 |
 |
 |
|
|
Weblog
Monatsarchiv für Juli 2008
Dienstag, den 29. Juli 2008 um 12:01
Nach Haider gehört nun auch Blocher der Vergangenheit an. Der Mann der Stunde heisst Fritz Dinkhauser, 68, abtrünniger ÖVP-Politiker aus Tirol, der mehr bürgerliche Zivilcourage verlangt, weil in Österreich 2,6 Mio. Menschen keine Steuern mehr zahlen (wie ist das bei uns in der Schweiz?), weil sie mit maximal 920 Euro netto im Monat zu wenig verdienen. Dieses neue Proletariat, in Deutschland Prekariat genannt, will er retten
- weil die ÖVP keine christlich-soziale Politik mehr mache
- weil der EU der Bezug zu den Bürgern und den Regionen fehle
- weil in Österreich und Europa ein unheimliches Demokratie-Vakuum herrsche.
“Fritz” sieht das Bürgertum wieder im Vormarsch und strebt daher die Regierungsbeteiligung in Wien an. Sein in Tirol an der Urne sehr erfolgreiches Bürgerforum (17 % der Stimmen) kennt keine Mitgliedschaft, kein Parteibuch und keine Parteibeiträge. Solche “freien Interessengemeinschaften” dürften bald auch bei uns auftauchen.
Politik | Keine Kommentare »
Dienstag, den 29. Juli 2008 um 8:17
Wenn ein bulliger Kamil Zayatta aus Guinea gegen einen brasilianisch wirkenden Saidu Adeshina aus Nigeria spielt, heisst dies “Schweizer Fussball”. Was ist am Schweizer Fussball eigentlich schweizerisch? In der Wertschöpfungskette leisten die ausländischen Gladiatoren die Schwerstarbeit. Das Schweizern vorbehaltene Betreiben von Fussball-Clubs ist ein Hochrisikogeschäft, wie zahlreiche Fälle von St. Gallen über Zürich nach Neuenburg beweisen. Einzig der kluge Handel mit den Ballartisten vermag Millionen in die Kasse zu bringen. Schweizer Verleger, Bankiers und Industrielle sind an diesem schnellen Gewerbe gescheitert. Nur die Fans im Stadion meinen “ihre” Stadt, “ihr” Kanton oder “ihr” Land hätten etwas Besonderes erreicht, wenn die dunkelhäutigen Gladiatoren übereinander stürzen. Bei der EURO 08 war wieder zu beobachten, wie schamlos sich die Politiker dieser Struktur bedienten, um populistisch aufzutreten. Schon im alten Rom war es nicht anders.
Der Schweizer Fussball ist in Europa derzeit ein Nonvaleur:
- Merchandising und Sponsoring werden im Einfach-Verfahren abgewickelt
- Die Engländer verdienen Euro 400 Mio. jährlich an weltweiten TV-Rechten, die Deutschen Euro 20 Mio. und die Schweiz?
- Die Medienarbeit der Schweizer Clubs, soweit sie sich nicht von einigen Redaktionen abhängig machen, ist skandalös schlecht; mehr als einfachste Routine ist kaum vorhanden.
Da wir keine Velo-Nation mehr sind, unseren Ruf im Tennis auch in Kürze verlieren werden, unsere Abfahrts-Skifahrer sich weiterhin bewähren müssen und unsere Fussballer nicht in Form kommen, bleibt uns nur übrig, einige sportliche Sonderformen zu entwickeln, wie das “Küssen von Fröschen” oder das “Reiten auf Schafen”, damit die Welt uns noch zur Kenntnis nimmt.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 29. Juli 2008 um 7:08
Um die Schlagkraft der Schweizer Armee kann es nicht schlecht bestellt sein, führt doch ein Sikh als Präsident die Offiziersgesellschaft des Kantons Zürich an. Sanjay Singh ist Abkömmling einer grossen militärischen Tradition, die sich vor allem für die Engländer bewährt hat, sei dies in den Kämpfen in Indien, wo die Sikhs den Engländern gegen die anderen indischen Völker stets die Stange hielten. Sie bewährten sich auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg im letzten Jahrhundert, als es darum ging, die Deutschen und deren Verbündete an der Front zu besiegen. Nun sind die Sikhs auch in die Schweiz vorgerückt.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Juli 2008 um 13:31
Während unsere unterbeschäftigten Beamten in Bern sich der Einführung und Aufzucht von Bären in den südlichen Bergtälern widmen, während die ebenfalls begünstigten Wölfe bereits in den Kanton Bern vorgestossen sind, rücken auf Kamtschatka wieder die Bärenjäger aus, welche “diese Raubtiere” abschiessen wollen. Die bis zu drei Meter hohen Kamtschatka-Bären überfallen Fischerdörfer und haben soeben auch zwei Wächter einer Platinmine aufgefressen. Wenn sich die eidg. geschützten Bären bei uns in einigen Jahren eingelebt haben werden (und nicht zu Kuschelbären umerzogen worden sind), werden wir demnächst wohl auch wieder rechte Jäger brauchen, ganz wie auf der Kamtschatka.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Juli 2008 um 13:17
Der kleingewachsene Amar Singh hat sein Abstimmungsproblem wesentlich eleganter gelöst als sein irischer Kollege, der für die neue EU-Verfassung, dies aber bei seinem Volk nicht durchsetzen konnte. Singh, so sieht es aus, hat einige Parlamentarier der Opposition gekauft, was in Indien zur politischen Praxis gehört, und damit die atomare Zusammenarbeit mit den USA gesichert. Hätte sein irischer Kollege das irische Volk besser gekauft, hätte die EU mit diesem Projekt, das von 23 Staaten ratifiziert wurde, weniger Probleme. Lasst uns von den Indern, einem Volk der Zukunft lernen: Unsere Politiker müssen wesentlich skrupelloser werden, um in einer komplexen Welt oft kontroverse Ziele zu erreichen. Die Demokratie, siehe Italien, pfeift ohnehin aus der letzten Düse.
Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Juli 2008 um 10:16
Diese merkwürdigen deutschen Manager-Genies in Schweizer Landen bedürften eigentlich der vertieften Recherche. Sie treten wie Kometen am Schweizer Wirtschaftshimmel auf, werden wie einst Kaiser Wilhelm II. gefeiert, und lösen sich dann wieder auf wie Kometenschweife unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung. Jürgen Dormann ist ein solcher Fall, in dem ich mich wahrscheinlich getäuscht habe. Seine Leistungen als Finanzmanager waren stets unbestritten, aber war er auch ein echter Unternehmer mit Langzeitwirkung? Als er Fred Kindle zum CEO von ABB machte, waren alle überrascht, denn weder hatte Dormann seine Aufgabe bei ABB beendet noch Kindle die seinige bei Sulzer in Winterthur. Dort herrscht unterdessen Viktor Wekselberg. Dormann löste sich dann in nichts auf, zog aber Hubertus von Grünberg nach, ein hierzulande weitgehend unbekanntes Physiker-Genie von grösster Komplexität, das eigentlich Einstein widerlegen wollte, wie die Gerüchte sagen, dann aber doch den halben Sprung in die Schweiz machte, blieb sein Wohnort doch das kühle deutsche Hannover. Hubertus von Grünberg feuerte wiederum Fred Kindle, was Jürgen Dormann nicht mehr scherte, denn er war aus dem Spiel. Der ABB-Aktienkurs, nach Jahren absoluter Niederlage, dümpelt eher davon, aber was will man heute mehr verlangen, wo Stagnation der halbe Sieg ist. Die zweite Grünberg-Front verläuft beim deutschen Conti-Konzern, wo er eigentlich gegen seinen Vorstandschef Wennemer agierte (ganz wie bei Kindle), jetzt aber mit ihm wieder auf eine Linie einschwenkte, da Wennemer bei Conti offensichtlich eine stärkere Position inne hat als der unglückliche Liechtensteiner Kindle bei ABB.
Diese märchenhaften Welten des höchsten Managements ergötzen mehr als die Geschichten aus 1001er Nacht, isn’t it? Zum Beispiel die Geschichte von den 300 deutschen Siemens-Managern, die jetzt vor Gericht stehen, weil sie mit ihren Zahlungen rund um den Globus bestochen haben. Hätten Sie den Vertretern eines deutschen Star-Konzerns solches zugetraut? Nun, die Deutschen haben ihre Macken, andere auch: In England hat man zwischen Juni 2007 und Mai 2008 die Bewerbungen tausender potentieller Bankmanager analysiert und festgestellt, dass jeder fünfte Bewerber seinen Lebenslauf “geschönt” hat. Merke: Wir leben in einer “getunten Marktwirtschaft”, die Doping ebenso verwendet wie viele Leistungssportler, lediglich mit anderen Instrumenten arbeitet, aber mit dem gleichen Ziel, im verschärften globalen Wettbewerb an der Spitze zu bleiben.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Juli 2008 um 8:29
Klaus Wellershoff, der stets argumentationsstarke Chefökonom des UBS-Konzerns, will sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren und Prognosen über Mannschaftssiege im Fussball der Vergangenheit angehören lassen, wo man sich anlässlich der EURO 08 massiv verkalkulierte. Er lässt allerdings offen, ob sich die Finanzmärkte rationaler entwickeln werden als ein Fussballturner. Dieser Zweifel ist es, der mich nervös werden lässt, haben unsere führenden Bankiers doch stets darauf bestanden, dass die Märkte rational sind und somit sehr weitgehend berechenbar. Andreas Höfert, Wellershoff’s Nr. 2, hat in der Not das Ruder wieder einmal herumgeworfen und will Aktien untergewichten. Seither sind einige davon massiv nach oben gesaust, andere wieder abgestürzt. Fragt sich, ob die UBS-Händler tatsächlich auf ihre leitenden Ökonomen hören. Der Kunde bleibt in höherem Masse verwirrt, ob dieser Wahrsagerei, bedenkend, dass Wahrsager in Deutschland Gewerbesteuer zahlen müssen, eine insofern gerechte Strafe als dies Anwaltsbüros und anderen Freiberuflern erspart bleibt.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Juli 2008 um 7:52
XBRL CH optimiert Finanzberichterstattung
Was in Japan wie in Belgien schon zum offiziellen Standard der Finanzberichterstattung gehört, soll nun auch beschleunigt in der Schweiz eingeführt werden, die Computersprache XBRL CH (eXtensible Business Reporting Language) für die Informationsverarbeitung von Geschäftsberichten im Internet-Zeitalter. In der Schweiz wurde im März dieses Jahres unter breiter Beteiligung der Wirtschaft, der öffentlichen Verwaltungen und der Hochschulen der Verein XBRL CH gegründet. Er soll als Nonprofit-Organisation die Anerkennung dieses neuen Standards betreiben, der nicht als Rechnungslegungs-Standard, sondern als standardisiertes Informationsformat derzeit global eingeführt wird. Gründungspräsident des Vereins XBRL CH ist Christian Dreyer, Managing Partner der Tertium datur AG, Vorstandsmitglied der Swiss CFA Society (christian@dreyer.ch). XBRL CH ist ein lizenzfreies, interntionales XML-basiertes Format, das speziell für Geschäftsinformationen (z.B. Jahresabschlüsse, Quartalsberichte) entworfen wurde. Der Verein XBRL CH hat als Public Private Partnership ihren Sitz bei der kantonalen Drucksachen- und Materialzentrale (kdmz) in Zürich; das Sekretariat der Geschäftsstelle führt Frau E. Peterhans.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 25. Juli 2008 um 16:30
Von 2000 bis 2006 ist in Deutschland die Zahl der Bezieher mittlerer Einkommen von 62 auf 54% zurückgegangen. Die Mittelschicht bleibt mobil, aber die Zahl der Absteiger ist grösser als die der Aufsteiger. Nicht anders dürfte es bei uns sein, wo der alte Schweizer Mittelstand langsam absinkt und ersetzt wird durch einen neuen Schweizer Mittelstand, der sich aus hungrigen Einwanderern zusammensetzt. Während die Unterklasse und die Konzerne Sprecher in Hülle und Fülle haben, hat die Schweizer Mittelschicht bisher keinen Sprecher hervorgebracht, Otto Ineichen hin oder her.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 25. Juli 2008 um 14:31
Die oft völlig überheblich wirkenden EU-Darsteller in Brüssel, eine politische Klasse, die mit nationalen Interessen wenig am Hut hat, will nun die Iren in die Knie zwingen, indem eine zweite Abstimmung angesetzt wird. Wieviel politischer Unverstand ist in Paris und Brüssel eigentlich zuhause? Wir in der Schweiz wissen, dass nach einer verlorenen Abstimmung eine Anstandszeit von 2-4 Jahren gewahrt bleiben muss, um ein neues Verfahren auszulösen. “Angie” Merkel, die Weltmeisterin neu-ostdeutschen Geschwätzes, will “so zügig wie möglich weitermachen”. Sarkozy vertritt die Wiederholung des Referendums. Ob sich die Iren kaufen lassen? Von Brüssel sicher nicht. Ebenso wie wir Schweizer nicht, die wir gerne ab und zu Ablasszahlungen nach Brüssel leisten, wenn es uns sonst in Ruhe lässt.
Kommunikation | Keine Kommentare »
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|