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Weblog
Monatsarchiv für September 2008
Montag, den 29. September 2008 um 16:14
Weil die Erziehungskosten eines Landes, mindestens soweit es europäisch oder us-amerikanisch ist, ganz enorm sind, hat jeder Einwanderer in die Schweiz seit dem 2. Weltkrieg (das war vor über 60 Jahren) unsere Erziehungskosten entlastet; bezahlt haben die Staaten, aus denen die Einwanderer zu uns gekommen sind. Profitiert haben vor allem Zürich, Basel und Genf mit Ersparnissen in Milliardenhöhe. Ach die zahlreichen ausländischen Rentner in der Schweiz stützen unsere Wirtschaft. Ihnen verkauft die Pharmaindustrie Medikamente, die Lebensmittelhersteller “functional food” und die Touristiker erfreuen sich ihrer Reisefreude. Gegen 700 000 AHV-Renten fliessen bereits ins Ausland; das ist keine geringe Unterstützung für unsere ehemaligen Gastarbeiter. Einige Schweizer in Thailand und Spanien sind auch dabei.
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Montag, den 29. September 2008 um 16:12
Niemand käme in Basel auf die Idee, Ulrich Blumenbach zu feiern. Er ist in Basel seit November 2003 damit beschäftigt, einen der wichtigsten Romane der Gegenwart zu übersetzen, “Infinite Jest” von David Foster Wallace, der sich vor kurzem umgebracht hat. Blumenbach erhält für die Übersetzung dieses höchst komplexen Romans Euro 44 000.–. Seine Frau finanziert dies mit, indem sie an der Uni Zürich arbeitet; er selber übersetzt täglich Börsennachrichten, um seine beiden Kinder zu ernähren. “Unendlicher Spass” soll im Herbst 09 erscheinen; ein Publikumserfolg wäre erstaunlich.
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Montag, den 29. September 2008 um 15:36
Bluthunde haben Menschen gejagt in Afrika, in Lateinamerika und in den USA. Jetzt ist dies wieder der Fall in England, wo man die Jagd auf den Fuchs verboten hat, die Jagd auf den Menschen jedoch nicht. Meist sind es zwei Dutzend Bluthunde, die auf einer abgesteckten Strecke menschliche Läufer jagen, damit die edle Jägerschar es erleben darf, über Hecken zu springen und ihr Adrenalin zu pushen. Die sportlichen Läufer erhalten fünf Minuten Vorsprung, der sich bis zum Ziel laufend verringert, damit sie vor den Hunden davonlaufen. Sie geben zu, dies sei durchaus erregend und veranlasse sie, noch schneller zu laufen, als sie es sonst tun würden. Das “ticket to death” ist ganz real, denn die Bloodhounds sind gekreuzt mit Dummfriesshire Foxhounds, was sie besonders aggressiv macht. Die Verteidiger der Fuchsjagd sind ganz still geworden, denn es ist ihnen noch nicht aufgefallen, dass die Menschenjagd noch eine Spur verwerflicher ist.
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Montag, den 29. September 2008 um 15:21
Nur jedes vierte Schweizer Unternehmen würde einen Ausländer engagieren, drei Viertel ziehen Schweizer vor. Die Weltoffenheit ist vorgetäuscht. Sprachliche Schwierigkeiten und das fehlende Netzwerk sind die wichtigsten Begründungen für die Abneigung vor Ausländern in der eigenen Firma. Meist wird angezweifelt, ob Ausländer von ihrer Mentalität her in Schweizer Firmen “passen”. Deutsche seien in ihrer Mentalität nicht so ähnlich, wie man meinen könne. Den Deutschen wird vorgeworfen, sie seien zu direkt und manchmal auch laut in der Kommunikation. Das brüskiere die Schweizer und werde als Arroganz ausgelegt. Arme Schweizer, lieber lassen sie sich von ihren eigenen Landsleuten in den Untergang führen (Swissair, UBS) als von Deutschen retten. Immerhin war es Oswald Grübel, der die CS-Group rettete, nachdem Rainer E. Gut und Lukas Mühlemann sie in den Abgrund führten. Der Deutsche Helmut Maucher rettete Nestlé vor der Übernahme durch Philipp Morris, nachdem zuvor die Schweizer versagt hatten. SBB Cargo wird wohl von Deutschen gerettet, nachdem Benedikt Weibel die Weichen falsch gestellt hatte.
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Montag, den 29. September 2008 um 15:06
Nein. Diese aufregende Antwort lädt zum Nachdenken ein. Wenn wir die UBS – im Ernstfall – nicht retten können, kommt es zu einer landesweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, wenn niemand anders die grösste Schweizer Bank rettet. Die Schweizer Bevölkerung trägt also, ohne versichert zu sein, ein maximales Risiko, dass eine ihrer Firmen, die im Land tätig ist, das Land ruiniert. Anderseits, wenn die Rettung von aussen kommt, zeigt die Schweizer Helvetia, dass in ihrem Nest ein Riesen-Kuckuck sitzt, der mit der eigentlichen Brut wenig zu tun hat. Das Ausland wird dann verlangen, dass die Schweiz ihren Finanzplatz, das Kuckucksei, derart reduziert, dass andere davon nicht gefährdet werden. KOF-CEO Jan-Egbert Sturm wiegelt ab: “Die UBS hat das Schlimmste überstanden.” Woher er dies wohl weiss? Wem die Credit Suisse Lehman-Papiere ins Portefeuille packte, hatte halt Pech, nach seiner Meinung “Marginalien”.
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Montag, den 29. September 2008 um 14:55
Es ist keine Seltenheit mehr, dass grosse Journalisten und sogar Chefredaktoren von ihrer Branche als “Jammerbranche” berichten. Besonders pikant ist dies, wenn es sich um den Chefredaktor einer medialen Fachzeitung handelt, Pierre C. Meier von der “werbewoche”. Dieses Fachmagazin zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass seine redaktionellen Texte wesentlicher konstrastärmer als die textbegleitenden Inserate in Erscheinung treten. Diese bisher übersehene Innovation einer Fachzeitung sollte mehr gewürdigt werden, macht sie doch deutlich, dass es mehr um Inserate, denn um redaktionelle Inhalte geht. Wen Pierre C. Meier dann auch noch Mut verlangt, um eine Tageszeitung für 6-10 Franken pro Exemplar zu verkaufen, hinkt er hinter der Zeit her. Es gibt in Europa genügend wunderbare Publikationen mit viel lesenswertem Inhalt, die mehr als dies kosten und gerne gelesen werden; nur in der Deutschen Schweiz gibt es offensichtlich keine Chefredaktoren (und Verleger), welche dies zustande bringen. Sie drucken Inserate schöner als die redaktionellen Teile; das ist wegweisend.
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Montag, den 29. September 2008 um 14:39
Hildegard von Bingen war eine Mystikerin, die Anlass gibt, nach ihr einen Preis zu benennen, der in diesem Jahr an das geistreiche Schandmaul Henry M. Broder ging. Hildegard war eine Unternehmerin, die ein eigenes Frauenkloster wollte, was die Mönche bekämpften, die weniger beten und mehr arbeiten wollte, was den Mönchen auch nicht gefiel. Broder nutzt seine Laudatio, um Peter Sloterdijk einen ans Bein zu pinkeln, weil der gesagt hat “9/11 war ein Kleinzwischenfall der Geschichte”. Broder pinkelt auch dem jüdisch-christlichen Gott irgendwo hin, wenn er ihn “ein Sadist und ein Zyniker, ein Witzbold und ein Chaot” nennt. Greenpeace ist für ihn ein Ablasshändler, denn nach der Spende könne man im Land Rover wieder zum Einkaufen fahren. Nun habe ich ihn natürlich wieder einmal völlig einseitig zitiert, aber Broder lädt dazu ein.
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Montag, den 29. September 2008 um 14:23
Dieser Weblog ist während fast drei Tagen ausgefallen; daran durften wir wieder einmal erfahren, was anderorts auch der Fall ist, dass IT-Firmen zuvor viel Wert auf Ihren Ruf setzten, aber die realen Dienstleistungen dem meist nicht zu folgen vermögen. Wir entschuldigen uns für dieses Versagen der Techniker.
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Mittwoch, den 24. September 2008 um 13:32
Die Frage mag verrückt sein, aber ganz unberechtigt ist sie nicht. Wer seinen Besitz, seine persönliche Welt, seine Lebensphilosophie erhalten möchte, sieht die Zukunft anders als ein Progessiver, der ohne Veränderung kein Lebensrecht hat. Michael Stürmer, ein deutscher Staatshistoriker, jedenfalls sagt: “Zum Konservativen gehörte immer eine gewisse Theoriefeindlichkeit, man lebt es mehr.” Ja, die Jagden, die Empfänge, das Sein im Jetzt, das ist es doch. Wer denkt, ist stets ein Risiko – für alteuropäische Konservative. Bénédict Hentsch, den Genfer Bankier, zähle ich dazu. Er gab sich zwar stets munter, aber nach dem Zusammenbruch der Swissair, wo er lange im VR sass, kam er nie mehr richtig in die A-Klasse. Jetzt hat er seine in Not gegründete Vermögensverwaltung (zur eigenen Bank konnte er nicht mehr zurück) an einen grösseren Partner verkauft. Als Konservativer lässt er in Genf bauen; das ist real.
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Mittwoch, den 24. September 2008 um 12:40
Klar, dieser wachsende EU-Koloss verliert bei seinen Programmen mehr Geld als die Stromleitungen Energie. Deshalb prüft man nach dem Modell Chirac, der die Flugkosten besteuern wollte, internationale Steuern einzuführen. Man will damit natürlich die gefährdete Natur schützen, wobei man offen lässt, wie man die Natur schützen möchte, wo und vor wem. Ich wusste es, die EU-Steuern werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ein Grund mehr, diesem Koloss gegenüber vorsichtig zu sein.
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