Wovon träumen Zürcher Uni-Professoren?
15. Oktober 2008 um 8:12Der an der Uni Zürich lehrende Rechtswissenschaftler Dominique Jakob, habilitiert mit einer vergleichenden Analyse des Stiftungsrechts, träumt jetzt schon davon “unter den Kronen italienischer Pinien” Kriminalromane zu schreiben. Die Hirnforscherin Tanja Singer beschäftigt sich damit, ob das Trainieren einfühlsamen Verhaltens im Gehirn zu nachhaltigen Veränderungen führt. Sie möchte daraus ein wissenschaftlich belegtes Empathie-Trainingsprogramm entwickeln, das man sicher in allen Armeen der Welt gut gebrauchen könnte. Eigentlich möchte sie aber in den Medien “die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem wieder zurecht rücken – zurück zu einem respektvollen Umgang miteinander”. Daran dürften vor allem Bankiers interessiert sein, die derzeit zwar mächtig Aktien verkaufen, ihren Bankkunden aber dringend davon abraten, Gleiches zu tun. Nur die Experimentalphysikerin Laura Baudis ist ganz glücklich, darf sie doch in Zürich lehren, wo auch ihr Ehemann, ein Krebsforscher, eine Aufgabe fand. So bleibt die Familie mit zwei Kindern zusammen. Wie hart der Kampf um einen “tenure track” ist, beweist die schlechte Stimmung an vielen Instituten. “Mein deutscher Chef hat nur seine Karriere im Sinn”, sagen erfahrene Schweizer Mitarbeiter aus dem universitären Mittelbau und nehmen, wo immer möglich, ihren Abschied. Immerhin enden viele akademische Karrieren im Nichts; man ist fünfzig und erhält noch immer kein Angebot. Deshalb ist zuviel Rücksichtnahme nicht angesagt, Empathie-Trainingsprogramm hin oder her. Es mag auch sein, dass die Zürcher Hochschule für Künste Uni wie ETHZ links zu überholen versucht mit der Behauptung “Wissenschaftsbilder sind oft nicht verständlich” und deshalb neu einen “master of arts in transdisziplinarität” anbietet. Ich sage schon lange, künftig werde nur der hybride Manager erfolgreich sein, der viele Kulturen in sich verbindet. Offensichtlich sind wir in Zürich auf guten Wegen.

