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Monatsarchiv für Januar 2009

Warum NZZ-Polo Stäheli ein Realist ist

Mittwoch, den 28. Januar 2009 um 13:26

Härter hat es an der Spitze der “NZZ”-Gruppe noch keiner gesagt: “Die publizistische Leistung der NZZ ist in unserem Land konkurrenzlos.” Albert Polo Stäheli, der erste CEO in der Geschichte der “Neue Zürcher Zeitung”, hat in der ebenso elitären wie unter Chefredaktor und Gesamtleiter Hugo Bütler fast entschlafenen Redaktion Ängste ausgelöst, weil er – im Auftrag des Verwaltungsrats – Änderungen verlangen muss. Die “NZZ” mag besser als “Le Temps” und “Tagesanzeiger” sein, was oft, aber nicht jeden Tag zutrifft, aber die Schweizer Konkurrenz ist nicht ihr Problem. Intelligente Schweizer der globalen A-Klasse sind heute verpflichtet, täglich “FTI”, “WSJ”, “Herald Trib” und “FAZ” zu lesen, um global auf dem laufenden zu sein. An deren Massstab gemessen, ist die “NZZ” unter Hugo Bütler zu einem globalen B-Blatt abgesunken, denn vieles, was wir rasch und präzise wissen müssen, finden wir in der “NZZ” nicht (mehr). Was vor allem fehlt, sind vertiefte Hintergrundberichte über wirtschaftliche und politische Vorgänge im In- und Ausland. Es genügt nicht, irgendwelche Fachaufsätze von irgendwelchen Auguren ab- und nachzudrucken. Die “NZZ” muss eine ebenso sachkundige wie prominente eigene Meinung vertreten. Dabei ist die fatale Abhängigkeit von Teilen der Redaktion von US-gesteuerter Information sicher kein Vorteil. Dies war mit ein Grund, weshalb Schweizer Leser der “NZZ” viel zu spät von den Schwächen des letzten Bush erfuhren und sie auch heute noch nicht wissen, welchen Gefahren die Schweiz durch die sich verschärfende Krise ausgesetzt ist. Eine “NZZ”, die nach Polo Stäheli “vertiefte, reflektierte Information” ernst nimmt, darf sich nicht mehr schützend vor alte Gewohnheiten stellen, sondern muss “reflektierend” aufzeigen, was zu ändern ist.

UBS – Was bietet sie ihren Kunden?

Mittwoch, den 28. Januar 2009 um 11:02

Vor allem viel Verärgerung, wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre. Das Kommunikationsdebakel wird in den nächsten Jahren bei Krisenkommunikations-Trainings ganz sicher als DAS Beispiel genannt, wie man es nicht tun sollte. Die Bankführung verunsichert mit ihrer Kommunikation ihre Mitarbeiter in höchstem Grade und viel schlimmer – ihre Kunden. Aber bietet die Bank ihren Kunden überhaupt noch etwas? Bei diesem Punkt muss ich offen gestehen – mir nicht mehr. Die Berater sind ohne Argumente geschweige denn Lösungen. Wohin soll der Kunde mit seinen Geldern? Geldmengen über CHF 100’000.– sind in grosser Gefahr. Auch die Kantonalbanken sind keine Lösung. Momentan gilt, und es wird noch eine längere Zeit so bleiben, Cash is King. Plötzlich könnte die Postfinance ein guter Partner für die konservativen Anleger werden. Mit 1,75 Prozent auf den e-Sparkonti bietet sie mehr als alle anderen. Ausser natürlich, wenn ich gleich für 10 Jahre anlege. Oder gibt es noch andere gute Partner?

Fidel Stöhlker

Tabu. Alas, wir bieten Asyl

Mittwoch, den 28. Januar 2009 um 9:36

Die Warnungen, ich solle mich nicht zu Schwulen äussern, es sei denn in liebevoll verständiger Zuneigung, erreichen mich des öfteren. Je mehr ich versichere, dass mich der “Normal-Schwule” so wenig interessiere wie der “Normal-Hetero”, desto aufgeregter werden manche Schwule, sehen sie sich doch als etwas Besonderes, manchmal auch als einen darwinistischen Fortschritt der Natur. Meine konservativen katholischen Freunde können diese Auffassung nicht teilen, aber durch die jüngste Entscheidung des amtierenden Papstes, einen Holocaust-Leugner wieder in den Schoss der rechtmässigen Kirche aufzunehmen, sehen sich auch diese Kreise diskreditiert. Weil Zürich gerne so chic wie Berlin wäre, hat uns der scheidende Stapi Elmar Ledergerber nun ein vierwöchiges Schwulenfestival in Zürich geschenkt, das viele Zürcher veranlassen wird, die Innenstadt zu meiden. Diese zuckenden, fortlaufend erregten Papageien-Menschen, denen man vom örtlichen Tourismusverein vormacht, sie kämen in eine “hippe” Stadt, sind mir ob ihrer geistigen Inhaltslosigkeit ein Ärgernis. Blicke ich in die Weltgeschichte zurück, waren derlei Feste immer ein Zeichen der Dekadenz, denn es wäre wirklich wichtiger für unser und andere Länder, die Mehrzahl der Familien zu feiern, die mit ihren Kindern die Schweiz von morgen bilden werden. Die Gay’s sind mir willkommen, weil sie die Betten der Hotels füllen (hoffentlich!), aber ihre Ekstasen hätte ich lieber in geschlossenen Räumen gesehen, Huldrych Zwingli sei mein Zeuge. Unsere neue Zürcher Stadtpräsidentin kann durchaus eine Lesbe sein; was in Paris und Berlin möglich ist, darf auch bei uns erlaubt sein. Sie wirkt wesentlich frischer als ihre bürgerlich-zurückhaltende Konkurrentin, die sich “einem Zickenkrieg” verweigert. Jedoch, ob schwul, lesbisch oder hetero, beiden Kandidatinnen fehlt offensichtlich die Darstellungs- und Sprachgewalt, die eine Stadt wie Zürich erwarten darf, wenn wir nicht zu leugnende soziale Spannungen erwarten dürfen und sogar zu uns einladen. Aus Berlin erreicht mich soeben die Mitteilung, dort sei man keineswegs mehr so tolerant wie früher, sondern Heteros und Schwule würden munter aufeinander einprügeln. Alas, wir bieten Asyl.

Von der Pleite Islands lernen

Mittwoch, den 28. Januar 2009 um 8:09

Die drei isländischen Grossbanken waren Verpflichtungen eingegangen, die jeden der 300 000 Inselbewohner mit USD 500 000 betrafen und das Zehnfache der Wirtschaftsleistung der Insel ausmachten. Jetzt steht ganz Island unter Fremdverwaltung durch Finanzexperten aus Finnland und Schweden, weil niemand mehr den Isländern zutraut, ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen. Der Filz ist dort ebenso gross wie bei uns in der Schweiz. Die Börse ist um 95 % eingebrochen, die Häuser sind nur noch halb soviel wert wie zuvor. Island wird, da auch die Währung zusammengebrochen ist, ziemlich rasch der EU beitreten. Bei uns in Bern wird stets beteuert, das könne der Schweiz nicht passieren. Ich bin nicht sicher. Sollte aber auch uns die Krise erreichen, sehen wir am Beispiel Islands, was uns bevorsteht.

War George W. Bush ein Beinahe-Nazi?

Dienstag, den 27. Januar 2009 um 14:10

Naomi Wolf ist eine eher ungemütliche Frau. Sie sagt in ihrem neuen Buch “The End of America” voraus, was im Titel steht und Barack Hussein Obama verhindern möchte. Wolf: Was für die Nazis der Begriff “Heimat” war, ist im Bush-Amerika das Wort “homeland”. So wenig wie man heute wisse, wer den Reichstag angezündet habe, die Nazis selber oder ein Einzeltäter, könne man heute sagen, wer 9/11 verursacht habe, einige Araber oder die US-Regierung selber. Als Europa die flüchtenden Franzosen aus dem einstigen Indochina zurücknahm oder die weissen Rhodesier nach der Machtübernahme durch die Einheimischen, waren dies Rückzugsprogramme der einstigen europäischen Imperialisten. Die USA waren vor dem Einzug der Spanier, Portugiesen, Engländer, Holländer und Deutschen, der Skandinavier auch, ein rotbraunes Land. Jetzt, wo die Afro-Amerikaner, die Latinos und die Asiaten in den USA immer grössere Anteile erobern, können wir gegen Ende des 21. Jahrhunderts auch den Nachfahren unserer WASP-Familien anbieten, das langsam aussterbende Europa durch ihre Rückkehr neu zu bevölkern.

Slogans, bitte kurz und scharf

Dienstag, den 27. Januar 2009 um 13:44

Alle schreiben jetzt à la Barack Hussein Obama: “Yes, we can.” Wir sollten John McCain nicht vergessen, dessen Slogan “Country First” hoch aktuell ist. Hillary Clinton, obwohl heute Aussenministerin, hat sich in ihrem Wahlkampf nur für “Solutions for America” eingesetzt. Mike Huckabee, eine Art amerikanischer SVP-Politiker, sagte “Faith, Familiy, Freedom”, was weniger ankam. Rudy Giuliani, der bei uns von vielen noch bewundert wird, empfahl messerscharf “Tested, Ready, Now”, was seinen Absturz nicht verhinderte. John Edwards, an den sich einige noch erinnern, brachte sich erfolglos ins Gespräch mit “Tomorrow Begins Today”. Es geht nichts über Ogis “Freude herrscht”. Damit bewies er Weltklasse.

Reiche Schweiz – reiche Gäste

Dienstag, den 27. Januar 2009 um 11:14

Mehr denn je werden bei uns Restaurant-Clubs “for private guests only” eingerichtet. Zürich und Genf liegen damit an der Spitze, aber auch Klosters wird in diesem Jahr, zum Kummer anderer Touristen und der Einheimischen, ein bisher öffentlich beliebtes Restaurant in einen Club überführen. Das liegt im Trend, wollen doch die über 4 100 Ausländer, die mit Sondererlaubnis der kantonalen Regierungen kaum Steuern bezahlen müssen, nicht mit jedem ordinären Schweizer an der Theke stehen und nach einem Bier fragen müssen. Dazu kommen die 380 000 Millionäre, die jedes Jahr als Feriengäste in die Schweiz erreichen. Solche Menschen, die soeben eine Finanzkrise überstanden haben, möchten ihre Partagas in Ruhe geniessen und nicht von Kindergeschrei am Nachbartisch abgelenkt werden. Die Clubs verlangen im Schnitt CHF 1200.– bis CHF 3000.– Jahresgebühr. Wer Pech hat, muss als “fremder Fötzel” auch das Doppelte bezahlen. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Wenn der obere Mittelstand nun den finanziellen Schnauf verliert, betrifft dies die wirklich Reichen wenig. Wer gerade Milliarden verloren hat, dem bleibt mit den restlichen Milliarden (nach Madoff) noch einiges übrig für einen feinen Schweizer Privatclub.

UBS – Ein Desaster das kein Ende findet

Dienstag, den 27. Januar 2009 um 10:11

Die Kunden und das Volk schreit auf. Die Bank zahlt trotz schwerer Verluste Boni. Das UBS Management ist kommunikativ total am Ende. Kein Kommentar gegenüber der Öffentlichkeit – das zeigt die wahre “Stärke” der Führungskräfte der Grossbank. Die Argumente sind den Spitzenkräften ausgegangen. Zudem zeigt Finma-Chef Haltiner wenig Grösse und lässt sich im Sog der UBS mitreissen. Imagemässig kommt diese Botschaft schon fast einem Dolchstoss ins Herz zugleich. Die Angst um die guten Köpfe in der Bank ist viel zu gross. Die guten Leute wissen genau, wenn sie jetzt das sinkende Schiff aus Geldgier verlassen, dann kommt dieser unkluge “Strategiezug” irgendwann auf sie zurück. Nur die Dummen und Gierigen suchen sich jetzt einen neuen Job in einer Bank, wo der Bonus noch garantiert ist. Die UBS-Spitze braucht dringend Hilfe.

Fidel Stöhlker

Ethnische Minderheiten rücken vor

Dienstag, den 27. Januar 2009 um 9:03

Im multikulturellen Berlin schwamm ich soeben im ersten “Hüllenbad” der Welt. Was einst ein deutsches Hallenbad war, fand ich plötzlich besetzt mit islamischen Frauen, die selbstverständlich keine Bikinis, sondern Burkinis trugen. Männer sehen dies nur per Zufall, denn der Badeanzug der Musliminnen wird nur während der Frauenschwimmzeiten getragen. Von Zwischenfällen ist bisher nichts bekannt geworden. Eigentlich müsste nun Zürich nachziehen. Elmar Ledergerber brachte uns die Gay-Festivals; die neue Stadtpräsidentin, heisse sie Martelli oder Mauch, kann sich als Burkini-Favoritin in Szene setzen.
Früher bedienten wir über die BBC die Weltöffentlichkeit mit Meinungen aus dem Westen. Zuerst hat Al Jazeera diesen Bann gebrochen; in den Genfer Hotels kann ich Al Jazeera sehen, aber nicht das Deutschschweizer Fernsehen. Jetzt hat die chinesische Regierung ein ähnliches Programm beschlossen. Die neuen Medien-Weltmächte rücken vor.

Jetzt müssen Sparprogramme auf den Tisch

Dienstag, den 27. Januar 2009 um 8:22

Im Laufe des Jahres wird sich die Wirtschaftslage auch in der Schweiz für die Masse der Bevölkerung laufend verschlechtern: Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, erzwungene Umzüge werden zunehmen. Die Bevölkerung muss lernen zu sparen. Was tun? Nehmen wir das neue Auto. Mit einem Fahrzeug, das 15 000.– bis 25 000.–Franken kostet, können fast 100 % der Mobilitätsbedürfnisse befriedigt werden. Was darüber hinaus geht, ist Luxus, Prestige und vielfach irrational. Je weniger neue Autos wir kaufen, desto gesünder wird unsere Umwelt.

 
     
     
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