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Tagesarchiv für 12. Januar 2009

Calvin war grösser als Zwingli

Montag, den 12. Januar 2009 um 16:31

Der Franzose Johannes Calvin war einer der wichtigsten Denker der Schweiz. Dank ihm wurde die Schweiz Fluchtort von Flüchtlingen aus aller Welt, die nicht zuletzt zu unserem heutigen guten Ruf und Wohlstand beitrugen: Ohne Hugenotten gäbe es heute keine Schweizer Uhrenindustrie. Calvin war aber nicht nur religiöser Führer sondern auch global erfolgreicher Begründer und Verbreiter der protestantischen Wirtschaftsethik. Seine Betrachtungen zur Wirtschaft mit der Verurteilungen von Exzessen und der Einführung von Zinssatzbegrenzungen sind gerade in der heutigen Bankenkrise aktueller denn je. Und trotzdem: Johannes Calvin, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 500. Mal jährt, gilt als dunkler und versessener Diktator, dem man die Schuld an der Verbrennung des spanischen Arztes Michel Servet nie verziehen hat.
Huldrych Zwingli ist die Lichtgestalt der Schweizer Reformation – nicht nur in Zürich. Die 2,4 Millionen Reformierten in der Schweiz sind zahlenmässig den Calvinisten erdrückend überlegen und erinnern sich zuerst an Luther, Zwingli und dann erst an Calvin. Dabei hatte Calvin weltweit eine weitaus grössere Wirkung mit seiner Lehre als Zwingli, dessen Wirkungskreis beschränkt war. Dass Zwingli in der Limmat unliebsame Täufer aus Zollikon hat ersäufen lassen, hat man vegessen. In der reformierten Kirche hat Huldrych Zwingli die bessere nationale PR-Agentur. Mit zahlreichen Veranstaltungen zum Calvin Jahr 2009 erinnert sich die Kirche an den grossen Reformator. Mehr…

Philippe Welti

Luxus ist out, Snobismus ist in

Montag, den 12. Januar 2009 um 13:28

Schon rüsten die internationalen Werbeagenturen auf, der Zeit angepasst, mit dem neuen Trend “Luxus ist out”. Der Massenmarkt verlangt billige Waren, weil der Mittelstand finanziell abstürzt, Aldi, Lidl, Migros, Coop und Denner sind die Zeugen. Wenn Luxus als out sein soll, zumindest für den Mittelstand, fährt der Snobismus voll ein. Der “Tagi” lässt einen Clubbie ganzseitig aussagen: “Bei uns kommt eher jemand rein mit den richtigen Jeans als in einem falsch sitzenden Anzug.”
“How to spend it”, die Mutter aller Konsummagazine, lässt im neuen Heft Männer à la Carsten Schloter auftreten (“Du”, aber sonst hart), präsentiert Models mit Augenringen nach Rouault und empfiehlt ein Walnuss-Holz-Sofa für Euro 150 000.– Bhutan bleibt chic, Verbier auch, aber nur in einem “Swiss Chalet”, das innen indisch eingerichtet ist, für 10 Personen ab £ 22 300.– die Woche, Küchenchef und Chauffeur incl. Wir müssen nicht derart weit gehen, um den neuen Trend des Snobismus, der den Luxus der Mittelklasse abzulösen im Begriff ist, auch bei uns zu sehen: Im neu gestylten “TagiMagi” tritt uns Daniel Binswanger wie aus einem englischen College kommend gegenüber und stellt uns das Ceylon-Paradox vor, womit er keine Teemarke meint. Alain de Botton, ein früher Scholar des Snobismus (Vater Bankier), darf in der gleichen Ausgabe empfehlen: “Arbeiten ist nicht mehr besser als ein Spaziergang an der frischen Luft.” Nun muss auch der Chefredaktor des Heftes, Finn Canonica, ein Zeichen setzen. Er präsentiert eine New Yorker Psychoanalytikerin auf der Couch wie Cleopatra ihren Antonius erwartend und lässt sie empfehlen, man solle seine Kinder nicht wie Könige behandeln, womit bewiesen ist, dass Snobismus wenig mit Wissen, aber viel mit Haltung zu tun hat. Gleich darf dies ein junger Schweizer Banker bestätigen: “Ich bleibe nur so lange, bis es mich langweilt.” Wem diese Sensibilität abgeht, was in kulturell hochstehenden Umfeldern leicht geschehen kann, dem empfiehlt “TagiMagi”-Mitarbeiterin Michèle Roten den Gebrauch von Ohropax, das mache sensibel. Merke: Luxus bleibt, er verschiebt sich nur eine bis zwei soziale Stufen nach oben.

Benjamin Netanyahus gute Idee

Montag, den 12. Januar 2009 um 11:23

Sogar Juden weinen, wenn sie an die Kinder denken, die durch den Angriff der israelischen Armee im Gaza-Streifen getötet wurden. Ist der Angriff überproportional ausgefallen oder “Auge um Auge, Zahn um Zahn” gewahrt? Benjamin Netanyahu ist ein Vergleich eingefallen, den wir nicht unterschlagen wollen. Er meinte, Israel habe zurückgeschlagen wie einst London, das von den Deutschen im 2. Weltkrieg bombardiert wurde. Die Vernichtung der deutschen Städte (mitsamt grosser Teile der Zivilbevölkerung) durch britische Bomber (“Bomber Harris”) sei notwendige Rache gewesen, wie dies jetzt auch Israel gegenüber den Palästinensern “surgical” appliziere. Netanjahu klärt uns auch darüber auf, dass die US-Amerikaner im 2. Weltkrieg die Deutschen offensichtlich mit überlegenen Waffen angegriffen hätten, starben doch für jeden Amerikaner 20 Deutsche im Krieg. Ehrlich, mir wird übel bei solchen Vergleichen. Hier spricht ein Techniker der Macht.

Wer ist schuld am Zusammenbruch der US-Wirtschaft?

Montag, den 12. Januar 2009 um 11:06

Klar, es sind die Capps und Mairs, die in den Vororten der grossen amerikanischen Städte leben. Sie kaufen nicht mehr (weil sie kein Geld mehr haben), sondern fahren mit dem alten Toyota weiter einkaufen, obwohl er schon 400 000 km auf dem Buckel hat. Sie gehen nicht mehr auswärts essen und weigern sich, nach Aspen zu fliegen, um dort Ski zu fahren. Der Mittelstand bleibt zuhause und spielt Nintendo. An dieser Stelle sei daran erinnert, was wir früher schrieben: 5 % der amerikanischen Bevölkerung ist für ein Drittel des Konsums verantwortlich, zumindest bis zur grossen Krise.

5 wenig auffällige US-Präsidenten

Montag, den 12. Januar 2009 um 8:08

Sie stehen nebeneinander: George H.W. Bush (“der Alte”), Barack Obama (“der Neue”), George W. Bush (“der Versager”), Bill Clinton (“der Blender”) und Jimmy Carter (“einmal Erdnussfarmer, immer Erdnussfarmer”). An jeder Konferenz amerikanisch-europäischer Manager würden sie nicht weiter auffallen, wüsste man nicht, wer sie sind oder waren. Auf der Strasse würde sich niemand nach ihnen umdrehen. Grund: ordinary business men. Billy Carter ist der global übliche Gutmensch mit freundlichem Lachen, immer Anschluss suchend. Bill Clinton ist der Schlaumeier, der nach der Kamera linst; er kennt das Spiel und seine Regeln. “Georgieboy” sieht so naiv aus, wie er stets war. Barack Obama ist sexy, den Rest muss man abwarten. Vater Bush ist “elder stateman”, dabei ist er als “acting president” beim Lunch immer eingeschlafen, wenn ich ihn im Zürcher “Dolder” bei seinen Besuchen in der Schweiz sah. Im Rückblick, nichts besonderes an der Spitze, ganz wie bei uns im Bundesrat auch.

 
     
     
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