Über uns Dienstleistungen Agenda Medien Publikationen Kontakt  

Weblog

Monatsarchiv für Dezember 2008

Aussichten für Rentner düster

Montag, den 29. Dezember 2008 um 10:20

Niemand hat bisher ein derart düsteres Bild von der Zukunft der Schweizer Rentner gezeichnet als UBS-Ökonom Joachim Klement im “investor’s guide” vom 12. Dezember. Er schreibt: “Unserer Meinung nach sind die Aussichten für baldige und gegenwärtige Rentner düster.” Der Kursrutsch an den Aktienmärkten habe die Lebensersparnisse vieler Menschen deutlich dezimiert, “und durch die gefallenen Immobilienpreise ist das verfügbare Eigenheimvermögen stark geschrumpft.” Ich schätze, dass die Aktienmarktverluste von normalen oberen Mittelstandsfamilien, sofern sie nicht zu viele Grossbankaktien oder Lehman-ähnliche Produkte hatten, sich zwischen 10-30 % bewegen. Von grossen Immobilienverlusten ist mir bisher kaum etwas bekannt, es sei denn in hoch spekulativen Objekten der letzten fünf Jahre.
Klement folgert:
- “Rentner werden zunehmend darauf angewiesen sein, Geld aus ihren Anlagen zu entnehmen. Das Einkommen aus Dividenden und Anleihecoupons dürfte nicht ausreichen, um den Mittelbedarf während des Ruhestands zu decken.”
- Er empfiehlt, um das Einkommen während der Pensionierung zu erhalten, höchstens fünf Prozent pro Jahr aus dem ursprünglichen Anlagevermögen zu entnehmen, bei stark geschrumpften Ersparnissen auch noch weniger als 5 %.
- Einige müssten jetzt auch wieder in die Teilzeitarbeit gehen, um ihren Lebensstandard zu erhalten (Anm.: Und dies bei steigenden Arbeitslosenzahlen).

Aktien sollten die Alten noch behalten, “da sie langfristig guteAussichten aufweisen”. Was die UBS unter langfristig meint, wird nicht erläutert. Jedoch empfiehlt sie: “Die Kurse sind so weit gefallen, dass im Laufe der Zeit überdurchschnittliche Renditen zu erwarten sind.” Was heisst “im Laufe der Zeit”? Was “überdurchschnittliche Renditen”, wenn die Anleger und Bankmitarbeiter mit den beiden Grossbank-Aktien bis zu 70 % ihrer Vermögen verloren haben? Die UBS-Kommentatoren geben sich nicht geschlagen. Sie empfehlen weiter: “Anleger sollten sich auf Sektoren konzentrieren, in denen der Gewinnrückgang voraussichtlich weniger stark sein wird.” Voraussichtlich, liebe UBS.

Good Luck, Monika

Mittwoch, den 24. Dezember 2008 um 9:55

Wenn wir uns über den hohen Lebensstandard der Menschen in unserem Land freuen, mögen sich manche Monika Luck vorstellen, die soeben ihren Abschied als Geschäftsführerin der Schweizer Werbung SW offiziell verkündigen liess. Noch vor hundert Jahren war dies nur bei Staatslenkern, höchsten Diplomaten oder bedeutenden Industriefamilien üblich. Monika Luck lässt uns wissen, sie wolle sich in Zukunft mehr dem Reisen widmen (ganz wie früher der englische Adel, als er die Schweizer Alpen entdeckte), ihrer Familie (das gehört sich in besseren Kreisen), dem Sitz im Tessin (nein, keine Wohnung, auch kein Haus, ein “Sitz”) und der “Agentur für Schr-Ott und Kreativität” (skurril wie die Lords). Good Luck, Monika, wir werden Dich vermissen. Der Schweizer Werbung geht es mies; Du hast den Absprung im richtigen Augenblick geschafft.

“Beobachter” lässt sich nicht einschüchtern

Mittwoch, den 24. Dezember 2008 um 9:21

Auf Seite 14 der Weihnachtsausgabe berichtet der “Beobachter” über “Die faulen Tricks der Strromkonzerne”, was den Verlag nicht hindert, zehn Seiten weiter, eine 16seitige Broschüre des Energieproduzenten Axpo zu präsentieren, die er auch noch selber produziert hat. Das nennt man Trennung zwischen Redaktion und Werbung, eine Technik, die immer weniger Schweizer Verlage beherrschen. Ach, der “Beobachter” gehört nicht mehr einem Schweizer Verlag, sondern Axel Springer aus Berlin. Offensichtlich macht Grösse stärker.

Wo wird noch Geld verdient?

Mittwoch, den 24. Dezember 2008 um 9:07

Nicht die ganze Welt wird im kommenden Jahr untergehen, sondern es gibt noch Staaten, die Wachstum aufzeigen. Zählen wir das Wachstum des Inlandprodukts und der Industrieproduktion zusammen, zeigt sich folgendes Bild: China (15,7 %), Tschechien (6,4 %), Polen (3,1 %), Russland (4,3 %), Australien (3,9 %), Indien (10,9 %), Thailand (3,9 %), Ägypten (11,7 %), Israel (5,5 %), Brasilien (3,2 %). Die Schweiz wird mit 5,9 % sogar sehr gut abschneiden, muss aber, wie viele andere Staaten auch, damit rechnen, dass starke Einbrüche bevorstehen.

Schmidt und Schmidtchen

Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 11:52

Was Helmut Schmidt, der deutsche Grosskanzler, sich jetzt leistet (abgesehen vom Dauerrauchen, das anderen verboten wird), bleibt Schmidtchen verwehrt. Der 90jährige deutsche Altkanzler sagt: “Entweder stossen die Deutschen, wenn sie stark sind, in andere Länder vor, wie es die deutschen Könige gegen die Päpste oder Adolf Hitler getan haben, oder, wenn sie schwach sind, stossen Mächte von aussen ins Innere Deutschlands vor.” Das ist nett gesagt. Er meint auch, Kant sei kein Staatsdenker gewesen, weil er nicht über die Verfassung nachdachte. Hegel sei unklar gewesen, Treitschke schlimm. Seien wir uns einig, Schmidt war immer der Grösste. Vergessen wir nicht, dass er einst an den Staatsfinanzen, an der Sicherheitspolitik und der Ökologiebewegung scheiterte. Nach ihm kam Helmut Kohl, der auf Konsens setzte. Das war nie Schmidt’s Sache. Immerhin, er hat uns nicht gelangweilt, wie dies jetzt bei seinen Nachfolgern der Fall ist; vielleicht macht dies seine wiedergewonnene Stärke aus.

Siegt Frechheit?

Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 11:25

Unvergesslich die Eiseskälte, mit welcher Rainer E. Gut alle behandelte, die für ihn unbedeutend waren. Einen seiner Spitzenkollegen, heute noch ein sehr erfolgreicher Bankier in London, fertigte er ab mit den Worten: “Die gute Nachricht: Ich werde hier der Chef. Die schlechte Nachricht, Du musst gehen.” Oder Oswald Grüebel, als er noch die CS führte: “Wer Zuneigung will, suche sich einen Hund,” Oder Thomas Matter, auf die Affäre Hranov angesprochen, sich in einem abschätzigen Ton von seinem ehemaligen Geschäftspartner distanzierend, dass erst jetzt die Eidg. Bankenkommission mit einem offiziellen Bericht zu Matter feststellen musste: “..mit einer einwandfreien Geschäftsführung nicht vereinbar.” Martin Bisang muss seine CHF 5 Mio. Sondergewinn aus dieser Affäre zurückzahlen. In einem Augenblick der Einsicht sagte Rainer E. Gut einmal: “Ich bin jemand, weil ich jetzt für viele Milliarden verantwortlich bin. Habe ich diese nicht mehr, bin ich niemand.” In diesen Zustand ist er jetzt eingetreten, viele werden ihm folgen. Marcel Ospel, sieht man den einstigen Edel-Bankier und Hyper-Spekulanten heute, ähnelt eher einer Katze, die ins Wasser gefallen ist.

Endspurt der Retter

Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 10:39

Bundesrat Hans-Rudolf Merz will uns mit einem neuen Notpaket aus der kommenden Krise 2009 retten. Ich verstehe nur “mehr Schulden”. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey will im Ausland Zugeständnisse über freiwillige Zahlungen machen. Ich verstehe nur “Aufgabe des Bankgeheimnisses in Raten”. Wir sind viel zu defensiv sagte mit dieser Tage ein ausländischer Banker, der über tausend Mitarbeiter führt. Bundespräsident Pascal Couchepin setzt dem die Krone auf und verlangt Schweizer Truppen vor der somalischen Küste zur Abwehr von Piraten. Sollen wir dort unsere Schnellboote vom Bodensee einsetzen? Ich befürchte, die Piraten sind kampfstärker. Wahrscheinlich will der freisinnige Couchepin seinem im Anmarsch befindlichen SVP-Kollegen Ueli Maurer nur beweisen, dass “die beste Armee der Welt” bereits existiert. Maurer sieht sich ohnehin weniger als Seemann, denn als Radfahrer; die könnten zu spät kommen bis sie durch die Sahara an die feindliche Küste vorgestossen sind. Wir haben wieder Chef-Strategen beim VBS.

Konrad Adenauer und George W. Bush

Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 9:27

George W. Bush hat am 15. Oktober 2002 alle US-Amerikaner ermutigt, sich ein eigenes Haus zu bauen oder zu kaufen. Er hat damit entscheidend den Immobilien-Bubble ausgelöst, der zur Verschuldung der US-Bevölkerung führte; gleichzeitig ruinierte er den Staatshaushalt mit Kriegen im Irak und in Afghanistan. Konrad Adenauer hat das gleiche 1952 in Deutschland getan, indem er jedem Deutschen, der dies wollte, ein eigenes Haus versprach. Der schlaue katholische Fuchs aus Köln wusste, die Deutschen würde keine linke und keine rechte Revolution mehr anzetteln, hätten sie ein eigenes Haus mit Gärtchen. Was machten die Amerikaner falsch, was bei den Deutschen richtig lief? Die amerikanische Bevölkerung, verführt von der Finanzindustrie, dem Detailhandel und der Werbebranche, stürzte sich in Schulden. Gleichzeitig wurden die Einkommen seit 30 Jahren von der Wirtschaft nach unten getrieben; Stagnation der Einkommen war für 80 % der US-Bevölkerung noch das günstigste. Die Deutschen arbeiteten wie die Teufel, waren sparsam und errzeugten das berühmte Nachkriegs-”Wirtschaftswunder”. Merke: Konrad Adenauer, der sein Land mit 900 Worten regierte, hielt Mass. George W. Bush, ein “reborn christ”, ein Gotteskrieger, wollte die ganze Welt bekehren, was gründlich in die Hosen ging. Wir zahlen alle mit.

Wie ernsthaft, Kurt Felix und Adrian Arnold!

Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 8:41

Der grosse TV-Star Kurt Felix meldet: Habe 1968 meine erste Kolumne verfasst. Dann lässt er wissen: “Bis heute verfasst er 2000 Analysen, allein für Ringier 1000.” Wie bitte, Analysen? Diese übertriebenen Lobhudeleien, diese Anbiederungen, dieses milde Entsetzen, diese Kameraderie. Ich habe alles vergessen, was er geschrieben hat, die anderen sicher auch. Adrian Arnold, SRG-Korrespondent in Paris, ein netter Kerl, schreibt: “Ich verfolge diesen Fall seit meinem Amtsantritt in Paris.” Wie bitte, Amtsantritt? Ich hatte immer den Verdacht, dass es sich mehrheitlich um Staatsbeamte handelt, die bei unserem Staatsfernsehen auftreten. Beamte und Politiker treten ein Amt an, Journalisten übernehmen eine Aufgabe.

Sparen, wie?

Dienstag, den 23. Dezember 2008 um 8:09

Es mag ja sein, dass im Jahr 2009 eine Gross-Krise auf uns zukommt. Gut, wo wollen wir sparen? Fernreisen? Ja! Wer ständig auf die Malediven oder ans Rote Meer fliegt, muss bescheuert sein. Keine Kultur. Das Wallis ist schöner und liegt energiegünstiger. Restaurantsbesuche? Ja. Wer heute einigermassen gut essen gehen will, kommt für zwei Personen unter CHF 200.— nicht mehr davon, meist mehr. Zuhause schmeckts oft besser. Unterhaltungselektronik? Sicher. Diese vielen Gadgets benutzen nur Spinner; Einfachheit ist Mode. Autos? Ja. Jetzt warten wir bis die schönen Autos wirklich billiger werden, dann sofort. Mode? Eher nicht. Hält frisch, belebt. Inneneinrichtung? Ist wie mit der Mode, Neues darf sein. Parfum? Ziemlich überflüssig, da niemand mehr stinkt. Alles andere wollen wir uns munter weiter leisten.

 
     
     
Home Kontakt Sitemap Weblog Home
Home | Über uns | Dienstleistungen | Agenda | Medien | Publikationen | Kontakt | Sitemap | Weblog