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Weblog
Tagesarchiv für 30. September 2008
Dienstag, den 30. September 2008 um 12:41
Wer Roger Moore, den einzigen und echten James Bond erleben wollte, konnte dies vor wenigen Tagen in Crans-Montana tun. Dort half er mit, ein kommunales und kantonales Polizeigebäude zu eröffnen, mit Angriff auf eine Bank, Nebelpetarden und Gefangenennahme. Roger Moore war begeistert. Seine Gesichtszüge sind weicher geworden, das Kopfhaar deutlich dünner, aber der Charme ist geblieben. Ältere Semester ziehen natürlich Sean Connery vor.
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Dienstag, den 30. September 2008 um 12:28
Er war einmal ein toller Fussballer für Juventus. UEFA-Chef Michel Platini wehrt sich mit Händen und Füssen “gegen die Kommerzialisierung des Fussballs”. Dass er in Zürich gerade eine gute Milliarde Franken Gewinn gemacht hat und ähnliches demnächst auch in Polen und der Ukraine vor hat, kann er verdrängen. Die US-Investoren beim FC Liverpool mag der Held aus Frankreich gar nicht. Roman Abramowitsch und Silvio Berlusconi seien jedoch gute Fussball-Investoren, “weil sie den Fussball lieben und mit dem investierten Geld keine Rendite erwirtschaften wollen.” So einfach ist es im Leben, wenn man bei Sepp Blatter, FIFA, in die Lehre geht.
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Dienstag, den 30. September 2008 um 9:02
Vor 120 Jahren hiess es noch “Aufstieg durch Bildung”, weshalb vor knapp 100 Jahren vom deutschen Kaiser Wilhelm Zwo “Freie Bahn dem Tüchtigen” verlangt wurde, womit er zuerst einmal sich selber meinte, was aber im 1. Weltkrieg endete. Der “Aufstieg der Begabten” hielt bis etwa 1960 an, wonach der “Aufstieg durch Bildung” wieder aktualisiert wurde. Sogar die (deutsche) SPD sprach bis 1958 noch von “Auslese”, was heute kein Sozialdemokrat mehr wagen würde. Die “feinen Unterschiede” gesellschaftlicher Ungleichheit wurden bewahrt. Immerhin, der Fortschritt fand statt. Vor neunzig Jahren standen die Chancen eines Arbeiterkinds, an die Universität zu kommen 1:100, heute etwas 1:8. Wir brauchen dringend talentierten Nachwuchs, weil wir ihn sonst aus Indien oder, horribile dictu, aus Deutschland importieren müssen.
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Dienstag, den 30. September 2008 um 8:49
Die 31 reichsten Berner versteuern soviel Vermögen im Kanton Bern wie die 435 000 Ärmsten. Das sind lateinamerikanische Verhältnisse, die bei uns aber niemand aufregt, weil mehr oder weniger jedermann etwas zu beissen oder mindestens die Hoffnung hat. Gerade einmal 730 Berner versteuern mehr als CHF 10 Mio. Vermögen, was den zum Teil ärmlichen Zustand des Kantons erklärt. Der grosse Grundbesitz liegt öffentlich in wenigen Händen; ein Drittel davon alleine bei der Burgerschaft. Bei der Verwaltung, so gut sie zahlen mag, wird man auch nicht leicht 10facher Millionär. Anwälte, Ärzte, einige wenige Unternehmer (Hayek, Wyss, von Graffenried) zeigen ein im allgemeinen freundliches Gesicht. Die sehr reichen Einwohner von Gstaad bleiben diskret, so Ernesto Bertarelli und einige griechische Tycoons, die eher als Belebung der ruhigen Berner Landschaft betrachtet werden.
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Dienstag, den 30. September 2008 um 8:30
Während wir alle noch von der Klima-Erwärmung reden und Angst vor ihr haben, nähert sich schon wieder eine kleine Eiszeit, wie sie 400 Jahre bis ins 19. Jahrhundert in Europa herrschte. Seit Frühjahr 07 warten die Astronomen auf eine Wiederkehr des Sonnenzyklus mit starken Sonnenflecken. Nichts ist davon zu sehen, der Sonnenwind ist so schwach wie schon lange nicht mehr. Solche Fehlstarts der Sonne können bis zu 13 Jahre dauern, weshalb die Erderwärmung abgebremst werden kann. Ist dieser September nicht schon ein wenig kühl?
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Dienstag, den 30. September 2008 um 7:18
Neun Prozent aller Einwohner von Chicago sind bankrott, das dürfte auch für viele andere Amerikaner zutreffen, bald auch für Engländer, Franzosen und Spanier. Der 500fache USD-Millionär Henry Paulson, der sein ganzes berufliches Leben bei Goldman Sachs verbracht hat, ein Vertreter des Kapitalismus par excellence, hat eine führende Investmentbank nationalisiert, die grösste Versicherungsgesellschaft der Welt und die Hälfte des Hypothekarmarktes. Während die Chinesen kapitalistischer werden, werden die Amerikaner kommunistischer; welche Überraschung! Es wird sich zeigen, ob dieser gewaltige Klimmzug Bestand hat. Persönlich meine ich, nicht. Warum? Der seit 50 Jahren aufgebaute Schuldenberg in den westlichen Ländern (die USA sind nicht alleine die Sünder) muss einigermassen dauerhaft abgetragen werden. Die Manager aber, die ihn angerichtet haben, sind MBA-Absolventen von Harvard, Stanford, MIT. Sie werden jetzt noch grössere Konzerne bauen, die Bezahlung der Schulden ihren Völkern überlassen und hoffen, nicht erwischt zu werden. Wie schön waren doch die reichen Jahre, wo man mit Schulden Paläste in Kalifornien, Schiffe in Florida und Häuser rund um den Globus kaufen konnte. Jetzt wird Wall Street mit Geld geflutet, aber rasch wird dies kaum etwas ändern. Nach der 89er Krise dauerte es zwei Jahre, bis die Wirtschaft sich erholte, drei Jahre bis zum Beginn des bekannten Häuser-Booms, aber nur ein Jahr für die Börse, um wieder abzustürzen.
Wir Europäer haben nur eine Chance, hier nicht zur Beute zu werden, sondern unser eigenes Spiel zu wagen. Andernfalls wird die “Todesliste von Bloomberg” (Stand 18.9.09) zum Galgenberg unserer Finanzgesellschaften: UBS steht dort auf Platz 16, Swiss Re auf Platz 18 und Credit Suisse auf Platz 27. Lachen werden die Hannover Rück und die Münchener Rück, die während Jahrzehnten hinter der Swiss Re lagen, wie dort von Jacques Aigrain, einem ehemaligen Investmentbanker, das Geld verspielt wurde. Walter Kielholz, der VR-Präsident der Credit Suisse, ist auch dort der Höchstverantwortliche.
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