UBS-Banker: Ratlos und aggressiv?
12. November 2008 um 9:36Wie instinktlos der UBS-Restkonzern handelt und kommuniziert, wird an zwei Beispielen aus diesen Tagen deutlich:
- Cass 1: Rainer Marc-Frey, UBS-VR
Kaum ist der berühmteste Hedge Fund-Manager der Schweiz in den VR der UBS gewählt worden, fällt ihm nichts besseres ein als alle seine UBS-Aktien mit Verlust zu verkaufen. Begründung: Das ist mein Totalausstieg aus dem Aktienmarkt. Was sollen nun die anderen Aktionäre der UBS denken? Sollen sie dem Beispiel von Rainer-Marc Frey folgen? Immerhin sollte er wissen, weshalb er den UBS-Aktien misstraut. Und er will sogar “aus allen Aktien aussteigen”. Die UBS-Berater sollen aber ihren Kunden den gezielten Einstieg in Aktien empfehlen. Wie ist dieser Widerspruch lösbar? Nein, es ist kein Widerspruch, es ist Chaos.
- Case 2: Klaus Wellershoff, Chefökonom UBS
Soeben sagt er in der “Unternehmer Zeitung”: “Die Unternehmensgewinne von Nicolas G. Hayek sind ebenso wenig zu begründen wie das Einkommen von Marcel Ospel.” Diese Aussage, Herr Chefökonom, ist ein Skandal. Nicolas G. Hayek hat die Schweizer Uhrenindustrie gerettet und zehntausende neuer Arbeitsplätze geschaffen. Marcel Ospel hat die grösste und schönste Bank der Schweiz ruiniert. Nicolas G. Hayek hat sein Geld im wahrsten Sinne des Wortes verdient, während Ospel, Wuffli und Genossen auch dann noch Millionen bezogen haben, als sie die Bank in den Absturz führten. Wenn alt Bundesrat Kaspar Villiger dies auch noch rechtfertigt und dem Staat die Schuld gibt für die Entgleisungen der Bankiers, ist dies nur darauf zurückzuführen, dass sein Übertritt ins Privatleben von alt Bankier Rainer E. Gut abgesichert wurde. Eine Hand wäscht die andere.
UBS-Präsident Peter Kurer hat neue Strategieberater beigezogen. Mit derartigen VR’s wie Rainer-Marc Frey, die sofort der eigenen Bank das Misstrauen aussprechen, und Chefökonomen wie Klaus Wellershoff, die keine Argumente mehr haben, um ihre zu hohen Einkommen zu verteidigen, kann die Bank keinen Staat mehr machen. Sie lebt jetzt auf Kosten der Schweizer Steuerzahler. Wie Martin Blessing, Vorstandschef der zweitgrössten deutschen Bank, der Commerzbank, soeben sagte, werden die Immobilienpreise in den USA weiter fallen. Damit hat der Bundesrat den Schwarzen Peter übernommen: Die UBS verliert auf jeden Fall weitere sechs Mia. Franken, der Steuerzahler aber ein vielfaches davon.


am 12. November 2008 um 10:14 Uhr.
Nachzutragen wäre höchstens, dass Rainer-Marc Frey zuerst mal sofort 10% seiner Mitarbeiter entlässt, “weil sich das Marktumfeld im September und Oktober drastisch verschlechtert hat,” wie er sagt.
Es braucht nur zwei Monate an kargem Geschäftsgang und schon sind die grossartigen Leader seiner Art am Ende ihres Lateins. Sie entlassen mit kühnem Schwung sofort Leute und schauen dann mal, wie enthusiastisch der Markt applaudiert.
Auch die Aussage von Herrn Wellershoff offenbart ein in seiner Kategorie häufig zu beobachtendes Phänomen: Sie können nicht zwischen höchstbezahlten Angestellten – die sie sind – und Unternehmern – die sich nicht sind – unterscheiden. Mit ähnlichen Aeusserungen ist vor einiger Zeit auch schon Herr Vasella von Novartis bemerkenswert aufgefallen.
Hayek hätte mit seinem Uhrenabenteuer – das war es am Anfang – ganz bös auf die Nase fallen können, und zwar mit seinem eigenen Geld und seiner ganzen Existenz. Die Banken rieten ihm damals energisch ab, die bereits für tot erklärte Schweizer Uhrenindustrie neu beleben zu wollen.
Das macht wohl den bemerkenswertesten Unterschiedzwischen höchstbezahlten Angestellten und Unternehmern aus.
Seit Beginn der Finanzkrise, die jetzt zur Wrtschaftskrise mutiert, hat der seltsame Begriff “Realwirtschaft” Hochkonjunktur (übrigens sogar in der NZZ). Vorher sprach man einfach von Wirtschaft. Mit dem Begriff der Realwrtschaft will man sich von etwas abgrenzen. Wovon? Von der Irrealwirtschaft? – Könnte schon sein. Würden jedenfalls viel Sinn machen.
am 12. November 2008 um 10:21 Uhr.
Nachzutragen wäre höchstens, dass Rainer-Marc Frey zuerst mal sofort 10% seiner Mitarbeiter entlässt, “weil sich das Marktumfeld im September und Oktober drastisch verschlechtert hat,” wie er sagt.
Es braucht nur zwei Monate an kargem Geschäftsgang und schon sind die grossartigen Leader seiner Art am Ende ihres Lateins. Sie entlassen mit kühnem Schwung sofort Leute und schauen dann mal, wie enthusiastisch der Markt applaudiert.
Auch die Aussage von Herrn Wellershoff offenbart ein in seiner Kategorie häufig zu beobachtendes Phänomen: Sie können nicht zwischen höchstbezahlten Angestellten – die sie sind – und Unternehmern – die sich nicht sind – unterscheiden. Mit ähnlichen Aeusserungen ist vor einiger Zeit auch schon Herr Vasella von Novartis bemerkenswert aufgefallen.
Hayek hätte mit seinem Uhrenabenteuer – das war es am Anfang – ganz bös auf die Nase fallen können, und zwar mit seinem eigenen Geld und seiner ganzen Existenz. Die Banken rieten ihm damals energisch ab, die bereits für tot erklärte Schweizer Uhrenindustrie neu beleben zu wollen.
Das macht wohl den bemerkenswertesten Unterschiedzwischen höchstbezahlten Angestellten und Unternehmern aus.
Seit Beginn der Finanzkrise, die jetzt zur Wrtschaftskrise mutiert, hat der seltsame Begriff “Realwirtschaft” Hochkonjunktur (übrigens sogar in der NZZ). Vorher sprach man einfach von Wirtschaft. Mit dem Begriff der Realwrtschaft will man sich von etwas abgrenzen. Wovon? Von der Irrealwirtschaft? – Könnte schon sein. Würden jedenfalls viel Sinn machen.
am 13. November 2008 um 8:08 Uhr.
Real ist zum Beispiel die US Anklage gegen UBS Banker Raoul Weil wegen Mithilfe zu Steuerhinterziehung von 20 Mia $ – real wie die totale Irrealität, der Banker und ihre dilettantischen Versucht, ihre virtuellen Blasen zu retten, die ohne basierende Wertschöpfung völlig irreal geblieben sind.
Dass ein Rainer-Marc Frey sich verhält, wie er es eben tut, ist Zeugnis seiner Unfähigkeit, die Realitäten zu erkennen, in der die UBS sich befindet: Am Abgrund, viel näher am Ende als die uns ‘nicht’ kommunizieren.
SWISSAIR und UBS haben immer mehr einen ähnlichen Verlauf, der Realität, dass ein Unternehmen gewinnbringend und langfristig verantwortungsvoll geführt werden muss, dieser Realität konnten und werden sie nicht entrinnen.
Am Schluss steht das Volk, das zu den Unterstützungs-Milliarden für die UBS nicht befragt wurde, das laut Prof. Binswander in einer ‘Geldaristokratie’ lebt und nicht in einer Demokratie – bitter, aber vielleicht doch eben auch eine Realität !
am 13. November 2008 um 10:43 Uhr.
Quizfrage: Woher stammt dieser Satz? : “Eine in vieler Hinsicht degenerierte globale Finanzwelt ist über ihre eigene Dekadenz gestolpert und ins Chaos gestürzt.”
Degeneriert? Dekadent? Chaos? – Linkes Geschwafel! – Oder? Nein, stand in einem Leitartikel der NZZ auf der Frontseite 25.Oktober 08 (im 229.Jahrgang dieser in einer vorrevolutionären Zeit – 1779 – gegründete Zeitung). Wie blattüblich kryptisch mit “B.W.” gezeichnet, als hätte man Angst vor der eigenen Courage.
Es geht noch weiter:”So verwirrend und undurchsichtig die Grundlage mancher Finanzgeschäfte geworden war und so risikoreich sich Bankangestellte im Höhenrausch scheinbar unbegrenzter Gewinnmöglichkeiten gebärdet hatten, so wenig klar ist heute, wie tief der Finanzmarkt und mit ihm die gesamte Wirtschaft abgestürzt ist. (…) Man tappt mehr oder weniger im Dunkeln.”
Man fragt sich natürlich: Warum kommen solche kernigen Sätze immer erst dann, wenn schon alles passiert ist.? Warum nicht vor der Entgleisung, dann wenn man die Weichen noch anders stellen, wenn man Raser im Tempowahn noch ausbremsen könnte? Dann, wenn es ein wenig Mut braucht? Dann, wenn man von der eigenen Klientel eins aufs Dach bekommt, man verstehe halt nichts von der Sache und solle sich aus dem Funkverkehr scheren, schliessliche bringe die Finanzwirtschaft elf Prozent vom Schweizer BIP.
Warum haben unsere Oekonomieprofessoren, die jetzt schon wieder ganz genau wissen, was zu tun und vor allem : was zu lassen ist (natürlich, hauptsächlich von der Politik) , nicht deutlich vernehmbar gewarnt?
Die Antwort ist wahrscheinlich wirklich simpel: Weil es ein wenig Mut braucht, nicht immer mit dem Rudel mitzuheulen. Zivilcourage ist ein sehr seltener Rohstoff. Man findet ihn kaum noch irgendwo. Rudelverhalten wo man hinguckt. Bis ganz oben.
am 13. November 2008 um 14:44 Uhr.
Klar, Herr David, sollten Oekonomieprofesoren warnen – nur: Glauben Sie ernsthaft, in den vergangenen zehn Jahren hätten Sie eine reelle Chance gehabt gegen die Ueberflieger aus den Finanzzentren ?
Es liegt einfach in der Natur des Menschen, das ‘schnelle Geld heute’ einer nachhaltigen gesunden Entwicklung vorzuziehen.
Früh-Englisch im Kindergarten, Schule mit 6, Matura mit 18, Bacherlor mit 21, MBA in USA hintendran, erste Million mit 25 !
So verlaufen etwa die ersten 25 Jahre eines Menschen an, das das Unglück hat, in eine entsprechende New Money Family hineingeboren zu weden !
Und jetzt verlangen Sie von diesem intellektuellen Krüppel irgendwann in seinem Leben etwas ähnliches wie längerfistige Planung, Rücksichtnahme, Respekt oder Allgemeinbildung ! Chancenlos !
am 15. November 2008 um 14:31 Uhr.
Es geht noch einfacher, man muss nur ein paar Jahrzehnte zurückblättern. Kurt Tucholsky hat genau dass was jetzt passiert schon 1930 in ein Gedicht gefasst:
Wenn die Börsenkurse fallen
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
Tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Wellt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
Hat der kleine Mann zu blechen
Und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in “Die Weltbühne”
Was lernen wir daraus? Doch nur, dass die Menschheit (dazu gehören auch Politiker und Banker, auch wenn man manchmal nicht das Gefühl hat) eigentlich nie etwas dazu lernt!
am 22. Dezember 2008 um 16:58 Uhr.
Kurt Tucholsky?!
Falsch. Der Text findet sich ursprünglich auf der Website eines gewissen, “freiheitlich” gesinnten Pannonicus (www.genius.co.at/index.php?id=165), der mit richtigem Namen Richard G. Kerschhofer heißt, öfter für die deutlich rechts angesiedelte österreichische Zeitschrift “Zeitbühne” schreibt und wohl auch gewisse Sympathien für die FPÖ hegt.