 |
 |
 |
|
|
Weblog
Monatsarchiv für Mai 2008
Freitag, den 16. Mai 2008 um 8:35
Es ist schon erstaunlich wie sich die dumpfe Polemik der Ausländerfeinde weltweit ähnelt. In den Townships von Johannesburg hat ein gewalttätiger Mob die Jagd auf “Ausländer” aus den Nachbarländern Zimbabwe, Mocambique und Angola eröffnet. Sie schreien: “Ausländer raus!”, “Sie nehmen uns unsere Jobs weg!”, “Ausländer erhöhen die Kriminalität!” Blickt man auf die SVP-Kampagne gegen so genannte Masseneinbürgerungen liest man: “Immer mehr Kriminelle und Sozialbetrüger sind eingebürgerte Ausländer”. Die Rhetorik von Christoph Blocher und seinen Mannen stellt gezielt eine Verbindung zwischen Einbürgerungen und einer erhöhten Kriminalitätsrate her. Die SVP-Kampagnen werfen alle Ausländer in einen Topf von Kriminellen. Das Plakat mit “dunklen” Ausländerhänden, die nach Schweizer Pässen greifen ist schlichtweg geschmacklos.
Gesellschaft, Politik | 5 Kommentare »
Donnerstag, den 15. Mai 2008 um 10:34
Was Ruth Dreifuss sagte, die AHV sei gesichert, stimmt eigentlich. Das jüngste Wirtschaftswachstum, die Öffnung des Schweizer Markts für qualifizierte Ausländer, haben der AHV neuen Schwung gegeben. Die eigentliche Krise wird derzeit erwartet für die Jahre 2025-45; anschliessend sterben die Babyboomer, das entlastet. Jedoch, Sicherheit für alle ist nicht gegeben. In der Schweiz sterben die Armen weiterhin früher als die reicheren Mitbürger. Sollen auch die Ärmeren etwas mehr vom Leben haben, muss die MwSt um 1-2 Prozentpunkte erhöht werden, ist auch eine nationale Erbschaftssteuer nicht mehr ausgeschlossen. Auch sozial gesinnte Kreise setzen sich dafür ein, halten sie Erbschaften doch für unsozial, weil sie nicht auf Leistung beruhen. Dem möchte ich widersprechen: Leistet eine Generation mehr als die andere, darf sie die erworbene Sicherheit ungeschmälert an die folgende Generation weitergeben. “The survival of the fittest” gilt auch heute noch, sei es aufgrund früherer oder späterer Leistungen. Man sollte vorsichtig sein, gerade die jüngeren Leistungsträger zu stigmatisieren.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 14. Mai 2008 um 9:42
Alle Umfragen bestätigen es: Wer in Westeuropa heiratet, vor allem in den gebildeten Kreisen, wählt sich einen Ehepartner aus dem ihm ähnlichen Umfeld, dies nach dem Motto: reich heiratet reich, Akademiker heiratet Akademiker. Nur jedes zehnte Pärchen geht grössere Risiken ein und heiratet, sei es aus Liebe oder aus Verzweiflung. Die Internet-Heiratsbörsen, die von einer zunehmenden Zahl kontaktarmer Singles leben, suchen zu beweisen, dass sie dauerhaften Ehe-Erfolg vermitteln. Da es sich bei diesen Börsen um eine sehr junge Einrichtung handelt, muss sich dies noch zeigen.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 14. Mai 2008 um 7:50
Es ist ein Spielzeug für Konzerne, so notwendig wie ein Ferrari im Zürcher Niederdorf, die Brand-Bewertung. Einige sind wir darin, dass bei einer laufend dümmeren Weltbevölkerung, die nicht an Gott, Allah und den Teufel glaubt (und auch sonst keine Werte hat), die Marke zum neuen Tempel des Ichs wird. Wie die Marken jedoch bewertet werden, halte ich für weitgehend unseriös. Millward Brown hat nun eine neue derartige Liste aufgelegt, was ich insofern für einen grossen Erfolg halte, als sich diese Beratungsfirma für Brandz (kein Tippfehler) damit positioniert. Jedoch,
- L’Oréal ist höher bewertet als die Kaffeemarken von Nestlé; die Nestlé-Kaffeebrands sind als eher schwach notiert.
- Der Brand “Deutsche Bank” wird deutlich höher bewertet als die “UBS”, was ich für übertrieben halte.
- Bei den Autoherstellern taucht Fiat nicht mehr unter den ersten zehn auf, was Sergio Marchionne nicht begeistern dürfte.
- Unter den zehn höchstbewerteten Finanzinstituten ist keine Schweizer Grossbank mehr, dafür aber andere Grossverlierer in den USA oder GB.
- Bei den Luxusgütern fehlt die Swatch Group.
Merke: Unsere Schweizer Marken sind entweder unterbewertet oder schwächer als wir glauben.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Dienstag, den 13. Mai 2008 um 12:28
Wie Gerhard Blocher, Pfarrer, zum Sturz seines Bruders Dr. Christoph Blocher aus dem Bundesrat massgeblich beigetragen hat, indem er die Seele seiner Familie offen legte, ist der Pastor Jeremiah Wright die Nemesis von Barack Obama. Gerhard wie Jeremiah haben immensen Einfluss auf ihre Zöglinge, die sich stolz mit ihren Über-Ichs in der Medienöffentlichkeit zeigen. Christoph Blocher entschied sich: keine Distanzierung vom Bruder. Barack Obama, wo es um mehr geht, liess seinen Mentor fallen. Wir werden bald wissen, ob dieses Pfarrer-Opfer sich gelohnt hat.
Politik | Keine Kommentare »
Dienstag, den 13. Mai 2008 um 10:41
Tagi – Redaktor, Peter Hartmeier gibt sich alle Mühe, aus seiner einst linksorientierten Tageszeitung eine wirklich seriöse Schweizer Tageszeitung zumachen. Nicht immer gelingt dies. Wenn der Züricher CVP-Präsident, Markus Arnold im Zusammenhang mit der SVP von einem “Caudillo” spricht, macht die Lokalredaktion daraus einen “Gaudillo”. Es zeigt sich, dass die gute Beherrschung des Züridütsch beim TAGI noch keine Voraussetzung dafür ist, auch die spanische Sprache zu beherrschen.
Kommunikation | 1 Kommentar »
Dienstag, den 13. Mai 2008 um 8:32
Unter den Ländern mit den grössten Staatsfonds gibt es nur zwei halbwegs astreine Demokratien: Norwegen und Australien. Länder mit Staatsfonds, die man als “gelenkte Demokratien” bezeichnen könnte, sind China einschl. Hongkong und Russland. Diktaturen oder “family business-Staaten” mit Staatsfonds sind Singapur, Abu Dhabi, Saudi Arabien und Kuwait. In der Schweiz haben wir keine nennenswerten Staatsfonds, aber einige staatsnahe Firmen, wie SBB und Swisscom. Diese haben sich in den letzten Jahren mehrfach im Ausland finanziell engagiert, bisher aber ohne nennenswerten Erfolg.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 13. Mai 2008 um 7:15
An den Schweizer Hochschulen wird Schweizer Geschichte kaum noch gelehrt, höchstens noch als Fachgeschichte oder als Teil der Weltgeschichte. Diese Entwicklung ist typisch für alle Staaten Westeuropas und insofern kein Sonderfall. Die jungen Menschen erfahren nichts mehr oder auf jeden Fall zu wenig und notgezwungen einseitig, woher sie kommen und welchen Philosophien sie ausgeliefert sind. Sie nehmen dann als Wirklichkeit wahr, was nur eine konstruierte Wirklichkeit ist. Mit dem Verlust der Geschichte, dem heute schon grosse Teile der Bevölkerung ausgesetzt sind, haben die Menschen auch immer weniger Chance, eine gewachsene Identität zu entwickeln. Sie werden zu Kurzzeit-orientierten Lebewesen, die sich ihres Daseins erfreuen, meist konsumorientiert, und nicht einmal verstehen, was mit ihnen geschieht. Wer sich zum Opfer einer solchen Entwicklung macht, weil er verlernt hat, Fragen zu stellen, ist das traurige Produkt einer europäischen Endzeit-Entwicklung, die ohne Wurzeln auch keine Zukunft hat. George H. Wells hat dies vor gut hundert Jahren vorausgesehen. Weil er kaum noch gelesen wird, bleibt die Gefahr unerkannt.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 9. Mai 2008 um 7:35
Jetzt, wo wir gleichzeitig in Bern die Niederlage Karls des Kühnen feiern und im Aargau den Aufstieg der Habsburger aus dem winzigen Brugg in die Weltmetropole Wien, wo die schweizerische SVP die österreichische Haider-Partei, die Freiheitlichen, trainiert, darf die Frage erneut gestellt werden: Ist Nationalstolz noch zeitgemäss? Dabei ist zu berücksichtigen:
- Die Mehrzahl unserer Gesetze ist über den EU-Leisten geschlagen.
- Beim Import wie beim Export sind wir fast vollständig von den EU-Staaten abhängig.
- Ohne die jungen EU-Bürger hätte die Schweiz den jüngsten Wirtschaftsaufschwung nicht erzielt.
- Die Schweizer Universitäten definieren sich, was Lehrkörper und Programme betrifft, mehr global als national.
- Genf, Basel und Lugano sind heute Schweizer Städte, die sich im wirtschaftlichen wie im gesellschaftlichen Leben mehr französisch, deutsch und italienisch definieren lassen als schweizerisch.
- Nestlé, SGS, UBS und CS, die Mehrzahl der grossen Schweizer Weltkonzerne, haben zwar einen Sitz in der Schweiz, oft auch VR-Präsidenten oder CEO’s als nationale Aushängeschilder, betrachten aber die Schweiz meist nur noch als vielfältig vorteilhaften Standort, der global Legitimation verleiht.
- Hunderte ausländischer Konzerne haben einen grösseren oder kleineren Sitz in der Schweiz (Cargill, Swarowski, Kühne + Nagel International, Google, Glencore, Philip Morris) und machen die Schweiz reicher. Sie vertreten aber nicht die Prinzipien der Urschweiz, sondern die der Schweiz von morgen.
Schweizerisch sind Teile des (meist einfacheren) Volkes geblieben, dem man nun die eigene Armee nimmt, indem man die alte zu einer Einsatztruppe der NATO macht, dem man viele der schönsten Grundstücke nimmt, weil sie im Wettbewerb des globalen Marktes nicht mithalten können, denen man berufliche Aufstiegschancen nimmt, weil die “eigenen” Unternehmer lieber welterfahrene Ausländer anstellen.
Schweizerisch ist vor allem die Schweizer Vergangenheit, wo man aus der Autonomie der Bauern (keine Leibeigene) die Autonomie des Gewerbes machte und, als einstiges “offshore country” Europas, einer sich entfaltenden Weltwirtschaft grosse Freiheiten gewährte.
Schweizerisch sind auch die Heldentaten aus sieben Jahrhunderten, der frühe Aufbau eigener Freiheiten, sei es gegen die Habsburger oder die eigenen Herren, die Heldentaten gegen Karl den Kühnen und der Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Schweizerisch ist auch die Assimilierungskraft, die Übernahme napoléonischer Codici, die aus Frankreich und Deutschland stammenden liberalen Philosophien und Rechte, die Übernahme internationalen Wissens durch kluge Import-Schweizer.
Mit dem Erstarken der Europäischen Union hat die offizielle Schweiz nie gerechnet, vielmehr mit deren frühem Zusammenbruch aufgrund innerer Auseinandersetzungen. Dies bringt unser Land in einen Konflikt, ist es doch zu 90 % bereits in die EU geistig wie materiell eingebunden und muss dennoch seine Eigenständigkeit behaupten.
Merke: Nationalismus ist eine Währung von abnehmendem Wert. Wer in die Zukunft blickt, lebt in der Globalisierung. Wer diesen Blick verweigert, wird ein Opfer seiner Vergangenheit.
Gesellschaft | 5 Kommentare »
Donnerstag, den 8. Mai 2008 um 12:55
Immer mehr US-Familien entdecken eine Praxis, die in der Schweiz schon in der Zeit des 2. Weltkriegs ausgeübt wurde: Sie pflanzen Gemüse und Kartoffeln wieder vor dem eigenen Haus. Offiziell geben sie als Grund an, sie wurden den reinen Rasen als langweilig empfinden, inoffiziell entlasten sie ihr Familienbudget damit von Ausgaben bei WalMart. Die Amerikaner sind in den letzten zwanzig Jahren immer ärmer geworden; dies zeigt sich auch daran, dass die luxuriösen “lawns” jetzt am Verschwinden sind. Es geht nicht mehr alleine um gutes Leben, sondern für viele ums Überleben. Schon die deutsche Industriellenfamilie Krupp wusste dies vor knapp 200 Jahren. Sie baute ihren Arbeitern billige Häuschen, dahinter stets einen kleinen Garten. Sie senkten damit die Lebenshaltungskosten ihrer Arbeiter und schufen sich selbst den Ruf, sozial fortschrittlich zu sein. Dieser neue Trend aus den USA wird mit Sicherheit bald auch auf Europa übergreifen. Haben Sie schon einmal kalkuliert, wie viele Kalorien ihr Garten im Ernstfall hergibt?
Gesellschaft | Keine Kommentare »
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|