Sind die Schweizer neidisch?
Freitag, den 30. Mai 2008 um 17:21Sepp Blatter, einer der grössten lebenden Schweizer von globaler Bekanntheit mit einem Reich, das mehr Staaten umfasst als das des Papstes oder Napoleons, dessen globaler Einfluss, mindestens auf den Fussball bezogen und dessen Fans, grösser ist als der von George W. Bush, kommt aus dem Oberwalliser Dorf Ulrichen, das nur wenigen Schweizern ein Begriff ist. Sepp Blatter, der das schönste Zürcher Verwaltungsgebäude sein eigen nennen darf, meint, seine Landsleute seien neidisch, sie würden ihm den Erfolg nicht gönnen. Ich kann dies nicht glauben, denn täglich erfahre ich, wie die Menschen in verehren. Es ist eine natürliche Scheu, die sie davon abhält, sich ihm gegenüber zu äussern. Ich habe in vielen Jahren überhaupt sehr wenige neidische Schweizer erlebt. Was von Reichen und Erfolgreichen als Neid erlebt wird, ist meist nur der reflexartige Wunsch, noch mehr Anerkennung zu erhalten, sei es als erfolgreicher Patentanwalt, Forscher oder Bankmanager. Lieber Sepp, es mag einige Neider geben, sicher im Kreis jener Fussball-”Freunde”, die Deinen Aufstieg verhindern wollten. Die Zahl Deiner Bewunderer, welche Dich, dem berühmten Korsen nicht unähnlich, ganz oben auf dem Olymp sehen, ist unendlich grösser. Jene wenigen Neider, die einem das Leben wirklich schwer machen, erbringen die höchste Form an Anerkennung. Man sollte ihnen diese Freude lassen.

