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Weblog
Monatsarchiv für Oktober 2008
Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 10:43
Natürlich schreiben die bescheideneren Gemüter, ohne die USA sei die Zukunft Europas gefährdet. Dieser Mythos der Abhängigkeit sollte beendet werden. Die Schweiz braucht Deutschland, wohin die meisten Exporte gehen, und die EU, die noch mehr Schweizer Exporte aufnimmt. Aber die USA? Cindy McCain ist gerade im US-TV in einer Ausstattung aufgetreten, die mindestens eine halbe Million USD wert war. Palin kommt unterdessen wie “Pretty Woman” daher, was USD 150 000.—aus der Wahlkampfkasse erforderte. Sie hat für 14 Tage Coiffeur USD 10 000.—ausgegeben, dazu einen “Voice Coach”, dessen Honorar geheim ist. Wenn die USA unser Vorbild bleiben, müssen unsere PolitikerInnen mehr investieren. Doris Leuthard hat dies verstanden.
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Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 9:53
Die überraschende Nichtwahl des CVP-Präsidenten Christophe Darbellay als Kandidat für die Wahlen in den Walliser Staatsrat kann nun erklärt werden. Es waren fundamentale religiöse Gruppen im Unterwallis, deren Mitglieder in der entscheidenden Wahlversammlung gemeinsam auftreten, um den Gegenkandidaten Maurice Tornay auf den Schild zu heben, dessen Tochter Valentine einer dieser religiösen Gruppen sehr nahe steht. Tornay, eine sehr eindrucksvolle und glaubwürdige Persönlichkeit, schaffte damit den Sieg über einen politischen Gegner, den man schon als Gewinner sah. Es handelt sich um das “Mouvement N’ayez pas peur”, das jedes Jahr im Unterwallis einen Aktionstag “Jesus Town” veranstaltet, und um die “Fraternité Eucharistein”. Darbellays Trauzeuge und Kampagnenleiter Frédéric Giroud hat in der entscheidenden Abstimmung auch viele Anhänger der fundamentalistischen Kirche “ÉCONE” entdeckt. Diese Kirchenkreise haben Darbellay vorgeworfen, er sei in religiösen Fragen zu offen.
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Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 9:21
Es spielt ausschliesslich auf Stradivaris, Zollikons zauberhaftes Amar-Quartett. Jetzt nimmt es für Naxos alle Werke von Paul Hindemith auf. Die sieben Streichquartette sind für anspruchsvolle Musikliebhaber ein absolutes Muss. Vorher, im Januar, werden im Studio Ernest Ansermet in Genf für Legno die vier Streichquartette von Daniel Schnyder aufgenommen. Aus Zollikon wächst etwas heraus, das Weltformat hat.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 15:47
Schreibt Luzius Theler, der mehrfach ausgezeichnete stv. Chefredaktor des “Walliser Bote”, auch Korrespondent der “NZZ” und einer der besten Regionaljournalisten der Schweiz. Er stellt darin fest, dass die gesamtkantonale Bilanz der immer noch nach Christoph Blochers Prinzipien geführten kantonalen Partei schlechter sei als die dargestellt werde. Damit widerlegt Theler eine der zentralen Thesen der gesamtschweizerischen SVP, die Probleme in einigen Stadtkantonen, so vor allem Zürich, zugibt, aber einen Ausgleich darin sieht, dass sie in den Randkantonen der Schweiz noch zulege. Chefstratege Dr. Christoph Blocher, soeben aus den USA zurückgekehrt, widmet sich in bester Lenin’scher Manier internen Grabenkämpfen, so vor allem dem gegen seinen eigenen Nationalrat Peter Spuhler, der eine liberale und wirtschaftsfreundliche SVP gegen eine nationalkonservative Bauern- und Gewerbe-SVP will, die mehr der Vergangenheit als der Zukunft verpflichtet ist. Unter dem Druck dieser “Uralt-SVP” musste Parteichef Toni Brunner den jüngsten Schwenk vollziehen, indem die Partei nun doch gegen die Personenfreizügigkeit eintritt. Damit gibt die SVP ihren Abschied als Wirtschaftspartei, kann die Schweizer Wirtschaft doch nur wachsen, wenn sie mit talentierten Ausländern die modernen Teile des Landes fördert, um damit den Umbau der Landwirtschaft und des Gewerbes zu finanzieren. Das innenpolitische Chaos ist angesichts der Schwäche der FDP-Liberalen und der CVP perfekt; die SP schart sich hinter Christian Lévrat, der den starken Mann gegen das Kapital mimt, wohl wissend, dass der nächste Strukturwandel direkt vor der Tür steht.
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Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 15:30
Meine absolute Lieblings-Wochenzeitung, knapp vor der “Weltwoche” (das war ein Geschenk, Roger Köppel), “Die Zeit”, wird in wenigen Tagen mit einer Schweiz-Beilage auftreten. Was “Der Spiegel” nicht wagte, soll nun Peer Teuwsen, vormals “Weltwoche”, realisieren. Noch hat unser Land nicht verstanden, was dies bedeutet. “Die Zeit” hat sich von der Roger de Weck-Chefredaktoren-Zeit gut erholt, denn unser Schweizer Edelgeist vermochte in Hamburg bei weitem nicht so zu reüssieren, wie er dies gerne vermuten liess. Wenn das Hamburger Blatt nur im mindesten so gut ist in seiner Berichterstattung über die Schweiz, wie dies im Falle Deutschlands jetzt gilt, haben wir einiges zu bedenken. Nicht zu befürchten, denn die deutschen Hefte werden bei uns kaum gelesen: FAZ und “Spiegel” je 4000 bis 7000 Exemplare; zählen wir einmal die heimatkranken Deutschen ab. Weil wir Schweizer lieber nichts wissen, als aus ausländischen Medien zu lernen, werden wir die Lektüre dieser fremdbestimmten Publikationen verweigern. Wir wissen, was wir wissen müssen. Wer uns fremdes Wissen aufdrängen will, ist weniger willkommen.
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Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 13:26
Unsere Politiker und Wirtschaftsführer haben wirklich keine Ahnung, wie man mit Juden umgeht. Es hagelt Entschuldigungen, weil sich jedermann offensichtlich imTon vergreift. Der Letztbetroffene ist Hans-Werner Sinn, der renommierte Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsförderung, dessen Analysen ich sehr schätze. Weil er die Hatz gegen die Topmanager mit der Hatz gegen die Juden verglichen hat, musste er sich jetzt entschuldigen. Ich finde es toll, wie die jüdische Verteidigungsfront ihre berechtigten Interessen wahrnimmt. Wenn jede Minderheit derart effizient kommunizieren würde, wäre bei uns die Hölle los. Gottseidank sind die Kurden, Moslem und Buddhisten weitaus ruhiger.
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Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 11:56
Unglaublich, in der Westschweiz hat sich eine Gewerkschaft der grossen Konzerne gebildet, um gegen die Erhöhung der Energiepreise durch die Schweizer Energieproduzenten vorzugehen. Rio Tinto Alcan in Sierre im Wallis soll demnächst CHF 12 Mio mehr pro Jahr für Energie zahlen. Direktor Michel Lambert sagt: “Nur so weiter, dann verlassen wir den Kanton.” Was die Wirtschaftsförderer leisten, wird durch die Energiebranche vernichtet. Lonza, Givaudan, Novartis, Nestlé, Bobst, Procter & Gamble, Manor, Johnson & Johnson. ABB und Serono laufen Sturm gegen die Tariferhöhungen. Die Schweizer Energiebranche ist bekanntlich ein schlechter Kommunikator; es wird Zeit, dass sich dies ändert.
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Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 10:37
Wer Benazir Bhutto erschiessen liess, werden wir wohl so wenig erfahren wie den Verursacher des Attentats gegen John F. Kennedy. 30 Attentate des CIA gegen Fidel Castro, alle missglückt, gehören ebenso zur politischen Folklore wie 40 Attentate der gleichen staatsbürgerlichen Vereinigung gegen Charles de Gaulle. Eigentlich war er als “puppet” der Amerikaner gedacht, die mit ihm an der Spitze dann in Paris einrückten. De Gaulle aber machte sich selbständig, gab Algerien die Freiheit und wurde, weil unkontrollierbar und daher gefährlich, ebenfalls, aber erfolglos, von der CIA attackiert. Man sieht, was im Irak geschah ist keineswegs so neu. Treue ist kein politisches Wort.
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Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 9:20
Keinesfalls, denn die Türken der Westküste leben in einem Modernitätsrausch, der längst als vorbildlich geschildert wird. Die Türken Ankaras, das sind vor allem die Militärs, wurde Ankara doch von dem türkischen Militär in den Mittelpunkt gerückt, sind bisher treue Verbündete der NATO. Die meist liebenswerten, wenn auch ein wenig altmodischen Kurden mit ihren ländlichen Sitten und dem jetzt dort weit verbreiteten islamischen Glauben sind ein Volk auf dem Weg in die Gegenwart. Vor fünfzig Jahren hatten die Deutschen noch Angst vor den Franzosen; man hat Milliarden aufgewendet, um aus beiden Staaten Verbündete zu machen. Den Türken wurde solche Gunst nie gewährt; wir könnten dann erkennen, dass auch am Bosporus ganz normale Menschen wohnen.
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Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 8:15
Weil jedermann auf der Suche nach “Blasen” ist, die nach dem Vorbild der “subprime”-Blasen einmal platzen können, sei hier auf die “Hodler-Blase” verwiesen, die den Werken eines einst nicht übermässig beliebten Schweizer Künstlers Aufsehen und Kurssteigerungen beschert haben. Unser Zweifel an diesem hausgemachten Boom, der parallel zum jüngsten Finanzboom ablief, wird nun bestätigt durch eine Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, wo Hodler gezeigt wird nach der Massgabe “Der verbotene Blick”. Gezeigt wird die Hodler’sche Diana, jenes mit gespreizten Beinen an der Quelle hockende Mädchen, umgeben von zwei Nymphen. Die FAZ hält dieses Bild nicht für einen Tabubruch, denn es diene ausschliesslich dem Voyeurismus. Das erinnert mich an einen bekannten Zürcher Künstler, der ein wunderbarer Zeichner war. “Mein Geld aber verdiene ich mit den nackten Nymphen, die als Plastiken in den Gärten der Goldküste stehen”, sagte er mir. Schon Hodler war ein ausgezeichneter Geschäftsmann.
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