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Monatsarchiv für November 2008

NZZ vermittelt deutsche Sprache

Freitag, den 28. November 2008 um 9:31

Martin Meyer, der fast einmal Chefredaktor gewordene Feuilletonchef der „Neue Zürcher Zeitung“, hat seinem Haus und einer guten Hundertschaft von Zuhörern einen glanzvollen Abend verschafft, wo die Qualität der Deutschen Schweiz und der „NZZ“, die unaufgeregte Vermittlung der deutschen Sprache, ausgezeichnet zur Geltung kam. Im Rahmen des „NZZ Podiums“, einer PR-Veranstaltung des Verlags, die ähnlichen Anlässen des konkurrierenden „Tagi“ Paroli bieten soll, traten im sehr elegant gestalteten NZZ Foyer an der Falkenstrasse die deutsche Schriftstellerin Monika Maron und der schwedische Dauerkandidat für den Literatur-Nobelpreis Lars Gustafsson mit Kurzlesungen auf. Es mag unfair sein, dies zu verkürzen, aber im lustvoll-gekonnten Umgang mit der deutschen Sprache war der 72jährige schwedische Professor, der sechzig Werke verfasst hat und einige Jahre auch in Berlin lebte, der emigrierten ehemaligen DDR-Autorin um Längen überlegen. Monika Maron, 67, die bei uns geliebt wird wegen eines Buches, „Flugasche“, worin sie den historischen Augenblick erwischte, der alten DDR-Kamarilla einen Tritt zu verpassen, hat in den letzten Jahren vorwiegend leicht depressiv-aggressive Werke verfasst, die sie in die Klasse jener verhinderten deutschen SchriftstellerInnen einrückt, von denen man immer wieder etwas Besseres erhofft. Derlei deutsche Literatur hat jüngst einen indischen Intellektuellen veranlasst zu sagen, man müsse deutsche Literaten nur bis zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts lesen. Gustafsson, dieser schwedisch-us-amerikanische (darauf legt er Wert)-deutsche Schriftsteller hat sich bis ins hohe Alter seine philophisch-anarchistische Leichtigkeit der Sprache erhalten. Er verfügt über einen Wortschatz auch in deutscher Sprache, dem die Maron nicht nachkommen konnte.
Wir Schweizer, resp. die Meyer’sche NZZ, bieten beiden Autoren ein Podium, wo Gesprächsleiter Andreas Breitenstein sich mit einem eher formellen Ansatz, den Brüchen in beider Lebensläufe, einen sicheren Ausgangspunkt für eine inhaltlich unbeschwerte, gepflegte Diskussion verschafft. Es ist diese schweizerische Eigenschaft der sicheren Distanz auf der Basis hoher Professionalität, die unser Land aus anderen heraushebt. Der Thomas Mann’sche Duktus, der als bleibendes Vorbild am Zürisee gilt, gab an diesem schönen Herbstabend eine gute Folie ab, wo der „alte Schwede“ der stets ambitionierten Deutschen den Meister zeigte. Ganz ohne Anstrengung und sehr kollegial.

Raymond Cron’s Abschiedgeschenk

Freitag, den 28. November 2008 um 9:09

Der scheidende BAZL-Chef lässt in seinem Bundesamt die Südstarts am Flughafen Kloten aktiv vorbereiten. Man könne damit die Kapazitäten „noch etwas mehr optimieren“, sagt er. Dies sei selbstverständlich nur tagsüber möglich, beruhigt er die Menschen im Süden Zürichs. Der neue CEO der ägyptischen Orascom stellt damit sicher, dass seine Gäste in Andermatt einen Flughafen zur Verfügung haben, der noch mehr Reisekomfort bietet, dies auf Kosten von über 100 000 Normalbürgern rund um den Flughafen. Cron, der auch in der Region Basel wegen seiner flugfreundlichen Politik angefeindet wird, verfügt als aalglatter Vielzweck-Manager über jene Süffisanz, die eine demokratische Schweiz als Relikt aus dem 19. Jhdt. abqualifiziert.

Politische Schauspieler

Donnerstag, den 27. November 2008 um 12:13

Nicht wenige Politiker in unserem Land, wie einst auch Moritz Leuenberger oder Pascal Couchepin, wollten ursprünglich Schauspieler werden, wenn auch nur kurze Zeit. Wer „Sarko“ beobachtet, wie er „Angie“ Merkel empfängt, sieht eine Art Kasperle, das sich entschlossen im Bild bewegt, während „die Merkel“ immer noch „Kohl’s Mädchen“ geblieben ist, das verwundert um sich blickt. Der Fotograf hatte die wilde Idee, die normalerweise zum offiziellen Bild sich stehend ablichtend lassenden Politiker zum Schreiten zu veranlassen. Einige, wie der deutsche Aussenminister, machen dieses Spiel offensichtlich nicht mit, lächeln aber dabei, andere bleiben ganz stehen. Wieder andere gehen vorsichtig über eine kleine Schwelle. Nur „Sarko“, Europas Hahn, schreitet mutig ins Ungewisse.

„Trickle down“-Effekt lässt sich

Donnerstag, den 27. November 2008 um 12:12

Wenn die Banken kein Geld mehr verdienen, lässt auch der „trickle down“-Effekt in das Schweizer Gewerbe nach. So dürfen UBS-Mitarbeiter in Zürcher Hotels nur noch maximal CHF 315.— pro Nacht ausgeben gegenüber CHF 375.— bisher. Wir haben also alle Interesse daran, dass die Grossbank, die soeben ihre neuen Image-Inserate vorgestellt hat, bald wieder Geld verdient.

Die zwei Gesichter der ABB

Donnerstag, den 27. November 2008 um 9:54

Auf der einen Seite ist der ABB-Konzern ein global erfolgreiches Industrie-Unternehmen, dessen Zukunftsaussichten als gut geschildert werden, das aber auch unter der sich abzeichnenden globalen Rezession leiden wird. Das drückt sich im Aktienkurs aus. Anderseits gefährdet sich ABB wie eine Bank, um daraus Gewinne zu erwirtschaften, die andernorts nicht möglich sind. Grosses Vorbild ist die alte GE von Jack Welch, die mit GE Capital eine vergleichbare Struktur hochzog, die letzt natürlich unter der Finanzkrise leidet, wie andere auch. Hubertus von Grünberg, starker Mann des ABB-Konzerns ist jetzt mehr denn je in Geldsachen unterwegs, muss er doch die Conti-Übernahme für Maria-Elisabeth Schaeffler durchziehen und damit seine Idee verwirklichen. Es sieht jedoch doppelt nicht gut aus: Die Marktlage für die beiden Autozulieferer, die gemergt werden sollen, wird laufend ungünstiger und der vereinbarte Kaufpreis für Conti liegt ellenweit über dem, was der heutige Börsenkurs verlangt. Frau Schaeffler könnte den noch nicht abgeschlossenen Deal heute billiger haben. Es spielt sich ab, was Hans-Joerg Rudloff, Chairman von Barclays Capital, als „Entwertung aller Werte“ bezeichnet.

Christoph Franz muss sich erst bewähren

Donnerstag, den 27. November 2008 um 9:42

Ganz falsch ist die Nachricht nicht, dass Swiss-Chef Christoph Franz Nachfolger von Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber werden soll. Jedoch soll er zuerst in den Lufthansa-Vorstand einrücken, um sein Meisterstück zu liefern, die Integration aller übernommenen und noch zu übernehmenden ausländischen Fluggesellschaften in den Konzern. Schafft er dies, ist der Weg an die Spitze frei.

Rainer-Marc Frey ist ein Kommunikationswunder

Donnerstag, den 27. November 2008 um 9:23

Von Martin Spieler in der „Handelszeitung“ befragt, zeigt sich der Hedge Fund-Manager Rainer-Marc Frey, auch VR der UBS, als wahres Kommunikationswunder. Als erster Schweizer Bankier hat er sich für einen persönlichen Fehler, den Verkauf der UBS-Aktien auch bei den Mitarbeitern der Bank entschuldigt. Dann kommt es dicke:
– Er stellt den „gelegentlichen“ erneuten Kauf von UBS-Aktien in Aussicht.
– Er sagt, „Ich bin der einzige (UBS-) Verwaltungsrat, der soviel in die eigenen Aktien investiert hat.“ Es ging um CHF 22 Mio. zum damaligen Wert. Ergo haben seine sehr wohlhabenden VR-Kollegen bei der UBS sehr wenig eigene Aktien.
– Er sagt, er habe die UBS-Aktien „zum Schutz meines Vermögens“ verkauft. Zehntausende anderer im Land haben noch UBS-Aktien; niemand warnte sie.
– Er sagt, „Ich bin (Anm.: ohne eigene UBS-Aktien) jetzt freier und kann auch …die Interessen des Steuerzahlers im Auge habe.“ Oho, haben denn seine anderen VR-Kollegen die Interessen des Steuerzahlers nicht im Auge?
– Zu deren Arbeitsweise sagt er: „Das Gremium muss sich noch finden.“ Nach dem Marchionne-Tiefschlag gegen Peter Kurer ist diese Bemerkung auch nicht schön.

Martin Spieler, einem unserer letzten erfahrenen Wirtschaftsjournalisten, ist ein ausgezeichnetes Interview gelungen. Rainer-Marc Frey muss professioneller gegenlesen lassen.

China gewinnt – Tibet verliert

Donnerstag, den 27. November 2008 um 8:46

Eine Sensation, die bisher in der Schweiz niemand zur Kenntnis nehmen wollte: die Regierung von Grossbritannien hat anerkannt, dass Tibet zu China gehört und keine selbständige Region mehr ist. Ich gönne dies den Chinesen und die Tibetaner tun mir leid, aber dies ist Ausdruck sich verschiebender Machtverhältnisse. Wir brauchen China dringender als Tibet, Dalai Lama hin oder her. Der jetzt weiter zusammenbrechende Welthandel, eine ausufernde Finanzkrise, sind wichtige Faktoren, welche solche Prozesse beschleunigen.

Attraktion am „Lake Superior“

Donnerstag, den 27. November 2008 um 8:09

Weil am oberen Zürisee, jenem Teil, der zum Kanton Schwyz gehört, wo die Gemeinde Pfäffikon von den Hedge Fund-Managern zu einem Mini-Hongkong der Schweiz ausgebaut wurde, neues Leben aus altem Gemäuer wächst, ist dort in aller Stille eine Insel der Seligen entstanden. Der Unternehmer Andy Rihs (Sonova/Phonak) hat in Lachen grosse Teile der „waterfront“ erworben und nach den Empfehlungen des Zürchers Sven Weber zu einem schweizerischen St. Tropez ausgebaut. Das „Marina“ in Lachen wurde soeben von Verleger Fredi Haefeli, Inhaber des FONA Verlags (Kochbücher, HotelGuides) zum Seminar-Hotel des Jahres gewählt. Nicht unverdient, wie die Besichtigung des Design-Hotels beweist, wo aus den Zimmern der Blick weit über den Zürisee Richtung Zürich geht, atemberaubend bei jeder Tages- und Jahreszeit. Bruno Hurter, der vielfach ausgezeichnete Starkoch, ist Herr über stilvolle Restaurants und Bars. Andy Rihs hat sichtlich Freude an seinem Werk. Die einst skeptischen Lachener ebenfalls, denn bedeutete bisher Rapperswil das Traumziel am oberen Zürisee, ist Lachen nun die attraktive südliche Verlängerung, wo Manager beraten und Pärchen sich paaren, was kein Gegensatz sein muss.

Die Seuche „Prominenz“

Mittwoch, den 26. November 2008 um 12:43

Wer unsere Medien liest, hört oder sieht, trifft immer mehr auf „Prominente“, die nach dem Vorbild von Paris Hilton nie etwas geleistet haben, sondern einfach sich selber sind. Wir erleben damit eine Re-Feudalisierung unserer Gesellschaft, wo völlig unbekannte Menschen auftauchen, die den Anspruch erheben, Massstäbe zu setzen; siehe „persönlich“, „Marketing & Kommunikation“, „Blick“, „SI“ und „SoBli“, aber auch viele andere. Bewundert werden Reichtum und alte Namen meist französischer Herkunft, wo ein Landadel vermutet werden darf, der von Napoléon oder später gegen Handgeld eine Aufwertung erfuhr. Sie sind Partizipanten einer „Gelegenheis-Ökonomie“ wie dies Prof. Sighard Neckel von der Uni Wien nennt, wo der Zufall mehr regiert als die Planung. Die plebejische Variante dieser merkwürdigen Karrieren sind die öffentlichen Casting-Shows, wo unglückliche Wesen sich abmühen, die sozial Stufenleiter empor zu klettern. Den Verlierern im wirtschaftlichen Wettbewerb, so jetzt und im kommenden Jahr, werden immer grössere Leistungen auferlegt. Die Leistungsforderungen sind eine Art Disziplinarmassnahme für das einfache Volk. Verweigerer werden erkennbar; ihre europäische Hauptstadt heisst Berlin.

 
     
     
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