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Gibt es “gute Kapitalisten”?

28. April 2008 um 12:01

Sogar der multimedial starke Martin Spieler, Chefredaktor der “Handelszeitung” und Leiter aller Axel Springer-Wirtschaftsredaktionen in der Schweiz, verlangt, man möge die Grossbanken stärker in die Pflicht nehmen. Erstens zweifle ich daran, dass dies möglich sein wird und zweitens finde ich die Diskussion müssig, ob nun die Topmanager der Grossbanken schlechtere Kapitalisten seien als andere Unternehmer. Nicolas G. Hayek gilt als Musterbeispiel eines “guten Kapitalisten”. Ich will dies, weil er Grosses geleistet hat, auch nicht infrage stellen. Man sollte aber nicht vergessen, dass er Uhren verkauft, deren realer Wert weitaus niedriger ist als der Marketingwert im Fachgeschäft. Ist man schon einer “guter Kapitalist”, wenn man die Schwächen einer eitlen und reichen Gesellschaft zu seinem Vorteil wendet?

5 Kommentare zu “Gibt es “gute Kapitalisten”?”

  1. Thommen

    Das sind so typische Fragen! zB.: Ist man ein schlechter Kapitalist, wenn man die Not der Schwachen und Armen auch noch ausnützt?? Hier in gut und schlecht zu denken ist genauso müssig wie in der Religion!
    Arme wie Kapitalisten sind ein Teil der Gesellschaft und sollen auf ihre Grundbedürfnisse kommen. Denn auch Arme können Konsumenten sein und das Einkommen von Kapitalisten mehren! Hier geht es ums System! Wenn wenige es an die Wand fahren, müssen am Schluss “die Anderen” dafür bezahlen. Sei es katholische Morallehre, das kommunistische Zentralkomitee, oder der Kapitalismus.:-P

  2. Gunther Kropp

    Anscheinend hat man es vergessen, dass die Chefs der Grosskonzerne Angestellte mit einem Lohn sind. Und der Aktionär der eigentliiche Eigentümer der Gesellschaft ist. Die Aktionäre haben es verschlafen, die Angestellten besser zu kontrollieren. Und so entschwanden die viel gelobten Manager in das Boni-Universum. Vielleicht sollten die Aktionäre den Führungskräften beibringen was ein guter Kapitalist alles bewirken kann. Dann könnte auch wieder das System funktionieren.
    Gunther Kropp, Basel

  3. Fred David

    Naja, dass Hayek genügend Kunden findet, die für eine überkandidelte Prestigeuhr mit 30 sog. Komplikationen (die kein Mensch je braucht) ein Mehrfaches von deren effektiven Wert zahlen, wirft weniger auf den Verkäufer ein Licht als auf den Käufer.

    Aber es gibt schon “gute” Kapitalisten und “schlechte” Kapitalisten. Die guten sind nicht besonders gute Menschen, sondern sie haben einfach kapiert, was der Satz “Eigentum verpflichtet” wirklich bedeutet. Der Satz steht übrigens nicht in der Bibel, sondern relativ verloren in der Bundesverfassung. Vielleicht erinnert sich bei Gelegenheit noch jemand dran?

    Der “gute” Kapitalist lebt verhalten luxuriös , hat Macht und setzt diese auch ein. Er ist aber auch bereit, diese Macht zu teilen und kontrollieren zu lassen – aus der simplen Ueberlegung, dass nur so über Generationen Kapital und Einfluss zusammengehalten werden können. Teile und herrsche. Sowas akzeptiert die Oeffentlichkeit, insbesondere dann, wenn das Kapital nicht nur ererbt, sondern eigenständig erworben oder vergrössert wurde.

    Der “gute” Kapitalist weiss, dass er seine Milliarden nicht so sehr seinem Genie zu verdanken hat, sondern dass neben viel Glück vor allem auch ein Haufen anderer Leute daran gerackert haben. Der”gute” Kapitalist gibt darum einen beträchtlichen Teil dieses Mehrwerts wieder an die Oeffentlichkeit zurück, meist in Form von Stiftungen. Der “schlechte” Kapitalist ist simpler gestrickt. Er versteht nur das Wort “Haben”.

    Der wesentliche Unterschied vom Lohnmanager zum Kapitalisten ist der, dass der Kapitalist Eigentümer ist. Wenn etwas schief läuft, haftet er. Es geht es um sein Kapital und sein Prestige. Das macht generell vorsichtiger und zwingt zu nachhaltigen Entscheidungen. Wie gesagt, nicht, weil der “gute” Kapitalist so ein herzensguter Mensch wäre. Es ist sein Selbserhaltungstrieb als Kapitalist, der gut ist für den Kapitalismus.

    Der Lohnmanager hingegen geht mit seinen Millionen wenn’s schief gelaufen ist , einfach zur Tür hinaus ,als hätte er mit allem nichts zu tun gehabt (meist sind die satten “Abgangsentschädigungen” reines Schweigegeld) . Die nächste Futterkrippe wartet schon irgendwo.

    Dass ein Herr Kurer von der UBS von solchen Zusammenhängen wenig begriffen hat, zeigte er am Wochenende in einer ganzen Kanonande von “Exklusiv”-Interviews. In den meisten fand sich der Satz, man sei ganz tüchtig stolz drauf, die Krise so “cool ” gemanagt zu haben. Es ist ein Irrtum zu glauben, der Kapitalismus brauche solche Leute um erfolgreich zu funktionieren. Im Gegenteil: Diese “coolen” Wolkenschieber haben innerhalb weniger Jahre hunderte von Milliarden an Werten vernichtet (was uns übrigens die UBS in einer aktuellen Studie selbst vorgerechnet hat). Und sie klopfen sich weiter auf die Schulter für ihre Coolness, als wäe nichts gewesen.

    Meint dieser Typus von Managern, die in ihrem Denken und Handeln im letzten Jahrhundert stehen geblieben sind, allen Ernstes, es gehe einfach so weiter wie gehabt?

  4. rené w.

    an Fred David: Frau V.O. – verstorbene Roche-Dynastie-Erbin und eine der reichsten Frauen Europas hat vor einigen Jahren im Freundeskreis gemeint: ….wir haben eine Nacht im Gritti-Palace verbracht ……man traut sich’s ja fast nicht zu sagen……….war aber nicht so schlimm, wir waren ja eingeladen !
    Als dieses ‘alte’ Geld sich um Mäzenentum, Stiftungen und Füsorge der Bevölkerung kümmerte, hatte der Begriff ‘Kapitalismus’ keineswegs den Beigeschmack von Gier und Habsucht. Und wir Kultur-Freaks haben uns Anfang 80er Jahre mit der Auslegung des Begriffs ‘Kapital’ durch Joseph Beuys beschäftigt…… avant l’arrivée des
    barbares !
    Wer heute hingegen noch an Figuren wie Kurer oder Dougan glaubt, ja, dem ist allerdings nicht mehr zu helfen. Von denen hat niemand, ja nicht mal mehr sie selbst, etwas errnsthaft Nachhaltiges oder Nützliches zu erwarten.
    Die Unerschwinglichkeit von Sehens-und Erlebenswertem in Europa -vom Engadin bis Süd-F – ist eine Folge des ‘anything goes’-Lebensstils der neuen ‘Kapitalisten’, die man doch eigentlich nur übersehen kann !

  5. rené w.

    Und zum Schluss noch dieses: .., ob einer ein ‘guter’ oder ein ‘schlechter’ Kapitalist ist, das kann doch eigentlich nur ……einen andern Kapitalisten interessieren ?!

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