Der merkwürdige Schweizer in Frankfurt
27. Oktober 2008 um 11:42Josef Ackermann aus Maienfeld, der sich “Joe” nennen lässt, weil er gerne so gut wäre wie die US-Bankiers, seine Vorbilder aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, beherrscht die seltene Kunst, kein Fettnäpfchen auszulassen. Seine Wahl zum Vorstandssprecher und CEO der Deutschen Bank erfolgte unter Protest, als Vorstands-Kollege Cantellieri deshalb zurücktrat. Das Mannesmann-Vodafone-Telcom-Geschäft, welches er absegnete, wurde von vielen Deutschen nicht verstanden, aber die Gerichte sprachen den Wahldeutschen frei. Sein ebenso richtiges wie vorzeitiges V-Zeichen ging in die jüngere deutsche Wirtschaftsgeschichte ein, weshalb er zurecht seinen amerikanischen PR-Berater zugunsten von Stefan Baron feuerte, einem weltgewandten Chefredaktor der “Wirtschaftswoche”. Der, selbst bestens in Frankfurt und Berlin vernetzt, beschützte seinen Herrn, sodass aus “Joe” ein erfolgreicher Josef wurde, der von Angelika Merkel zum 60sten im kleinsten Kreis zum Essen eingeladen wurde. Darauf beriet er die Kanzlerin bei der Gestaltung des Sanierungspakets für die deutschen Banken, um soeben gnadenlos in sein voraussichtlich letztes Fettnäpfchen zu treten, als er sagte, jeder Bankier müsse sich schämen, der vom Staat einen Kredit annehme. Die deutschen Bankiers haben sich vom Schweizer Kollegen abgewendet, Angela Merkel und Peer Steinbrück ebenso. Dies erinnert an seinen Abgang aus der Schweiz, als er das Vertrauen von Rainer E. Gut verlor, der am besten stets darin war, mögliche Konkurrenten rechtzeitig zu entsorgen. “Joe”, der auch stolz darauf ist, einmal zum attraktivsten deutschen Topmanager gewählt worden zu sein, hat ein sensibles Gesicht, die Züge leicht verschwommen. Keine Sorge, in Zürich und St. Gallen werden wir ihn gerne wieder aufnehmen. Wer in Deutschland scheitert, muss kein schlechter Mensch sein.

