Ein Lob unseren Wanderwegen
1. July 2008 um 14:19Während sich die Masse am Seeufer drängt, lobe ich mir unsere Wanderwege, die 200 Meter höher verlaufen oder ganz hinauf auf die Berge. Es ist eine der wunderbarsten Leistungen der Schweiz, ihre Wanderwege in guter Ordnung zu halten. Zurückzuführen ist dies auf die Kleinräumigkeit des Landes, die Subsidiarität, wonach jedermann dafür zuständig ist, sein Gebiet gut auszuzeichnen. Andernorts ist das Wandern oft eine Qual: In Italien irrt man vielerorts durch immer wildere Sträucher, ebenso in den sich entleerenden Gebieten Frankreichs. Kürzlich wollte ich im südlichen Portugal einen alten Wanderweg von der Küste zu den Bergen der Algarve neu entdecken und fand, dass er – ohne Realersatz – von einer neuen Autobahn durchschnitten war. Sogar das Wanderland Deutschland zeigt Schwächezeichen: Wer nicht den grossen Wander-Autobahnen der Fernwanderwege folgt, gerät rasch in einen Dschungel alter Schilder, der nur mit einem GPS-System zu durchdringen ist. Das Gesetz der Zentralisierung ergreift auch den Wanderer: Wer nicht der Masse folgen will, muss sich seinen Weg selber bahnen. Das sind keine schlechten Aussichten für alle jene, die das Abenteuer wieder vor der eigenen Tür erleben wollen.


am 2. July 2008 um 10:02 Uhr.
Da Sie ja gern ein wenig PR für “ihr” Wallis machen (jede “Staatshochzeit” wir dsamt Menüplan vermerkt), mache ich hier ein wenig PR für “mein” Appenzellerland, das man östlich von Winterthur kaum kennt, was aber kein Schaden ist.
Es ist eine wunderschöne Wandergegend in einer noch weitgehend intakten ländlichen Hügellandschaft. Selbst in der Hochsaison findet man Wege - alles ohne Landkarte - wo man weit und breit allein mit sich und den Appenzeller Blässen ist (die übrigens weniger bissig sind als ihr Ruf besagt). Manche Alpsteinrouten sind auch für gute Bergsteiger eine Herausforderung. Die Gastronomie, die es auf jeder der zahllosen Alpen gibt, ist noch nicht voll auf der Höhe, wird häufig nebenher betrieben und die Freundlichkeit lässt gelegentlich zu wünschen übrig: Der Gast ist manchmal geduldete Notwendigkeit.
Aber sonst geben sich die Appenzeller (Inner- wie Aussrrhödler; das sind immer noch zwei Welten) enorme Mühe, die Landschaft intakt zu halten.Die Alpen werden noch bestossen, auch wenn es sich nicht mehr recht rechnet. Kühe, Schellen und alles Drum und Dran ist noch vorhanden. In zehn, zwanzig Jahren wird das ein unbezahlbarer Asset sein. Das muss aus touristischen Gründen auch so bleiben. Oesterreich, ein wunderschönes Wanderland ist, das es locker mit der Schweiz aufnehmen kann (insbesondere, was die Gastronomie betrifft), hat die Alpwirtschaft in vielen Gegenden abgeschafft. Das ist ein Riesenfehler, den man in der Schweiz nicht begehen sollte. Denn für Gäste ist ene leere Alp ein leeres Ziel.
Zugute kam den Appenzellern übrigens , dass sie wirtschaftlich Jahrzehntelang bös hinterher hinkten, also gar nicht dazu kamen, landschaftsfeindliche Dummheiten wie im Wallis zu inszenieren (als Halbwalliser darf ich das sagen; ich bin trotzdem gern dort). Inzwischen haben die etwas zurückgebliebenen Appenzeller stark aufgeholt. Die Infrastruktur stimmt. Der hinterste Winkel ist mit Bahn und Postauto erreichbar; man muss bei einer Wanderungnicht zwangsläufig zum Ausgangspunkt zurück und gestaltet seine Route spontan. Kann man auch nicht überall.
Gastronomie und Hotellerie hingegen brauchen, wie gesagt, noch einiges an Entwicklungshilfe. Da könnten ja die Walliser den Appenzellern noch ein paar Tips geben.