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Weblog
Tagesarchiv für 5. Juni 2008
Donnerstag, den 5. Juni 2008 um 13:07
Unser fleischlos lebender Schöngeist im Bundeshaus, Bundesrat Moritz Leuenberger, hat erklärt: “Der Mensch ist das grösste Raubtier.” Er kann damit nicht uns Schweizer gemeint haben, denn wir essen nur 60 % des Fleisches, das Deutsche zu sich nehmen, und nur ein Drittel des Fleisches, welches US-Amerikaner verzehren. Solche generellen Verleumdungen der Menschheit sind ohnehin fraglich. Wir haben auch LaoTse, Tagore, Dante, Shakespeare und Goethe, auch Dürrenmatt und Frisch, um nur ganz wenige grosse Geister zu nennen. Sind das alles Raubtiere? Kollege Pascal Couchepin hat entschieden, er gehe nach Peking zur Olympiade, was mich freut. Die Chinesen haben stets die Harmonie im Zusammenwirken der Menschen ihres Landes gesucht. Sie sind nicht anders als wir Schweizer, nur der Grössenunterschied macht die Probleme dramatischer. Würden die Oberwalliser einen Aufstand gegen die Berner Truppen wagen, was undenkbar ist, müssten wir Berner auch eingreifen. Nichts anderes hat Peking getan.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Donnerstag, den 5. Juni 2008 um 12:43
Weil kaum jemand ernsthaft über die Schweizer Medien schreibt, wird mit Recht die Katastrophe des Schweizer Medienjournalismus beklagt. Rainer Stadler von der “NZZ” betreibt dies auf eine feine Art, etwas international, manchmal auf Hochschul-Niveau. Kurt W. Zimmermann ist schärfer in der Formulierung und trifft daher bei seinen Kollegen auf eisige Ablehnung. Karl Lüönd steht den Schweizer Verlegern als erfolgreicher Chefredaktor und Autor sehr nahe, weiss sehr viel, aber lässt davon nur zwei Drittel durchblicken. Peter Rothenbühler, in die Westschweiz verdrängtes Spitzentalent des Schweizer Journalismus, kann aus der Entfernung besser schiessen aus dem engen Zürcher Umfeld, wo der “Medienkuchen” sich rund um die Uhr trifft, liebt, gegenseitig bestaunt, lobt und hinterrücks vergiftet. Kurt-Emil Merki, für die “AZ” und den “Sonntag” schreibend, ist ein Musterfall, wie korrekter und kreativer Medienjournalismus in der Schweiz eigentlich aussehen sollte. Simon Bärtschi, der Nachrichtenchef der “Sonntagszeitung”, schreibt im vergleichbaren Stil und bietet daher zu Medienthemen stets wichtigen Hintergrund. Die nur noch halblinke “Wochenzeitung” hat die Medienkritik praktisch eingestellt; seit dem Abgang von Constantin Seibt zum “Tagi” hat die Redaktion deutlich an Gewicht verloren. Seibt hat seine muntere Schreibe beibehalten, die leichte Verdaulichkeit mit tieferen Einsichten verbindet. Von Ringier lässt sich auf diesem Gebiet auch nichts erwarten, da man dort lieber Medienpolitik als Medienkritik betreibt. Bei der SRG etc. ist Medienkritik undenkbar, weil man
a) selbst darunter leidet und
b) seiner ältlichen und schwindenden Zahl von Zuschauern und Zuhörern derlei nicht zumuten kann.
Roger Schawinski, Medienunternehmer, müssen wir auch dazu zählen, weil er als ewig Anklagender immer das Beste will, das natürlich das Seinige ist. Frank A. Meyer, im Berliner Exil glänzend lebend, meldet sich auch gelegentlich zu Wort, wirkt heute aber leicht resigniert und sucht die höheren Weihen an der Spree.
Warum ist dies so? Die Schweiz ist zu eng für einen guten Medienjournalismus. “Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd”, sagt der Weise, müsste aber hinzufügen “…und einen grossen Auslauf.” Diesen haben wir bei uns in der Schweiz nicht. Wer über Talent verfügt und fleissig ist, flüchtet ins Ausland, weil dort die Spielräume grösser sind. Ein Medienkritiker bei uns würde nicht nur seine Freunde verletzen, die Zahl seiner attraktiven Partnerinnen und Partner einschränken, sondern auch seine Karriereaussichten bedeutend einschränken. Welcher Ressortleiter oder Chefredaktor würde einen Kollegen einstellen, der ihn einmal kritisch beschrieben hat? Der seit einigen Jahren beliebte Umstieg in die PR-Branche fiele einem echten Medienkritiker auch nicht leicht, weil die meisten PR-Leute stolz darauf sind, einige Journalisten an der Hand zu haben, die ihnen Texte und Botschaften multiplizieren. Journalisten sind bekanntlich eitler als Politiker und es fehlt ihnen die öffentliche Milde der Bischöfe.
Der guten Ordnung halber möchte ich anfügen, dass Medienkritik in der Westschweiz und im Tessin völlig fehlt. Dort übt man die Kunst der Medienkabale. Wenn, wie in der Westschweiz, ein einziges Medienhaus derart mächtig ist, wird kein Journalist wagen, hierzu ein ernsthaftes Wort zu sagen. Wer sich daher über Murdoch und dessen Prinzipien der inneren Pressefreiheit erregt, sollte zuerst einmal den eigenen Stall einer genauen Visite unterziehen.
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Donnerstag, den 5. Juni 2008 um 11:35
Wahrscheinlich sagte alt Ständerat Carl Miville aus Basel, als er diese Forderung erhob, eher “Baseldytsch”, aber die “Basler Zeitung” übersetzte dies automatisch ins Hochdeutsche. Der Konflikt ist klar: Wenn national oder regional ausgerichtete Ständeräte von unbestritten hoher Bildung den schönen Basler Dialekt zur Hauptsprache erklären, kommen sie in Konflikt mit den Konzernen und anderen Unternehmen. Diese brauchen dringend Menschen, die in Europa und global verstanden werden, was für das schöne “Baseldytsch” auf keinen Fall gelten kann. Die Basler Wirtschaft braucht dringend neue Mitarbeiter, der kantonale Arbeitgeberverband will die Frauen aktivieren, die schlecht beschäftigten Frauen in gute Positionen bringen. Heute kommen auch in Basel immer mehr Deutsche zum Zug, weil die Unternehmen sonst nicht mehr produzieren und wachsen können. Das Baseldytsch von Ständerat Miville wird sich also in die Nebenstrassen verziehen; in den Hauptstrassen wird Hochdeutsch und Englisch gesprochen. A propos Basler Strassen: Die Freie Strasse, die Bahnhofstrasse der Basler, wo man gut einkauft, ist heute mit blau-weissen Tüchern überspannt, die sehr gut gelungen sind. Basel sieht ein wenig aus wie Sevilla. Dies ganz im Gegensatz zu den Zürchern, deren Weihnachtsbeleuchtung ein Graus ist und demnächst wieder abgeschafft wird.
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Donnerstag, den 5. Juni 2008 um 9:31
Michel Platini, Franzose, Freund von Sepp Blatter, ist Chef der UEFA, welche die jetzt ablaufende EM 08 ausrichtet. Dieser keine Steuern zahlende Verein sitzt in Nyon am Genfer See in bester Lage. Welche Rolle spielen darin wir Schweizer? Praktisch keine, es sei denn mit Ausnahme des Finanzchefs, Hanspeter Jenni und des Service-Chefs Jean-Paul Turrian. Damit sind unsere Schweizer Fähigkeiten perfekt dargestellt. Alle führenden und kreativen Funktionen der UEFA liegen in den Händen von Schotten, Italienern, Franzosen und Griechen. Happy games. Vielleicht hängt dies damit zusammen, wie Ronny Pecik es ausdrückte: “Die Schweizer sind ein ängstliches Volk.” Von Bankgeheimnis und Datenschutz, meint er, könne im Binnenmarkt keine Rede sein, das gelte nur für das Ausland.
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Donnerstag, den 5. Juni 2008 um 8:24
Seinen Käse, den seine Mitarbeiter produzierten, ass ich immer gerne; seinen Käse, den er als Schweizer “Politiker” verbreitete fand ich ungeniessbar. Stephan Baer, Käseproduzent aus Küsnacht am Rigi, der mehr lärmte als leistete, hat nun seine Mitarbeiter mitsamt Unternehmen an die Franzosen verkauft. Das Scheitern dieses ehemaligen 68ers ist typisch für die derzeitige Erbengeneration in vielen Schweizer Unternehmen: Sie halten sich für ausgezeichnet, sind dem globalen Wettbewerb nicht gewachsen und machen Kasse, indem sie verkaufen, was Vater und Grossvater aufgebaut haben. Viele Schweizer laufen innerlich Sturm gegen diesen Ausverkauf der Heimat, haben Angst vor dem zunehmenden Einfluss ausländischer Konzerne. Am Beispiel Baer sollten wir aber den Spruch Bismarcks akzeptieren: “Die vierte Generation macht Kunst.” In diesem Fall war es die dritte.
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