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Tagesarchiv für 17. März 2008

SBB Cargo gleicht dem Fall Swissair

Montag, den 17. März 2008 um 15:17

Es wird vergessen, dass unsere auch von mir gerne benutzte SBB nur mit jährlichen Zuschüssen von Fr. 4 Mia. am Leben gehalten werden kann. Zusätzlich kommen nun die SBB Cargo-Verluste, die das Ergebnis einer überzogenen Expansion ins Ausland sind, von der sich sogar alt CEO Benedikt Weibel heute mindestens teilweise distanziert, wenn er über den Fall Italien spricht (“würde dies heute nicht mehr tun.”) Wenn Weibel sich verteidigt, klingt dies ganz nach Philippe Bruggisser, der auch das Beste wollte, aber weder das richtige Personal hatte noch die genügenden Finanzmittel erhielt, um den Swissair im Alleinflug zum Erfolg zu machen. Unsere Meister-Bundesräte Moritz Leuenberger und Kaspar Villiger verschenkten die Swissair für Fr. 300 Mio. (plus Übernahme der Schulden) an die Lufthansa. Solches Mismanagement, wie jetzt der Fall SBB Cargo zeigt, hat in unserem Land keine Konsequenzen. Die Unfähigkeit vieler Topmanager, im Ausland erfolgreich zu sein, beweist auch der Fall UBS, wo unter Führung von Marcel Ospel Gier und Grössenwahn zum bisher grössten Absturz eines Schweizer Konzerns führten. Merke: Kein Wunder, dass wir derart viele und zunehmend ausländische Manager haben. Wer kann, verkauft seine Anteile ohnehin. Der Rest bleibt spekulativ. Jahrzehntelang nicht für voll genommene Unternehmer, wie Nicolas G. Hayek, feiern derzeit Triumphe, was beweist, dass Bildung wichtiger ist als Einbildung.

Die Abtrennung der Investmentbanken hat begonnen

Montag, den 17. März 2008 um 14:45

Warum halte ich meine UBS-Aktien? Weil ich damit rechne, dass ein starker Mann im Verwaltungsrat wirklich einige kluge Massnahmen in die Wege leitet, z. Bsp. die Trennung von der Investmentbank. Der deutsche Allianz-Versicherungskonzern hat bereits damit begonnen, die von ihm kontrollierte Dresdner Bank in ihre Stücke zu zerlegen. Die Investmentbank muss zuerst gehen, ganz wie der St. Galler Bankier Dr. Konrad Hummler auch für die UBS vorgeschlagen hat. Der sich ausweitende Crash wird diesen Vorgang beschleunigen. Die Frankfurter Börse, wo Dr. Hummler im Aufsichtsrat sitzt, hat den Entscheid der Allianz positiv aufgenommen.

Wie reich sind Sie wirklich?

Montag, den 17. März 2008 um 14:00

Der Dollarsturz, den ich vor 20 Jahren schon mit dem famosen Gründer der “Finanz + Wirtschaft”, Alfred Isler, vor 25 Jahren besprach, ist nun eingetreten. Ein normaler Amerikaner wird sich den Aufenthalt im neuen Dolder Grand dreimal überlegen müssen. Alfred Isler kündigte die 1:1-Relation schon früh an, verschätzte sich aber um zwanzig Jahre, was nicht mehr als ein Wimpernschlag der Geschichte ist.
- Einigermassen reich ist man in den USA ohnehin nur, ab einem Vermögen von USD 25 Mio aufwärts. Diese “Bier und Bretzel”-Vermögen, über welche rund 125 000 Amerikaner verfügen, sollten auch die derzeitige Krise überstehen. Ein hübscher Bentley, wo wir ihn häufig an unseren Goldküsten sehen, liegt dann drin.
- Ab USD 50 Mio., die “Wein und Käse”-Vermögen, fliegt man Erster Klasse oder privat. Die Zahl der Ferienhäuser nimmt zu; man richtet eine Familienstiftung ein, manchmal schon in Liechtenstein, wenn Turcs and Caicos zu riskant sind. Nur noch 49 000 Amerikaner halten da mit.
- Ab USD 500 Mio., die “Kaviar und Champagner”-Klasse, kauft man sich einen kleineren Palast, eine Megajacht und produziert sich als “Retter der Welt”. Immerhin 1400 Amerikaner können sich das leisten. Wir werden ihnen demnächst im Dolder Grand begegnen können.

Und wir Schweizer? Wir lachen darüber, denn der Franken hält damit spielend mit; Jean-Pierre Roth und Philipp Hildebrand von der Nationalbank sei Dank. Ach ja, UBS-Aktionär dürfen Sie natürlich nicht sein; dann haben Sie kürzlich 60 % Ihres Vermögens verloren. Wie rufen wir uns zu? OOO = Ostern ohne Ospel.

Das Weibel-Prinzip

Montag, den 17. März 2008 um 11:31

Kaum jemand in der bundesnahen Verwaltung beherrschte das Egoprinzip derart perfekt wie Benedikt Weibel, der einst hoch gerühmte SBB-Chef, dessen Ansehen nun Stufe um Stufe abbricht. Er war stets listig und kassierte, machte auch geniale Züge, wie ein partieller Salärverzicht, um jetzt wieder umso ungenierter zuzulangen. 200 000 Franken für einen Halbtagesjob für die EURO 08 ist in jeder Beziehung zuviel; Hunderttausende von Schweizern beklagen seine Begründung: “Franz Steinegger hat für die missglückte Expo noch zehn Prozent mehr erhalten.” Das ist Abriss à la SP, denn bei bestimmten Freisinnigen ist man dies ja gewohnt und nicht mehr überrascht.

Unsere Privatbanken haben ein Imageproblem

Montag, den 17. März 2008 um 11:11

Nicht nur, dass unsere offiziellen Vertreter an der Bankgeheimnis-Sendung in der “Arena” eine überaus schwache Falle machten und Hans Eichel aus Deutschland hilflos ins Messer liefen, unsere Privatbankiers überhaupt machen keinen tollen Eindruck mehr. Pierre Mirabaud, der amtierende Präsident der Bankiervereinigung, ist kaum in der Lage, drei zusammenhängende Sätze hintereinander zu formulieren, das Team Schweiger (FDP)-Kaufmann (SVP) war unterste B-Klasse. Die Bank Bär hat nun einen eigenen Skandal produziert, dem sie offensichtlich hilflos gegenüber steht. Übrig geblieben ist als intellektueller Star der Privatbankiers nur der St. Galler Dr. Konrad Hummler (Bank Wegelin), dessen eiskalte Analysen bei seinen Kollegen Schüttelfrost auslösen. Und sonst? Die Genfer Privatbankiers schweigen ohne Ende, die Liechtensteiner schnappen nach Luft, Sarasin ist fest in Rabobank-Händen, Vontobel muss mit internen Problemen fertigwerden. Der Rest ist einigermassen bedeutungslos. Merke: Geld braucht Geist oder, wie Alfred Sarasin einst sagte: “Man muss sehr intelligent sein, um mit derart viel Geld umgehen zu können.” Beherrschen wir diese Kunst noch?

Hege Funds stürzen – jetzt kommt Oyak

Montag, den 17. März 2008 um 10:19

Der Pensionsfund der türkischen Armee, Oyak, der grösste des kommenden EU-Staates, will USD drei Mia. in westeuropäische Firmen investieren. Während die US-Stars stürzen, kommen nun die neuen Investoren immer stärker auf unsere Märkte, um die Reste unserer Firmen aufzukaufen. Es werden wundervolle Zeiten sein, die unseren Schweizer Managern bevorstehen, wenn sie mit cleveren Türken verhandeln müssen.

Schweiz, Schlachtfeld der Geheimdienste

Montag, den 17. März 2008 um 9:25

Schon vor dem Ersten Weltkrieg und während des Zweiten war die Schweiz ein Schlachtfeld der internationalen Geheimdienste. Derzeit sieht es so aus, als könne dies auch jetzt wieder der Fall sein. Der deutsche Bundesnachrichtendienst kümmert sich jedenfalls intensiv um liechtensteinisch-schweizerische Konten, die us-amerikanischen Geheimdienste nutzen die offiziellen und weniger offiziellen Möglichkeiten der Schweiz intensiv, die Russen sind an einer guten Plattform Schweiz interessiert, die Südafrikaner zur Zeit der Apartheid pflegten eine enge Zusammenarbeit mit der Schweiz. Und die Israeli? Es ist auffallend, dass Efraim Halévy, der langjährige Direktor des Mossad “qui s’est donné pour mission depuis 1948 de protéger Israel, quel qu’en soit le coût “soeben dem Walliser” Nouvelliste” ein Interview gegeben hat. Der “Nouvelliste” ist die gut gemachte Tageszeitung der französisch sprechenden Walliser, aber sicher kein Weltblatt. Halévy sagt darin: “Israel est indestructible” und leugnet die Vermutung, man selber habe die Hamas gegründet, um die Palästinenser zu teilen. Dem neuen US-Präsidenten empfiehlt er, einige Monate gar nichts zu tun in Sachen Israel, sondern sich intensiv einzulesen in die komplexe Lage. Insbesondere wünsche man keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes, wie man sich auch in den USA selber nicht einmische. Die Schweiz mit ihren Vermittlungsleistungen findet im Halèvy-Interview keine Erwähnung.

 
     
     
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