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Weblog
Monatsarchiv für August 2008
Mittwoch, den 27. August 2008 um 13:46
Während bei uns eine Vielzahl von Unternehmen klagt, die Weltkonjunktur breche laufend mehr zusammen, woran vor allem die Krise in den USA und bei den Banken schuld sei, die nun auf die Realwirtschaft übergreife, geht es dem grössten Detailhändler der Welt, der amerikanischen Wal-Mart-Gruppe, ganz ausgezeichnet. Noch verrückter: Wal-Mart’s Aktienkurs, der nach europäischer Ansicht eigentlich hätte fallen müssen, weil es den Amerikanern so schlecht geht, ist seit Herbst 2007, also fast einem Jahr, nur angestiegen. Merke: Wichtig ist nicht die Krise, die manchen Managern nur als Ausrede für eigene Führungsschwäche dient, wichtig ist die Aufgabe der Unternehmensleitungen, sich in der Krise so zu verhalten, dass das Unternehmen gewinnt und der Aktionär verdient. Wal-Mart schafft dies, mindestens bis heute.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 27. August 2008 um 13:32
Man muss lange suchen bis man eine ernsthafte Stimme findet, die vor der Geldverschwendung warnt, die mit dem Kauf moderner Kunst verbunden ist. In diesem Fall handelt es sich um Michael Eissenhauer, den soeben gewählten neuen Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, der mächtigste Museumsdirektor Deutschlands. Eissenhauer sagt: “Ich als Direktor sehe das Erbe als verpflichtend an. Wir müssen uns aber unentwegt rechtfertigen, warum wir – beispielsweise – keine Kunst aus der Steckdose kaufen.” Der Normierungszwang der Museen beim Ankauf von Werken ist gewaltig, weil Künstler immer mehr wie Markenartikel gehandelt werden. Dabei gibt es keine Kriterien für die Qualität von Gegenwartskunst. Kunst aus der Steckdose ist Müll.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 27. August 2008 um 12:56
Abt. Kommunikation Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat nicht gesagt, dass sie sich mit Osama Bin Laden an einen Tisch setzen will, wie ein Blick auf die Kernbotschaft und in das Manuskript ihrer Rede zeigt.
Die Nachrichtenagenturen irren mit ihrer Berichterstattung, Calmy-Rey wolle den Dialog mit dem Terrorfürsten suchen. Offenbar trauen ihr die internationalen Medien, nachdem sich die Aussenministerin schon mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad unvorteilhaft in Szene gesetzt hatte, alles zu. Der Aufschrei in der Medienwelt ist perfekt. Weshalb hat die Kommunikationsabteilung der Bundesrätin nicht auf eine deutlichere Sprache in ihrer Rede gepocht? Ein Satz hätte genügt.
Lässt die Bundesrätin keinen Widerspruch zu, oder wahrscheinlicher, ist sie von Kopfnickern umgeben? Tatsache ist: Wer über Kenntnis der Mechanismen der Medien verfügt, weiss, dass rhetorische Fragen missverstanden werden können. Einmal mehr zeigt ein kommunikativer Fehler grosse Wirkung. Die Schweizer Aussenpolitik unter Calmy-Rey hat schon wieder Schaden genommen.
Philippe Welti
Kommunikation | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 27. August 2008 um 12:04
Wo schon davor gewarnt wurde, die Medien würden unsere beiden Grossbanken “kaputt schreiben”, darf es uns nicht wundern, dass nun der Jurist und Finanzberater Jean-Vital de Muralt zur Auffassung kommt, sie würden schon seit langem auch die Schweiz kaputt schreiben (“Qui désirent tellement que la Suisse disparaisse dans un magma européiste.”) Er distanziert sich, als Berner, in erster Linie von Roger Sablonier, meint aber, die Medien seien schlimmer. An dieser Stelle lohnt sich die Erinnerung an Gerd Bacher, den einstigen Generalintendanten von Österreichs ORF. Er war es, der die besten Filme über den Aufstand der Tschechen gegen die russische Armee im jahr 1968 produzierte; was wenige wissen, gegen den Ratschlag von Bruno Kreisky, der die Berichterstattung “seines” Senders als Neutralitätsverletzung bezeichnete und auch später dabei blieb. Bacher liess Weltgeschichte filmen. Obwohl seither nur 40 Jahre vergangen sind, ist die Konformität unserer TV-Sender im deutschsprachigen Europa bestürzend. Niemand produziert mehr Weltgeschichte, obwohl wir jeden Tag Weltgeschichte erleben.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 27. August 2008 um 10:41
Von Dr. Christoph Blocher wissen wir es: “Ich kenne keine Mitarbeiter, sondern nur Untergebene.” Dass er keine Ausnahme ist, bestätigt soeben Patrick de Maeseneire, der CEO von Barry Callebaut, der sagt “Dass Leute mich hassen, verstehe ich als Kompliment.” Ich frage mich, ob die Aus- und Weiterbildung unserer Führungskräfte wirklich so grossartig ist, wie man sie uns schildert. In den Lounges der Flughäfen sehe ich nur gestresste Manager, schon sonntagnachmittags, die ausser ihren Laptops nichts mehr wahrnehmen. Viele von ihnen sind physisch und psychisch hoch belastet, weshalb der Körperkult eine so grosse Rolle spielt. Gerade die jüngeren Manager sehen fast gleich aus: Gestylte MBA-Absolventen mit dem Karriereziel “CEO mit 40″. Der gesunde Menschenverstand kann sich nicht mehr entwickeln, denn dieser braucht Erfahrung und Ruhe.
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Mittwoch, den 27. August 2008 um 8:21
Nehmen wir das Beispiel Georgien. Dort haben offensichtlich private Sicherheitsfirmen, die Business benötigen, den Haudegen Saakaschwili davon überzeugt, dass er zuschlagen müsse. Mit viel PR-Lärm wird nun versucht, eine grausame Blamage zu vertuschen. Diese Form des Abenteurertums dürfte noch zunehmen und uns beschäftigen. Steve Forbes, der einmal US-Präsident werden wollte, sieht die Weltlage wie folgt: “The murderous mullahs (im Iran) wll get the bomb.” Seine Quelle sind die Israeli, welche dies für Ende 2009 annehmen. Die US-Geheimdienste sind vorsichtiger geworden und rechnen damit erst bis 2015. Das hindert den kleinen Sohn des grossen Malcolm F. nicht, uns Europäer zu warnen, wir würden dann in Reichweite der iranischen Raketen liegen und die USA auch, wenn die Iraner als Träger Schiffe benutzten. Forbes droht: “The Israelis will strike. The war will be ugly.” Schon wieder ein Abenteuer-Unternehmen, das nur mit Hilfe privater Armeen unternommen warden kann. Wir sollten nie vergessen, dass diese Blackwaters auch Marketing machen, um ihre teure Infrastruktur zu beschäftigen.
Wie sehr die Amerikaner selber falsch oder mindestens einseitig informiert werden, zeigt die Tatsache, dass sie in China während der Olympiade sicher das unbeliebteste Land waren. Bei NBC, dem Hauptsponsor, werden sie dies nicht vernehmen, denn dieser weigerte sich, ebenso die Eröffnung wie den 100 Meter-Lauf zu zeigen. Dafür wurde tagelang über Soccer, Cricket und Rugby berichtet, was den Rest der Welt kaum interessierte. Die USA sind isolationistisch und dazu noch missionarisch, weshalb Krieg in der Luft liegt.
Politik | 1 Kommentar »
Mittwoch, den 27. August 2008 um 7:41
Aus US-amerikanischer Sicht haben die USA in Beijing 125 Goldmedaillen gewonnen gegenüber nur 74 für China. Die Amerikaner haben die Goldmedaillen der Mannschaftswettbewerbe einfach mit der Zahl der Teammitglieder multipliziert. In Wirklichkeit haben die USA 36, China 51 Goldmedaillen gewonnen. Wir bescheidene Europäer haben zusammen 87 Goldmedaillen gewonnen, womit wir die eigentlichen Sieger dieser Olympiade sind, aber Europa sieht sich noch immer nicht als Einheit. Wie schade. Wenn Deutschland über seine erfolgreichen Nachbarn spricht, ist von den niederländischen Frauen die Rede, die 13 von 16 Medaillen gewonnen haben. Wir Schweizer werde nicht einmal erwähnt, wahrscheinlich sind wir Unpersonen, europäische Zombies.
Kommunikation | 1 Kommentar »
Dienstag, den 26. August 2008 um 14:11
IOC-Chef Jacques Rogge machte am Beispiel von Olympiasieger Usain Bolt deutlich, wie sich die Elite den Umgang mit Unterlegenen vorstellt. Er empfahl “dem jungen Mann” Bolt, er müsse es noch lernen, seinen Gegnern die Hand zu geben oder ihnen nach der Niederlage auf die Schultern zu klopfen. Das gilt auch für erfolgreiche Unternehmensführer. Man muss immer verhandlungsfähig bleiben, gerade auch den Schwächeren seine Macht nicht spüren lassen und ihn zum Schluss ermutigen, dass bei uns jeder eine Chance habe, auch der Verlierer. Merke: Vom IOC lässt sich lernen, von der FIFA Sepp Blatters auch, der einen unnachahmlichen Umgang gerade mit jenen pflegt, die ihm wenig sagen.
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Dienstag, den 26. August 2008 um 14:05
Löwen töten die Kinder der Löwin, die sie von einem Vorgänger hat. Im europäischen Mittelalter bis zuletzt am Hof von Konstantinopel, der erst 1918 stürzte, wurden alle Verwandten eines neuen Herrschers lange Zeit getötet, später in einem Käfighaus gehalten, damit sie dem neuen Herrn nicht gefährlich werden konnten. Sie hatten nämlich die Eigenschaft, diesen unbedingt ermorden zu wollen, um selbst die Regierung zu übernehmen. Reste dieser Verhaltensweisen finden wir nicht nur bei Zuwanderern aus dem Balkan, die im Freundeskreis ähnliche Umgangsformen bis heute pflegen, sondern auch in dem Insidern bekannten deutschen Städtchen Gütersloh. Dort wurde der Sohn aus erster Ehe von Reinhard Mohn, Johannes Mohn, von der zweiten Ehefrau des Gutmenschen Reinhard, zwar nicht getötet, aber doch so deutlich kaltgestellt, dass ihre eigenen Kinder bei Bertelsmann das Kommando übernehmen konnten, natürlich nur mit Zustimmung der Königin-Mutter. Johannes Mohn, kein armer Mann, ist jetzt aus dem Konzern ausgeschieden und will privatisieren. 200 Jahre früher hätte er einen solchen Konflikt nicht überlebt; heute sind wir zivilisierter.
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Dienstag, den 26. August 2008 um 13:10
Moritz Leuenberger maniriert zu nennen, wird niemand überraschen. Wie er sich fotografieren lässt, wie er im Edelmantel durch Überschwemmungen stolziert, wie er den Finger zur Lippe führt und vor einem Mäuerchen posiert, verrät jenen Feinsinn, den nur höchstentwickelte Sozialdemokraten zu demonstrieren vermögen, was dem alten Sozi-Wort “Demo” einen völlig neuen Inhalt gibt. So hörte ich ihm wieder einmal in der “Samstag-Rundschau” zu, wo er hüstelnd und nicht selten kichernd seine Überlegungen zur Innenpolitik vortrug (“Es isch jetzt eifa so usseko.”) Von ihm können wir lernen, dass leichtes Stottern beim Vortrag durchaus tiefsinnig wirken kann, spürt man doch, wie er um jede Silbe ringt. Bei weniger angenehmen Fragen, lässt er die Stimme im Ungewissen, gleichsam verzagend, untergehen, die Bedeutsamkeit seines Wissens damit unterstreichend. Im Gegensatz dazu beherrscht er auch die Dehnungen der Wörter mit grosser Meisterschaft, Einfachem damit jene Bedeutung gebend, die ihm zukommt. Solcherlei grosse Rhetorik mündet dann in blanke Aggression gegen den Fragenden, wenn er ihn mit der Formulierung in den Senkel stellt “Das hättet Ihr gärn.” 13 Jahre im Dienst als Bundesrat, das entspricht einem Mindesthonorar von CHF 5,3 Mio. (ohne “fringe benefits”), ist eine gute Löhnung für einen Kabarettisten, der einmal Schauspieler werden wollte.
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