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Monatsarchiv für Juni 2008

Der schweigende Sprecher tritt ab

Montag, den 30. Juni 2008 um 15:25

Nach Achille Casanova, der heute sein Brot ganz still bei der SRG etc. verdient, tritt demnächst bereits sein Nachfolger ab; Oswald Sigg, der „schweigende Sprecher“ des Bundesrats, wird im kommenden Frühjahr 65 Jahre alt und will in den Ruhestand. Der einst muntere Berater von vier Bundesräten hat in seinem vorläufig letzten Job begriffen, dass Schweigen mehr wert ist als das Reden. Seine Aufgabe wäre es gewesen, wie Achille Casanova es meisterhaft verstand, dem Bundesrat auch in schwierigen Situationen Gewicht zu verleihen. Es lässt sich heute sagen, dass er in dieser Aufgabe wenig erfolgreich war. Das SP-Versorgungskartell für altgediente Parteifreunde wird ihn nicht fallen lassen.

BR Samuel Schmid wird mutiger

Montag, den 30. Juni 2008 um 14:28

Offensichtlich hat BR Samuel Schmid, dem Spritziges selten unterstellt werden konnte, nach seinem Aufstand gegen die Zürcher Blocher-SVP Mut gefasst. Unter seiner Führung wurden für die EM 08 viele Millionen Franken für Sicherheit investiert; wie viel Millionen es wirklich waren, sicher über hundert, werden wir nie erfahren. Dieses gewaltige Sicherheitsdispositiv war von der Sache her nicht notwendig, denn ausser einigen harmlosen Schlägereien gab es nichts zu vermelden, aber eine gute Gelegenheit, Polizei und Armee, die ohnehin kaum etwas zu tun hat, im internationalen Verbund zu üben. Schmid muss dennoch, wie bei Politikern oft der Fall, ein schales Gefühl gehabt haben, zaubert er am letzten Tag der EM, als die Spieler längst in Wien waren, „Hinweise auf ein Attentat an der Euro“ aus seinem Hut, verbunden mit dem Hinweis, er habe während Tagen den letzten Entscheid in Sachen Sicherheit gehabt. Merke: Wenn wenig zu sagen ist, muss man sich als Politiker emotional hochschaukeln.

Lasst die Puppen tanzen: Opernhaus Zürich

Montag, den 30. Juni 2008 um 12:44

Intendant Alexander Pereira ist nicht nur ein gestalterisches, sondern auch ein Marketing- wie Planungsgenie. Weniger hat Zürich an seinem Opernhaus nicht verdient. Wir konnten bewundern, wie er uns unterhielt und wie er dies finanzierte. Hinter dem Komödianten verbarg sich, wie sich jetzt zeigt, ein tiefernster Mann, dem es um die Sache ging: Grosse Kunst. Um so auffallender ist es, wie leicht die Berliner auf seinen Nachfolger im Amt des Intendanten verzichtet haben. Lief da ein merkwürdiger Deal? Denn Berlin freut sich heute schon auf Barrie Kosky, der, vom Hündchen begleitet, Brillanten an den Fingern, durch Berlin tänzelt. Der Abgang seines Chefs nach Zürich macht Platz frei für einen strahlenden Selbstdarsteller, der als Freund seiner Ensembles gilt. Nun, dies alles hat noch gut drei Jahre Zeit. Pereira wird einen strahlenden Abgang suchen; wir dürfen uns darüber freuen.

Der Hochbegabten-Wirbel.

Montag, den 30. Juni 2008 um 7:33

Alle suchen Hochbegabte, viele Eltern treiben ihre Kinder mit hohem Aufwand an, ihr Talent zu entwickeln. Scheitern diese, sind die Lehrer schuld. Ganz falsch ist dies nicht. Wir haben in der Schweiz etwa 30 000 Hochbegabte, in den Eliteschulen finden wir nur einen Bruchteil von diesen. Daher importieren wir diese Talente aus aller Welt, seit einiger Zeit vorzugsweise aus Deutschland. Würden wir mehr in gute Lehrkräfte investieren, könnte sich diese gesuchte Minderheit perfekt entfalten. Weil dies nicht der Fall ist, werden Eltern wie Schüler nur nervös. Die Hochbegabten werden durch eine Mühle gedreht, welche nur die Höchstbegabten überleben. Oder auch nicht. Merke: Weil heute Talente aus aller Welt nach Westeuropa streben, hat die alte einheimische Elite immer weniger Chancen. Es ist wie mit der Alpenfaltung: Neue Schollen schieben sich über die alten, die deshalb nur grässliche Geräusche von sich geben.

EM: Gut für Europäer

Freitag, den 27. Juni 2008 um 17:08

Diese lang ersehnte Europameisterschaft im Fussball war für die Schweiz sportlich ein Misserfolg. Die Europäer, welche bei uns zu Hunderttausenden zu Gast waren, haben sich an der Schweiz delektiert, das Land und seine Schönheiten genossen. Wenn wir auch selber nicht in der Lage waren, gute Partys zu liefern, so taten dies die „Oranjes“ für uns, deren Temperament, was auch ohne WM zu beobachten ist, dem unsrigen überlegen war. Wir waren, was wir seit 200 Jahren können, Gastgeber. In der Schweiz sind FIFA und UEFA angesiedelt. Ohne Schweizer gäbe es keinen FC Barcelona und kein Inter Mailand. Sepp Blatter ist der König des Weltfussballs, den Kaisertitel hat ihm sein Freund Beckenbauer gestohlen. Heute beginnen die Fussball-Weltmeisterschaften; wir werden wieder ganz mit dabei sein.

Türkei im Tief

Freitag, den 27. Juni 2008 um 17:06

Die Niederlage gegen Deutschland hat die türkische Bevölkerung wirklich nicht gebraucht. Ganz heimlich hatten türkische Politiker gehofft, ihre Mannschaft würde Fussball-Europameister, womit bewiesen wäre, dass die Türkei an der Spitze zu Europa gehöre. Dieser Traum ist vorläufig geplatzt. Eher dramatischer ist der Niedergang der türkischen Sozialdemokraten, der Republikanischen Volkspartei Atatürks. Sie nennt sich „stärkste Oppositionspartei“, hat im Volk aber gegen Erdogans AKP und die rechtsnationale MHP nicht die geringste Chance. Beide Parteien könnten theoretisch auf Betreiben der türkischen Armee verboten werden, was sich aber niemand vorstellen kann, der an die Zukunft der Türkei glaubt. Sollte das Land zurückfallen in einen militärisch geführten Rechtsnationalismus kann es seine Träume von einem EU-Beitritt vergessen. Als treuer Verbündeter der USA sieht dies dann anders aus, wenn ein Angriff der USA auf den Iran erfolgen sollte. Diese Kraftprobe, die ohne Unterstützung der Türkei nicht gewagt werden kann, wäre mit einer offenen oder verdeckten Militärregierung leichter durchzusetzen.

„Die Weltwoche“, das Schmetterlingsblatt

Freitag, den 27. Juni 2008 um 17:05

Natürlich will Roger Köppel, dass man seine „Weltwoche“ todernst nimmt, hat er doch sein persönliches Schicksal damit verbunden. Weil es sich um eines der wenigen intellektuellen KMU der Schweiz handelt, müsste er auch unser aller Wohlwollen haben. Nicht einmal Milliardär Christoph Blocher wagt es, eine eigene Zeitung herauszubringen, was etwa Fr. 100 Mio. kosten würde, sondern beschränkt sich auf ein Internet Billig-TV mit Mikrofonhalter Matthias Ackeret für den Grossraum Schaffhausen. Darin ist Köppel ganz wie Roger Schawinski: Mein Produkt, das bin ich. Beide sind Markenzeichen für mediale Kreativität und nichtbürgerlichen Journalismus.
Betrachten wir die „Weltwoche“ genauer, wozu die beiden letzten Ausgaben dienlich sind, fällt die Tendenz zum „product placement“ auf der Titelseite auf. Mit einem Volvo-Inserat schlug Köppel eine Bresche in die übliche halbkeusche Praxis. In der Nr. 25 war dies Dolce & Gabbani, in der Nr. 26 Würth, ein deutscher Schraubenhersteller mit starker Schweizer Verankerung. Jede englische Werbeagentur würde dafür mindestens Fr. 30 000.—verlangen, bei Kunden minderen Ranges darf es auch mehr sein. Verleger Köppel selber hat sich die S. 5 reserviert, wo er, dem Zwang der Markentechnik folgend, sich immer gleich präsentiert: Frisch wie eine Sardine kurz vor der Eindosung, intellektuell wie ein Karl Kraus, der uns tatsächlich fehlt. Vieles, was er schreiben lässt, darf dort erwartet werden:
– Der Triumph über das irische Nein zur EU-Verfassung; die Schweiz lässt grüssen.
– Das „finstere Spiel von Putin“, der im Auftrag des KGB die freien westlichen Unternehmer angreift; Treue zu den USA ist selbstverständlich.
– Der Angriff gegen Samuel Schmid als Chef VBS; wer sich gegen die Blocher-SVP entscheidet, ist ein Landesverräter.
– Die Marktwirtschaft muss frei bleiben, weshalb der Frauenhandel nur eine Legende ist im Auftrag der „Rettungsindustrie“.
Köppel ist originell, weshalb ich ihn gleich zweimal abonniert habe und gelegentlich auch eine weitere Ausgabe am Kiosk kaufe, was meine Treue zu seinem Konzept handgreiflich beweist. Die Lektüre der „WeWo“ lohnt sich, denn
– André Müllers Interview mit Jonathan Littell ist meisterlich
– Christoph Mörgelis wie Peter Bodenmanns politische Balanceakte leuchten die Ecken aus, während Gion Mathias Cavelty, der dritte im Bunde der fünf Kommentatoren, unter Druck sein Schreibtalent erst langsam entwickelt und verständlicher wird.
– Am meisten lernt man jedoch bei Kurt W. Zimmermann, der spitz und präzise im Mediensumpf wühlt, wie bei Peter Rothenbühler, der aus der Westschweiz liebevolle Umarmungen unserer Politiker und Stars liefert, die mehr einer Garotte ähneln als einer venusianischen Lockung.
Die Inserate-Lage bleibt dünn, weil die linken Werber den rechten Verleger scheuen. Ohne das wirtschaftliche SVP-Umfeld, wo auch Matter-Freund Gaydul seine Denner-Weine anbietet, wo EMS das Kreuzworträtsel sponsert, wo die Auto-Importeure rund um „Walti“ Frey ihre Treue beweisen, sähe es schwach aus um unser kreativstes Weltblatt. Roger Köppel setzt als Verleger auf das Schweizer Kapital, das ihm aber nur zögerlich seine Unterstützung leiht. Es ist an nationaler Kraftmeierei kaum interessiert.

Die Scharia gilt schon in der Schweiz

Freitag, den 27. Juni 2008 um 17:02

Nicht nur unterstehen viele unserer in den USA tätigen Firmen auch in der Schweiz US-Recht. Wer mit den Amerikanern handeln will, muss sich deren Rechtsprinzipien unterwerfen, wie derzeit leidvoll die UBS erlebt. Das EU-Recht übernehmen wir, ganz automatisch, schon seit Jahren und nennen dies dann Schweizer Gesetzgebung. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass in der Schweiz sich auch das islamische Recht bereits durchgesetzt hat und praktiziert wird. Der Berner „Schweizerhof“, das „Savoy Royal“ in Lausanne und die Bürgenstock-Hotels (einige werden jetzt umgebaut) gehören Finanzinvestoren aus Katar, die ihre Hotels der Scharia unterstellen müssen. Als Schweizer darf man in diesen Hotels auch gegen die Scharia Alkohol trinken, weil die neuen Herren zugesagt haben, der Gewinn aus dem Alkoholverkauf gehe an einen Fonds zur Alkoholprävention. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir von den Kataris lernen und diese Praxis ebenfalls übernehmen werden, langsam natürlich.

BerlinerInnen produzieren wieder Kinder

Freitag, den 27. Juni 2008 um 13:55

In den ausgedehnten Sterbezonen Europas fällt auf, wie gerade in den Wohlstandsgebieten die Geburten weiter rückläufig sind. Die Berliner treten den Gegenbeweis an: In den Problembezirken Ost-Berlins, Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Mitte werden wieder Kinder um die Wette geboren, obwohl die Menschen dort ärmer sind und ungesicherter leben als im reichen Westberlin. Diese Geburtenwelle ist derart stark, dass Berlin erstmals wieder seit 60 Jahren mehr Geburten als Todesfälle aufweist. Kinder bekommt nur, wer Lust am Leben hat und zuversichtlich in die Zukunft blickt. Auch den meisten Schweizern ist diese Lust abhanden gekommen; meist haben nur wohlhabende Familien vier und mehr Kinder. Dazu passt, dass gerade im fast ruinierten Italien jetzt wieder gute Filme gemacht werden, die an die grossen Cinecitta-Jahre anschliessen. Offensichtlich macht nur Armut aggressiv und fleissig.

Warum „Newsweek“ so lange braucht

Freitag, den 27. Juni 2008 um 12:38

Jetzt, kurz vor den Wahlen in den USA, habe ich beschlossen, die US-Zeitschrift „newsweek“ zu abonnieren und nicht mehr, eher zufällig, nur am Kiosk zu kaufen. Zu meiner Überraschung wird dies, im Zeitalter der e-mails, drei Wochen benötigen, bis „newsweek“ nach Zollikon geliefert werden kann. Schon jetzt berichten „IHT“ und „WSJE“ täglich spannend über die Vorgänge jenseits des Atlantik. Das Lager von McCain malt Terroranschläge an die Wand, die Regierung in Tel Aviv und Teile der US-Administration würden lieber heute als morgen den Iran überfallen, obwohl sogar der CIA gesagt hat, dort habe man die Arbeiten an einer Atombombe längst eingestellt, ganz im Gegensatz zu Israel, das über hunderte von schussbereiten Atombomben verfügt. Ich rechne mit einem stürmischen 2. Halbjahr: Die Unternehmen kämpfen um Marktanteile und ihr eigenes Überleben, nicht nur die UBS, die Olympiade in Peking wird uns in Atem halten, der Wahlkampf in den USA verspricht grosse Ereignisse. Kaum Zeit, in die Ferien zu gehen.

 
     
     
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