Der UBS-Zusammenbruch geht weiter
30. January 2009 um 8:41Was einmal die schönste Grossbank der Schweiz und Europas war, der UBS-Konzern, kommt offensichtlich nicht mehr auf die Füsse. Die von Bern verordnete Boni-Regelung, nach der nur noch ein Sechstel der bisherigen Boni ausbezahlt werden, ist ein weiterer Sargnagel für die einst stolze Bank. Es ist in Vergessenheit geraten, dass Tausende hoch qualifizierter Investmentbanker, die über gute Kundenbeziehungen verfügen, die hoch rentable IPO’s, Finanzierungen oder M&A’s verwirklichten, ihre seriös verdienten Boni wirklich verdient hatten. In London findet deshalb eine regelrechte Flucht aus der UBS statt; die Konkurrenz nimmt die besten UBS-Banker mit Handkuss auf. Diese weitere Schwächung der UBS drückt sich natürlich im Aktienkurs aus; auch glaubt niemand mehr in London, dass der Zürcher Anwalt Peter Kurer der richtige Mann ist, das Ruder zu drehen. Sein Abgang dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Offensichtlich gibt man sich, in Europa wie in den USA, aber Mühe, die Banken von regulatorischem Druck zu befreien. Dies würde bedeuten, dass sie wieder richtig arbeiten und Gewinne machen dürfen. Was die UBS betrifft, welche die professionelle Kommunikation praktisch aufgegeben hat, können wir nur beten.


am 30. January 2009 um 10:53 Uhr.
Von den 2 Milliarden UBS-Boni für 2008, die nicht Bern, sondern die Finanzaufsicht ausgehandelt hat (der ehemalige UBS-Direktor Eugen Haltiner), sind 1,3 Milliarden vertraglich gebunden, d.h. Boni-Vereinbarungen, die nicht an den Geschäftsverlauf gekoppelt sind, sondern in jedem Fall, auch wenn die Bank Konkurs geht, ausbezahlt werden müssen.
Wieso werden solche Vereinbarungen geschlossen? Weil man angeblich sonst keine guten Leute kriegt?
Ich habe für viele Unternehmen gearbeitet. Die meisten kannten eine Erfolgsbeteiligung: Wenn’s gut lief, kriegte man nach einem festgelegten Schlüssel Zuschläge, falls nicht dann eben nicht. Für Kader gab es weitergehende Vereinbarungen, die , natürlich, ausdrücklich an den Geschäftsverlauf gekoppelt waren. Das ist die Erfahrung der meisten Arbeitnehmer.
Beim “Spiegel” war ich als Mitarbeiter sogar unmittelbar am Unternehmen beteiligt, mit allen Vor- und Nachteilen. Das war sehr lehrreich und schärfte das unternemerische Denken bei den Miatrbeitern. Was man zusätzlich ausbezahlt kriegte, schwankte eben je nachdem, wie gut die Geschäfte liefen. Alle Mitarbeiter haben das begriffen. Keiner ist deswegen zur Konkurrenz gelaufen, weil er einmal keine Gewinnbeteiligung ausbezahlt gekriegt hat.
Dass das bei Banken unbedingt anders sein muss, ist eine Erfindung der Banken. Wir müssen ihnen nicht jeden Unsinn einfach glauben. Dass es hinter erhabenen Bankenfassaden so viel Irrationalität, ja offenbar auch Weltfremdheit gibt, erstaunt einen schon einigermassen.
am 30. January 2009 um 10:57 Uhr.
Da mir das Wohl der UBS sehr am Herzen liegt: könnte Saif Gaddafi da nicht helfend einspringen? Der ist ja noch in Davos und man kann mit ihm reden. Hier in Genf hält man grosse Stücke von ihm und von seiner ganzen Familie. Und in Bern ja auch.
am 30. January 2009 um 15:11 Uhr.
@) Harry R.Wilkens: Die Aussenministerin hat ein Treffe an einem geheimen Ort in Davos oder anderswo verabredet. Man möchte schon gern wissen, was hinter dieser Libyen-Geschichte wirklich steckt. Dass die obskure Misshandlung des Hauspersonals durch Hannibal Gaddafi bez. die Reaktion der Genfer Behörden darauf wirklich der Grund für die Verstimmungen des Diktators sind, glaubt doch hoffentlich niemand ernsthaft. Deswegen muss man doch nicht eine hohe Sonderdelegation nach Tripolis senden, wie kürzlich geschehen.
Was steckt da noch alles dahinter?
Libyen ist der wichtigste Erdöllieferant der Schweiz (20 Prozent) Dem libyschen Staatskonzern Tamoil gehören ausserdem die einzige Erdölraffinerie in der Schweiz sowie ein Netz mit 320 Tankstellen - wer immer von Schweizer Seite aus diese Verträge seinerzeit geschlossen hat und welche Provisionen an wen geflossen sein mögen.
Der Gaddafi-Clan und libysche Unternehmen sind mit Sicherheit auch Grosskunden von Schweizer Banken, womit der häufige Aufenthalt der Gaddafi-Söhne in Genf in direktem Zusammenhang stehen dürfte. Da machen die Aufregungen um gestörte Beziehungen dann schon mehr Sinn. Sicher braucht ja die eine odere andere Grossbanken noch zusätzliche Kapitalspritzen. Da wäre Gaddafis Libyen nicht abwegig. Das ist jetzt reine Spekulation, aber irgendwie hat man im Bauchgefühl, dass da mehr dran ist.
Womöglich bemühen sich unsere Damen und Herren Wirtschaftsjournalisten bei Gelegenheit mal, etwas mehr Licht in dieses doch ziemlich interessante Beziehungsgeflecht zu bringen und uns Tieferschürfenderes zu berichten, als immer nur das, was man ohnehin schon aus dem Internet herunterladen kann. Dürfte sich lohnen.
Aber natürlich nur, wenn’s nicht allzuviel Mühe macht, denn das angenehm temperierte Büro müsste man dafür schon verlassen. Vorort hört man oft mehr als in Zürich. Oder Davos.
am 30. January 2009 um 16:00 Uhr.
Noch ein kleiner Nachtrag zu Libyen: Wie man sich erinnert, war die heitere Familie Tinner aus dem St.Galler Rheintal neben Pakistan auch in Libyen zugange (es ging um Pläne und/oder Bestandteile für Atomanlagen, um die Zusamenarbeit mit der CIA und um die Vernichtung diesbezüglicher gerichtsbververtbarer Akten - auf dringendes Anraten der Amerikaner und auf folgsame Anweisung des Bundesrates).
Lauter interessante Spuren im Wüstensand. Und irgendwie führen erstaunlich viele davon wieder in die Schweiz.
Wie das wohl kommt?
Fragen über Fragen.
am 2. February 2009 um 12:24 Uhr.
Und alle schweigen zu dem Bruder des Gaddafi-Dieners, der sehr wahrscheinlich als Reprressalie umgebracht wurde. Das ist das mieseste an der ganzen Geschichte!!! Ich als Genfer schliesse schon jetzt nicht aus, dass in manchen arabischen Villen Hinrichtungen und anderes mehr stattfinden dürfen, zu denen die Behörden die Augen schliessen…
am 3. February 2009 um 10:05 Uhr.
@) Harry R.Wilkens: Die Frage bleibt: Warum hat Gaddafi ein so beeindruckendes Erpressungspotential in der Hand, vor dem man sich in der Schweiz in gewissen Kreisen offensichtlich fürchtet?
Das Erdöl allein kann es nicht sein. Man sei keineswegs einseitig abhängig vom libyschen Erdöl, beschwichtigt uns die Schweizerische Erdölvereinigung. Wir wollen ihr das mal glauben.
Was ist des denn, das einen solchen Aufwand an Geheimdiplomatie erfordert?
Auch über die genauen Hintergründe dieser Misshandlung des Dienstpersonals würde man gern mehr erfahren, weil sich das Ganz ja nun zu einer Staatsaffäre beträchtlichen Ausmasses ausgewachsen hat.
Vielleicht bemüht sich einmal eine(r ) der Damen und Herren Journalisten über den Uetliberg hinaus in die von Zürich aus offenbar unendlich ferne Stadt Genf. Einfach so.