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Um den “Bund” ist es schade

2. Dezember 2008 um 12:41

Weil 15 000 Berner keine Lust auf ihre Tageszeitung “Der Bund” haben oder kein Geld, das Jahresabonnement zu finanzieren, wird dieses Kronjuwel der Schweizer Medien demnächst wohl aufgelöst. Chefredaktor Artur K. Vogel, der einmal auch als Chefredaktor des Zürcher “Tagi” im Gespräch war, hisst in seinem Leitartikel vom 2. Dezember bereits die weisse Fahne: “Wichtige Teile seiner DNA werden in der neuen Zeitung überleben.”
Das glaubten auch die Basler, als sie 1977 die rechte “National Zeitung” mit den liberalen “Basler Nachrichten” zusammenfügten. Noch heute, nach gut 30 Jahren, ist bei den älteren Baslern die Enttäuschung zu spüren, diese intellektuelle Publikation von hohem Ansehen aus der Landschaft aufgegeben zu haben. Nicht anders ist dies in Genf, wo der Untergang des “Journal de Genève” noch heute bedauert wird. Jedoch waren die Basler Industriellen und Bankiers ebenso wenig wie die Genfer bereit, eine derartige Publikation via Inserate weiter zu finanzieren. Die heutige “Weltwoche” mit Verleger Roger Köppel ist insofern eine Ausnahme, als sie beim Neustart aus Rechtskreisen direkte und indirekte finanzielle Unterstützung erfahren durfte, die jetzt allerdings auch auf die Probe gestellt wird.
Es ist schade um den “Bund”, denn seine Wirtschafts- und Kulturredaktion ist national bedeutend. “Der kleine Bund” ist ein Bijou der Schweizer Medienlandschaft, den ich ebenso gerne lese wie das “TagiMagazin” (hie und da). Die “Berner Zeitung” tritt demgegenüber plump auf, weil sie nur gelegentlich Artikel und Interviews publiziert, die aus der Tagesroutine hervorstechen. Den „Bund“ in diese “Berner Zeitung”, die letztlich eine Landzeitung geblieben ist, ohne Anpassung zu integrieren, kann nur zu einem publizistischen Niveauverlust für den Standort Bern führen, es sei denn, man scheue den Aufwand nicht, bei der “BZ” einen redaktionellen Mehrwert aufzubauen. Wird der Mantel des “Tagi” über den “Bund” gestülpt, wäre dies mit Sicherheit die wirtschaftlichste Lösung, aber der bisherige “Bund”-Mantel von hoher Eigenständigkeit wäre verloren.
Nehmen wir die wirtschaftlichen “facts”, die bei tamedia in der Zeit von CEO Martin Kall zu einem dominierenden und erfolgreichen Faktor wurden, ist die Auflösung des “Bund” nur sinnvoll. Die im weitesten Sinne kulturelle Leistung dieser Redaktion ist einem historischen Berner und schweizerischen Begriff verbunden, der heute in voller Auflösung begriffen ist, auch wenn die Berner dies nicht wahrhaben wollen. Tamedia daraus einen Vorwurf zu machen, ist falsch, waren es doch die alten Berner Familien, die nicht mehr in der Lage und willens waren, ihre Publikationen selbständig zu führen. Nur Charles von Graffenried, dessen Managementfähigkeiten legendär sind, gelang der Ausstieg nach Zürich durch den Eintritt in den VR von tamedia. Die Ausklammerung Berns aus den Schweizer Metropolitan-Regionen durch den Bund ist nur ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, die aus der einst stärksten Stadt nördlich der Alpen ein mittelgrosses städtisches Gebilde gemacht hat, dessen Wirtschaftskraft nicht mehr ausreicht, um die eigene Identität zu modernisieren. Die bessere Einbindung von Genf, Basel und Zürich in die Globalisierung hat diesen echten Metropolitanregionen eine Kraft verliehen, die Bern abgeht. Als eine Art “Alpen Venedig” mit Regierungsfunktion wird es uns noch lange begeistern.

3 Kommentare zu “Um den “Bund” ist es schade”

  1. Fred David

    …nur eine kleine Amerkung: Die Basler “National Zeitung” war – trotz ihres etwas seltsamen Namens – ein prominentes linksliberales Blatt, die fusionierten “Basler Nachrichten” bürgerlich-liberal und dem Basler “Daig” eng verbunden.

  2. Rolf Thalmann

    Wie in aller Welt kommen Sie dazu, die Basler Nachrichten “diese intellektuelle Publikation … aus der Landschaft” zu nennen? Sie waren städtisch durch und durch, von Stadtbaslern gegründet und geleitet. Natürlich haben auch Leute aus der Landschaft mitgearbeitet, genauso wie aus dem Thurgau (der letzte Chefredaktor Oskar Reck) oder aus anderen Gefilden. Aber der Fokus wie das Aktionariat waren ganz eindeutig baselstädtisch.

  3. rené w.

    ..noch eine Anmerkung, Herr David: Die National-Zeitung war ein klar positioniertes Blatt – die Zeitung der Mehheit der Basler. Die von Insidern ‘Blettli’ genannten ‘Nachrichten’ ein konservatives Blatt, das in die Zeit nach dem Krieg passte, wäre heute ohne Existenzberechtigung !
    Das Resultat der Fusion der beiden – unsere heutige BaZ – ist ein WischiWaschi Blatt, ohne Konturen und pointierte Meinungen – ein Mainstream Medium eben, das dem Niveau des gesamten Schweizer Presse entspricht !
    Die mögliche Fusion von Bund und Berner Zeitung wird genauso enden – die Türe für den Einzug der CH Beilage der ZEIT ist weit offen !

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