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Tagesarchiv für 23. Oktober 2008

Der Kopfputz unserer Bundesrätinnen

Donnerstag, den 23. Oktober 2008 um 8:44

Eveline Widmer-Schlumpf, so sieht es aus, gilt jetzt als Retterin des Landes. Sie hat im Verein mit Bankenkommission und Nationalbank der UBS für CHF 60 Mia. Gammelwurst abgenommen, die Deutschen nennen diesen Hummler’schen Begriff für schlechte Bankrisiken auch “Giftmüll”. Widmer-Schlumpf wird allseits gelobt, obwohl sie die “Gammelwurst” mit einem Rabatt von nur 10 % eingekauft hat und dem “Metzger UBS” auch noch die Verwertung der eigenen Altrisiken auf Steuerzahlers Risiken via Cayman Islands überliess. In diesen harten Wochen hat sich die zu Beginn etwas dünne und wirre Haarpracht der cleveren Bündnerin zum Besseren verändert. Sie kann jetzt fotografiert werden, ohne beim Betrachter Erschrecken auszulösen. Dieser neuen Ostschweizer Fülle setzt Micheline Calmy-Rey ihr eigenes Aussehen entgegen, denn aussenpolitisch ist derzeit eher eine Herbstflaute eingetreten. Calmy-Rey, so fiel mir auf, ist am jüngsten Schweizer Bankiertag mit einer neuen Perücke angetreten, nicht mehr diesem merkwürdigen Hut, der ihr Gesicht einrahmt, sondern einer braunen Haarpracht, die ihr tief in die Augen fällt und Ohren wie Hals weit nach unten abdeckt. Dem Kopfputz seiner Genfer Bundesrätin setzte Bankenpräsident Pierre Mirabaud seinen bekannten englischen Schnauz entgegen (an beiden Enden nach oben gewölbt). Widmer-Schlumpf hatte mehr Inhalte zu bieten und liegt dadurch im Vorteil.

Mehr Kommunikation – mehr Chaos?

Donnerstag, den 23. Oktober 2008 um 8:39

Soeben hat die SPRG weitere 207 neue PR-Fachfrauen in den Markt geworfen. Ich frage mich, wohin soll dies führen? PR-Leute gibt es wie Sand am Meer, aber die Kommunikation der Firmen, Verbände und die des Staates wie der Parteien wird immer schlechter; weil dies so ist, konzentrieren sich alle auf die jeweiligen “Stars”. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem erheblichen Ausstoss an talentiertem, aber mindestens ehrgeizigem Nachwuchs um einen Vorgang vergleichbar der Wanderung junger Schildkröten aus der Eiablage ins Meer. 90 % davon werden in den ersten sechs Monaten gefressen, also verschwinden aus dem Markt; die anderen zehn Prozent erleben den Traum, von den Wellen getragen in die Weiten der Kommunikationswelt aufzubrechen. Nach dem Abschluss solcher Kurse braucht auch ein grosses PR-Talent 2-4 Jahre, um sein theoretisches Wissen in Praxiswissen zu verwandeln. Dazu braucht es eine berufliche Umgebung, die Wachstum des Wissens und der Erfahrung fördert.

Meisterdenker Berlusconi hat es begriffen

Donnerstag, den 23. Oktober 2008 um 8:01

Silvio Berlusconi, Ministerpräsident jener aufstrebenden südlichen Republik, aus welcher der Begriff “Bologna Modell” stammt, hat beschlossen, innert zwei Jahren in der Bildung Euro 7,8 Mia. einzusparen. Damit die jungen Italiener nicht merken, dass sie immer dümmer werden, will Berlusconi die Ausländer in eigenen Klassen unterbringen, wo sie mit Einheimischen nicht in Berührung kommen. Meisterdenker Berlusconi hat es begriffen: Weil in seinem Land ohnehin alle nur fernsehen und nur noch jeder sechste Italiener zur Zeitung greift, kann man das Bildungsniveau dieser Nutzenebene angleichen. Was nützt einem gute Bildung, wenn die Gesellschaft dies nicht braucht? Wer dies individuell ändern möchte, kann immer noch an eine Privatschule gehen oder, ganz einfach, wie Silvio selber, als Barsänger auf einem Kreuzfahrtschiff beginnen.

 
     
     
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