser geworden, aber der Weg zum Erfolg ist noch lang.
Kommunikation | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 8:27
Der Posten des US-Botschafters in Bern ist USD 50 000.– wert. Jeder Kandidat braucht zusätzlich die Freundschaft des amtierenden US-Präsidenten, weil die Botschaft in Bern zu jenen vier gehört, wo der Präsident immer selbst den Amtsinhaber bestimmen darf. Peter Coneway hat George W. Bush diesen Betrag gespendet, sich jedoch seit einem halben Jahr schon wieder nach Texas zurückgezogen, weil er offensichtlich genug von den Schweizer Ferien hatte. “Die beiden ältesten Demokratien der Welt”, wie sich die Schweiz und die USA gerne bezeichnen lassen, haben eine “special relationship”, mindestens aus der Sicht der Schweiz. Barack Obama, der in Hawai, Indonesien und dem Osten der USA aufgewachsen ist, werden keine spezielle Beziehungen zur Schweiz nachgesagt. So erstaunt es nicht, dass die Anklagen der US-Justiz in ihrer Konsequenz bis zur Hälfte des Finanzplatzes Schweiz vernichten können, denn die EU-Europäer werden angesichts ihrer Finanzknappheit lustvoll nachziehen. Nicht nur unsere Aussenpolitik, die bis vor 30 Jahren einmal eine sehr effiziente Aussen-Wirtschaftspolitik gewesen ist, ist gescheitert. Wir haben auch keine wirkliche Wirtschaftspolitik, weshalb unsere Finanzpolitik nur in der Hoffnung besteht, es sei genügend Geld vorhanden, um die Schuldzinsen begleichen zu können.
Politik | 5 Kommentare »
Dienstag, den 24. Februar 2009 um 14:42
Die glanzvolle Aera Alexander Pereira am Zürcher Opernahus wird schon in Kürze unweigerlich zu Ende gehen. Nicht nur erwarten wir nach seiner Zeit der grossen Stimmen und der prachtvollen Aufführungen, wo ich zuletzt “Tristan und Isolde” besonders geschätzt habe, einen neuen Stil, sondern auch Kreativität. Pereiras Zeit fiel zusammen mit dem Höhepunkt und dem schweren Einbruch des Finanzplatzes Schweiz. Seine grossen Sponsoren in der Finanzwelt wären ohne Staatshilfe “banca rotta”; auch die Familie Jacobs/Adecco hat heute andere Sorgen. Wer Zürich bewundert, muss andere Standorte besuchen. Deshalb spurtete ich über die Autobahn in zweieinhalb Stunden nach Karlsruhe an das Badische Staatstheater, um mich dort verzaubern zu lassen. Georg Friedrich Händels “Radamisto” in historizierender Musizierpraxis und mit barocker Bühnentechnik würde ich mir auch in Zürich wünschen. Mit mir waren alle Zuhörer wie Zuschauer verzaubert von einer Aufführung, die uns tief in dei europäische Vergangenheit führte. Ich habe an diesem Abend im badischen Karlsruhe mehr gelernt als in sechs Monaten am Zürcher Opernhaus, denn Musik auf Umwelt verschmolzen zu einem ganzen.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 24. Februar 2009 um 14:29
Unser Projekt “Kongress der Freaks” passt sehr gut in die aktuelle Diskussion um einen neuen Futurismus. Tatsächlich kenne ich mindestens zwei Schweizer die an der futuristische Kunst des 20. Jahrhunderts, weil sie die richtigen Künstler kauften, ausgezeichnet verdient haben. Darum geht es jedoch nicht, denn beide sind traurige alte Männer, die ihr Geld noch leichter verspielen, als sie es schwer verdient haben. Was verlangen die neuen Futuristen:
1. Schöpferisch sein
Das ist ein alter Hut, denn wer schöpferisch ist, wird sofort vermarktet. Es muss gesagt werden, wer die bsiherige Schöpfung gefährdet hat.
2. Poetisch sein
Einverstanden, weil ich die Poeten liebe, aber sie bleiben Tips für Insider. Besser hiesse es: Die richtige Sprache finden, wie es FTM, der Begründer des alten Futurismus, vorgemacht hat.
3. Dem Menschen dienen
Diese Leerformel gibt es, seit es Menschen gibt, die führen wollen. Man sollte jedermann misstrauen, der “der Menschen dienen will”. Die Menschen wollen übrigens nicht, dass man ihnen dient.
4. Die Verwirrung zum Prinzip erheben
Da wir viel Verwirrung haben und noch mehr haben werden, muss der neue Futurismus Klarheit schaffen. Wer diesen Mut nicht hat, dient Altem.
5. Die Flüchtigkeit feiern
Nein, denn damit dienen wir nur dem Konsumismus. Der Mensch braucht wenig, um Mensch zu sein. Diese ewige Form muss er finden.
6. Die Ortlosigkeit preisen
Damit wäre unseren Politikern und Konzernen am besten gedient. Sie haben die Menschen ihrer Orte beraubt und in die globale Ortlosigkeit geführt. Im Gegenteil: Wir brauchen Orte und müssen die Orte der anderen kennen.
7. Die Intuition preisen
Nein, denn wir wissen alles. Nicht Intuition, sondern Realität zeichnet den neuen Futurismus aus. Realität erfordert Wissen und Mut.
8. Farbe ins Spiel bringen
Natürlich machen Farben Spass, aber sie dürfen nicht konsumistisch verstanden werden. Ist schwaz ehrlicher als rot? Wir müssen immer fragen, was steht hinter der Farbe, sonst bleibt sie Dekoration.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Dienstag, den 24. Februar 2009 um 14:07
“Angie” Merkel hat einen Fehler gemacht, als sie als deutsche Bundeskanzlerin den Papst in Rob verurteilte, weil er sich den Pius-Brüdern in der Holocaustfrage zu sehr auslieferte. Sicher spielt es eine Rolle, dass sie eine Ostdeutsche ist, sicher wollte sie den deutschen und internationalen Juden ein Zeichen setzen, sicher meinte sie, sich als Weltpolitikerin wieder in Szene setzen zu müssen. Sicher machte sie es falsch. Der persische in Deutschland lebende Schriftsteller Navid Kermani, ein Moslem, der soeben ein Jahr als Stopendiat der Villa Massimo ein Rom verbracht hat, schreibt: “Wenn ich mich über Äusserungen des Papstes ärgere, dann schwingt darin inzwischen der Zorn des Anhängers mit, auch in diesen Tagen.” Welch wunderbares, souveränes Wort eines intelligenten Moslems, der sich damit der deutschen Kanzlerin weitaus überlegen zeigt. Kermani beklagt an der katholischen Kirche in Rom, dass sie daran mitgewirkt hat, den praktizierenden Katholiken Prodi abzuwählen und sich für den Wahlsieg “eines erklärt libidinösen Geschäftsmanns ” (Silvio Berlusconi) eingesetzt zu haben. In Italien, dem Kernland der abendländischen Kultur, seien die grundlegenden Werte des Humanismus und der monotheistischen Religionen verraten und die Prinzipien der parlamentarischen Demokratie abgeschafft worden. Dass ein Iraner uns dies sagen muss, ist die traurigste Seite dieses Kapitels. Offensichtlich leben wir in einem Europa der Feiglinge, das Konsum und Cash zum Fetisch erhoben hat. Wir sollten daher gerade in der Schweiz nicht daran glauben, dass die Welt sich nach der UBS-Krise geänder hat.
Gesellschaft | 3 Kommentare »
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