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Monatsarchiv für Oktober 2008

Zürichs erfolgreichster Türke

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 13:40

Mehmet Emre, erfolgreicher türkischer Generalkonsul in der Schweiz, feierte soeben im Zürcher Stadthaus den 85. Geburtstag seines Landes. Stapi Elmar Ledergerber sagte, Emre habe viel für Zürich geleistet, weshalb sich die Limmatmetropole gerne auch die „1001ste Stadt“ nenne. Der wackere Sozialdemokrat verwechselte mit diesem Bezug Istambul, das er meinte, mit Bagdad, dem Ursprungsort der arabischen Märchen, was aber der allgemeinen Freude keinen Abbruch tat. Mehmed Emre verkörpert jene moderne Türkei, die wir gerne in der EU hätten. Dort durften die Frauen schon vierzig Jahre vor den Schweizerinnen zur Urne gehen. Viele Schweizer meinen, man dürfe der Türkei keine Steine in den Weg legen; selber halten wir uns lieber draussen. Offiziell jedenfalls.

Wie demokratisch ist die SVP-Führung?

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 13:03

Dr. Christoph Blocher gibt nicht auf, wer hätte auch anderes angenommen? Doch, wie demokratisch ist der milliardenschwere Feldherr aller Bauern und Gewerbler? Blocher sagt: „Am liebsten wäre es mir, das Volk würde gar nicht an die Urne gehen.“ Er will dies auf die Abstimmung zur Personenfreizügigkeit beschränkt wissen, aber wer weiss, wo er dann das Volk noch mehr in seinen Rechten einschränken möchte. Der Verdacht wird bestätigt durch Blochers Votum, die SVP-internen Diskussionen seien „Gäggelizüg“; er nimmt seine Mitstreiter wirklich nicht ernst. Grosszügig will er der Jung-SVP „ein paar Franken spendieren, vielleicht.“ Das ist der „trickle down“-Effekt vom Tisch der Reichen an die Armen. Bruder Gerhard lässt sich weiter zitieren, das Parlament in Bern sei ein „Glünggi Parlament“. Normalerweise nennt man dies Missachtung der gewählten Volksvertreter. Wer meint, Christoph Blocher und Familie seien Demokraten, der irrt.

Zwei reizende Chefökonomen

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 11:23

Rein äusserlich unterscheiden sich die beiden Chefökonomen der UBS und der CS Group wie ein Hamburger Gentleman von einem L.A.-Hippie. Klaus Wellershoff ist von einer deutschen Eleganz (sein Vater war General der Bundeswehr), die sich auf dem globalen Parkett ebenso gut behauptet wie in einem Berner Vorort. Martin Neff ähnelt mehr einem Hedge Fund-Guru, der mit wirrem Haar und stressig eingesunkenen Wangen einem Ideal nachjagt, das er kaum zu erreichen vermag. Wellershoff, dessen Abgang aus der Bank wohl bevorsteht, trägt die laufende Entwicklung mit Fassung. Neff dagegen blickt stets leicht fassungslos in die Welt, gibt sich jedoch, eine Berufskrankheit, weiterhin optimistisch. „Der Interbankenmarkt hat sich entspannt“, sagte er gerade. Das ist seine Wahrheit, aber wohl nicht diejenige der UBS. Krähen hacken einander nicht die Augen aus.

Der GAU-Politiker

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 10:52

Wer jetzt in der Politik erfolgreich sein will, muss mit GAU’s (Grösster Unfall aller Zeiten) umgehen können. Einer davon ist der Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler, der als Herkules der SVP seine Politik wie folgt beschreibt:
– Für mich ist eine Staatsintervention der grösste GAU.
– Ich werde im Parlament der UBS-Anleihe zustimmen, auch wenn die Staatsintervention für mich ein Horrorszenario ist.
– Mir war bewusst, dass Marcel Ospels 21-Mio-Salär sehr hoch war. Vielleicht hat es die Finanzmarktkrise gebraucht, um diese Löhne einzudämmen. Er selber, als Mitglied der Salärkommission, sah sich nicht dazu imstande, deutet aber an, er habe in diesem Punkt eine Minderheiten-Position vertreten.

Politik ist nichts mehr für zartbesaitete Gemüter; es braucht dazu den Esprit eines St. Galler Studenten verbunden mit dem Körperbau eines Eishockey-Stürmers.

Das Radio und ich

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 9:17

Privatradios sind eine Zumutung an den gebildeten Bürger, der sich informieren will. Was geboten wird, ist mit ganz wenigen Ausnahmen Unterhaltung und Musik. Die Einführung von Privatradios in den 80er Jahren hat zu einer Nivellierung des Staatsradios gegen unten geführt. Die Folge: Auch auf „DRS 1“ mutet man den Hörern heute frühmorgens diese unsäglichen Quizsendungen zu.
Jetzt zieht Medienminister Moritz Leuenberger Radio Energy den Stecker raus. Der Entscheid ist nachvollziehbar und kommt nicht ganz überraschend. Das Ringier-Radio war der schwächste Sender, der sich um eine Konzession bemühte. Für den Ringier-Konzern, der vor einer Sparrunde steht, ist der Entscheid ein herber Image-Verlust. Freuen hingegen tu ich mich, dass „Radio 1“ eine Konzession erhalten hat. Das Radio unterscheidet sich nicht gross von seinen Mitkonkurrenten, verfügt aber mit Roger Schawinski über einen Journalisten, der auch einmal nachfragt. Eine journalistische Tugend, die man heute in den Schweizer Medien immer häufiger vermisst. Seine Sendung „Doppelpunkt“ ist etwas vom Interessantesten, was die Privatradioszene zu bieten hat.
Der Verlust von Radio Energy, das einmal gut als Herausforderer von „Radio 24“ startete, lässt mich kühl. Wer sich wirklich informieren will, ist auf das Staatsradio angewiesen; es muss dabei nicht einmal „DRS 2“ sein. Ich gebs zu: die penetrant aufgestellten Moderatoren nerven mich. Privatradios sind etwas für Menschen bis maximal 30.

Philippe Welti

Lernen von Obama

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 9:15

Die Schweizer Parteileitungen müssen erkennen, was die Schweizer Bevölkerung wirklich bewegt. In der Parteiprogrammen steht zwar, wofür sich die entsprechenden Politiker einsetzen wollen. Warum ist aber trotzdem ein Grossteil der Bevölkerung dermassen Politikverdrossen? Warum fehlt es bei den Parteien und den Politikern an Glaubwürdigkeit und Vertrauen? Eines der Kernprobleme der Schweizer Parteien ist es, dass Sie Ihre Botschaften nicht klar kommunizieren. Sie verzetteln sich, sind zu diversifiziert und die Botschaften gehen einfach an der Bevölkerung vorbei. Die Parteien, welche erkennen, dass Sie zwar ein breit abgestütztes Parteiprogramm brauchen, sich in den Kampagnen dann aber auf ein klares Thema fokussieren, gewinnen wieder Profil, Glaubwürdigkeit und Wähler. Die Parteien, die erkennen, dass Wahlen mit starken und glaubwürdigen Persönlichkeiten und nicht profillosen Intellektuellen zu gewinnen sind, werden in Zukunft die politische Bühne bestimmen. Barack Obama hat uns mit seinem Wahlkampf wieder einmal gezeigt, dass in Grossstaaten wie der USA Persönlichkeit wichtiger als der Inhalt ist. In der Schweiz spielen die Inhalte zum Glück noch eine grössere Rolle, doch ohne starke Persönlichkeiten sind in Zukunft keine Wähler mehr zu gewinnen.

Raoul D. Stöhlker

Kein Weltuntergang

Freitag, den 31. Oktober 2008 um 8:17

Der Grössenwahn und die Gier einer globalen Hundertschaft von Bankern, darunter auch Marcel Ospel als schweizerischer Prototyp, werden uns alle in den kommenden Jahren um 20 % ärmer machen, aber die Welt geht nicht unter. Wer kein Vermögen hat, kann nur aufsteigen. Wer solches (noch) hat, soll es gut diversifizieren. Hunger macht fleissig, was in der Schweiz nur übertragen gelten darf.
Der jüngste Weltuntergang, den wir verpasst haben, ist das Ende der jüdischen Zeitrechnung. Es fand am 29. September dieses Jahres statt; Kabbalisten waren der Auffassung, jetzt werde die Welt neu. Nichts geschah. Gemäss der Regel der Fibonacci-Kurven haben wir noch zwei Monate Zeit bis zum ganz grossen Einbruch; einen Teil davon haben wir erlebt, mehr ist wahrscheinlich, schon angesichts der global aufgehäuften Schulden, ganz voran die USA. Nostradamus, an den unsere Eltern noch glaubten, sah den Weltuntergang am 11. August 1999. Er irrte sich ebenso wie die hauptsächlich den Zürchern durch „TeleZüri“ bekannte Uriella, die ihn auf den 31. Dezember 1999 ansetzte. Am 9. September dieses Jahres, als das erweiterte Cern seine Funktion aufnahm, wollten viele die Erde in einem „Schwarzen Loch“ untergehen sehen. Die vielerorts beachtete Kalender der Maya gibt uns Zeit bis zum Jahr 2012, die Zeugen Jehovas sehen ganz präzise den 20. März 2012 als definitiven Termin. Wir sollten uns also mindestens kurzfristig keine Sorgen machen, die Erde dreht sich, ohne Eis an den Polkappen wahrscheinlich bald auch ein wenig schneller.

Bedauerlicher Niedergang der SVP

Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 14:18

Das Drama des Niedergangs der SVP ist höchst bedauerlich. Nie hätte die Schweiz mehr als heute einer starken bürgerlichen Koalition bedurft, um den Risiken der Weltwirtschaftspolitik kraftvoll zu begegnen. Was in Bern jetzt abläuft, weist hin auf faule Kompromisse, unzumutbare Forderungen an Banken und andere Unternehmen, sowie eine vermehrte staatliche Aufsicht über die Wirtschaft, wie es eigentlich ganz unschweizerisch ist. Was geht vor? Schon der Aufstieg der SVP unter Dr. Christoph Blocher war, wie von mir stets kommentiert, eine eigentliche Rosstäuscherei, da Blocher den Bauern und dem Gewerbe, die seinen politischen Rückhalt bildeten, stets mehr versprach als er halten konnte. Die FDP, besonders in Zürich, waidwund und unberechenbar durch den Sieg der SVP, verlor von Wahlperiode zu Wahlperiode mehr an Einfluss. Sie wurde eine Gefangene ihrer eigenen Sponsoren; in der Partei wurde nur gefördert, wer die gleiche Melodie pfiff. Dies führte zum Niedergang der einstigen staatstragenden Partei, die sich in einem weiterhin erfolgreichen Staat selbst zerstörte. Als in Zürich der Versuch gemacht wurde, beide Parteien mindestens auf kantonaler Stufe wieder zu einigen, wurde dies von der „Gruppe der Schwerverwundeten“ sabotiert. Der Tessiner Pelli blieb eine Hoffnung, eigentlich ein Irrlicht ohne Substanz und mit schweren Strukturfehlern. Die SVP, heute mehr laut als intelligent, ruft aus wie ein Kind im Wald. Für die einen ist sie eine Lachnummer, für die anderen ein Saubanner-Zug. Was wirklich zählen würde, wäre der Aufbau einer neuen bürgerlichen Kraft. Dazu würde auch die CVP-Führung beitragen, gäbe man ihr in der Mitte mehr Sicherheit.

Henry Kissinger über John F. Kennedys Ermordung

Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 13:54

Manchmal lösen sich die Fäden nach Jahrzehnten von ganz alleine; der Gordische Knoten muss nicht durchschlagen werden, sondern zerkrümelt bis nur noch ein hauchdünner Faden die alte Vorstellung von der neuen Wirklichkeit trennt. Einen solchen Vorgang durften wir, weitgehend unbeobachtet, am 29. Oktober 08 erleben, als Henry B. Kissinger, den wir unseren gebildeten Lesern nicht vorzustellen haben, in der IHT in einer Besprechung des Buches „Lessons in disaster. McGeorge Bundy and the Path to war in Vietnam“ in seiner unterkühlten Art darauf hinweist, dass John F. Kennedy bis zuletzt gegen einen Einsatz eines „large expedition corps“ in Vietnam gewesen ist. Nach diesem Entscheid in Gegenwart des Sicherheitsbeauftragten Bundy, der dafür war, in Vietnam lieber 100 000 US-Soldaten zu verlieren als das Gesicht, wurde John F. Kennedy drei Wochen später in Dallas erschossen.
Jetzt hängt die Lösung, wer Kennedy erschiessen liess, nur noch an einem Fädchen. Kissinger hat in seiner Buchbesprechung den Weg gewiesen; wer den letzten Schritt tut, die finale Konsequenz zu ziehen, wird sich bald zeigen.

Nicolas G. Hayek’s späte Ehren

Donnerstag, den 30. Oktober 2008 um 13:51

Er verlangte einen internationalen Unternehmerverband, niemand reagierte darauf. Er wurde von Elisabeth Zölch zum Ehrenbürger des Kantons Bern ernannt, das freute ihn. Er wurde jetzt in Meisterschwanden zum Ehrenbürger ernannt, zahlte die Rechnung für das Fest selber, und jenseits des Aargau nahm niemand Kenntnis davon. Nicolas G. Hayek ist wohl der herausragendste Unternehmer der Schweiz, Doris Leuthard, selbst Aargauerin, erweist ihm die Ehre, aber sonst? Wir feiern unsere abstürzenden Swissair-Schweizer, unsere abstürzenden UBS-Schweizer, unsere Niederlagen kassierenden Industrie-Schweizer, nicht wahrnehmend, dass die wirklichen Helden des Landes heute hybrid sind, keine Alemannen, keine Kelten (ein ohnehin nur erfundenes Volk), sondern Libanesen, Deutsche, Holländer, Südafrikaner und viele mehr.

 
     
     
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