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Monatsarchiv für April 2008

Doris Leuthard hat den Tiger im Tank

Freitag, den 25. April 2008 um 13:00

Sie ist eine erstaunliche Frau, die Chefin im Eidg. Volkswirtschafts-Departement, Bundesrätin Doris Leuthard. Wer ihre Leistungen in der bald zweijährigen Amtszeit beurteilen will, wird auf nichts Auffälliges stossen, dies ganz im Unterschied zur Kollegin Micheline Calmy-Rey, die seit Beginn ihrer Amtszeit waghalsige Ausflüge liebt, wie jüngst in den Iran, wo sie Wirtschaftsförderung zugunsten der EGL/Axpo betrieb. Ihr Kopftuch-Zugeständnis war sicher nicht das Zeugnis einer emanzipierten Schweizerin, aber wahrscheinlich reizte sie mehr das Risiko, das Spiel, die Dekoration. Ganz anders Doris Leuthard, die schon vom Amte her Fachhochschulen auch dann verteidigt, wenn deren Leistungsnachweis wirklich fragwürdig ist. Sie sind jedoch ein derart an Prestige reiches Projekt für unser Land, dass niemand sagen möchte, der König läuft ohne Hosen herum. Die schöne Aargauerin liebt den frontalen Angriff, den offenen Blick ins Auge. Sie kennt ebenso die Kraft ihrer Aggression wie die Fähigkeit, den Gesprächspartner im Auge behaltend, sich wie eine Tigerin an den Gegner anzuschleichen. Dann nagelt sie ihn rhetorisch fest; den Augenkontakt haltend, schiesst ihr rechter Zeigefinger hervor. Und sie sagt: “Das sehe ich nicht so.” Man könnte ihr oft widersprechen, aber wer hat die Nerven dazu?

Südanflüge bringen lärmigen Juni

Freitag, den 25. April 2008 um 9:07

Im Raum Zürich ist alles klar: Mehr als je zuvor werden die Anlieger des Flughafens Kloten, vor allem jene im Südanflugbereich, über den Luftverkehr über ihren Köpfen zu klagen haben. Die Opposition ist erledigt, einer der Chefoppositionellen, Thomas Kern, ist vom Flughafen Kloten gleich als CEO gekauft worden. Während der EURO 08, die den Steuerzahler offiziell Fr. 80 Mio. kostet, die der Bund dafür aufwendet (kantonale und städtische Spesen nicht gerechnet), werden die gleichen Steuerzahler kaum zum Schlafen kommen, weil die mehr oder weniger betrunkenen Fussball-Rowdies gleichzeitig mit den Spieler-Millionären unser Land zu nächtlicher Stunde wieder verlassen werden, ohne der Hotellerie einen Obolus zu hinterlassen, Steuern natürlich auch nicht. Rund um Basel spielt sich das gleiche ab. Die Südanflüge werden dort ab Mai über 20 % aller Anflüge ausmachen. Vivienne Gaskell, die Sprecherin des EuroAirports, wiegelt ab: Die Baselbieter Gemeinden seien mit dem System ILS-34 vertraut und hätten diesem zugestimmt. Das klingt ganz nach Zürich, wo alle Südanfluggemeinden sich wehren, aber niemand etwas tun will. Bonne nuit.

Middelhoff, Zumwinkel, Arcandor

Freitag, den 25. April 2008 um 8:35

Es muss eine Seelenfreundschaft sein, die Menschen auch in den höchsten Rängen zusammenführt. Wir haben den aufschlussreichen Fall von Thomas Middelhoff, einst ein jugendlicher Strahlemann im Bertelmann-Konzern, der diesen aber viel Geld kostete. Er versprach Madeleine Schickedanz, der Grossaktionärin eines Kaufhaus-Mischkonzerns, der im Markt serbelte, er werde sie wieder reich machen, wenn er daraus “Arcandor” machen dürfte. Als ich diesen Namen erstmals hörte, dachte ich sofort an ein arabisches Märchen, wo das Zauberwort zur Rückverwandlung eines neugierigen Wesirs “Mutabor” hiess. Während dort die Wandlung klappte, möchte ich in diesem modernen Fall eher bezweifeln, dass es gelingt. Denn unterdessen sind die Arcandor-Aktien tief, sehr tief, gestürzt. Jedoch entdecke ich dort einen Aufsichtsrat mit hohen Ambitionen, Klaus Zumwinkel, der sich nach seinem Liechtenstein-Abenteuer an der GV “seiner” Deutschen Post nicht mehr sehen lassen wollte. Middlehoff will vorläufig auf Zumwinkel nicht verzichten, wäre dies doch in einer schwierigen Situation das Zugeständnis einer weiteren Personalniederlage. Eine Seelenverwandschaft beider Herren darf nicht ausgeschlossen werden.

Ökostrom: mehr Gerede als Realität

Donnerstag, den 24. April 2008 um 13:27

Immerhin, die Swisscom verbraucht jährlich 400 Mio KW-Stunden Strom, davon 13,2 Mio. Ökostrom. Im Raum Bern haben die grösseren Konzerne gestanden, zu 90 % Atomstrom und sonst Walliser Wasserkraft, sonst aber nur wenig Ökostrom einzusetzen: Inselspital, Stade de Suisse, Migros und Coop. Daraus ergibt sich: mehr Gerde als Realität. Wir warten jetzt auf die billigeren Sonnenkollektoren, die in Entwicklung sind. Wer jetzt schon sein ökologisches Bewusstsein beruhen und den Klimaschutz fördern möchte, darf als “Kleiner” seine Haushaltkasse gerne plündern; die “Grossen” warten noch ab. Kein Wunder, das Basler Geothermie-Projekt steht auch still.

US-Regierung setzt Desinformations-Kampagnen fort

Donnerstag, den 24. April 2008 um 12:41

Jeder Leser dieses Blogs weiss, dass wir der US-Regierung, mindestens soweit es um militärische Angelegenheiten geht, kein Wort glauben. Bestätigt wird die Weltbevölkerung, oder mindestens deren intelligentere Minderheit, darin durch das jüngste Beispiel gekaufter Wissenschaftler und anderer Fachleute, die den US-Medien schöngefärbte Interviews und Angaben über die US-Kriegsführung im Irak und Afghanistan geliefert haben. Diese “schnelle Eingreiftruppe” auch ehemaliger hoher US-Offiziere wurde von Donald Rumsfeld besonders gepflegt. Es handelte sich um ein offizielles Regierungsprogramm zur Desinformation der eigenen Bevölkerung. In die gleiche Richtung geht der “embedded journalism”, der von der US-Regierung stets als grosser Fortschritt gepriesen wurde. In Wirklichkeit sind diese Reporter Teil eines eng kontrollierten Informationsprogramms mit wenig Aussicht auf eine eigene und echte Meinung; insofern sind die meisten US-Medien Schrott. Jürgen Todenhöfer, Vorstandsmitglied des Burda Verlags, hat dies deutlich gemacht. In seinem Buch “Warum tötest Du, Zaid?” schildert er, wie nicht nur die USA, sondern der ganze christliche Westen im Mittleren Osten versagen.

Was Papst Benedikt XVI. erlaubt und Bischof Vitus Huonder nicht

Donnerstag, den 24. April 2008 um 11:08

Die Zürcher Katholiken befinden sich schon wieder im vollen Aufstand gegen den Churer Bischof Vitus Huonder; die Abneigung ist gegenseitig. Huonder ist gegen die lebendige Vielfalt der Zürcher Katholiken, die jener Urbanität entsprechen, die unserem Land soviel Reiz verleiht. Sein höchster Dienstherr, Papst Benedikt XVI. hat diese geistige Vielfalt den lateinamerikanischen Katholiken in den USA nicht verwehrt, die manchen Heiligen anbeten, der in Rom unbekannt ist. Die katholischen Sakralstätten im Südwesten der USA haben wenig mit unseren Kirchen und dem “Grauen Haus” in Chur gemein. Wenn die Welt einen “Pope of Hope” sehen möchte, wären die Zürcher Katholiken schon glücklich, wenn sie einen “Bishop of Hope” unter den Ihren wüssten; derart könnte man die Situation entspannen. Erinnern wir uns an Abt Martin in Einsiedeln, der auch im Bischofsrang steht: Er wird seit seinem Amtsantritt als Mann der Hoffnung gesehen; ohne ein derartiges Licht ist lebendiger Katholizismus für die Schweizer “Chillebank-Christe” eine traurige Angelegenheit.

Literaturtage mit Linksdrall

Mittwoch, den 23. April 2008 um 10:35

Unter gut 70 Literaten, die zu den kommenden Solothurner Literaturtagen angemeldet sind, finde ich zwar Moritz Leuenberger, aber nicht echte Schriftsteller wie Gerold Späth aus Rapperswil, finde ich Huang Beija aus Nanking, aber nicht E.Y. Meyer, finde ich Eugène aus Lausanne, aber nicht Maurice Chappaz aus dem Wallis, finde ich Nathan Englander aus NYC, aber nicht Pierre Imhasly, der mehr Aufregendes geschrieben hat als der ganze Rest der links-selektionierten halbstaatlichen Autoren. Wenn schon Katharina Faber aus Zürich, dass auch Oskar Freysinger oder Constantin Seibt oder Abt Martin Werlen aus Einsiedeln. Bieten will Solothurn in diesem Jahr “ein Feuerwerk an Erstlingen”, “präzise, einfühlsame und kluge Texte” (eine Vorgabe, die in eine Sekundarschule passt, aber sicher nicht für die Literatur gelten darf). Was Carl Djerassi, der “Vater der Pille”, uns vorlesen will, hat mindestens Prominentenwert, aber sonst? Migros und Raiffeisen sponsern diesen Anlass mehr oder weniger freiwillig, Pro Helvetia und SRG SSR sind Pflicht, ebenso Stadt wie Kanton Solothurn, die sich natürlich freuen, dass man ihnen noch einen nationalen Anlass belassen hat. Es fehlt eigentlich nur eines: Mut. Moritz Leuenbergers Einladung entspricht einem vergleichbaren Anlass, wo der durchaus gebildete Scheich von Abu Dhabi vor seinen Landsleuten seine Gedichte vorlesen lässt. Es fehlte nur noch, dass Moritz Leuenberger ihn auch darin nachahmt, einige seiner Zeilen als Landschaftskunst bauen zu lassen, was in Abu Dhabi längst der Fall ist. Oh, Solothurn, diese Verbiegungen und Verbeugungen, meine ich, das ist die wirkliche Geschichte unserer literarischen Kleinkunstbühne (2.-4. Mai 08, Schulklassen und Rentner erwünscht).

Gute Nachricht: Wer keine Schweizer Grossbank-Aktien hatte, bleibt reich

Mittwoch, den 23. April 2008 um 9:25

Acht Millionen reiche Menschen mit einem eigenen Wohnsitz plus mehr als einer Million USD Vermögen zählte die Welt Ende 2007, davon 3,1 Mio. Menschen in den USA, darunter 460 USD-Milliardäre. In der Schweiz haben wir pro Kopf der Bevölkerung sicher mehr Millionäre, aber auch mehr Milliardäre als die USA. Dies gilt aber nur für solche, die möglichst wenig Grossbank-Aktien hatten. Der Schuldige hat einen Namen: Marcel Ospel. Schon im Februar verlangte die Bankenkommission seinen Rücktritt; Sergio Marchionne ist heute noch stolz darauf, dass der UBS-VR nie Druck auf seinen starken Präsidenten ausgeübt hat, der den VR nach Belieben mit einem eigenen “presidial office” dominierte. Walter Kielholz, der gleich zwei Klötze an den Beinen hat, die Swiss Re und die Credit Suisse-Group, gerät allmählich auch in Schräglage. Sein Freund Thomas Held, Direktor von Avenir Suisse (eine Gründung von Walter Kielholz), ruft als Lohnschreiber des Kapitals dazu auf, man möge “keine Schadenfreude” zeigen. Die “Casino Kapitalisten”, so Held, seien notwendig als gute Steuerzahler (was nicht mehr zutrifft) zum besseren Funktionieren des Landes. Wenn es Walter Kielholz schon nötig hat, sich auf diesem Niveau loben zu lassen, hat er nicht mehr viel Wasser unter dem Kiel.

Tessin, Dubai, Schweiz

Mittwoch, den 23. April 2008 um 7:28

Der Tessin, seit hundert Jahren beliebt bei deutschen Bankiers, Industriellen und Spekulanten, hat immer auch Künstler angezogen. Wo einst Hermann Hesse zwischen Kastanienbäumen schrieb, hat sich nun auch Michael Schindhelm niedergelassen. Er setzt damit ein Zeichen, denn für die ruhelosen Wanderer dieser Welt kann das Tessin ein neues Ithaka werden. Schindhelm, derzeit in Dubai lebend, bedauert zurecht jene Menschen, die sich dort, weil es Mode ist, auf Sanddünen ansiedeln. Dubai, heute mit etwas mehr Menschen als der Kanton Zürich, aber rascher wachsend, wird in zwanzig Jahren kein Öl mehr haben und muss jetzt umrüsten. Wer sich verewigen will, kann in der dortigen Metro eine Station auf seinen Namen taufen lassen: Novartis Station, UBS Square, Nestlé Crescent. Dies ist nicht ohne Risiken, denn die “Virgin trains” von Richard Branson kamen nie pünktlich an, wenn überhaupt, und das Enron Stadion in Houston überlebte die gleichnamige Firma nur knapp. Der Tessin kann wieder Mode werden, wenn er sich auf die globalen Bürger ausrichtet. Was dem Wallis mit dem NEAT-Tunnel gelang, dem Kanton ein neues Bild zu geben, kann in zehn Jahren auch dem Tessin widerfahren, das mit dem dann fertigen Gotthard-Tunnel wieder den Anschluss an den Norden finden wird.

George Clooney, guter Einkauf

Dienstag, den 22. April 2008 um 12:13

Er ist ein Mittelding zwischen James Stewart und Jack Nicholson, nicht so elegant wie Cary Grant, aber charmant und fleissig: George Clooney. In der Schweiz ist er fast bekannter als in den USA, denn mit ihm haben die Swatch Group und Nestlé einen guten Einkauf gemacht, ganz im Gegenteil zu den beiden Grossbanken UBS und CS, die sich an den amerikanischen “Gammelwürsten” vergriffen (Quelle: Dr. Konrad Hummler, Privatbankier, St. Gallen). Glooney, mit seinem nonchalanten Charme, wirbt für die Swatch Group und für Nespresso. Er tut dies auch für den Dalai Lama, was ich eher riskant finde, denn China wird auch diese charismatische Erscheinung aus dem tibetanischen Hochland überleben.

 
     
     
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