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Tagesarchiv für 20. Oktober 2008

Der Glaube kehrt nicht zurück

Montag, den 20. Oktober 2008 um 10:49

Seit Jahren hören wir, der Glaube kehre wieder zurück. Davon ist kaum etwas wahr, vielmehr zieht er sich weiter zurück. Zu den grossen Papst-Festivals werden die Jugendlichen oder andere Gläubige bekanntlich mit einiger Mühe herangekarrt; anschliessend sind sie in ihren Kirchgemeinden so wenig zu sehen, wie dies zuvor der Fall gewesen ist. Jetzt meldet die besonders aktive katholische Kirche in Deutschland, im vergangenen Jahre seien dort 93 600 Gläubige ausgetreten, rund 7 600 pro Monat. Neueintritte gab es nur 4881. Und: den Katholiken geht es in Deutschland und der Schweiz noch bedeutend besser als den Reformierten, wo die Gläubigen kaum noch einen Grund sehen, sich als aktiver Gläubige im Geiste Martin Luthers oder Ulrich Zwinglis zu betätigen. Wie schwer es die Religiösen haben, jammert auch “Avi” Friedmann, der Besitzer des “Scuol Palace” in der gleichnamigen Engadiner Gemeinde. Das grösste koschere Hotel Europas mit 300 Betten ist gerade zum derzeitigen Laubhüttenfest ausgebucht. Im Winter, wenn die Juden nicht kommen, weil sie keine Beziehung zum Wintersport haben, hätte er gerne mehr nichtjüdische Gäste. Diese aber scheuen das strenggläubige Haus, das von orthodoxen Juden bewohnt wird, welche die Einheimischen nicht grüssen und meist in Gruppen unterwegs sind.

Ein schreckliches Bild

Montag, den 20. Oktober 2008 um 10:49

Schon wieder eines dieser fürchterlichen Fotos, das mehr sagt als tausend Worte; es wurde in den Schweizer Medien meines Wissens nur einmal, von der “Berner Zeitung”, gezeigt: McCain hechelt mit heraushängender Zunge, ganz alter Mann mit weissem Haar, Obama auf der Bühne hinterher. Ort: die dritte TV-Debatte zwischen beiden. Obama, elegant, grossgewachsen, sehr konzentriert, gut aussehend; hinter ihm dieser hechelnde McCain. Alleine die Publikation dieses Fotos würde genügen, um McCains Karriere zu beenden. Ein zweites Foto, diesmal im deutschen “Handelsblatt”, zeigt die beiden Köpfe ganze nahe; Obama greift eloquent an, McCain nimmt dies, optisch, passiv entgegen, wirkt wesentlich unbeweglicher, weniger ausdrucksstark als sein politischer Gegner. Unsere Schweizer Erzkonservativen hoffen immer noch, das amerikanische Volk werde rassistisch, gegen den schwarzen Kandidaten, stimmen, wenn es am 4. November um alles geht. Mal sehen, ob sie recht haben.

Schönredner gehören zu jeder Krise

Montag, den 20. Oktober 2008 um 10:29

In Deutschland schreibt die renommierte FAZ auf der Titelseite: “Nun aber haben offenbar nicht Terroristen, sondern Banken die gesamte staatliche Ordnung in Gefahr gebracht.” Ganz anders hört sich dies in der Schweiz an:
Unser zurecht viel bewunderter Prof. Dr. Franz Jaeger aus St. Gallen weiss es ganz genau: “Die UBS hat kein Interesse, sich auf Bundeskosten zu bereichern.” Nun, das ist sehr elegant formuliert, zumal Marcel Ospel zu den engeren Freunden unseres St. Galler Superstars zählt. Die UBS hat ihre “Gammelwürste” dem Schweizer Steuerzahler mit einem Rabatt von zehn Prozent angedreht; das ist nicht gewaltig. Sie darf sogar den Fonds verwalten, den sie selber mit ihrem “bad management” ausgelöst hat und niemand wollte bis heute sagen, welche Gebühren sie dafür erhält. Man könnte dies vergleichen mit einem Piraten, der sein Schiff zerstört, um dann mit Staatsgeldern den Auftrag zu erhalten, dieses wieder aufzubauen. Das Risiko trägt das Schweizer Volk, das vielleicht noch (auch hier gibt niemand Auskunft) zu 20 % an der UBS beteiligt ist, also als Aktionär keine Rolle mehr spielt.
Ebenso hemmungslos pokert BAK-Präsident Christoph Koellreuter, aber das sind wir von ihm gewohnt. “Die Schweiz hat die besten Hochschulen Europas”, tröstet er uns; da werden sich die Deutschen und Engländer aber wundern, wenn sie dies hören. Immobilienkrisen sieht er in der Schweiz “höchstens regional”. Von 2008-13 werde unser BIP jährlich um 1,7 % wachsen. Solche Prognosen sind mentales Doping für einfache Gemüter, hat das BAK seine Wachstums-Prognose für 2009 doch bereits von 1,3 % auf o,7 % zurücknehmen müssen. Koellreuter weiss, nur mit Optimismus kann man verkaufen. Er ist ja kein Sterbehelfer der Schweizer Wirtschaft, sondern sieht sich als aufrechter Aufrichter.
Ganz zufrieden dürfen wir auch mit “L’Agéfi”, der guten welschen Finanzzeitung, sein. Sie titelt “La Suisse donne la main à son système bancaire.” Besser hiesse es “…est forcé de donner la main…” Unsere guten Geister in den Redaktionen und an den Hochschulen verlassen uns nicht.

Zwei Affären: Prochorow und Ghaddafi jr.

Montag, den 20. Oktober 2008 um 9:35

Als der reichste Junggeselle Russlands, Michail Prochorow im französischen Skiort Courchevel einmal mit einer ganzen Horde junger Freundinnen nach russischer Art auftauchte und feierte, nahm ihn die Polizei wegen Zuhälterei fest. Im Unterschied zur calvinistichen Genfer Polizei, die Hannibal Ghaddafi, Sohn eines grossen und mächtigen Vaters, wegen des Umgangs mit seinem Hauspersonal verhaftete, liessen die Franzosen den reichen Russen sofort wieder frei. Honni soit qui mal y pense.

Liebe, Tanz und Geizhälse

Montag, den 20. Oktober 2008 um 8:41

Am Samstag trafen sich Tanz- und BussiBussi-Freunde beim Kispi-Ball im Baur au Lac. Weniger glamourös als auch schon, spazierten die üblichen Verdächtigen über den roten Teppich in die Einfahrt des Zürcher Lxushotels. Für die notleidenden Kinder gab’s Gott sei Dank einen guten Bazen, der sicherlich besser investiert ist, als in die Banker. Protz war diesmal sekundär, die Liebe Stand im Vordergrund. So traf man Anna Maier mit neuem Anhängsel, eine verliebte Katja Stauber mit Flo Inhauser, Alex Pereira begleitet von seinem Brasil-Model Daniela Weisser (sehr unspektakulär übrigens), eine elegante Karolina Müller-Möhl mit Anhang und eine heitere Frau Martullo mit ihrem sympathischen Gatten Roberto. Auch Wohltäter Philipp Gaydoul war anwesend. Für spontane Heiterkeit sorgte sein grosszügiger Denner-Tombola-Preis (Einkaufsgutschein CHF 60.–). Also auch dort wird inzwischen kräftig gespart. Rundum war es aber ein toller Ball. Den Organisatoren sei gedankt. Nebenschauplatz Bern-Zürich: und wieder die grosse Liebe – Bella Zölch angelt sich Economiesuisse Chef Gerold Bührer. Eine “wichtige” Meldung des Tagis von heute.

Fidel Stöhlker

Bulgarien?

Montag, den 20. Oktober 2008 um 8:24

Natürlich bin ich für Personenfreizügigkeit; gerade wir Schweizer profitieren viel von den tüchtigen Ausländern, seien sie Italiener, Portugiesen, Thai oder – sogar – Deutsche. Doch Bulgarien? Es wird als der korrupteste Staat in Europa bezeichnet, über den man sagt “Andere Länder haben eine Mafia; in Bulgarien hat die Mafia einen Staat.” Dort sind über zwanzig Unternehmer sehr reich, vor allem aufgrund des Schmuggels von Alkohol und Cigaretten, wie man annimmt. Eine Rechtsprechung gibt es nicht. Armes Volk.

Touristische Grossprojekte gefährdet

Montag, den 20. Oktober 2008 um 8:13

Obwohl gerade die UBS sich Mühe gibt, uns Orascom-Aktien zu empfehlen, muss nach der alten UBS-Regel, dass die Börse immer die Wahrheit sagt und dem Geschehen vorausgreift, die in Altdorf ansässige Firma Orascom befürchten, dass ihr Milliardenprojekt in Andermatt nicht realisiert wird. Sawiris Aktie ist um 70 % gestürzt, weil sich englische Financiers zurückgezogen haben, andere sind nicht in Sicht. Geld haben die jungen Börsianer auch keines mehr; die russischen Oligarchen sitzen tief in der Tinte. Jetzt können uns nur noch die Araber retten, aber ob diese die Kopten lieben? Die Schweizer Anleger sind auch zurückhaltend. Viele von ihnen haben in Andermatt noch Militärdienst gemacht und können sich nicht vorstellen, in diesem “Schattenloch” Ferien zu machen. Vielleicht sieht nur Samih Sawiris klar.

 
     
     
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